Jürgen F.
22.01.2010, 15:50
Im Oktober 1972 lagen wir mit der Plochingen in Rotterdam am Rheinfahrtsteiger. Der Schiffsführer und der Matrose sind am Wochenende nach Hause gefahren und ich war alleine an Bord. Ob das so erlaubt war oder nicht ist ja völlig egal. Wir lagen bei einem riesigen Damco Schleppkahn auf Seit und deshalb brauchte man auch nicht wegen der Tide auf die Drähte aufpassen. Ich war immer ganz gerne allein an Bord, weil man da tun und lassen konnte was man wollte. Das ganze Schiff war meins. Freitags gegen Mittag musste ich runter in den grossen Stauraum unter der Wohnung um Kartoffeln oder so zu holen. Das wurde mir echt zum Verhängnis. Als ich gerade unten war hat es mal zeimlich gerappelt weil 2 Schleppkähne bei uns auf Seit kamen und plötzlich war es Dunkel. Dämlicherweise hatte ich beim öffnen der Luke vom Stauraum die Fallsicherung nicht eingehakt. Ich glaube, der Matrose Ewald hatte mir mindestens tausend mal gesagt: Moses sichere die Klappe bevor Du runtergehst. Als die Luke zufiel hakte sich natürlich prompt der Sicherungsbügel für das Schloss an Deck ein. So ein Mist! Ich hab geklopft, gerufen, geheult, nix war... Zu dem Dilemma kam ja auch noch das die Wohnungstür und der Maschinenraum nicht abgeschlossen waren. Die Zeit verging und kein Mensch weit und breit. Diese Nacht vergesse ich mein Leben lang nicht. Am Samstag rappelte es wieder mal kräftig im Schiff und ich stieg mal wieder die Treppe hoch zur Luke. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon völlig verzweifelt und hätte schwören können, daß ich schon 2 Tage festsaß. Diesmal hatte mein Klopfen Erfolg. Ein Schipper der bei uns übers Vordeck ging hörte mich und machte schließlich die Luke auf. Der war erst der Meinung ich wäre von meinen Leuten da reingesteckt worden weil ich was ausgefressen hätte. Auf jeden Fall hatte der dann einen Mordsspaß daran und hat mir kurz darauf sogar noch 2 schöne grosse Stücke Kuchen gebracht, damit ich wieder zu Kräften kam. Das blöde war natürlich, daß der gute Mann am Montag meinem Matrosen die Sache erzählte. Nun ja, ich war ja wirklich selber Schuld und von daher war ein wenig Schelte schon ganz OK. Interessant ist noch, daß ich etwa 12 Jahre danach mal wieder auf die Plochingen zur Vertretung kam und die Geschichte natürlich noch mal erzählt wurde. Dabei stellte sich dann heraus, daß dem Matrosen von damals dasselbe Schicksal während der Fahrt ereilt hatte und daraufhin wurde die Fallsicherung umgebaut sodas die Luke mit dem Aufstellen sofort gesichert war. Außerdem konnte sich die Luke nicht mehr selbstständig verriegeln wenn sie geschlossen war. Das Lehrgeld hat sich aber bezahlt gemacht: Seit dem Tag sichere ich alles was mir den Rückweg versperren könnte und wenn ich es mit nem Stück Flaggenleine anbinden muss.
Schöne Grüße
Jürgen F.
Schöne Grüße
Jürgen F.