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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schema der einheitlichen europäischen Schiffsnummer (ENI)



McRonalds
15.07.2008, 23:16
Hallo,

vielleicht ist das jetzt für nur Shipspotter interessant, aber zu dem Thema Schiffsnummer oder Euronummern (heute nennt sich das ganze ENI) möchte ich noch ein paar Worte verlieren. Die neuen Nummern sind nun bereits seit über einem Jahr gültig (auch wenn viele ihre Nummer noch nicht 'korrigiert' haben) - daher möchte ich noch mal die alten zusammenfassen, die uns wohl noch einige Zeit begleiten werden. Bis vor kurzem konnte man nämlich an den ersten beiden Ziffern das Herkunftsland eines Schiffs erkennen. Leider konnte ich immer noch nicht alle vergebenen Nummernkreise ermitteln. Hier mal was mir so weit klar ist. Einige (DDR, Tschechoslowakei, evtl. auch Jugoslawien) werden schon lange nicht mehr angewandt;

00-09 (soweit ich weiß) nicht vergeben
10-19 Frankreich
20-39 Niederlande
40-59 Deutschland
60-69 Belgien
70-79 Schweiz
Die folgenden Nummern waren reserviert für Fahrzeuge aus Ländern, die keine Vertragsparteien der Mannheimer Akte sind, und für die ein Rheinschiffsattest ausgestellt worden ist.
80 Luxemburg
81 England (oder Großbritannien?!)
82 (DDR)
83 Polen
84 (Tschechoslowakei)
85 Österreich
86 Ungarn
87 (Jugoslawien?)
88 Rumänien
89 Bulgarien
90 Ukraine
91
92 Malta (bin mir nicht ganz sicher, weil es auch 99er Nummern aus Malta gibt, evtl. alte Nummern?!)
93
94 Slowakei
95 Tschechei
97 Serbien
98
99 Malta

Wer kann die Lücken ergänzen, oder ist schon mal Schiffen mit den fehlenden Nummern begegnet? Die neuen Nummern werden übrigens sehr schön bei ELWIS erklärt (sehr trocken - aber wen's interessiert):

www.elwis.de/Schifffahrtsrecht/RheinSch (http://www.elwis.de/Schifffahrtsrecht/RheinSch) ... index.html

Das Thema ist noch wesentlich komplexer - aber ich will's jetzt nicht übertreiben...

Gruß - Ronald;-)

Thema von einen anderen Thema hier hin dupliziert, nicht das er verloren geht! -Dewi- 12.08.2008

Cantor
12.11.2008, 23:22
... möchte noch mal die alten zusammenfassen, die uns wohl noch einige Zeit begleiten werden. Bis vor kurzem konnte man nämlich an den ersten beiden Ziffern das Herkunftsland eines Schiffs erkennen.

Hallo Ronald,

einige Bemerkungen zu den von dir genannten "Nummernkreisen", zweistellige Zahlencodes, die du in Klammern oder mit Fragezeichen aufführst. Ich habe Ende der 80er Jahre im WSA Koblenz eine Liste einsehen können, die die neuesten Codes in dem System der alten Europanummern enthielt. Gerade die 80er Nummern inklusive 90 und 91 waren mir vorher zum Teil noch unerklärlich. Im Internet habe ich noch nie eine vollständige Liste der alten Europanummern gefunden.

Die Codes 85-91 waren an die Liste der alten Europanummern von 1976 angehängt worden, um Schiffe vom Balkan mit einer Kennung zu versehen, sobald sie von der Donau kommend durch den RMD-Kanal ins Stromgebiet des Rheins und seiner Nebenflüsse einfahren.

81 = Großbritannien.
So habe ich es in der Liste gefunden und im Jahr 2000 auf dem Mittellandkanal 2 Schubleichter gesehen, die mit 56 für Berlin gekoppelt, diesen Code trugen, unter dem Namen Thames-Rhine z.B. 8156054, übrigens ehemals Leichter der Binnenschiffsreederei der DDR.

82 = DDR.
Solange dieser Staat bestand, wurde die 82 zusammen mit der 40 für Duisburg zur Kennzeichnung der dortigen Schiffe verwandt, z.B. 8240024. Andere Kopplungen sind mir nicht begegnet.

84 = Tschechoslowakei.
Der Staat mit diesem Namen wurde 1992 politisch geteilt und der politischen Souveränität wurden dann die neuen Zahlencodes 94 und 95 für Slowakei und Tschechei gerecht. 84 konnte man zusammen mit 51 für Hamburg, 55 für Minden und 57 für Regensburg - vielleicht auch noch andere Kopplungen - finden, z.B. 8451039.

87 = Jugoslawien.
Dieser Zahlencode war für das Land zu beiden Seiten der Donau zwischen 86 = Ungarn und 88 = Rumänien richtig einsortiert, denn orographisch (dem Verlauf des Stroms von der Quelle zur Mündung folgend) kam donauabwärts Jugoslawien nach Ungarn und vor Rumänien. Nach der Aufteilung bekam Serbien die 97.

90 = Sowjetunion.
Ende der 80er Jahre war die Sowjetunion noch intakt und nicht in die GUS-Staaten mit Russland an der Spitze zersplittert. Die Ukraine war noch nicht selbständig.
Nach der Eröffnung des RMD-Kanals im September 1992 kamen vereizelt Schiffe an den Unterlauf des Mains, die eine Europanummer mit 90 am Anfang hatten und als Heimatort Izmail, den großen Donauhafen der Ukraine, führten.
Unter den ehemaligen Sowjetrepubliken hat die Ukraine als einziges Land Anteil an der Donau. Du hast sicher Recht, dass die 90 heute für die Ukraine benutzt wird.

Gruß, Eberhard

Cantor
13.11.2008, 18:46
Zu den restlichen Zahlenbereichen, die offen oder fraglich sind, kann ich nur Vermutungen äußern. Es könnte

92 = Mexiko ?
sein. Ich habe ein Schubschiff mit dem Namen Mexico unter der Nummer 9223003 gesehen, ohne Heimatort, registriert im Zahlenbereich 23 = Rotterdam. Für einen Reeder oder einen Staat ist es nichts Außergewöhnliches, das 1. und zunächst wichtigste Schiff nach dem Heimatort oder -land zu benennen.

93 = Kanada ?
Es würde Sinn machen, diesem Staat nach den USA (91) und Mexiko (92?) diesen Zahlencode zuzuweisen. Mit dem Sankt Lorenz Seeweg - und dem anschließenden Schifffahrtsweg von einem zum anderen der Großen Seen - hat Kanada eine bedeutende Hochsee- und Binnenschifffahrtswasserstraße.

96 = Kroatien ?
Nach dem oben genannten Prinzip der Vergabe von aufsteigenden Nummern donauabwärts wäre vor 97 = Serbien die Zuweisung von 96 an Kroatien denkbar. Außer dem Westufer der Donau hat dieser Staat mit der Drava = Drau einen schiffbaren Nebenfluss der Donau.

98 = Moldau, Moldavien, eigentlich Moldova ?
Dieser Staat ist kein wirklicher Donauanrainer. Er hat im Grenzfluss Pruth, der in die Donau mündet, und einem wichtigen Anteil am Dnjestr, seinem Hauptfluss, 2 wesentliche Wasserstraßen im Einzugsbereich der Donau.
Nur eine Ecke von Moldova ragt ins Stromgebiet der Donau. Er ist aber der einzige Staat, der entlang der Donau zwischen Schwarzwald und Schwarzem Meer noch nicht berücksichtigst ist, obwohl er Binnenschifffahrt betreibt.

Gruß, Eberhard