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Gernot Menke
18.08.2009, 21:12
Die Drehstangen sind eines von mehreren Systemen, mit denen die automatisierten Schleusen in Frankreich bedient werden. Daneben gibt es auch Radarauslösung, Fernbedienungen und Zugseile.

Das durchgestrichene Ruderboot wird ergänzt durch das Zusatzschild "Sauf autorisation spéciale", sprich: man braucht eine Sondergenehmigung, wenn man ohne Motor auf dem französischen Kanalnetz fahren will. Ich habe zwar einen Motor, aber wegen meines kleinen Bootes hatte ich hin und wieder Schwierigkeiten, daß der zur Kenntnis genommen wurde.

In Straßburg bei VNF hieß es: ich sei unter 5 m lang und mein Motor habe weniger als 9,9 PS (oder 7,29 kW) und ich bräuchte daher keine Vignette und könne so fahren. Als ich mich in Corre an der Schleuse noch einmal wegen möglicher Fernbedienungen für die Schleusen (gibt es im Kanal nach Norden, aber nicht auf der Saone nach Süden) informierte, hieß es: ich bräuchte WEGEN des Umstands, daß ich keine Vignette hätte, die "Autorisation spéciale" für Ruder- oder Paddelboote, die ich mir in Port-sur-Saône holen müßte. Man sei in dieser Hinsicht sehr streng.

Beim Service de Navigation in Port-sur-Saône schüttelte man diesbezüglich nur den Kopf: wer denn so einen Mist erzählen würde und in Straßburg hätten sie Recht gehabt. Sie wünschten gute Reise, ich bräuchte keine Vignette, keine Autorisation, da ich ja mit Motor fahre und auch keine Fernbedienung, denn in dieser Gegend gebe es Drehstangen und ich könne überall problemlos loslegen.

Ein Problem hatte ich dann auch nur an zwei Schleusen. Ein Schleuser fragte nach meiner Autorisation und ich mußte mein vorstehendes Geschichtlein erzählen. An einer zweiten ging an einer Schleuse wie gewünscht das Blinklicht an, das anzeigt, daß die Drehstange "gezündet" hat, aber etwas später wieder aus! Die Schleuserin putzte am Schleusenstand die Fenster und als ich winkte, winkte sie freundlich zurück. Nach einigen Minuten, als sich außer Fensterputzen nichts tat, fragte ich nach, ob Gegenverkehr käme - "ach, Sie wollen durch die Schleuse?!" Das sind die kleinen Nachteile, wenn man aus dem gewohnten Raster fällt.

Technisch sieht das Verfahren so aus: Drehstange vor der Schleuse kurz drehen - dann blinkt es an der Schleuse zur Bestätigung. Je nach dem Stand der Schleuse findet man neben dem Blinklicht rot (Schleuse noch gesperrt), rot-grün (Schleuse öffnet gleich) oder grün (Tor ist offen) vor. Wichtig mit einem kleinen Boot ist, daß man die Detektoren an den Toren auslöst und dort langsam genug durch die Lichtschranke fährt - sonst "denkt" die nämlich, es sei nur ein Vogel gewesen und die Schleuse reagiert nicht. Wenn der Detektor ausgelöst hat und die Tore schließen, funktioniert auch die blaue Stange an der Kammerwand, die man kurz hochdrückt und damit die Schleusung auslöst. Bei der Ausfahrt ist es wichtig, wieder an die Detektoren an den Toren zu denken, damit der Gegenverkehr eine klare Schleuse vorfindet. Sonst "meint" die Schleuse, man läge noch in der Kammer und der Gegenverkehr sieht in doppelter Hinsicht "Rot".

:wink: Gernot

Jürgen
19.08.2009, 09:57
Ich habe immer gedacht, das "Wasserwandern" sei ruhig, gemächlich und erholsam im weitesten Sinne.

Aber diese Geschichte ist ja anstrengend und die Info´s der verschiedenen Stellen rufen ja fast schon nach dem "Königl.Bayr.Amtsgericht":roooll:

Jürgen