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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ermittlung von Leergewicht und Eichtabelle



Gernot Menke
13.04.2009, 13:05
Ich beziehe mich hier auf den sehr informativen Beitrag über die Ermittlung des Ladegewichts von Elbianer(unter: Bilder, Daten, Fakten > Schubschiffe > Buchstabe T > TR 20 – SB – 200406, dort Beitrag Nr. 13) und habe dazu die Anschlußfrage, wie der Leertiefgang und die Eichtabelle ermittelt werden.

Klar kann man das rechnerisch machen. Aber erstens sind Theorie und Praxis nicht immer unbedingt dasselbe und zweitens ist eine Berechnung vielleicht auch viel zu kompliziert (man denke nur an die Unregelmäßigkeiten der Schiffsform im Antriebsbereich).

Ich könnte mir vorstellen, daß man den Leertiefgang und die Eichtabelle dadurch ermittelt, daß man die Schiffe fix und fertig in ein Becken legt, dessen Volumen genau bekannt ist und dann die Wassermenge mißt, die benötigt wird, um das Schiff zum Aufschwimmen zu bringen. Die Wasserlinie zu diesem Zeitpunkt wäre dann die Markierung des Leertiefgangs. Wenn das Schiff beispielsweise bei 1,10 aufschwimmt, wäre die Differenz aus dem Beckeninhalt ohne Schiff bei 1,10 m Wassertiefe und der Wassermenge beim Becken mit Schiff (und Wasserstand von 1,10 m) die Leertonnage.

Danach könnte man das Becken richtig vollmachen, so daß genügend Tiefe vorhanden ist, und dann Zentimeter für Zentimeter abladen und jeweils messen, wieviel Liter Wasser (1000 l = bekanntlich 1 Tonne) an einem Abfluß überlaufen.

Anders kann es eigentlich nicht sein, doch habe ich ehrlich gesagt noch nie etwas von einem „Schiffsvermessungsbecken“ gehört.
:wink: Gernot

Gernot Menke
13.04.2009, 19:00
Ich ahne .... ich ahne - ich bin wohl schon wieder zu steinzeitlich. Es gluckst heutzutage kein Wasser mehr, der Eichmensch dreht an keinem Handrad, nein: er sitzt mal wieder ganz einfach - na wo schon: vorm Bildschirm und wertet bloß noch aus, was die wie ein Karpfen ums Schiff fahrende Kamera ihm liefert. Wie langweilig :cry:. Jedenfalls habe ich auf der Homepage einer österreichischen Vermessungsfirma Folgendes gefunden:

Das Fahrzeug muss für den Eichvorgang in ruhigem und strömungsfreiem Wasser liegen und mit einem geeigneten Fahrzeug oder Schwimmkörper umfahren werden können.

Aha. Wie könnte das gehen ... die Kamera mißt den Abstand zum Schiff und errechnet daraus alle Maße und Winkel und der Computer das Volumen des Unterwasserteils. - Trotzdem will mir nicht ganz in den Kopf, wie die Kamera mit Unregelmäßigkeiten wie Öffnungen oder Schraubenwellen fertig werden soll. Vielleicht sind die dadurch entstehenden Ungenauigkeiten so gering, daß man sie einfach außer acht läßt nach dem Motto: was beim Bugstrahlruder an Auftrieb fehlt, kommt beim Ruder und Propeller wieder dazu. (Wenns so einfach ist, lasse ich mich mal im Faltboot vermessen - es sei denn, die haben einen Laserstrahl, der könnte mir die Hülle wegschmoren :shock:)

Auch wenn es offenbar längst Vergangenheit ist, wäre es interessant, mal zu erfahren, wie die Vermessung früher vonstatten ging und seit wann sich das geändert hat.

:wink: Gernot

helmut1972
13.04.2009, 20:01
Hallo!

Hier habe ich folgenden Link:
http://www.wsd-suedwest.wsv.de/wir_ueber_uns/veroeffentlichungen/oeffentlichkeitsarbeit/informationsschrift_2005/pdf/Seite-17-21-ZSUK.pdf
Da sind auch Fotos dabei, wo eine geeichte Messlatte zum Einsatz kommt, auch sieht man wie ein Schlagstempel in die Bordwand geschlagen wird, für die späteren Einsenkungsmarken. Hier noch von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Schiffsma%C3%9Fe.

mfG helmut1972

Gernot Menke
13.04.2009, 22:27
Es freut mich, daß ich Uli Totski, so wie schon damals mit dem Begriff "Rettungsboot" statt Nachen, mit meinem Vermessungsbeitrag erneut erheitern konnte. Da habe ich ja gründlich daneben gelegen und mich als Landratte geoutet :geil:.

Ich hatte gedacht, Uli würde vielleicht sagen: "na klar mußt du ein Schiff vor dem Bau berechnen, aber so genau geht das nie, das kannst du nicht alles ausrechnen! Wie groß ein Schiff am Ende wirklich ist, siehst du erst, wenn es durch das Schiffsvermessungsbecken bei der SUK durch ist!"

Aber weit gefehlt :cry::cry:. Das wichtigste Gegenargument, das mein Schiffsvermessungsbecken, das es wirklich nicht gibt, mit einem Schlag austrocknete, war: "Wie willst du denn dann ein Schiff überhaupt bestellen!?" Alles wird vorausberechnet und wenn hinterher die vorausberechnete Tiefe nicht stimmt, muß die Werft Abschläge hinnehmen. Die Eiche ist dann im Grunde nur noch die Übertragung des genau Vorausberechneten auf den Schiffsrumpf.

Im computerlosen Zeitalter haben diese Berechnungen natürlich viel Zeit und damit Geld gekostet (andererseits soll man die Leute früher nicht für blöd halten: wer mit der Schublehre umzugehen wußte - und das konnten die Ingenieure - war auch früher schon ein flotter Rechner) - auch ein Grund, warum es Bauserien gab. Die Pläne sind auch gegen gutes Geld weiterverkauft worden.

Was ich nicht wußte, ist, daß jeder Schiffer Baupläne seines Schiffes an Bord hat, aus denen die Tiefenlinien genau hervorgehen. Der Leertiefgang bezieht sich dabei auf die hinterste Eichmarke (bei einem leer wegen der Maschine hinten tieferliegenden Motorschiff) - das Ruder geht beim nicht getrimmten Schiff hinten also noch ein Stück tiefer - um wieviel, kann man aus den Werftplänen entnehmen. Auch die "Zentimeterlinien" sind eingezeichnet und es ist angegeben, wieviel Tonnen Zuladung jedem Zentimeter Einsenkung mehr entsprechen. Anders ausgedrückt: der Eichschein wird aus dem Bauplan entnommen!

Wieder was gelernt.

:wink: Gernot

Ach ja: das österreichische Zitat bezieht sich, wie ich inzwischen weiß, bloß auf die Sportschiffahrt und hat mit der Berufsschiffahrt nichts zu tun.

Friedhelm L.
13.04.2009, 23:58
Hallo Gernot,

wenn ein Schiff geeicht wird, dann wird es auch von außen vermessen. Dabei werden mit Meßlatten, die mit einem rechten Winkel auch unter das Schiff gehen, die Lage der Einsenkungsmarken festgelegt. Auf einem Tanker gibt es Tabellen für jeden Ladetank, auf denen man die Füllmenge entsprechend der jeweiligen Zentimeter ablesen kann, heute geschieht das mit Computern und eingebauten Messeinrichtungen.

Zur Berechnung der Wasserverdrängung benötigt man neben der Länge, Breite und Tiefgang noch den Völligkeitsgrad des Rumpfes, der wird aber schon von den Planungsingenieuren festgelegt. Bei einer Schubback liegt der ungefähr bei 0,85.

Gruß
Friedhelm

Gernot Menke
14.04.2009, 00:21
mit Meßlatten, die mit einem rechten Winkel auch unter das Schiff gehen, die Lage der Einsenkungsmarken festgelegt.


@Danke für die Reaktion, Friedhelm! Das ist sehr interessant!

Heißt das, daß die Lage der Einsenkungsmarken nicht laut Bauplan feststeht, sondern erst nach dem Bau genau festgelegt wird? Wenn der Leertiefgang laut Bauplan z.B. 112 cm beträgt, verschiebt man dann die von Dir genannten Meßlatten ein paar cm nach vorne oder hinten, so daß man die Einsenkungsmarke genau an der Stelle anbringen kann, wo der Abstand von der Kimm zur Wasserlinie 112 cm beträgt?

:wink: Gernot

Friedhelm L.
14.04.2009, 01:10
Wenn ein Schiff gebaut wird, steht ja schon fest wie tief das Schiff abladen darf, auch die Lage der Ahmings/Tiefgangsmarkierungen steht fest. Bei großen Schiffen je eine im vorderen und hinteren Drittel und eine in der Mitte, bei kleineren Schiffen nur zwei. Wenn jetzt der berechnete Tiefgang mit einer Einsenkungsmarke festgelegt werden soll, so geschieht das durch das Eichamt. Die vermessen mit den o.g.Messlatten die genaue Höhe vom Schiffsboden aus und schlagen dann die Markierung ein.

Gruß
Friedhelm

Gernot Menke
14.04.2009, 08:56
Danke Friedhelm - das Wort Ahming kannte ich auch noch nicht. -

Eine kleine Korrektur muß ich hier noch anbringen. In den Bauplänen sind offenbar nur der Leer- und der Maximaltiefgang eingezeichnet. Die zusätzlichen Tonnen pro Zentimeter Abladung ergeben sich allein aus der Eichtabelle, die wiederum rein rechnerisch ermittelt wird.

:wink: Gernot

grotefendt
17.04.2009, 04:21
Hallo Gernot

Auf der Schifferschule habe ich gelernt,daß es dafür ein Formel zur Berechnung gibt.Wie die heißt weis ich aber nicht mehr.
Du glaubst doch nicht ,das man die Titanic, die Bremen, oder die Europa. Jemals in ein Becken gefahren hat um zu schauen wie viel Wasser dann verdrängt wird.
Die Formel berechnet auf Grund des Bauplans,die Konturen sind ja vorgegeben sind auf den Liter genau die Wasserverdrängung.
grüße grotefendt

Gernot Menke
17.04.2009, 09:09
@Moin Grotefendt,

die Queen Mary 2 fahren sie alle paar Jahre in ein Becken - aber um zu pinseln und zu machen und nicht, um zu vermessen, wie ich inzwischen vernommen habe.

Ob zur Vermessung eine Formel reicht ... Ich finde es schon erstaunlich, daß man das alles so genau berechnen kann. Das sind ja zum Teil sehr unregelmäßige Formen (Schraubenwellen, Wulstbug usw.) im Unterwasserbereich. Natürlich: rechnen muß man ja eh, schon damit man schon vor :lool: dem Stapellauf sicher sein kann, daß der Eimer am Ende der Helling nicht einfach wegplumpst oder kentert (alles schon dagewesen). Aber daß das so genau geht, daß man sogar den Eichschein exakt ausrechnet, wußte ich nicht - ich dachte wirklich, die Feinmessung passiert dann im Becken.

:wink: Gernot

Friedhelm L.
19.04.2009, 22:29
Hallo Gernot,
siehe mal hier:http://de.wikipedia.org/wiki/Schiffsvermessung, Da steht so ziemlich alles über Schiffsvermessung.
Gruß
Friedhelm