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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schlepphilfe/Segelyachten/Rhein



Visurgis
12.02.2010, 12:03
Moin,
in einem bekannten Segelforum war schon häufiger die Anfrage zu lesen, ob es möglich ist, mit Schlepphilfe zu Berg, den Rhein zu befahren. Meist handelt es sich bei den Nachfragenden um Bootseigner schlecht motorisierter Segelyachten in der Größe zwischen 8 und 10 m. Ich habe den Leuten schon häufiger geschrieben, dass ich ein solche Schlepphilfe für Wahnsinn halte. Aber natürlich gibt es auch Leute, die so eine geschleppte Bergfahrt als "Kleinigkeit" betrachten und glauben, das wäre alles kein Problem. Die wissen offensichtlich gar nicht, wie Binnenschifffahrt funktioniert. Wie seht ihr das denn, mit der Schlepphilfe für Sportboote. Würdet ihr euch auf sowas einlassen? Na, da bin ich mal gespannt.

bruno
12.02.2010, 12:37
Da ich von einigen ehem.Kolegen aus gutmütigkeit mit haber kraft gezogen wurde,kann ich nur abraten,
wenn der Kapt.vollan geht sauft ein 8Meter Segler,welcher das surfen oder gleiten nicht fähig ist,ab,
oder betätigt sich als U-Boot.=D
Von einem Flotten MTS gezogen,mit LM24,und 12Kn. Rumpfgeschwindigkeit 8Kn.hätte ich auf der
Schleppleine besser Geige gespielt,als auf einer Stradiwarie,oder wie das Ding heist,aber der Schiss,
azusaufen war größer,das Wasser lief übers Gangbord,was gut 1 Meter über der WL.lag.

Elbianer
12.02.2010, 22:57
Auf der Elbe wurden früher öfters Segelboote geschleppt, aber da ging es auch beschaulicher zu als auf dem Rhein.
Für sogenannte Verdrängerboote gilt die Faustregel, Wasserlinienlänge in Meter entspricht der maximalen Rumpfgeschwindigkeit in Knoten. Zumindest habe ich es mal so gelernt. Nicht umsonst sagte man früher immer "Länge läuft".

Eine 8 m-Boot hat etwa 7 m Wasserlinie, macht 7 Knoten oder anders etwa 13 km/h. Der der Rhein ja mit mindestens 5 km/h und teilweise noch einiges mehr entgegen strömt, dürfte das schleppende Schiff dann mit maximal 8 km/h zu Berg fahren. Sonst fängt der geschleppte Segler an zu gleiten und wenn er dafür nicht gebaut ist wird es problematisch.

Gruß Thomas

Elbianer
12.02.2010, 23:07
Da fällt mir noch etwas ein. So um 1980 wollte ein DDR-Motorschiff einen Jollenkreuzen die Elbe zu Berg schleppen.
In oder bei Magdeburg ist der Segler mit gelegten Mast beim Motorschiff längseits gefahren und hat die Schleppleine übergeben. Nach Übergabe hat er vom Motorschiff abgedreht und sich dann zurück sacken lassen. Da er aber noch zu nah am Schiff war, hat sich der gelegte Mast dabei in der Reling an hinteren Schanzkleid verfangen und das Segelboot zum kentern gebracht.
So weit ich mich erinnere ist dabei an Bord auch Jemand ertrunken. Glaube es war die Frau auf dem Segler.
Seit dem wurde bei der Binnenreederei noch noch in Ausnahmefällen geschleppt.

Gruß Thomas

LEUNAM
13.02.2010, 00:16
Hallo Miteinander
Hallo „Visurgis“

Im Prinzip ist das in einem Wort bereits gesagt worden – „WAHNSINN“……!!!!!!!!

Da spielt es dann gar keine Rolle mehr, ob der „Jacht“ die „Pöllerchen“ aus dem Rumpf gerissen werden……., es bleibt „WAHNSINN“……!!!!!!!!

Beim Schleppen mit einer Strömungsgeschwindigkeit eines Rheines sowie den heutigen Rumpfgeschwindigkeiten eines Binnenschiffes fallen enorme Kräfte an, die sich wahrscheinlich kein "Jächteler" vorstellen kann..............

Da gibt es aber "bessere" Alternativen, oder?

Mit schiffischem (Yacht) Gruss aus der Schweiz von Leunam

topplicht
13.02.2010, 00:31
Hier wird mit hoher Geschwindigkeit geschleppt. Es geht also.

LEUNAM
13.02.2010, 00:36
Hier wird mit hoher Geschwindigkeit geschleppt. Es geht also.



.......mach das nur - es ist ja sicherlch nicht mein Schiff!

Genau DAS habe ich gemeint, mit
"Beim Schleppen mit einer Strömungsgeschwindigkeit eines Rheines sowie den heutigen Rumpfgeschwindigkeiten eines Binnenschiffes fallen enorme Kräfte an, die sich wahrscheinlich kein "Jächteler" vorstellen kann.............."


Gute Fahrt wünscht Dir alsdann und weiterhin Leunam

Dewi
13.02.2010, 00:38
Hallo miteinander,

zu meiner Fahrenszeit haben wir auch des öfteren Segeler mit den Rhein hochgenommen.

Die aufgezählten Probleme sind/waren mir nicht bekannt, bei einer ca. 8,5 km die Stunde zu Berg!

Aber wie so oft, leider keine Bilder :cry:.

Gruß Dewi

LEUNAM
13.02.2010, 01:21
.........lieber DEWI - Du hast RECHT, früher ging das schon - oder auch heute, aber dann musst Du ein wirklich "langsames" Schiff haben, was ja mit rund 8.5 Km der Fall ist!

Du kennst ja die neuen SUO-Verordnung betr. "minimaler" "Fahrgeschwindigkeit, die erreicht werden muss...?

Die Zeiten, die Schiffe und somit auch die Pferdestärken und Geschwindigkeiten haben sich "erheblich" geändert!

Aber egal - jeder muss selber wissen, was er verantworten kann und will!
Jeder ist seines eigenes Glückes Schmied, oder?

Gruss von Leunam

rrindke
13.02.2010, 09:06
Ich habe zur DDR Zeit auch mal Boote im Transitverkehr geschleppt. Das war im Kanal schon nicht einfach. Ich möchte mich jetzt hier nicht über das Können mancher Jachtschein Besitzer auslassen. Aber im Kanal immer schön langsam, denn auch die DDR hatte eine WSP. Nur auf den Rhein kommt der enorme Druck aus dem Schraubenwasser, was wohl die größten Kräfte ausmacht. So ca. 1000 PS aus einer Düse, da fliegen die Muscheln vom Bootsrumpf. Und wenn was passiert? Der Blick des Schleppkäpitäns ist nicht nur nach hinten gerichtet. Und nicht jedes Boot hat Funk an Bord. Ich bin auch immer hilfsbereit, aber ich habe schon oft zu spüren bekommen, Gutheit ist Dummheit. Falls etwas passiert, wirst Du Haus und Hof los. Da können Sachen vom gefährlichen Eingriff in den Verkehr, bis hin zu Totschlag auf Dich zu kommen. Denn Du bist der verantwortungsführender Schiffsführer. Wie früher 20 DM Verwarngeld, ist nich mehr. Heute will man den Kopf des Schiffers rollen sehen. Lest Euch mal die Seitenlangen Gerichtsurteile in der BN durch. Da kann er der Spass vergehen. Aber Ihr wißt, " Wem das Wasser bis zum Hals steht, der sollte den Kopf nicht hängen lassen" mfG Ralf

Marcus
13.02.2010, 09:41
Hallo zusammen,
es ist auch zu Beachten das schleppende Motorschiff muß auch die Zulassung der SUK zum schleppen haben auch wenn es nur ein Sportboot ist. Bei den meisten Neubauten heute ist das nicht die Regel das diese Erteilt wurde. Die einzige Ausnahme in der ein Fahrzeug ohne Genehmigung schleppen darf ist bei freiturnen eines Haveristen nach Anweisung eines Haveriekomissares. Das nichtbeachten kann von der WSP geahndet werden. Ach das nicht koreckte Bezeichnen des Schleppverbandes (Zylinder u. Ball) kann geahndet werden.

Gruß Marcus

Gernot Menke
13.02.2010, 11:08
Das eigentliche Problem heute dürfte wirklich sein, daß die Binnenschiffe idiotisch schnell geworden sind. ("Idiotisch" deswegen, weil der Hauptvorteil der Binnenschiffahrt, nämlich der geringere Energieverbrauch gegenüber dem Land- und auch dem Schienentransport, dadurch aufgehoben wird. Inzwischen, wo die Frachten schmaler geworden sind und man 86m-Schiffe mit zwei Mann fahren darf und die Lohnkosten weniger ins Gewicht fallen, ist das Spritsparen ja offenbar wieder ein Thema) Zu Zeiten, als die Schleppzüge mit 3 km/h am Räderboot hingen, war das Schleppen von Sportbooten zu berg eine Selbstverständlichkeit und das Gleiche galt für viele nach heutigen Maßstäben sehr schwach motorisierte frühere Motorschiffe. Das sitzt wohl noch in den Köpfen der Sportbootler.

Und heute? Elbianer bringt das Argument der Rumpfgeschwindigkeit ins Spiel und nennt die Faustformel "Länge in der Wasserlinie = Rumpfgeschwindigkeit in Knoten". Die Rumpfgeschwindigkeit bedeutet sicherlich, daß man auch mit einem stärkeren Motor oder mehr Gas mit dem Boot keine höhere Geschwindigkeit erzielt. Was aber passiert, wenn die Rumpfgeschwindigkeit mit Gewalt über die Schleppleine erhöht wird? Ist das einfach nur unkontrollierbar? Oder gibt es hier sinnvolle Verhaltensweisen?

Im Elbe-Havel-Kanal bin ich mit dem Faltboot mal längere Zeit hinter dem FRISCHES HAFF aus Oldenburg hergefahren (der heißt jetzt anders). In der nächsten Schleuse fragte der Schiffer bei einem Schwätzchen von sich aus: "Haste ne Leine? Kannste Sprit sparen!", aber ich habe abgelehnt, weil ich sonst bis zum Feierabend im wahrsten Sinne an ihn gebunden gewesen wäre. Das Pinkeln wäre dann nur in mehreren Etappen über die "Lenzpumpe" gegangen (ein leeres Würstchenglas :lool:). Der hatte übrigens einen 460 PS Henschel drin (67 m-Schiff). Eine neue Erfahrung wär`s mal gewesen.

:wink: Gernot

retep
13.02.2010, 11:10
hallo - zusammen - ich kann nur bestätigen was dewi berichtet hat.
anfang der 60er jahre haben 2x ein segelschiff geschleppt ohne schwierigkeiten - wir sind mit 10 km nicht die langsamsten gewesen.
ohne schleppzielinder - abends gab es dann eine flasche wein und das wars.
heute würde man doch gleich ausrechnen wieviel mehr verbrauch dabei raus kommt.
wie marcus schon sagt die vorschriften verbieten es.
damals hat kein hahn ganach gekräht - sogar die wasserschutz hat freudlich gewunken.
gruß peter

Binnenschiffer
13.02.2010, 15:54
Hallo,

wir haben im letzten Jahr Schlepphilfe geleistet. Alles verlief ohne Probleme. Wir haben selbst die kleine Kammer Kembs passiert. Hier gab es nicht einmal eine Nachfrage von der Schleuse. Aus meiner Sicht immer eine Frage der Menschen bzw. ihrer Fähigkeiten.

Gruss vom Oberrhein
:wink:

wilfried korff
13.02.2010, 17:06
Habe in früheren Jahren 34 Schleppreisen (mit unterschiedlichen Booten )von Dordrecht bis Düsseldorf gemacht .
Kann unter den heutigen Gegebenheiten nur davon abraten, sich mit dem Thema zu beschäftigen:die Rumpfgeschwindigkeit bei 7m LWL beträgt =2,43xWurzel aus 7= 6,43KN !Bei der heutigen Motorisierung ist auch die Saugwirkung bei "Überholern" immens .Gehe ganz allgemein davon aus , dass sowieso niemand mehr mitnimmt. Gruss Wilfried

p-m
13.02.2010, 17:08
wir haben im letzten Jahr Schlepphilfe geleistet.....


Hallo Jürgen

Das war aber keine Segelyacht sondern die altehrwürdige Schleppboot RYSUM, MA-D 478, Heimathafen Speyer :d:, oder irre ich mich?

Freundliche Grüsse

Peter

Binnenschiffer
13.02.2010, 17:19
Hallo Peter,

ja, richtig.
Wir haben unser Schiff natürlich auch richtig "angebunden". Ebenso war immer einer im Steuerhaus, so wir wir es gelernt haben.

Gruss Jürgen

Jürgen F.
13.02.2010, 22:51
Ich kann mich gut erinnern, daß wir früher ( 72-76 ) sehr oft Boote mit zu Berg genommen haben. Da waren Segelyachten und Motorboote dabei. Hat nie irgendwelche Probleme gegeben. Zu Feierabend kamen die dann auf Seit und meistens war das sehr gemütlich.

Probleme gabs eigentlich nur auf der Transitstrecke nach Berlin, wo die Boote nicht alleine fahren durften. Wenns schlecht lief, mussten wir nach der Schleusung auf das Boot warten wenn wir nicht gemeinsam in die Schleuse passten. Das hat manchmal echt Zeit gekostet.

Schöne Grüße
Jürgen F.

Elbianer
13.02.2010, 23:59
Elbianer bringt das Argument der Rumpfgeschwindigkeit ins Spiel und nennt die Faustformel "Länge in der Wasserlinie = Rumpfgeschwindigkeit in Knoten". ...Was aber passiert, wenn die Rumpfgeschwindigkeit mit Gewalt über die Schleppleine erhöht wird? Ist das einfach nur unkontrollierbar? Oder gibt es hier sinnvolle Verhaltensweisen? Gernot

Hallo Gernot,

meine Faustregel ist nicht ganz so genau wie die Formel von Wilfried, liegt aber nicht weit daneben.

Was ein Schiff in Tonnen wiegt, verdrängt es an Kubikmetern Wasser, da ein Kubikmeter Süßwasser nun mal ein Tonne wiegt.
Solange dies so ist, fährt das Schiff als Verdrängerfahrzeug. Fährt es schneller als die maximale Rumpfgeschwindigkeit, beginnt es zu gleiten. Das Schiff / Boot beginnt also gewissermaßen sich aus dem Wasser abzuheben. Zu fliegen schaft ein normales Boot dann aber leider nicht, dies konnte nur der Fliegende Holländer.
Beim gleiten hebt der Rumpf sich im Wasser an und das Boot verdrängt nun weniger Wasser als es wiegt. Am besten sieht man das bei schnellen Motorbooten welche nur noch am Heck etwas ins Wasser tauchen.

Wenn das Boot als Gleiter gebaut ist , dann sollte es auch mit hoher Geschwindigkeit geschleppt werden können. Bei Motorbooten gibt es da nur das Problem, das die dafür selten eine geeignete Ruderanlage besitzen. Ist das Boot aber als reines Verdrängerboot gebaut gibt es Probleme beim überschreiten der Rumpfgeschwindigkeit.

Wie diese aussehen hängt natürlich von der Bauart und Rumpfform des Bootes ab. Ich habe ja auch nur eine Faustregel genannt und bezweifle ob es möglich ist dies mit einer genauen Formel zu berechnen.
Neben der Wasserlinienlänge spielen ja auch andere Rumpfmerkmale eine Rolle. Zum Beispiel die Breite, die Spantform, der Tiefgang, Ballastkiel oder Schwert usw.
Es gibt ja Boote die fallen bei Windstille schon fast von alleine um und andere liegen sehr stabil im Wasser.
Ein Problem kann sein, dass das Boot beginnt ständig aus den Ruder zu laufen. Es lässt sich also kaum noch steuern. Es bändelt an der Schleppleine hin und her. Wir nannten das, es beginnt zu geigen.
Es kann auch sein der Bug geht in die Höhe und das Heck sack weg. Ich habe schon Boote gesehen die so übers Heck voll Wasser gelaufen sind.
Je nach Trimm des Bootes kann es aber auch sein der Bug sack weg und in der nächsten Welle unterschneitet er und geht auf Tauchstation.

Gruß Thomas