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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Diskussion über Schleusenzeiten (aus Dr. Geier)



Jürgen F.
17.06.2009, 01:00
Abgetrennt aus dem Thema Dr. Geier.
18.6. Stadt Aschaffenburg


Leider sitzt nicht auf jeder Schleuse jemand der aus der Schifffahrt kommt.
Eine der löbliche Ausnahmen: Schleuse Gelsenkirchen, die haben Norbert.:super::super::super:
Und Schleuse Kostheim hat den Bernd.

Schöne Grüße Jürgen

Gernot Menke
17.06.2009, 01:32
@Hallo Thomas,

bei 86 m kommt es auch bei der Länge auf jeden Zentimeter an - drüber wird`s bekanntlich teurer (ein Mann Besatzung mehr vorgeschrieben). Im Kustvaartforum war jüngst davon die Rede, daß ein Schiff ganz knapp über 86 m vermessen wurde, worauf der Schiffer protestierte, daß sein Schiff kürzer sei.

Und bei der Breite: wenn das Schiff voll ist, aber oben "schmal", weil unten was Schweres auf der Strau liegt, und dann vermessen wird, dann ist die Penische vielleicht nur noch 4,95 m breit!? Andererseits müßte man dann doch merken, daß die Bordwand in der Längsrichtung leicht eingebuchtet ist. Es gibt ja auch Schiffe, die nach Havarien einen leichten Knick haben - das bemerken die Vermesser ja auch.

Mich würde auch mal brennend interessieren, wie so eine Schiffsvermessung in der Praxis (früher und heute) funktioniert. Man sollte meinen, im Zeitalter des Laserstrahls und der Elektronik kommen da in Sekundenschnelle ganz exakte Werte raus, aber wenn mal im Winter und mal im Sommer, mal leer und mal voll gemessen wird, vielleicht sogar mal im Wasser und dann wieder auf Helling, ist es kein Wunder, wenn die Maße differieren.

Ich bin aber erst mal auch auf Norberts Erfahrungen zum Thema Verformen je nach Ladung gespannt! Jürgen hat ja schon Interessantes berichtet!

:wink: Gernot

Elbianer
17.06.2009, 02:33
bei 86 m kommt es auch bei der Länge auf jeden Zentimeter an - drüber wird`s bekanntlich teurer



Hallo Gernot, da magst du recht haben. Aber was du meinst bezieht sich eben nur auf den theoretischen Wert aus dem Schiffsattest und nicht auf die tatsächliche Länge.
Über früh oder kurz hat jedes Schiff Beulen (Wo gehobelt wird fallen Späne und wo Schiffe fahren gibt es Beulen.) und dann sind es auch schon wieder ein paar Zentimeter mehr oder weniger. Schubschiffe haben oft Gummis an der Schubschulter, die werden öfters mal ausgetauscht und sind auch nicht immer gleich dick. Bei FGS gibt es auch oft fest angebaute Fender, die wurden oftmals nachträglich installiert und sind sicher nur selten mit vermessen.

Übrigens gehe ich sicher davon aus, dass Schiffe nur ohne Ladung vermessen werden, genau weis ich es aber nicht.

Verbindlich ist das Maß aus dem Schiffsattest. Für das fahren in der Praxis bleibe ich aber dabei, eine Angabe auf den Dezimeter genau ist völlig ausreichend. Natürlich muss es für alle Abmessungs-Grenzen genaue Festlegungen geben. Wenn ich mir aber schon mal allein die Schweißnähte anschaue, habe ich Zweifel an der Genauigkeit auf den Zentimeter. Und Moderne Lasertechnik zum vermessen mag es ja geben aber wie soll die angewandt werden? Die Technik an sich macht schon genaue Messungen, aber wie soll der Laser auf einer Helling genau ausgerichtet werden? Wie soll man Bug und Heck gleichzeitig genau anvisieren um zu messen? So was ist alles nur graue Theorie. In einen Raum kann man sicher genau von Mauer zu Mauer messen aber was nützt es schon wenn es nirgends exakt gerade Wände gibt.

@ Jürgen

Besonders schlimm ist es an den Schleusen vom kanalisierten Rhein. Die werden ja von der französischen Strom-Firma EDF betrieben. Diese hat zahlreiche Bergbau-Leute zu Schleusenmeistern umgeschult, nach Schließung ihrer Kohlebergwerke. Da hat kaum einer Ahnung von Schifffahrt und außerdem werden die von der EDF genötigt bei niedriger Durchflussmenge möglichst wenig zu schleusen, da ja das Wasser aus der Schleusenkammer einen Bögen ums Wasserkraftwerk macht.

Gruß Thomas

Norbert
17.06.2009, 06:28
@ Elbianer,


Manchmal gibt es ja auch so schlaue Schleusenmeister, die auf den Meter genau die Schiffe in die Schleuse stapeln wollen.

Das mit der Längenabfrage hat schon seine bewandnis. Bei uns werden in den 190 Meter Kammer Fahrzeuge und Verbände bis 186 Meter geschleust.
Ich kenne das auch noch vom WDK das die große Kammer (222) mit 222 Meter belegt wird, dass Funktioniert nur wenn die Kundschaft mitspielt und wenn die Schiffe dementsprechend gebaut sind. Längen von 85 + 80 + 57 ist kein Problem. Wenn der Erste bis zur vorderen Markierung fährt, Bug nach Steuerbord Heck nach Backbord, dann laufen die Fahrzeuge ineinander ein.
Das tun wir nicht um die Schiffer zu ärgern, sondern um die Kammern optimal auszulasten. Denn die Umlaufzeit einer solchen Schleuse beträgt rund 70 Minuten, die der warten muss der nicht reinpasst.
Bei Schiffsbeiten von 10,50 bis 11,45 kannst du das vergessen. Es werden dort auch keine zwei Schiffe a 110 x 11,45 m in solch eine Kammer geschleust, was rechnerrisch möglich ist, ist in der Praxis ein Horror.

Am RHK liegen die Kollegen schön gestreckt in der Schleuse auf den Schwimmpollern den diese besitzen die Schleusen am WDK Bauartbedingt noch nicht.

Ich kann mich übrigens an eine Reise nach Antwerpen auf der Katharina (67 x 8,20m)erinnern, als wir als letztes Fahrzeug in Willemstad in der Schleuse gelegen haben und der Schleusenmeister die Anweisung gab, die Reibhölzer herauszunehmen es käme noch ein Schiff. Noch Fragen?

Gruß Norbert

binnenvaart
17.06.2009, 08:50
Hallo Norbert,


wir als letztes Fahrzeug in Willemstad in der Schleuse gelegen haben und der Schleusenmeister die Anweisung gab, die Reibhölzer herauszunehmen es käme noch ein Schiff. Noch Fragen?

das passiert bei uns auf der schleuse regelmasig :cool1:

grusse Rene

Norbert
17.06.2009, 14:21
@ Rene,

ich gehe mal davon aus das Eure Schleusen z.B. Willemstad / Tiel 24 Meter Breit sind. Bei unseren Schleuse (12 Meter Breit) bekommst du einen Kepenaar + eine Peniche, oder zwei Penichen nebeneinander. Das habe ich in diesem Jahr schon einmal gehabt ist aber selten.
Bei 6,20 und mehr Meter Hub, kannst dich auf nichts einlassen, wenn du Pech hast und nicht aufpasst laufen die Schiffe während der Talschleusung klemm. :fragkratz:

Gruß Norbert

Dominic
17.06.2009, 17:39
Hallo,
am Wochenende werden die großen Schleusen am WDK immer noch voll gemacht, wenn Rang anliegt. Die Schifffahrt würde uns was husten, wenn wir bei vier Schleusen und mehr je Richtung im Rang und Ein-Kammer-Betrieb die große Schleuse nicht nach Möglichkeiten voll belegen würden.

In die große Kammer in Hünxe passt Schiffslänge zusammengerechnet auf 220m (Kammer: 223,10m) bei Breite bis 11,50m (Kammer: ca.11,90) es sei denn, wie Norbert schon geschrieben hat, es kommen zwei Schiffe je 110m oder ein Schiff mit 135m und ein weiteres mit 85m bei mehr als 8,20m Breite. Das würde zwar rechnerisch passen, macht aber erfahrungsgemäß zeitlich einfach keinen Sinn und gibt auch schnell Bruch.
Ich hab wohl mal zwei 110m Schiffe zusammen zu Tal gehabt, das aber nur, weil die beiden (LRG-Gas 8X und Blandina) so schon in Dorsten geschleust wurden und beide Schiffsführer das auch auf Anfrage befürwortet haben. Das klappte erstaunlich gut und schnell. Da war die Kammer auch noch ca. 1m länger wg. altem Stoßschutz und die Besatzungen beider Schiffe hatten ihren Job auch top im Griff.

Früher gingen auch zwei BM´s in die kleinen Schleusen am WDK, Bug auf Heck mit Reibholz dazwischen bei 112m Nutzlänge. Die erste Zeit war das gar nicht so einfach den Schiffsführern abzugewöhnen.
Ich hab heute noch eine Diskussion aus Datteln mitbekommen, wo zwei BM´s, die zusammen unterwegs waren, auch gemeinsam in die kleine Schleuse wollten.

Bis dann

Dominic

Power-Ship
17.06.2009, 21:29
Manchmal habe ich den Eindruck, die Bezeichnung Schleusenmeister müßte eigentlich STAPELMEISTER heißen, wenn man sieht, was an Sportbooten hinter die Berufsschiffahrt gesteckt wird, um ja so viel wie möglich durchzuschleusen.:shy:

Norbert
17.06.2009, 22:56
@ Powership


die Bezeichnung Schleusenmeister müßte eigentlich STAPELMEISTER heißen

diese Kategorie hatte ich vergessen. Es ist manchmal schwer den Jachtskippern zu Erklären, dass sie aus Sicherheitgründen nicht mitgeschleust werden und nicht weil der Typ da oben auf der Schleuse was gegen sie hat. Wenn wie bei Dominic beschrieben Rang vorliegt und die Kammern Voll sind, passt halt kein Sportboot rein. Normalerweise versuchen wir die Jachten wenn es irgendwie möglich ist mitzuschleusen. Klappt leider nicht immer.

Gruß Norbert

Elbianer
17.06.2009, 23:14
Das mit der Längenabfrage hat schon seine bewandnis.



Hallo Norbert,

natürlich hat kein Schiffer etwas dagegen wenn die Schleusen optimal ausgelastet werden. Das schräg liegen und gegenseitige Überlappen von Bug und Heck habe ich natürlich auch oft mitgemacht.
Am kanalisierten Rhein benötigt die kleine Kammer aber nur etwa 10 Minuten für eine Richtung, da dauert es viel länger wenn zwei 11,40 breite Schiffe in der großen 23 breiten Kammer nebeneinander fahren. Und es ist auch ein Unterschied ob man Schiffe in die Kammer stapelt die bereits im Rang liegen oder ob man 10 bis 15 min in der Kammer liegt bis der nächste ran ist, obwohl die daneben liegende Kammer ebenfalls bereit steht.
Ich nenne jetzt nicht den Namen der Schleuse am Rhein aber ich habe da schon folgendes erlebt. Schleusenmeister antwortet nicht auf Funkruf, wir kommen zur Schleuse, Tor auf aber Rot. Etwa 15 min vor der Einfahrt gewartet und dabei Schleusenmeister mehrmals über Funk gerufen. Dann bin ich einfach bei Rot eingefahren, in Erwartung eines Anschisses des Schleusenmeisters. Es tat sich aber weitere 10 min nichts, da habe ich die Telefonnummer der Schleuse rausgesucht und angerufen. Da ging er ans Telefon und war ganz erschrocken wo ein Schiff herkommt. Er hatte sicher von seinen Kollegen ober- und unterhalb keine Anmeldung erhalten und nicht damit gerechnet, dass ein FGS von einen Zwischenstopp in der Stauhaltung losfährt und ein Schläfchen gemacht.

Gruß Thomas

Jürgen F.
18.06.2009, 00:08
Meiner war hackedicht, ist vom Schützenfest direkt morgens zur Schicht und um 7oo Uhr war der weg vom Fenster. Der musste anschließend einen Entzug machen, sonst wäre er den Job losgeworden.

Gruß Jürgen

Norbert
18.06.2009, 01:07
@ Elbianer,

zu #10, das muss Natürlich nicht sein, in der Verwaltung gibt es einen Begriff Sicherheit und Leichtigkeit. Es ist immer Ermessensache warte ich oder nicht, wenn ja wie Lange. Hat die Nachbarschleuse nur eine Kammer und er muss eh dort warten usw. Mit den Jahren bekommt man ein Gefühl dafür, ganz recht machen kann man es keinem. Im Zweifel ist man der Ar... der die Schleusung für den Einen zu Früh und den Anderen zu spät einleitet. :roooll: Das ist Schicksal:captain:

Gruß Norbert

Dominic
18.06.2009, 06:00
Hallo,
ist auch wirklich nicht so einfach aus der Ferne zu beurteilen. Jede Schleuse ist irgendwie anders (Verkehrsaufkommen, Umlaufzeiten, Wasserführung).

In Hünxe kann ich mir, wenn der Unterlieger in Friedrichsfeld vom Rhein hin einen größeren Hub hat und wie ich beide Kammern in Betrieb hat, auch mal eine Schleusung mehr leisten. Hat Friedrichsfeld aber Hochwasser, oder nur die kleine Schleuse in Betrieb, fahre ich ihm mit diesem Vorgehen aber evtl. die Haltung zu weit in Überstau.
Hat Friedrichsfeld aber Niedrigwasser und ich schicke denen fleissig die Schiffe zu Tal, bin ich zwar schnell mit meiner Arbeit fertig, bringe aber den Schiffen evtl. selbst keinen Vorteil, weil sie die Zeit die sie bei mir wg. der schnelleren Umlaufzeiten gespart haben, im Oberwasser Friedrichsfeld wieder Abwarten müssen.

Es gibt noch so viele Beispiele, was alles Einfluß auf meine Entscheidungen haben kann, was aus Sicht der Schifffahrt nicht immer sofort nachvollziehbar ist.
Der einzelne Schiffer kann sich eine einseitige Sichtweise erlauben, was verständlich ist. Für ihn ist nur die Zeit, die er persönlich warten muss wichtig.
Der Schleusenmeister muss die Gesamtheit des "Pakets" im Auge behalten und ist am Ende sowieso der Schuldige. ;-)
Ich versuche das immer so auszudrücken, "Es kann nicht nur Gewinner beim Schleusen geben, aber die Anzahl der Gewinner muss am Ende der Schicht, die Anzahl der Verlierer übwiegen."

Bis dann

Dominic

Gernot Menke
18.06.2009, 19:35
Wirklich total interessant, diese Schleusengeschichten - man glaubt nicht, was da alles dran hängt. Da ist sehr viel bei rübergekommen - vielen Dank an alle!

Ich wollte bei dieser interessanten Diskussion nicht stören, aber jetzt, nachdem offenbar das Wichtigste dazu gesagt ist, doch noch einmal an das ursprüngliche - und nicht minder interessante - Thema erinnern: die Verformungen des Schiffs bei unterschiedlichen Ladezuständen.

Daß Schiffe unter Belastung arbeiten, ist klar - daß aber die Verformungen - jedenfalls ohne eine doppelte Wand - so stark sind, hätte ich nicht gedacht - siehe die Geschichte von Jürgen F. (Beitrag Nr. 28 unter Dr. Geier - in der Rubrik Gesuche über Verbleibe von Schiffen)! Oder war das ein ganz alter Schlappen :puke., der kurz vor dem Auseinanderfallen war??
Vielleicht sollte man Postings dazu unter dem Dr. Geier-Beitrag einstellen, damit erstmal alles beisammen ist - wenn es dann zu lang wird, kann der Moderator ja immer noch die Schere schwingen ...

:wink: Gernot

Norbert
19.06.2009, 01:40
@ Gernot,

ich habe noch gelernt das Schiffe eine über den anderen Raum beladen werden.
Bei den Schubleichter sah das so aus die haben 7 Raumsektionen. Für gewöhnlich beginnt man mit der Beladung in Raum 1 (Schräges Ende) geht dann in die Räume 3 / 4 / 5 dann die 7. Erst danach kommen die Räume 6 und 2 dran.
Wir haben es in der Maasvlaakte mit der Bandverladung auch mal anders versucht. Bei einem neuen MANNTRANS Leichter, im Raum 7 angefangen und dann nach vorne durch. Das Ergebnis war ein Europa IIa Leichter der einen riesigen Katzenbuckel gemacht hat. Wenn du das bei einem älteren Leichter machst hast du zwei Teile.

Gruß Norbert