Norbert
27.06.2009, 18:02
Schleusenfahrt in Gelsenkirchen
von Norbert Hüls
Michael war das erste Mal auf dem Schiff seines Onkels Max. Dieser fuhr seit vielen Jahren als Binnenschiffer über Flüsse und Kanäle kreuz und quer durch Europa.
An Michaels 9. Geburtstag hatte Onkel Max ihn in den Osterferien zu einer Fahrt auf seinem Motorschiff „Antares“ eingeladen.
Nun saß Michael mit seinem Onkel und dem Matrosen Jörg im Steuerhaus des Schiffes und sah, wie das Ruhrgebiet langsam vorbeizog. Ms „Antares“ war mit 1350 Tonnen Getreide unterwegs auf dem Rhein-Herne-Kanal von Duisburg nach Berlin.
In Höhe des Nordsternparks stellte Onkel Max das Funkgerät auf Kanal 79 und sagte zu Michael: „Ich werde uns jetzt über Funk bei der Schleuse Gelsenkirchen anmelden, vielleicht können wir sofort schleusen und brauchen nicht zu warten, wie es gelegentlich geschieht.“
Dann nahm er den Hörer des Funkgerätes in die Hand, und sagte: „Schleuse Gelsenkirchen, bitte kommen für das Motorschiff „Antares“!“ Etwas später kam die Antwort aus dem Funkgerät „Schleuse Gelsenkirchen hört die "Antares", guten Tag, wo sind Sie jetzt, wie lang ist Ihr Schiff und kommen Sie allein?“ Michael schaute erstaunt seinen Onkel an und sagte: „Warum muss der Mann auf der Schleuse das alles wissen?“
Sein Onkel erklärte ihm: „Die Schleusenkammern haben eine Länge von 190 m, die „Antares“ aber ist nur 85 m lang und würde also zweimal in die Schleuse passen. Wenn noch ein Schiff vor oder hinter uns wäre, könnten wir zusammen in die Schleuse.“
Nun beantwortete er die Frage der Schleuse: „Antares“ ist bergfahrend an der Kanalbühne, 85 Meter lang und ganz alleine!“ Wieder kam es aus dem Funkgerät: „Dann fahrt bitte in die Steuerbord-Schleuse, die steht klar zur Einfahrt.“ „Verstanden, Steuerbord Schleuse,“ antwortete Onkel Max und legte den Hörer beiseite.
Michael überlegte, wo war noch mal Steuerbord? Ach ja, rechts, dort wo am Schiff die grüne Seitenlaterne ist, hatte er in einem Lexikon gelesen.
Dann fragte er: „Wo ist hier eine Schleuse?“ Jörg erklärte: „Schau mal nach vorne, dort hinter den Brücken sind zwei kleinen Öffnungen in der Wand, die rechte davon das ist die Steuerbord-Schleusenkammer.“
Michael schaute über den Bug nach vorn und fragte: „Du meinst ganz dahinten die beiden Öffnungen, da soll unsere „Antares“ hinein?“ Michael war immer noch ungläubig und fügte hinzu: „Das sieht ja aus wie zwei Mauselöcher nebeneinander!“
Onkel Max beruhigte seinen Neffen: „Die Schleusen sind zwölf Meter breit und „Antares“ nur 9,50m, da ist noch Platz an der Seite, wirst du gleich sehen.“
Der Junge beobachtete, wie der Matrose Jörg zum Bug des Schiffes ging, um die Leinen zum Festmachen klar zu legen. In diesem Moment sprang an der rechten Schleuse das Einfahrtsignal von Rot auf Grün.
Die „Antares“ näherte sich langsam der zugewiesenen Schleusenkammer und Michael stellte erleichtert fest, dass Onkel Max Recht hatte.
Die Schleusenöffnung wurde jetzt immer größer. „Antares“ schob sich nun in die Schleuse und glitt an den seitlich geöffneten Schleusentoren vorbei. Als das Schiff ganz in die Kammer eingefahren war, machte Jörg das Schiff mit den Tauen in der Schleuse fest und Onkel Max stellte den Antriebsmotor ab.
Da sie alleine geschleust wurden, schloss sich bald hinter ihnen das untere Schleusentor.
Michael stand jetzt an Deck und hatte seinen Kopf ganz nach hinten gelegt, um das obere Ende der Schleusenmauer zu sehen.
„Onkel Max“, rief er. „Wie hoch ist das hier?“ Aus dem Ruderhaus kam die knappe Antwort: „Sechsmeterundzwanzig, wir werden um 6,20 Meter hochgeschleust.“ Er sah sich ganz genau um und bemerkte, dass der Wasserspiegel in der Schleuse anstieg. Wasser strömte sprudelnd aus dem oberen Kanal in die Schleuse und hob die „Antares“ langsam an.
Er ging zurück ins Steuerhaus, um einen besseren Überblick zu haben. Bald war es soweit, dass er die Bäume und Wege auf dem Gelände wieder sehen konnte und dass in der anderen Schleusekammer gerade zwei Schiffe abwärts geschleust wurden.
Kurz darauf öffnete sich das obere Schleusentor und das Ausfahrtsignal in der Schleuse wechselte auf Grün. Onkel Max ließ jetzt wieder den Schiffsmotor an und rief Jörg zu, dass er die Taue losmachen könne, was dieser auch tat.
Dann glitt „Antares“ aus der Schleuse, vorbei an einem zu Tal vor der Schleuse wartenden holländischen Tankmotorschiff und fuhr weiter Richtung Herne, nach Berlin. Berlin würden sie in 4 – 5 Tagen erreichen, aber das ist eine andere Geschichte.
von Norbert Hüls
Michael war das erste Mal auf dem Schiff seines Onkels Max. Dieser fuhr seit vielen Jahren als Binnenschiffer über Flüsse und Kanäle kreuz und quer durch Europa.
An Michaels 9. Geburtstag hatte Onkel Max ihn in den Osterferien zu einer Fahrt auf seinem Motorschiff „Antares“ eingeladen.
Nun saß Michael mit seinem Onkel und dem Matrosen Jörg im Steuerhaus des Schiffes und sah, wie das Ruhrgebiet langsam vorbeizog. Ms „Antares“ war mit 1350 Tonnen Getreide unterwegs auf dem Rhein-Herne-Kanal von Duisburg nach Berlin.
In Höhe des Nordsternparks stellte Onkel Max das Funkgerät auf Kanal 79 und sagte zu Michael: „Ich werde uns jetzt über Funk bei der Schleuse Gelsenkirchen anmelden, vielleicht können wir sofort schleusen und brauchen nicht zu warten, wie es gelegentlich geschieht.“
Dann nahm er den Hörer des Funkgerätes in die Hand, und sagte: „Schleuse Gelsenkirchen, bitte kommen für das Motorschiff „Antares“!“ Etwas später kam die Antwort aus dem Funkgerät „Schleuse Gelsenkirchen hört die "Antares", guten Tag, wo sind Sie jetzt, wie lang ist Ihr Schiff und kommen Sie allein?“ Michael schaute erstaunt seinen Onkel an und sagte: „Warum muss der Mann auf der Schleuse das alles wissen?“
Sein Onkel erklärte ihm: „Die Schleusenkammern haben eine Länge von 190 m, die „Antares“ aber ist nur 85 m lang und würde also zweimal in die Schleuse passen. Wenn noch ein Schiff vor oder hinter uns wäre, könnten wir zusammen in die Schleuse.“
Nun beantwortete er die Frage der Schleuse: „Antares“ ist bergfahrend an der Kanalbühne, 85 Meter lang und ganz alleine!“ Wieder kam es aus dem Funkgerät: „Dann fahrt bitte in die Steuerbord-Schleuse, die steht klar zur Einfahrt.“ „Verstanden, Steuerbord Schleuse,“ antwortete Onkel Max und legte den Hörer beiseite.
Michael überlegte, wo war noch mal Steuerbord? Ach ja, rechts, dort wo am Schiff die grüne Seitenlaterne ist, hatte er in einem Lexikon gelesen.
Dann fragte er: „Wo ist hier eine Schleuse?“ Jörg erklärte: „Schau mal nach vorne, dort hinter den Brücken sind zwei kleinen Öffnungen in der Wand, die rechte davon das ist die Steuerbord-Schleusenkammer.“
Michael schaute über den Bug nach vorn und fragte: „Du meinst ganz dahinten die beiden Öffnungen, da soll unsere „Antares“ hinein?“ Michael war immer noch ungläubig und fügte hinzu: „Das sieht ja aus wie zwei Mauselöcher nebeneinander!“
Onkel Max beruhigte seinen Neffen: „Die Schleusen sind zwölf Meter breit und „Antares“ nur 9,50m, da ist noch Platz an der Seite, wirst du gleich sehen.“
Der Junge beobachtete, wie der Matrose Jörg zum Bug des Schiffes ging, um die Leinen zum Festmachen klar zu legen. In diesem Moment sprang an der rechten Schleuse das Einfahrtsignal von Rot auf Grün.
Die „Antares“ näherte sich langsam der zugewiesenen Schleusenkammer und Michael stellte erleichtert fest, dass Onkel Max Recht hatte.
Die Schleusenöffnung wurde jetzt immer größer. „Antares“ schob sich nun in die Schleuse und glitt an den seitlich geöffneten Schleusentoren vorbei. Als das Schiff ganz in die Kammer eingefahren war, machte Jörg das Schiff mit den Tauen in der Schleuse fest und Onkel Max stellte den Antriebsmotor ab.
Da sie alleine geschleust wurden, schloss sich bald hinter ihnen das untere Schleusentor.
Michael stand jetzt an Deck und hatte seinen Kopf ganz nach hinten gelegt, um das obere Ende der Schleusenmauer zu sehen.
„Onkel Max“, rief er. „Wie hoch ist das hier?“ Aus dem Ruderhaus kam die knappe Antwort: „Sechsmeterundzwanzig, wir werden um 6,20 Meter hochgeschleust.“ Er sah sich ganz genau um und bemerkte, dass der Wasserspiegel in der Schleuse anstieg. Wasser strömte sprudelnd aus dem oberen Kanal in die Schleuse und hob die „Antares“ langsam an.
Er ging zurück ins Steuerhaus, um einen besseren Überblick zu haben. Bald war es soweit, dass er die Bäume und Wege auf dem Gelände wieder sehen konnte und dass in der anderen Schleusekammer gerade zwei Schiffe abwärts geschleust wurden.
Kurz darauf öffnete sich das obere Schleusentor und das Ausfahrtsignal in der Schleuse wechselte auf Grün. Onkel Max ließ jetzt wieder den Schiffsmotor an und rief Jörg zu, dass er die Taue losmachen könne, was dieser auch tat.
Dann glitt „Antares“ aus der Schleuse, vorbei an einem zu Tal vor der Schleuse wartenden holländischen Tankmotorschiff und fuhr weiter Richtung Herne, nach Berlin. Berlin würden sie in 4 – 5 Tagen erreichen, aber das ist eine andere Geschichte.