PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eisgang 1962 - 1963



Stadt_Aschaffenburg
20.12.2009, 12:16
Hallo Binnenschiffsfreunde :wink:

ich möchte die momentanen Temperaturen zum Anlaß nehmen, um Geschichten zum letzten großen Eisgang in 1963 zu sammeln. 1963 war ja unter anderem das Jahr des letzten Zufrierens des Rheins. Da gab es bestimmt viele Erlebnisse. Bitte erzählt uns davon! Jede Geschichte, die sich heute noch zusammentragen läßt, ist wertvoll und gehört hier rein :super:

Ich weiß aus Erzählungen z.B., daß meine Großeltern Weihnachten 1962 gerade noch an Heiligabend von Rotterdam mit der Bahn nach Hause gekommen sind, womit ob der schlechten Lage schon keiner mehr gerechnet hatte. Meine Oma sagt heute noch: "DAS war ein Hallo".

Viele Grüße
Micha

Navico 2
20.12.2009, 18:57
Hallo Micha,
den Gedanken hatte ich auch gehabt, als ich hier im Forum die Sache von ESSO Karlsruhe gelesen hatte. Wir lagen 1962-1963 im Schutzhafen Lobith NL. Ich meine , ich hätte aus dieser Zeit noch Fotos . Ich muß suchen, komme dann hier darauf wieder zurück.
Navico 2
Gruß Manfred

Ernst
20.12.2009, 19:29
Hallo Micha, ich hatte den Bericht schon mal an anderer Stelle eingestellt, aber "doppelt gemoppelt" kann ja nicht schaden.
Nach Einsicht in meim Schifferdienstbuch musste ich nur das Datum ändern.

Am 14. Januar 1963 kamen wir, mit dem STENDHAL, von Budenheim leer zu Tal. Unterwegs war schon ein ziemlich starker Eisgang. Damit wir uns nicht so stark aufs Eis schoben wurde der Ballasttank und die Vorpik vollgepumpt. Wir wollten noch bis Irlich und uns dann in die Wiedmündung legen. Von da aus waren es 5 Minuten Fußweg bis nach Hause. Aber der Ochsenturm in Oberwesel zeigte rot. Also aufdrehen. Das Bb Anker wollte nicht mehr fallen und ich musste es mit der Ankerwinde rausdrehen. Das ging dank unserem Elektromotor den man auch rückwärts laufen lassen konnte. Kurze Zeit später kam ein geladener Spitz zu Tal und ist hinter uns vor Anker gegangen. Der Oberweseler Hafen hatte schon wegen Überfüllung geschlossen. Vom Land aus wurde uns zugerufen das ein Motor in der Talfahrt fest hing und erst vom Eisbrecher "Theo Langen" frei bugsiert werden müsste. Außerdem sollten wir in St. Goar aufdrehen, dort läge der Beladene "Gerolstein" mit Motorschaden. Den sollten wir bis Koblenz mitnehmen. Nach ca. 1 Stunde wurde die Fahrt wieder frei gegeben. Der Spitz hat in Windeseile sein Anker gelichtet und hat Kopf vor genommen. Aber schon nach ca. 500 m steckte er im Eis fest. Wir hatten mittlerweile auch das Anker oben und aufgedreht, dann haben wir den Spitz auf den Haken genommen und sind voll an mit ca. 4-5 km zu Tal. Das Vorschiff vom Spitz war schon nach kurzer Zeit total vom Eis bedeckt. Den Rest der Fahrt bis St. Goar habe ich im Maschinenraum verbracht, dort habe ich Berge von Eis aus den Filtern geholt und konnte so mit Müh und Not den mit Vollast laufenden Motor im erlaubten Temperaturbereich halten. Zum Schluss habe ich die Filterdeckel nicht mehr zugeschraubt sonder mich nur noch drauf gestellt. Dadurch sind zwar 2-3 Tonnen Wasser in die Bilge gelaufen, das war aber das kleinere Übel. Hauptsache der Motor wurde nicht überhitzt. In Höhe der Loreley kam dann der Eisbrecher wieder zu Berg und ist das letzte Stück vor uns her gefahren. In St. Goar wurde ich wieder an Deck beordert um den Spitz los zu werfen. Leichter gesagt als getan, der auf dem Spitz konnte seine Poller vor lauter Eis nicht finden und ich den Draht vom hinteren Poller nicht los werfen weil er unter Zug stand. Also ab ins Magazin und die gute kanadische Holzfälleraxt geholt. Ein Schlag und dem Jan sein Draht war los aber auch kaputt. Ja und dann ging's wieder ans aufdrehen. Diesmal konnte ich keins der Anker mit der Winde rausdrehen. Alles fest gefroren. Na ja mit 20 mal umsteuern sind wir dann doch rum gekommen, haben den Gerolstein lang seit genommen und sind weiter zu Tal. Bis Koblenz ging's dann besser weil das Eis sich nicht so gestaut hat wie im Gebirge. Eigentlich wollten wir den Gerolstein in die Moselmündung bringen und dann weiter nach Irlich fahren. War nix man sagte uns wir wären die letzten Talfahrer durchs Gebirge gewesen und auch die Strecke bis Köln wäre schon längst gesperrt. Die Fahrt habe ich mit meinem Bruder als Ablöser gemacht. Einen zweiten Mann hatten wir sowie so nicht. Die CNFR hat noch für einen fehlenden Mann extra bezahlt.
Unterhalb der alte Moselbrücke (da waren damals noch die Flußpioniere beheimatet) haben wir fast einen ganzen Monat im Eis gelegen. Am 15. Februar wurde die Fahrt wieder frei gegeben und wir sind zu Tal "an die Ruhr".

Gruß Ernst

Gerhard
20.12.2009, 19:31
Hallo

zum "anwärmen" ein paar Blider siehe Hier (http://www.binnenschifferforum.de/forum/showthread.php?t=932)


Gruß Gerhard

Jürgen F.
20.12.2009, 23:31
Hey Ernst

Tolle Geschichte, toll erzählt.:super::super::super:
Zu der Zeit bin ich gerade in die Schule gekommen:dream:

Schöne Grüße
Jürgen

Stadt_Aschaffenburg
27.12.2009, 19:11
...mal eben das Thema wieder hochgeholt ;-)