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Adrian
14.01.2010, 20:12
Hallo liebe Schiffer-Freunde und Kollegen,
ich bin zwar erst ein paar Wochen in diesem Forum, bin aber sehr begeistert, weil ich mein Wissen über meine ach so geliebte Berufung enorm steigern konnte.
Ich bin fast täglich 1-2 Stunden im Forum und habe schon so manche Beiträge gelesen. Und ich muss sagen, diejenigen, die schreiben, tun es mit Freude. Die Beiträge sind gut abgefasst und meistens finde ich etwas zum schmunzeln, weil oft irgend eine kleine Lebensweisheit zum Vorschein kommt.
Ich selber schreibe auch gerne, und nicht nur über Schiffahrt. Es gibt auch andere Dinge, die uns Schiffer bewegen.
Ich nenne das „Kolumne“, so wie es fast jede Zeitung hat.
Ich habe also in neues Thema unter dem Namen „Kolumne“ eröffnet, in welchem ihr auch mal anderes lustiges oder wissenswerten reinschreiben könnt. Ich mache mal den Anfang mit 2 Kolumnen, welche ich vor längerer Zeit mal geschrieben habe.
Ich bin gespannt, was da unter dieser Rubrik so alles zusammen kommt und wünsche euch viel Spass beim lesen.

Gruss

Adrian

Adrian
14.01.2010, 20:53
Hier muss ich zu eurer Verständigung noch beifügen, das habe ich vor ein paar Jahren eine Woche nach den leichten Erdbeben in Basel geschrieben. Das Erdbeben wurde durch eine Geothermie-Bohrung beim Hafenbecken 2 ausgelöst. Die Jungs hatten damals sehr viel Rheinwasser mit einem Druck von 200 bar 5'000 Meter tief in die Erde gepumpt. Das Wasser verdampfte sofort und hat durch den enormen Dampfdruck dort unten mehrere kleine Erdbeben in Basel ausgelöst.


Das Wetterphänomen

Neulich fuhr ich nachts mit meinem Wagen (dienstlich) durch die Bäumlihofstrasse von Riehen Richtung Basel. Ich war in meinen Gedanken bei dieser prächtigen Hochdrucklage, welche zu dieser Jahreszeit eher selten ist. Den ganzen Nachmittag stahlblauer Himmel, kein Wölcklein weit und breit. Und ich musste an all die Unwetter, Hurrikans, Sturmfluten und Überschwemmungen denken, die so in der Umgebung von Basel wie New Orleans, Honduras, China und Tokio in der letzten Zeit stattgefunden haben. Ich denke mir so, dass wir Basler wettermässig es einfach schön haben , ausser ab und zu ein bisschen Erdbeben, aber na ja, eigentlich nicht viel passiert, weil wir Schweizer unsere Häuser mit sehr viel Enthusiasmus auf solidem Vorschriften- und Bewilligungsfelsen bauen, nicht so wie in Afghanistan, wo sie mit ihrem Beton-Armierungs-Stahl lieber Kanonen und Panzer bauen, statt erdbebensichere Fundamente. Aber lassen wir das, ich will ja nicht politisieren, schliesslich bin ich Wetterkundler. Obwohl Politik und Wetter viele Gemeinsamkeiten haben. Aber darüber kann ich ja mal in einer nächsten Kolumne schreiben.
Also, wo bin ich stecken geblieben? Ach ja, am Himmel keine Wolken, trockene, kalte Luft, keine elektrische Aufladungen und so weiter. Plötzlich aus heiter hellem Himmel vor mir rechts oben ein greller Blitz. Und was für einer? Ganz rot. Habe ich noch nie gesehen. In Gedanken gehe ich meine Schulbücher durch. Also Kugelblitz war es nicht, der ist rund und gelb und brennt aus. Und meiner war rechteckig und kurz. Elmfeuer ist blau und ist was für Seeleute. Instinktiv fange ich an, die Zeit zu zählen: 21, 22, 23 ….. bei 30 immer noch kein Donner. Was war das? Ein Wetterphänomen? Aber so langsam dämmert es mir. Das war ja nur eine Radarfalle des Verkehrsdepartementes. Jetzt färbt sich mein Kopf so rot wie der Blitz eben. Ob aus Scham oder Wut, ich weiss es nicht mehr. Jedenfalls über die Radarfalle kann ich nicht böse sein, die tut schliesslich nur ihre Pflicht. Obwohl, da ja bei mir zu Hause meine Mausefalle ab und zu mal eine Maus fängt, ich habe noch nie gehört, dass eine Radarfalle schon mal ein Radar gefangen hat, ich eigentlich der Meinung bin, man müsste mal den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Radarfallen genauer unter die Lupe nehmen und ihn eventuell anpassen.
Nun jedenfalls, ich schliesse kurz meine Augen, denn der starke Blitz schmerzte meine Lux-empfindlichen Augen ziemlich, und schon das nächste Phänomen. Bei geschlossenen Augen sehe ich auf meiner Netzhaut oben rechts zwei rote Rechtecke. Augen auf. Augen zu. Sie sind immer noch da. Warum könnte der Bill Gates von Microsoft nicht auch einen Bildschirmschoner für die Augäpfel erfinden. Damit hätte er sicher jeden Autofahrer der Welt als Kunde, würde noch reicher und könnte einen Augapfel als Firmenlogo verwenden und nicht einen angefressenen Apfel wie seine Konkurrenz.
Meine Augen fliegen schnell runter auf den Tacho. 61 km/h. 11 zu schnell. Dann lese ich auf meinem I-Pod GPS auf dem Armaturenbrett die exakte Geschwindigkeit von 58 km/h ab. Und mein GPS lügt mich nie an. Hat ja schliesslich auch viel gekostet.
Und jetzt rechne ich gerade aus, wie viele Überstunden ich machen muss, um diese Busse zu bezahlen. Und nun schon wieder das nächste Problem. War ich jetzt 11 km/h oder nun 9 km/h zu schnell. Während ich am rechnen bin, weckt eine schwarze, rechteckige Tafel mein Interesse. Sie ist vorne rechts oben an einen Laternenmast angebunden, wie früher die Galgenvögel. Auf dieser Tafel blinken zwei ganz grosse Leuchtzahlen mit der Überschrift „Sie fahren momentan“ 44 km/h. Und mein Tacho steht momentan ganz exakt auf 50 währenddessen mein I-Pod GPS 46kmh anzeigt. Wem soll ich jetzt noch glauben. Eins ist jedenfalls sicher. In jedem dieser Geräte arbeitet ein Computer. Und Computer sind auch nur Menschen.


Euer Wetterfrosch

Adrian

Adrian
14.01.2010, 20:57
Diese Kolumne habe ich vor einem Jahr geschrieben. Zum Verständnis: Im Laufen-Tal (bei Basel Richtung Jura) gibt es laut einem Zeitungsbericht angeblich zu viele Wildkatzen. Mit fotoüberwachten Futterfallen hat man einige erfasst, und man ist zum Schluss gekommen, man könnte die männlichen Wildkatzen einfach einfangen, kastrieren und wieder laufen lassen. Das würde die Vermehrung stoppen.
Gleichzeitig stand in jeder Tageszeitung ein Foto von Prof.Dr. Hagen mit seinen Körperwelten, weches ein kopulierendes Paar darstellt. Nun habe ich da so meine Verknüpfungen gemacht:


Wildkatzen
Im Laufental ist es zum davonlaufen. Die Wildkatzen laufen uns davon. An und für sich nichts besonderes. Aber diesmal handelt es sich um Vierbeinige. So jedenfalls schreiben es die Medien.

Was genau ist eigentlich eine Wildkatze? Oder worin unterscheidet sich die Wildkatze von unserer Hauskatze?
Erstens:
Sie tragen kein Halsbändli und sind weder gechipt noch gepierct.
Und zweitens haben sie ein ungepflegtes und struppiges Fell.

Demnach sind ich wie auch meine 8jährige grau-3-färbige, faule Hauskatzendame Namens „Safira“ auch Wildkatzen.

Dass es südländische Zeitgenossen (Homo Sapien) gibt, die behaupten, dass die Wildkatze an einer Chianti-Sauce besser schmeckt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Apropos „Safira“ Meine Katze hat noch einen altmodischen Name wie aus einem „Sissi-Film“. Die Jugend von heute taufen ihre Katzen auf moderne Namen wie „dotcom“, „ät“, „bäcksläsch“ usw.


Ich stelle mir vor, dass irgend welche Klingonen, welche über uns stehen, das gleiche mit uns machen würden. Die Lockpfosten müssten sie nicht mehr bauen. Davon gibt es bei uns genug. Nur nennen wir sie Zapfsäulen und der Baldrian heisst bei uns Benzin. Und Videoüberwacht sind sie auch schon. Wenn nun diese Klingonen meine DNA-Spuren untersuchen würden, und sie dann zum Schluss kommen, dass ich zu wenig wild bin, obwohl ich wie alle meine Artgenossen auch permanent allen Wildkatzen nachstelle, sie mich vor die Wahl stellen, kastrieren oder abschießen, dann würde ich Variante 1 nehmen. Zwar würde ich mir nachher in so einer Situation (entmannt) sowieso die Kugel geben. Weil ich Charakter habe.

Nun hat es sich der Mensch zur Pflicht gemacht, Arterhaltung zu betreiben. Denn so einen Flopp wie mit den Dinosauriern können wir uns nicht noch mal erlauben. Unsere armen Kinder kennen die Dinos ja nur aus irgendwelchen Trickfilmen, und auf die Frage unseres Sohnes, wer Schuld ist, dass es keine Dinos mehr gibt, so können wir diese Schuld nicht mal der kommunistischen Planwirtschaft in die Schuhe schieben.

Also Wildkatzen schützen um jeden Preis. Aber wie?
Die Zoologen sind der Meinung, dass man sie einfangen müsste und sie in den Zoologischen Garten einsperren sollte.
Dort können sie zwischen dem eingesperrten Luchs und einem von Afrika nach Europa verirrten Gepard unter Aufsicht von Wissenschaftlern, Omas mit quengelnden Enkel-Kindern und nervösen Schulklassen eine rein arische Arterhaltung pflegen.
Natürlich müssen sie vorher einen Katzen-Aids- und einen Schweinegrippen-Test machen. Wenn dieser negativ wäre, dürfen die Glücklichen ohne Mundschutz und Gummi nach Herzenslust kopulieren.
Nun frage ich mich, wie wild ist eine eingesperrte Wildkatze? Schließlich bekommt sie im Zoo jeden Tag um die gleiche Zeit ihren Futternapf gefüllt. Und am Sonntag gibt es als Dessert eine durch den Wärter per Genickbruch getötete Maus. Zum Zeitvertreib der bislang wilden Katze wird dieser Mäusehappen jedes Mal unter den gleichen Baumstamm versteckt, damit wir Menschen denken, wir würden den Jagd- und Geruchsinn dieser seltenen Kreaturen fördern. Dabei ist es nur Gewohnheitsrecht.

Fazit:
Eine eingesperrte Wildkatze ist eigentlich nur noch eine Katze, vielleicht eine „Zoo-katze“, mit dem Unterschied zu meiner „Safira“, dass spätestens die 2. Generation Zoo-Wildkatzen noch nie eine lebendige Maus gesehen haben, ausser wenn sich mal ein armes, kleines Mäuschen vom Affenhaus her in den Wildkatzenkäfig verirrt. Wobei ich für diese Maus keine Gefahr sehe, weil die Katze lieber bis zum Sonntag wartet. Und das Fleisch unter der Woche ist ohnehin viel besser, weil es keine Knochen drin hat, und das Büchsenfutter sowieso eine ausgewogene Ernährung darstellt.
Zudem bleibt der Wildkatze ein Kampf (mit der Maus) erspart. Durch dieses Einsparen von Energie wird die Wildkatze schön träge und fett wie Garfield. Und so muss sie nur noch gegen ihr Über- Gewicht ankämpfen. Theoretisch. Im praktischen Leben hat es die eingesperrte Wildkatze noch viel schöner. Ihnen wird von der Zooleitung der Lebenspartner zugeteilt und zugesperrt. Folge dessen müssen sie nicht mehr auf die Linie achten und ihr Fell darf ungepflegt und struppig sein. Denn schliesslich haben sie ja Eine(n)

Wenn sich nun aber unser gemeinen Hauskatzen weiterhin wahllos mit irgend welchen Wildkatzen paaren, so gibt es auch in unserer heimischen Katzenwelt nur noch Ausländer und Mulatten. Und dieses Problem bekommen wir auch mit einem verschärften Asylgesetz für Katzen nicht in den Griff. Also das heißt, in ein paar Jahren gibt es keine reinen Wildkatzen mehr.
Um Diese vom Aussterben bedrohte Gattung unsere Nachwelt zu erhalten, wäre zum Beispiel den Professor Dr. Gunter Hagen (der mit dem Schlapphut vom Udo Lindenberg (vielleicht hat er ihn (den Lindenberg) (oder Teile davon) schon längst bearbeitet)) zu beauftragen, ein paar schöne Exemplare zu konservieren. Da hätte er es einfacher, weil er von den Wildkatzen keine schriftliche Erklärung braucht. Und um den Nachschub braucht er sich auch nicht zu sorgen. Denn diese Wildkatzen liegen massenweise tot an den Straßenrändern rum. Wenn er diesen überfahrenen Kreaturen das Fell über die Ohren zieht, und somit den Chip entfernt, ist es sicher schwer, nach zu weisen, dass es keine Wildkatze war.
Und Dr. Hagen hätte jetzt freie Hand. Er könnte diese Wildkatzen in den wildesten Situationen darstellen. Vielleicht nicht unbedingt in dieser zweideutigen Stellung wie diese 2 Ex-Raucher. Das wäre für die Oma doch ein bisschen zu viel. Denn sie kämen beim Anblick dieses Kunstwerkes auf die total eindeutigen Fragen der Enkel in Erklärungsnot.

Wenn ich also im Zoo so eine eingesperrte Wildkatze sehe, kommt mir etwas ähnliches in den Sinn: Nämlich die

Freiheit
Freiheit ist unser höchstes Gut, das sagt unser Grundgesetz und fast alle Knastis. Aber eben, dieses Gesetz gilt halt nur für uns Menschen und nicht für Wildkatzen.
Aber bleiben wir bei der Freiheit.
Wenn die Freiheit langsam ausstirbt, wie es in gewissen Teilen der Erde schon der Fall ist (z.B. Rauchverbot im Kanton Solothurn), müssten unsere Zoologen in den arabischen oder asiatischen Raum gehen und dort ein paar Freiheiten einfangen und im Zoo in einen Käfig einsperren, damit unsere Omas und Schulklassen anschauen können, wie so eine eingesperrte Freiheit hinter Gitter aussieht.
Ein Vorteil hätte die eingesperrte Freiheit. Sie benötigt kein Futter und entsprechen müsste man ihren Käfig niemals säubern. Das wiederum würde gewaltig Kosten einsparen und würde dem Zoo zu noch mehr Gewinn verhelfen. Und wenn man dieser eingesperrten Freiheit irgend einen banalen, zu dieser eingesperrten Freiheit passenden Name (wie zum Beispiel Knut oder Flocke) geben würde, so kommt gleich der Fernsehsender RTL und würde sofort ein paar Verträge abschließen: einer mit dem Zoo, einer mit Dieter Bohlen und am Schluss halt noch einen mit der Freiheit.
Damit würde die Freiheit über alle Grenzen hinaus bekannt, die Omas und Schulklassen, welche in Regionen wohnen, wo sie sich keinen Zoo leisten können (oder wie in Österreich, wo sie den Zoo schließen mussten, weil das Tier gestorben ist), da wüssten endlich alle, wie die wahre Freiheit aussieht. Und RTL könnte eine neue Show produzieren.
Irgend etwas zwischen „Superstar“ und „Big Brother“.


Adrian

Hannibal
15.01.2010, 10:10
Hallo Freunde
Diese Geschichte über Wildkatzen und Freiheit gibt mir den Grund um ein kleines unheimliches Ereignis zu Erzählen . ein Flamingo wollte etwas Erleben und flog aus dem Zoo in die angebliche Freiheit . Er lebte eine Woche in einem kleinen See sorgte für Aufregung und er wurde im Zoo nicht als Vermisst gemeldet . Da wurde der Vogel als Fremdkörper,nicht Einheimischer und Artenfremder
abgeschossen !!!Erst danach bemerkten Sie seinen Ring vom Zoo .Was heisst dass ,bei Tieren und Pflanzen sind Einwanderungen nicht erwünscht könnte den Einheimischen schaden. Die Moral der Geschichte ist man darf nicht weiter Denken sonst bekommt man ein Problem ,es gibt unterschiedliche Freiheiten !
Mit Nachdenklichem Gruss Hannibal
P S Einzige Verbindung zum Forum ,war ein Wasser Vogel und aus fernen Landen

Adrian
26.01.2010, 18:35
Wieder eine Geschichte zum schmunzeln…..

Wir schreiben das Jahr 1978. ich bin 2. Matrose auf einem „Blumentanker“ von den Roten.
Am letzten Aprilwochenende sind wir Samstags morgens im Karlsruher Stadthafen an unserer Löschstelle angelangt, und haben den Rest vom Wochenende frei bekommen.
Der Steuermann, ein Original, in der ganzen Firma für seine Spässchen bekannt (der war damals der Matrose, der mir, als ich am ersten Tag als „Schnuppi“ an Bord kam, den Übernamen „Sepp“ verpasste, weil er angeblichen meinen richtigen Namen Adrian einfach nicht behalten kann. Fortan hat mich die ganze Schiffahrt nur noch „Sepp“ oder „Seppli“ genannt.)
Also dieser Steuermann besass einen eigenen 25 PS Aussenbord Motor. So beschlossen wir am Sonntag morgen mit unserem Schiffs-Nachen nach Neuburg-Weiher zu fahren. In Neuburg lag damals in dem Nebenwasser ein Restaurant-Schiff namens „zum Schlenker“. Das war also unser Ziel. Warum er aber noch eine Axt und eine Säge mit in den Nachen nahm, war mir zuerst ein Rätsel. Nun gut, nach etwa 1 Stunde Fahrzeit mit 5 mal Motorausfall (vermutlich zu wenig Benzin im Dreck) haben wir Neuburg erreicht. Ein grosses Hallo, waren dort doch einige alte Schiffer und Oberheinlotsen am Stammtisch, die wir kannten.

Nach einem Glas Bier fuhren wir noch tiefer in das Nebenwasser hinein und gingen an Land. Bei der nächst, besten 2 meter grossen Birke blieben wir stehen, und ich konnte zuschauen, wie er fachgerecht einen Baum schlug.
Er sagt, den binden wir an den Vormast. So haben wir auch ein Maibaum, was damals bei den meisten Oberrhein-Schiffe üblich war. Meistens waren sie noch mit bunten Bändern geschmückt.

Nun fuhren wir wieder Talwärts. Kaum auf Strom, kam uns die Karlsruher Wasserschutzpolizei mit ihrem schönen, stolzen, blauweissen Boot entgegen. Nachdem wir uns gekreuzt hatten, drehte die Boot wieder zu Tal und preschte uns nach. Auf unserer Höhe stellten sie das Blaulicht an, kamen näher und riefen per Lautsprecher, dass wir stoppen sollen.
Die erste Frage, zu welchem Schiff dieser Nachen gehört. Unser kecker Steuermann sagte ganz laut : „Es steht doch am Nachen angeschrieben, oder könnt Ihr nicht lesen?“
So macht man sich eben neue Freunde.
Dann wollten sie einen Bootsausweis sehen.
Der Steuermann sagte: „Bootsausweis- ich habe keinen“
Der Polizist: “Wie, was, sie haben keinen Bootsausweis und fahren mit 25 PS auf
dem Internationalen Rhein rum.
Der Steuermann: „ Ich habe wirklich keinen Bootsausweis!!!!!!!
„Aber ich habe das Rheinschiffer Patent, von Basel bis ans Meer hä hä hä“
Der Polizist: „Ach, interessant, und wo ist es?“
Der Steuermann: „An Bord natürlich“
Der Polizist: „Das müssten sie aber im Nachen mitführen.“

Die Polizei hat unsere Personalien und die des Schiffes aufgenommen.

Zum Schluss starrte er unsere geschlagene Birke an und sagte:
„Sie wollen jetzt aber nicht behaupten, dass diese Birke zu Tal getrieben kam“
Der Steuermann: „Nein, die haben wir geschlagen, aber drüben in der Pfalz, uns Sie sind Polizist
aus Baden-Würtenberg.“

Der Polizist schüttelte nur noch den Kopf ab so viel Frechheit und gab seinem Kollegen das Zeichen, dass er fahren soll. Natürlich vollan, so dass es uns in unserem kleinen Nachen fast gedreht hatte.

Wir fuhren zurück an Bord. Wir drehten (also ich alleine, denn er musste ja den Strick vom Nachen halten) den Nachen an Bord und montierten unseren schönen Maibaum.
Beim „Nachtlicht“ einschalten fand ich im Steuerhaus einen ausgefüllten Einzahlungsschein der Wasserschutzpolizei mit der Handbemerkung DM 5.- wegen „nichtmitführen des Ausweises.“
Scheinbar waren sie vor uns schnell auf Seit gefahren und haben den Einzahlungsschein ins Steuerhaus gelegt. Das Steuerhaus abschliessen war damals noch nicht üblich und auch nicht nötig.

Am Montag Vormittag beim Löschen rumpelt am Land ein weiss-grünerVW Käfer daher mit einer blauen Laterne oben drauf.
Unser „Freund“ der Wasserschutzpolizist von gestern stieg aus und kam an Bord. Vom Steuermann wollte er gleich die 5 DM kassieren.
Der sagt aber: „Ne, die zahle ich ein, sobald ich in der Schweiz bin“
(Ha Ha, Anmerkung vom Schreiber)
Der Polizist: „ Nein, Sie, das ist ja das Problem, bei Euch „Ausländern“ weiss man ja nie,
wann ihr wieder mal nach Deutschland kommt“
(noch einmal Ha Ha, Anmerkung des Schreibers)

Der Kopf des Steuermanns lief blutrot an und murmelte, er wolle schauen, ob er noch so viel hat, weil er vom Schiffmann keinen Vorschuss mehr bekommt, das Limit sei ausgeschöft“

Der Polizist macht noch den üblichen Kontrollrundgang. Auf dem Vorschiff betrachtete er die bunten Bänder an unserem Maibaum und meinte: „ Es ist schon schön, so eine Pfälzer Birke“

Beim Nachen bekam ich einen Rüffel, die Wasserablassschraube stand noch offen, uns somit ist das Rettungsmittel während dem Löschvorgang nicht einsatzfähig.

Endlich kam der Steuermann wieder auf Deck, in der Hand einen grossen Bierkrug. Er sagt zum Polizist ganz überfreundlich: „Können sie bitte ins Steuerhaus kommen, ich möchte meine Busse bezahlen.“

Im Steuerhaus nahm der Steuermann seinen Bierkrug und schüttete den ganzen Inhalt auf den Tisch: DM 5.- alles in „Ein-„ und „Zwei_ Pfennig“ Stücken
Der Polizist: „Wie denn, haben sie es nicht grösser“
Der Steuermann: „ Nein, das ist mein ganzes Erspartes, jetzt habe ich nichts mehr“

Der Polizist brauchte etwa 10 Minuten, um das Geld abzuzählen, stellte ganz korrekt eine Quittung aus, wünschte uns noch einen schönen Tag, eine gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
Und trollte sich davon.
Na ja, Die Polizei, dein Freund und Helfer.