Stadt_Aschaffenburg
28.04.2009, 13:16
Hi,
heute möchte ich Euch von einem meiner schönsten Erlebnisse berichten - meinem ersten Zusammentreffen mit dem letzten Schiff, das mein Großvater Karl Mahl gefahren hat: Dem MS Stadt Aschaffenburg der Reederei Josef Jaegers in Aschaffenburg.
Die Geschichte begann vor einiger Zeit, als ich durch die bekannte Internetsuchmaschine mit den 2 "O" ;-) auf diverse Seiten und Foren aufmerksam wurde und dadurch unseren Freund Mc Ronalds kennenlernte. Wie wir alle wissen, kennt er sich in der Welt der Binnenschiffe aus und konnte mir auf meine Anfrage hin direkt mit Daten zum Schiff und Links zu Seiten, wo man Bilder findet, helfen.
Natürlich habe ich dann versucht, Kontakt zu Leuten, die das Schiff öfter sehen und mehr darüber wissen, zu bekommen und habe dafür unter anderem im Kustvaartforum unter "Fotos und gegevens van binnenvaartschepen gezocht..." einen dementsprechenden Beitrag eingestellt.
Ich bekam auch hie und da Antwort von Leuten, die das Schiff beim Kiesfahren gesehen haben, aber die Eigner... DOCH! Irgendwann Anfang März meldete ich mich wieder einmal im Kustvaartforum an und... hatte eine PN von Linda Abbing, der Tochter der Schiffleute Harm und Ruth Abbing im Postfach :Kap:
So kam ich zuerst mit Linda und später mit ihrer Mutter in Kontakt und bekam das Angebot, doch ruhig vorbeizukommen um das Schiff zu sehen, da man das Schiff ja zum Verkauf angeboten hätte und man ja nicht wisse, wann der richtige Käufer kommt....
Nun war es natürlich nicht möglich, sofort nach Giesbeek zu fahren, denn es mußte ja erste ein Termin gefunden werden, an dem sowohl Abbings, als auch wir Zeit haben... aber das steigerte nur meine Vorfreude ;-)
Am 26.04.09 war es dann soweit. Morgens um 7 Uhr wurden die Hühner gesattelt und mein Bruder, zwei meiner Kinder und ich machten uns auf nach Giesbeek bei Arnheim in Holland. Viele Baustellen auf der A45 machten meinen Zeitplan ein wenig kaputt, aber dennoch kamen wir gegen 11.20 Uhr am Haus der Familie an und wurden derart herzlich empfangen, wie ich es bei "Fremden" vorher nicht erlebt hatte.
Wir wurden ins Haus gebenten, unterhielten uns sehr angenehm bei Kaffee und Tee.... und dann gings los: Frau Abbing brachte uns zuerst eine Papprolle. Darin befand sich eine Kopie des originalen Bauplanes der Stadt Aschaffenburg. FREU!!!! Das hätte ich nie gedacht, daß dieser Plan noch erhalten ist. Aber damit nicht genug: Mal um Mal kam Frau Abbing ins Wohnzimmer und brachte zudem noch das Eichbuch, eine Bordliste, ein Decken-Nachweisbuch, Unfallverhütungsvorschriften....alles aus der Zeit meiner Großeltern an Bord... Und das Beste: Das war alles für uns bestimmt, wir haben die ganzen Unterlagen mitnehmen dürfen!
Während dann Frau Abbing einige Sachen zusammengepackt hat (unter anderem eine schöne Suppe), die wir mit an Bord nehmen wollten, bin ich dann mit Herrn Abing übers Grundstück gelaufen, bekam im Geräteschuppen noch die originalen Schränke gezeigt und am Gartenteich die alte Schraube, einfach liebevoll, wie Abbings sich da eingerichtet haben....
Dann gings auf zum Schiff. Nach wenigen Minuten Fahrzeit fuhren wir um eine Kurve und da lag sie! Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich das Schiff, das ich aus so vielen Erzählungen kannte. Ich brauche ja nicht zu erwähnen, wie ich mich da fühlte. Für diese Gänsehaut war fast mein Shirt zu eng ;-)
Und dann gingen wir an Bord und machten erstmal einen Rundgang durchs Hinterschiff. Ich war begeistert, wie viel an dem Schiff noch original erhalten ist. Abbings haben zwar im Lauf der Zeit einiges behutsam umgebaut und nach einer Havarie am heck die Roof ein Stück verlängert, aber im Maschinenraum, der Wohnung und dem Steuerhaus fanden sich noch so viele Sachen, die mein Opa schon in der Hand hatte, daß man sich wirklich vorstellen konnte, wie das Schiff einmal ursprünglich war. Nach dem Rundgang im Hinterschiff ging es nach vorne in die Matrosenwohnung. Diese wird von Abbings nicht als Wohnung benutzt, sondern als Lagerraum, weil sie ja das Schiff alleine fahren. Alles an dieser Wohnung ist noch so, wie es mal von der Teltowwerft gebaut wurde. Klar - die losen Schränke hat man teilweise entfernt, aber die Einbauschränke und die ganze Raumgestaltung ist noch wie eh und je. Und das Beste: Der Haspel war auch noch da!
"Oh" sagte ich, "das ist doch der originale Haspel! Wartet mal, ich will mal ein Bild davon machen..."
"Brauchen Sie nicht, Herr Jeske" sagt Frau Abbing, "den dürfen Sie mitnehmen, wenn Sie wollen"
WAAAAAAAAAAAAAAS?
"Jaaaaa, wir haben ja schon einen Haspel im Flur hängen und noch einen brauchen wir nicht. Linda hat gesagt, sie braucht ihn auch nicht - also wenn Sie wollen..."
Da standen wir nun, mein Bruder und ich - in der Matrosenwohnung und heulten! Wenn ich alles erwartet hätte, aber das nicht!
So.....muß nochmal unterbrechen, meine Frau will einkaufen ;-) Nachher gehts weiter!
heute möchte ich Euch von einem meiner schönsten Erlebnisse berichten - meinem ersten Zusammentreffen mit dem letzten Schiff, das mein Großvater Karl Mahl gefahren hat: Dem MS Stadt Aschaffenburg der Reederei Josef Jaegers in Aschaffenburg.
Die Geschichte begann vor einiger Zeit, als ich durch die bekannte Internetsuchmaschine mit den 2 "O" ;-) auf diverse Seiten und Foren aufmerksam wurde und dadurch unseren Freund Mc Ronalds kennenlernte. Wie wir alle wissen, kennt er sich in der Welt der Binnenschiffe aus und konnte mir auf meine Anfrage hin direkt mit Daten zum Schiff und Links zu Seiten, wo man Bilder findet, helfen.
Natürlich habe ich dann versucht, Kontakt zu Leuten, die das Schiff öfter sehen und mehr darüber wissen, zu bekommen und habe dafür unter anderem im Kustvaartforum unter "Fotos und gegevens van binnenvaartschepen gezocht..." einen dementsprechenden Beitrag eingestellt.
Ich bekam auch hie und da Antwort von Leuten, die das Schiff beim Kiesfahren gesehen haben, aber die Eigner... DOCH! Irgendwann Anfang März meldete ich mich wieder einmal im Kustvaartforum an und... hatte eine PN von Linda Abbing, der Tochter der Schiffleute Harm und Ruth Abbing im Postfach :Kap:
So kam ich zuerst mit Linda und später mit ihrer Mutter in Kontakt und bekam das Angebot, doch ruhig vorbeizukommen um das Schiff zu sehen, da man das Schiff ja zum Verkauf angeboten hätte und man ja nicht wisse, wann der richtige Käufer kommt....
Nun war es natürlich nicht möglich, sofort nach Giesbeek zu fahren, denn es mußte ja erste ein Termin gefunden werden, an dem sowohl Abbings, als auch wir Zeit haben... aber das steigerte nur meine Vorfreude ;-)
Am 26.04.09 war es dann soweit. Morgens um 7 Uhr wurden die Hühner gesattelt und mein Bruder, zwei meiner Kinder und ich machten uns auf nach Giesbeek bei Arnheim in Holland. Viele Baustellen auf der A45 machten meinen Zeitplan ein wenig kaputt, aber dennoch kamen wir gegen 11.20 Uhr am Haus der Familie an und wurden derart herzlich empfangen, wie ich es bei "Fremden" vorher nicht erlebt hatte.
Wir wurden ins Haus gebenten, unterhielten uns sehr angenehm bei Kaffee und Tee.... und dann gings los: Frau Abbing brachte uns zuerst eine Papprolle. Darin befand sich eine Kopie des originalen Bauplanes der Stadt Aschaffenburg. FREU!!!! Das hätte ich nie gedacht, daß dieser Plan noch erhalten ist. Aber damit nicht genug: Mal um Mal kam Frau Abbing ins Wohnzimmer und brachte zudem noch das Eichbuch, eine Bordliste, ein Decken-Nachweisbuch, Unfallverhütungsvorschriften....alles aus der Zeit meiner Großeltern an Bord... Und das Beste: Das war alles für uns bestimmt, wir haben die ganzen Unterlagen mitnehmen dürfen!
Während dann Frau Abbing einige Sachen zusammengepackt hat (unter anderem eine schöne Suppe), die wir mit an Bord nehmen wollten, bin ich dann mit Herrn Abing übers Grundstück gelaufen, bekam im Geräteschuppen noch die originalen Schränke gezeigt und am Gartenteich die alte Schraube, einfach liebevoll, wie Abbings sich da eingerichtet haben....
Dann gings auf zum Schiff. Nach wenigen Minuten Fahrzeit fuhren wir um eine Kurve und da lag sie! Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich das Schiff, das ich aus so vielen Erzählungen kannte. Ich brauche ja nicht zu erwähnen, wie ich mich da fühlte. Für diese Gänsehaut war fast mein Shirt zu eng ;-)
Und dann gingen wir an Bord und machten erstmal einen Rundgang durchs Hinterschiff. Ich war begeistert, wie viel an dem Schiff noch original erhalten ist. Abbings haben zwar im Lauf der Zeit einiges behutsam umgebaut und nach einer Havarie am heck die Roof ein Stück verlängert, aber im Maschinenraum, der Wohnung und dem Steuerhaus fanden sich noch so viele Sachen, die mein Opa schon in der Hand hatte, daß man sich wirklich vorstellen konnte, wie das Schiff einmal ursprünglich war. Nach dem Rundgang im Hinterschiff ging es nach vorne in die Matrosenwohnung. Diese wird von Abbings nicht als Wohnung benutzt, sondern als Lagerraum, weil sie ja das Schiff alleine fahren. Alles an dieser Wohnung ist noch so, wie es mal von der Teltowwerft gebaut wurde. Klar - die losen Schränke hat man teilweise entfernt, aber die Einbauschränke und die ganze Raumgestaltung ist noch wie eh und je. Und das Beste: Der Haspel war auch noch da!
"Oh" sagte ich, "das ist doch der originale Haspel! Wartet mal, ich will mal ein Bild davon machen..."
"Brauchen Sie nicht, Herr Jeske" sagt Frau Abbing, "den dürfen Sie mitnehmen, wenn Sie wollen"
WAAAAAAAAAAAAAAS?
"Jaaaaa, wir haben ja schon einen Haspel im Flur hängen und noch einen brauchen wir nicht. Linda hat gesagt, sie braucht ihn auch nicht - also wenn Sie wollen..."
Da standen wir nun, mein Bruder und ich - in der Matrosenwohnung und heulten! Wenn ich alles erwartet hätte, aber das nicht!
So.....muß nochmal unterbrechen, meine Frau will einkaufen ;-) Nachher gehts weiter!