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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : „freilaufender“ Ruder-Joystic“ und „Maschinenbedinungen“……. – ein Erlebnis besonderer



LEUNAM
02.02.2010, 16:00
Hallo Miteinander

Angeregt durch den Beitrag vom „Veerhaven X“ (http://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?t=3197 (http://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?t=3197) ) habe ich Euch ein – jetzt ist sie lustig; damals, als es passierte nicht – Geschichte:

Ca. Mitte der Achziger Jahre.
Ich war als Lotse auf einem 14ooT-Tanker auf der Talfahrt von Birsfelden nach Basel.

Schönes Wetter – „normaler“ Wasserstand (auf Schweizerdeutsch „Bambeliwasser“) - Tageslicht – kein Wind; einfach „beste Verhältnisse“!

Ich sass auf dem Fahrstuhl auf der Steuerbordseite, fuhr mit dem „Joystic“ und unterhielt mich angeregt mit dem Eigner, welcher sich stehend über den „Haspel“ lehnte (damals war das noch normal, dass die Schiffe „beides – Haspel und Joystic“ hatten). Seine Frau sass auf dem Stuhl, welcher an der Backbordseite in der Nähe des „Backbordjoystic’s“ war und folgte dem angeregten Gespräch zwischen uns zwei.

Vorweg:
Im „Normalfall - bei diesem Wassestand bracht man eigentlich „fast“ kein Ruder geben, für diese Strecke – bei Hochwasser kann das schon mal sein, dass man ein paar Grad mehr ausdrehen muss.

Ich schaue einen Moment lang „länger als normal“ zum Eigner – währenddem das Schiff gemächlich den Kurs hält.

Ungefähr zwei Schiffslängen vor der „Mittleren Rheinbrücke“ ruft der Eigner ganz aufgeregt: „Pass auf“!!!
Ich schaute sofort nach Vorne – sehe, dass das Schiff „hart Richtung Steuerbord“ geht.
Im gleichen Augenblick sehe ich, dass das Ruder (d.h. die Ruderanzeige) auch bald „unter dem Arsch“ ausdrehte……!!!!! (so schnell war ich noch nie vom Fahrstuhl runter!)

Ich mache sofort langsam – rufe Ruderausfall; umsteuern auf Notruder – und drücke gleichzeitig den „Joystic“ nach Backbord, in der Hoffnung, das Ruder läuft wieder nach Backbord…..
Plötzlich – ohne auf das Notruder umzuschalten - wie von Geisterhand – funktioniert auch das Ruder wieder!

Alles klar – mittlerweile nur noch rund 1 Schiffslänge vor dem Brückenjoch kann ich das Schiff (u.a. dank 2 Maschinen) doch noch irgendwie auf Kurs bringen, ohne dass wir auf einen Pfeiler knallen oder in der Rundung des Bogens das Vorschiff oder Achterschiff „abrasieren“ durch die Brücke „schaukeln“…… (Puhhh….!!!!!).

Was war vorher passiert?
Eingang’s habe ich erwähnt, dass ich wegen dem Beitrag zum „Joystic vom Veerhaven X“ auf diese Geschichte kam.
Vor rund dreissig Jahren hatten die Schiffe manchmal die „unmöglichsten“ Steuersysteme - übrigens auch Maschinenbedienungen.

Da ich als Lotse wirklich „Tausende von Schiffen“ geführt habe, weiss ich echt, worüber ich spreche!
Dieser erwähnte Tanker hatte an beiden Seiten des Steuerhauses (im Innern) eine vollkommen „eigenständige“ Ruderbedienung (Joystic).
Das hiess, wer zuerst den Joystic bediente, der hatte „die Macht“ (Herrscahft) über die Ruderanlage……….
Als Notruder konnte man entweder auf den „Haspel“ umschalten oder mittels einem „Not-Elektromotor“ das Ruder betätigen.

Ich erwähnte auch, dass die Frau vom Eigner „interessiert“ am Gespräch zuhörte.
So „innig und konzentriert“, dass sie (unbemerkt) mit ihrem linken Ellbogen die „eigenständige“ Backbordruderbedienung (Joystic) nach Steurbord ausdrehte……..!!!!
Durch den Aufruf vom Eigner „Pass auf…..!“, erschrak auch sie, als sie sah, dass das Schiff so kurz vor dem Pfeiler einen eigenständigen Kurs nahm……. .

Dadurch, dass sie erschrak und sich aufrichtete, war ihr Ellbogen vom Joystic weg und dadurch,
dass ich ja bereits die ganze Zeit „hart nach Backbord“ drückte, drehte das Ruder auch in die gewünschte Richtung……… .

…..was hätte ich nur im Havariebericht für die Versicherung geschrieben….. (Das glaubt ja keiner!!!)

Für mich als Lotse war es gerade auch wegen solchen Situationen so, dass ich wenn ich auf dem Fahrstuhl Platz nahm, immer vom „festen“ Schiffer wissen wollte,
wie auf das Notruder umgestellt werden musste, wie die Maschinenbedienung funktieniert und wo die Fleute ist.
Alles andere wie z.B. die blaue Flagge usw. war ja nicht „soooo“ wichtig wie diese elementaren Bedienungen, welche – wenn es darauf ankommt – „innert Sekunden und intuitiv“ machen muss. Da kann man nicht noch lange suchen….. . DAS ist auch so, wenn man mit einem „grossen Pott“ und komplett heruntergefahrenen Steuerhaus fährt – da muss alles „blindling’s“ gehen, die Hände sind ja unter dem abgesenkten Steuerhaus……. .

Apropos Maschinenbedienungen
Dass es Maschinen gab, welche man mit 4 (vier) Hebel von „Voraus auf Zurück“ (oder andersum) bedienen musste, war an der Tagesordnung.

Dass es aber ein Schiff gab - welches in meiner Lotsenzeit regelmässig nach Basel kam
– bei welchem ich nie begriffen habe, wie die Umsteuerung funktionierte, gabe es auch!
Die Bedienung sah aus, wie das Schaltgestänge eines alten VW-Käfer“. NUR
- der Eigner bedient das „nie gleich“…... .

Ich habe mir damals immer vorgenommen, um „den Trick“ herauszufinden…..
– dem Eigner jeweils genau auf seine (oft sehr schmutzgen....!) Hände zu schauen.
Das half nichts - dem „Handling“ kam ich (und andere auch) nie auf die Spur…… .
„Im Falle eines Falles“ wäre ich also „zu spät“ gewesen…. (Tja; und wenn sie nicht gerstorben sind, so…….)

Für mich zählt nach all den Jahren eigentlich nur eines:
„Schifffahrt gehört (scheinbar) dem Glückhaften“

Mit schiffischen (glückhaften) Gruss aus der Schweiz von LEUNAM

Tido
02.02.2010, 19:19
Hallo Leunam!

Kennst du zufällig einen Baseler Stadtlotsen namens Francois?-ein ehemaliger CFNR Schiffsführer...vielleicht sagt dir die Geschichte vom GMS Tafelberg ja auch etwas..ist allerdings noch nicht soo lange her..

Gruß Tido

LEUNAM
03.02.2010, 21:49
Hallo Leunam!

Kennst du zufällig einen Basler Stadtlotsen namens Francois?-ein ehemaliger CFNR Schiffsführer...vielleicht sagt dir die Geschichte vom GMS Tafelberg ja auch etwas..ist allerdings noch nicht soo lange her..

Gruß Tido


Hallo „Tido“

Ja – selbstverständlich kenne ich „alle“ Lotsen in Basel!
War ja selber einer…….

Über Francois und den „Tafelberg“ habe ich in diesem Beitrag (mit Fotos usw.) geschrieben:
Havarie „Tafelberg“ - 24. Sept. 2003 in Basel – Zeitungsartikel/Info zu „Vogel Gryff“
http://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?p=63637#post63637 (http://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?p=63637#post63637)

Francois kenne ich noch von früher, als er Kommandant (in Frankreich sagt man nicht Schiffsführer zu einem Bootenkapitän…) auf der Schubboot „Colmar“ war.
Da war ich sehr oft an Bord. Früher kam diese oft mit 4 Leichter bis nach Basel – und dann mit einem nach dem andern nach Birsfelden (Tankbargen) resp. Grenzach-Wyhlen (Kohle).

Mit schiffischen Gruss aus der Schweiz von LEUNAM

Tido
04.02.2010, 08:21
genau das meinte ich...falls du Ihm zwischendurch mal begegnest bestell Ihm mal schöne Grüße von mir...-dem "großen blonden vom Eiltank 11"...ein sehr sympathischer Mann,wie aber alle Baseler Lotsen!:super:

Gruß Tido