reanna
02.02.2010, 22:52
FRITZLI
Diese Geschichte ist vor einigen Jahrzehnten tatsächlich passiert. Die Schweizerische Rheinschifffahrt existierte nicht nur dem Namen nach und die Schweizerische Reederei besass als grösste Basler Firma eine imposante Flotte. Die „Roten“ waren im Welthafen Rotterdam so zahlreich vertreten, dass die Reederei einen eigenen Liegeplatz mietete. Und hier an den Boompjes in zwei Längen und mehreren Breiten liegend warteten die SR-Schiffe auf ihren Einsatz. Dazu gehörten meistens auch die Nächte. Gerne benützten die Berufskollegen die Gelegenheit zu fachsimpeln und den Abend gemeinsam zu verbringen. Stundenlang vor dem Fernseher zu sitzen war noch nicht üblich. Die Schiffsführer zogen es vor, die überaus wichtigen Berufsgespräche bei einem Bier fortzusetzen. Und da die Diskussionen nie enden wollten und der Durst gewaltig war, war an ein Bord gehen vor Mitternacht nie zu denken.
Es war fast zum Ritual geworden: Nach dem Nachtessen traf man sich auf dem Quai, und schon bald war die Gruppe beisammen, bereit zum Abmarsch zur Bierbeiz. Keine Frage war, wohin es ging. Die Füsse führten automatisch über die Maasbrücken nach Fijenoord ins „Kleinswitzerland“. Eigentlich ein ganz normaler Spunten, doch von einem Schweizer Beizer geführt. Bemerkenswert für uns durstige Seelen war, dass er grössere, das heisst „normale“ Biergläser besass, nicht die komischen, holländischen Minigläser. So wurde denn freudig Glas um Glas geleert, bis man sich, schon im neuen Tag, zum Aufbruch machte. Da der Weg weit war, die Beine müde und der Kopf schwer, musste eine Pause eingelegt werden und zwar halbwegs im „Dag en Nacht“. Der Namen sagt es, diese Schnellimbissbeiz hatte 24 Stunden geöffnet, also gut geeignet für eine Stärkung und den letzten Schlummerbecher.
Im Restaurant war Selbstbedienung. Da trug einmal ein Schiffsführer seine Loempia an den Tisch, bediente sich dort ausgiebig mit dem nötigen Sambal. Sein Schifferkollege und Tischnachbar schaute ungläubig zu und meinte: Wenn Du das alles isst, so will ich ab sofort „Fritzli“ heissen. Sein Kollege liess sich nicht lumpen, vergrösserte noch die schon reichliche Menge von dem doch ziemlich scharfen Zeug. Zur Verfeinerung des Gerichts und der Steigerung des Essgenusses hat diese geballte Ladung Sambal kaum beigetragen. Aber er ass tapfer und fein säuberlich alles auf: Der Fritzli war geboren!
Heute gibt es keinen reedereieigenen Liegeplatz „Boompjes“ mehr, auch praktisch keine Schweizer Rheinflotte. Die einst stolze SR hat sich zu einem Schiffsbefrachtungskontor degradiert. Folglich fahren auf dem Rhein nur noch vereinzelt Schweizer. – Aber der Fritzli ist quicklebendig geblieben, er hat sich gar zu einer überragenden Persönlichkeit in unserem Schifferverein gemausert. Fritzli, wir grüssen Dich
Göpf
Diesen Artikel hat mir Göpf per eMail zugesandt, damit ich ihn für ihn poste.
Gruß reanna
Diese Geschichte ist vor einigen Jahrzehnten tatsächlich passiert. Die Schweizerische Rheinschifffahrt existierte nicht nur dem Namen nach und die Schweizerische Reederei besass als grösste Basler Firma eine imposante Flotte. Die „Roten“ waren im Welthafen Rotterdam so zahlreich vertreten, dass die Reederei einen eigenen Liegeplatz mietete. Und hier an den Boompjes in zwei Längen und mehreren Breiten liegend warteten die SR-Schiffe auf ihren Einsatz. Dazu gehörten meistens auch die Nächte. Gerne benützten die Berufskollegen die Gelegenheit zu fachsimpeln und den Abend gemeinsam zu verbringen. Stundenlang vor dem Fernseher zu sitzen war noch nicht üblich. Die Schiffsführer zogen es vor, die überaus wichtigen Berufsgespräche bei einem Bier fortzusetzen. Und da die Diskussionen nie enden wollten und der Durst gewaltig war, war an ein Bord gehen vor Mitternacht nie zu denken.
Es war fast zum Ritual geworden: Nach dem Nachtessen traf man sich auf dem Quai, und schon bald war die Gruppe beisammen, bereit zum Abmarsch zur Bierbeiz. Keine Frage war, wohin es ging. Die Füsse führten automatisch über die Maasbrücken nach Fijenoord ins „Kleinswitzerland“. Eigentlich ein ganz normaler Spunten, doch von einem Schweizer Beizer geführt. Bemerkenswert für uns durstige Seelen war, dass er grössere, das heisst „normale“ Biergläser besass, nicht die komischen, holländischen Minigläser. So wurde denn freudig Glas um Glas geleert, bis man sich, schon im neuen Tag, zum Aufbruch machte. Da der Weg weit war, die Beine müde und der Kopf schwer, musste eine Pause eingelegt werden und zwar halbwegs im „Dag en Nacht“. Der Namen sagt es, diese Schnellimbissbeiz hatte 24 Stunden geöffnet, also gut geeignet für eine Stärkung und den letzten Schlummerbecher.
Im Restaurant war Selbstbedienung. Da trug einmal ein Schiffsführer seine Loempia an den Tisch, bediente sich dort ausgiebig mit dem nötigen Sambal. Sein Schifferkollege und Tischnachbar schaute ungläubig zu und meinte: Wenn Du das alles isst, so will ich ab sofort „Fritzli“ heissen. Sein Kollege liess sich nicht lumpen, vergrösserte noch die schon reichliche Menge von dem doch ziemlich scharfen Zeug. Zur Verfeinerung des Gerichts und der Steigerung des Essgenusses hat diese geballte Ladung Sambal kaum beigetragen. Aber er ass tapfer und fein säuberlich alles auf: Der Fritzli war geboren!
Heute gibt es keinen reedereieigenen Liegeplatz „Boompjes“ mehr, auch praktisch keine Schweizer Rheinflotte. Die einst stolze SR hat sich zu einem Schiffsbefrachtungskontor degradiert. Folglich fahren auf dem Rhein nur noch vereinzelt Schweizer. – Aber der Fritzli ist quicklebendig geblieben, er hat sich gar zu einer überragenden Persönlichkeit in unserem Schifferverein gemausert. Fritzli, wir grüssen Dich
Göpf
Diesen Artikel hat mir Göpf per eMail zugesandt, damit ich ihn für ihn poste.
Gruß reanna