LEUNAM
15.02.2010, 22:53
Hallo Miteinander
Heute habe ich wieder mal in einem Beitrag kurz über den „Joystik“ geschrieben, da kam mir meine erste Fahrt als Schiffsführer in den Sinn.
Wie Jeder weiss, ist es ein (grosser) Unterschied, ob man „am Fahren ist“ und der verantwortliche Käpi ist Unten in der Wohnung – den man bei Bedarf rufen kann…..
Es war im Jahre 1981.
Ich habe mich gerade selbständig gemacht - musste (durfte) ich in Kehl an Bord des (leeren) „TMS Alcyon“ – ein Schiff von 1400 GT mit einem max. Tiefgang von 300 cm (oder 310?).
Das Schiff lag bei der Werft „Karcher“, ganz Hinten im Hafen Kehl – ein starker Westwind wehte.
Maschine starten – ein umsteurbarer Deutzmotor mit 4 Hebel zum Bedienen 1. Starthebel, 2. Umsteuerung, 3. Gasrad, 4. Bremse – und los ging’s. „Quer“ aus dem Hafen wegen dem starken „Westwind“ und dem (relativ“ hohen Schiff.
Der Vorhafen von Gambsheim lag voll mit Schiffe – irgendwo auf Seit – Anker fallen lassen – vierkant - "bei" – alles klar…..!
In Iffezheim – der Wind wurde „extrem stark“ – zum Glück durfte ich an der „Lee-Seite“ anlegen…. (Bugstrahler hatte ich ja nicht) – mit „halber Kraft“ den Kopf soweit wie möglich gegen den Wind in die Schleusenkammer – im richtigen Moment Maschine Stop – umsteuern – neu Starten; zurück bis das Schiff steht – „bei“ – Draht fest - „alles klar…..
Die Talfahrt von Iffezheim zum Oelhhafen von Karlsruhe war für mich als regelmässiger Oberrheinfahrer kein Problem – auch das Wendemanöver direkt unterhalb der Einfahrt hinter dem Grund sowie die Hafeneinfahrt war kein Thema – obwohl ich das erste Mal überhaupt in diesem Hafen war…. .
Irgendwann waren wir mit „volle Brand“ (Vollast – volle Ladung – bis an die Eiche geladen) Gasöl beladen.
Nun ging es wieder zurück Richtung Birsfelden.
Das Schiff hatte ja „nur“ ein Handruder – man dreht sich also fast duselig…. . Ich meine es waren rund 50 Umdrehungen….. – was beim Manövrieren eine besondere Herausforderung war! Da ich ja noch nie in dem Hafen war resp. auch noch nie aus dem Hafen rausfuhr – und das erst noch „zu Berg“, war das schon etwas besonderes für mich!
Dass man „über’s Steuer“ aus dem Hafen musste und dass es unterhalb der Hafeneinfahrt „Kribben“ hat, wusste ich. Ich wusste auch, dass diese Ausfahrt auch für „Altbewährte“ „nicht ohne“ war…! So kam ich in "gewissem Tempo“ also "über's Steuer" (Rückwärts) aus dem kurzen „Hafenkanal“.
Der Laie muss sich das so vorstellen, dass auf dem Moment, wo das (Stb.)-Hinterschiff die Rheinströmung erfasst, das Schiff hinten nach BB gedrückt wird und das Vorschiff nach Steuerbord "gedreht" wird - das geht "sehr schnell". Wenn man nun aber „zu wenig oder zu wenig schnell aus dem Hafen kommt, kann es sein, dass einem „der Kopf“ auf resp. Richtung des oberen „Molenkopf“ fliegt – und vor allem, wenn man „zu schnell ist“, dass man - beschleunigt durch die Strömung – das Schiff „in einem „Riesentempo“ mit dem Achterschiff Richtung den erwähnten „Kribben“ saust. Was da passieren kann, kann sich jeder vorstellen! (da hat schon mancher die Schraube und Ruder liegen lassen.....)
Ein wichtiger Punkt ist - wann steuere ich die Maschine von „zurück“ auf „Voraus „ - das braucht einen Moment? DAS alles habe ich „richtig“ gemacht – auch um den richtigen Zeitpunkt zur Ausfahrt abzuwarten, bis die Tal-/Bergfahrt „ausser Gefahr“ war. ABER:
An was ich nicht gedacht habe – ich habe das „Ruder“ viel zu „spät“ bereits nach Steuerbord gedreht! Für den Laien: Beim Rückwärts fahren kommt es auch darauf an, „WIE“ das Ruder steht. „Meines“ stand aber noch etwas nach Backbord….. . Das bewirkte, dass ich, sobald ich in der Strömung war, das Ruder fast nicht nach Steuerbord brachte, weil auch durch die Rückwärtsfahrt ein enormer Wasserdruck drauf war. Ich hatte die grösste Kraftanstrengung nötig, um das Ruder nach Steuerbord zu kriegen - aber es hat geklappt; nur war ich dadurch ein paar Meter tiefer als ich eigentlich wollte – zum Glück waren die Kribben“ aber noch weit genug weg!
Dieser „Fehler“ passierte mir niemals mehr - seither dachte ich immer auf die Ruderstellung - auch beim „Joystik“…….
(Beim "Joystik" bemerkt man solche "Kleinigkeiten" nicht mehr - man kann bei "Vollan" das Ruder (hydraulisch) von der einen Seite zur andern bewegen. Die Reise verlief übrigens ansonsten ohne Probleme! Beim zweiten Mal hatte ich DEN Kniff bereits beherrscht......)
Mit schiffischem Gruss aus der Schweiz von Leunam
Heute habe ich wieder mal in einem Beitrag kurz über den „Joystik“ geschrieben, da kam mir meine erste Fahrt als Schiffsführer in den Sinn.
Wie Jeder weiss, ist es ein (grosser) Unterschied, ob man „am Fahren ist“ und der verantwortliche Käpi ist Unten in der Wohnung – den man bei Bedarf rufen kann…..
Es war im Jahre 1981.
Ich habe mich gerade selbständig gemacht - musste (durfte) ich in Kehl an Bord des (leeren) „TMS Alcyon“ – ein Schiff von 1400 GT mit einem max. Tiefgang von 300 cm (oder 310?).
Das Schiff lag bei der Werft „Karcher“, ganz Hinten im Hafen Kehl – ein starker Westwind wehte.
Maschine starten – ein umsteurbarer Deutzmotor mit 4 Hebel zum Bedienen 1. Starthebel, 2. Umsteuerung, 3. Gasrad, 4. Bremse – und los ging’s. „Quer“ aus dem Hafen wegen dem starken „Westwind“ und dem (relativ“ hohen Schiff.
Der Vorhafen von Gambsheim lag voll mit Schiffe – irgendwo auf Seit – Anker fallen lassen – vierkant - "bei" – alles klar…..!
In Iffezheim – der Wind wurde „extrem stark“ – zum Glück durfte ich an der „Lee-Seite“ anlegen…. (Bugstrahler hatte ich ja nicht) – mit „halber Kraft“ den Kopf soweit wie möglich gegen den Wind in die Schleusenkammer – im richtigen Moment Maschine Stop – umsteuern – neu Starten; zurück bis das Schiff steht – „bei“ – Draht fest - „alles klar…..
Die Talfahrt von Iffezheim zum Oelhhafen von Karlsruhe war für mich als regelmässiger Oberrheinfahrer kein Problem – auch das Wendemanöver direkt unterhalb der Einfahrt hinter dem Grund sowie die Hafeneinfahrt war kein Thema – obwohl ich das erste Mal überhaupt in diesem Hafen war…. .
Irgendwann waren wir mit „volle Brand“ (Vollast – volle Ladung – bis an die Eiche geladen) Gasöl beladen.
Nun ging es wieder zurück Richtung Birsfelden.
Das Schiff hatte ja „nur“ ein Handruder – man dreht sich also fast duselig…. . Ich meine es waren rund 50 Umdrehungen….. – was beim Manövrieren eine besondere Herausforderung war! Da ich ja noch nie in dem Hafen war resp. auch noch nie aus dem Hafen rausfuhr – und das erst noch „zu Berg“, war das schon etwas besonderes für mich!
Dass man „über’s Steuer“ aus dem Hafen musste und dass es unterhalb der Hafeneinfahrt „Kribben“ hat, wusste ich. Ich wusste auch, dass diese Ausfahrt auch für „Altbewährte“ „nicht ohne“ war…! So kam ich in "gewissem Tempo“ also "über's Steuer" (Rückwärts) aus dem kurzen „Hafenkanal“.
Der Laie muss sich das so vorstellen, dass auf dem Moment, wo das (Stb.)-Hinterschiff die Rheinströmung erfasst, das Schiff hinten nach BB gedrückt wird und das Vorschiff nach Steuerbord "gedreht" wird - das geht "sehr schnell". Wenn man nun aber „zu wenig oder zu wenig schnell aus dem Hafen kommt, kann es sein, dass einem „der Kopf“ auf resp. Richtung des oberen „Molenkopf“ fliegt – und vor allem, wenn man „zu schnell ist“, dass man - beschleunigt durch die Strömung – das Schiff „in einem „Riesentempo“ mit dem Achterschiff Richtung den erwähnten „Kribben“ saust. Was da passieren kann, kann sich jeder vorstellen! (da hat schon mancher die Schraube und Ruder liegen lassen.....)
Ein wichtiger Punkt ist - wann steuere ich die Maschine von „zurück“ auf „Voraus „ - das braucht einen Moment? DAS alles habe ich „richtig“ gemacht – auch um den richtigen Zeitpunkt zur Ausfahrt abzuwarten, bis die Tal-/Bergfahrt „ausser Gefahr“ war. ABER:
An was ich nicht gedacht habe – ich habe das „Ruder“ viel zu „spät“ bereits nach Steuerbord gedreht! Für den Laien: Beim Rückwärts fahren kommt es auch darauf an, „WIE“ das Ruder steht. „Meines“ stand aber noch etwas nach Backbord….. . Das bewirkte, dass ich, sobald ich in der Strömung war, das Ruder fast nicht nach Steuerbord brachte, weil auch durch die Rückwärtsfahrt ein enormer Wasserdruck drauf war. Ich hatte die grösste Kraftanstrengung nötig, um das Ruder nach Steuerbord zu kriegen - aber es hat geklappt; nur war ich dadurch ein paar Meter tiefer als ich eigentlich wollte – zum Glück waren die Kribben“ aber noch weit genug weg!
Dieser „Fehler“ passierte mir niemals mehr - seither dachte ich immer auf die Ruderstellung - auch beim „Joystik“…….
(Beim "Joystik" bemerkt man solche "Kleinigkeiten" nicht mehr - man kann bei "Vollan" das Ruder (hydraulisch) von der einen Seite zur andern bewegen. Die Reise verlief übrigens ansonsten ohne Probleme! Beim zweiten Mal hatte ich DEN Kniff bereits beherrscht......)
Mit schiffischem Gruss aus der Schweiz von Leunam