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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rhein-Marne-Kanal: Toul bis Troussey



Gernot Menke
19.02.2010, 08:31
Wenn man von der oberen Mosel in Richtung Vitry-le-Francois nach Westen oder zur Maas über den Nordteil des Canal de l`Est nach Norden will, benutzt man von Toul bis Troussey diesselbe Route: einen Teil des Rhein-Marne-Kanals.

Meine Bilder sind weder neu (von 1995), noch sensationell, sondern sollen einfach nur einen groben Überblick über diesen Streckenteil in chronologischer Reihenfolge von der Mosel aus nach Troussey verschaffen.

Bild 1 zeigt die Kreuzung des Rhein-Marne-Kanals mit der Mosel, und zwar nicht die Kreuzung bei Nancy-Frouard (Mosel-km 346,50), von der aus man nach Osten in Richtung Straßburg fahren kann, sondern die weiter bergwärts bei Mosel-km 369,36 nahe von Toul. Hier geht es ab in Richtung Westen nach Vitry-le-Francois und weiter nach Paris. Auf dem Foto fließt die Mosel von rechts nach links, im Rücken geht es in den Rhein-Marne-Kanal.
Bild 2 zeigt dieselbe Stelle in der Gegenrichtung. Von der Brücke im Hintergrund wurde Foto 1 aufgenommen.
Bild 3: Das Charterboot fährt zu berg in den RMK in die Schleuse Nr. 27 bis ("bis" bedeutet doppelt, also Nr. 27 a) ein. Im Hintergrund stößt man auf den alten Kanal, der nach links weitergeht. Von rechts kommt der durch den Moselausbau überflüssig gewordene alte Teil des RMK, der durch den aufgegebenen Tunnel von Liverdun ging.
Bild 4: Blick im RMK zu tal: hinter den Sportbooten geht es rechts zur Verbindungsschleuse "Nr. 27 bis" zur Mosel. Geradeaus ist gesperrt: hier ging es früher auf dem linken Ufer parallel zur Mosel zu tal, in Liverdun durch den heute wasserlosen Tunnel, dann über einen abgerissenen Aquädukt über die Mosel und auf dem rechten Ufer parallel zur Mosel weiter bis nach Frouard und Nancy.
Bild 5: Blick in Toul auf den RMK zu tal in Richtung Mosel. Die Klappbrücke in der Bildmitte ist die Rue St. Mansuy, dahinter am Horizont die Schleuse Nr. 27. Danach kommt dann die Perspektive von Bild 4.
Bild 6: Das Gebäude links in Bild 5 und rechts in Bild 6 ist dasselbe. Blick jetzt zu berg auf die alte Festungsmauer in Toul, durch die der Kanal hier hindurchtritt.
Bild 7: Dasselbe Festungstor von der Bergseite aus gesehen. Auf dem kleinen Pfad liefen früher die elektrischen Treidelloks und davor die Pferde.
Bild 8: Weiter zu berg an den Festungswellen von Toul entlang, das links liegt. Hinten die Schleuse 26. In Frankreich zählt man immer zur Scheitelhaltung hin, die also von zwei Schleusen Nr. 1 begrenzt wird!
Bild 9: Das ist die Nr. 26 zu tal. Rechts die Kathedrale von Toul.
Bild 10: Der heutige Sportboothafen von Toul mit der Schleuse 25 rechts im Hintergrund. Blick zu berg. Rechts außerhalb des Bildes steht noch eine Treidellok an Land.
Bild 11: Acht Kilometer und zwölf Schleusen weiter zu berg: der talseitige Eingang des Tunnels von Foug. Markant die Trenninsel vor der Einfahrt - früher war hier halt etwas mehr los!
Bild 12: Dieselbe Stelle mit Blick zurück zu tal in Richtung Toul vom Tunnel aus. Die Schleuse im Hintergrund ist als einzige Schleuse als Doppelschleuse ausgelegt und trägt die Nr. 14 bzw. 14 bis.
Bild 13: Der bergseitige Eingang mit Blick zu tal auf den Tunnel. Das Schild an der Brücke ist kaum noch zu lesen. SOUTERRAIN FOUG steht ganz oben, darunter SENS UNIQUE (Einbahnverkehr), "pas franchir" ist dabei (nicht überschreiten) und in der vorletzten Zeile erkennt man LA TRACTION (die Treidel-Organisation mit ihren elektrischen Lokomotiven).
Bild 14: Weitere zehn Kilometer zu berg: links zweigt der Rhein-Marne-Kanal nach Westen ab, um auf einem (neuen) Aquädukt die Meuse zu überqueren und sich hinter Void mit ein paar weiteren Schleusen zum fast fünf Kilometer langen Mauvages-Tunnel mit seinem Kettenschlepper emporzuarbeiten. Dahinter kommt dann das berühmte "Tal der 70 Schleusen" bis wieder hinunter nach Vitry-Le-Francois.
Was man aber hier im Bild sieht: geradeaus ist die Schleuse 1 des Canal de l`Est, Branch Nord, in Troussey. Markant der riesige Steinbruch. Wer nach Norden in Richtung Maastricht will, muß durch diese Schleuse vom Rhein-Marne-Kanal abbiegen. Von der Mosel bis hierhin hat man gut zwanzig Kilometer zurückgelegt.

:wink: Gernot

Gernot Menke
19.02.2010, 22:26
Da wir gerade im Rhein-Marne-Kanal unterwegs sind, fahren wir einfach noch ein Stückchen weiter in Richtung Vitry/Paris durch den Mauvages-Tunnel!

Bild 1: Die Abzweigung in Bild 1 kennt man aus dem vorigen Beitrag. Geradeaus geht es durch die Schleuse Troussey in den Canal de l`Est nach Norden. Man beachte die trocknende Wäsche, die auch im nächsten Bild zu sehen ist.
Bild 2: Hier der Blick aus dem RMK zu tal; nach links geht es in den Canal de l`Est, rechts geht der RMK weiter in Richtung Toul/Mosel. Im Rücken liegt der Aquädukt.
Bild 3: Der neue Aquädukt über die Meuse - der alte steht dahinter. Blick von Osten - links geht der RMK zum Mauvages-Tunnel, gleich rechts ist die Kreuzung mit dem Canal de l`Est.
Bild 4: Blick vom neuen Aquädukt in Richtung Mauvages-Tunnel, der von hier aus zwanzig Kilometer entfernt ist. - Rechts unten sieht man die Maas, die der Aquädukt überquert.
Bild 5: Nach sechs Kilometern ohne Schleuse kommt Void mit diesem schönen Fußgängersteg aus der Bauzeit des Kanals.
Bild 6: Blick von der Brücke der D 10 nahe des östlichen Tunneleingangs zurück in Talrichtung auf die Anstiegsstrecke, die von Void aus auf zwölf Kilometern mit zwölf Schleusen bis hierhin ansteigt.
Bild 7: Der östliche Eingang des 4.875 m langen Mauvages-Tunnels, benannt nach einem Dorf in der Nähe dieses Osteingangs. Die Autos gehören der Verwaltung - es gab etwas Elektrisches zu basteln...
Bild 8: ... denn ohne Strom bewegt sich dieser Dinosaurier hier nicht. Eine Penische befand sich im Anhang - nicht gerade ein Schleppzug. Leider weiß ich den Namen der Penische nicht mehr. Auf dem Kettenschlepper steht "Toueur" - Schlepper. Er fährt rechts ran, die Penische macht an dieser Stelle vorne los und schmeißt ihren Motor an.
Bild 9: Diesselbe Stelle ohne Toueur. Typisch die Leitwerke vor dem Tunneleingang.
Bild 10: Aus dieser Perspektive des Osteingangs von Mauvages sieht man, daß vor dem Tunnel eine Krümmung liegt ...
Bild 11: ... so wie auch vor dem Westeingang! Unten wieder die Leitwerke.
Bild 12: Der Westeingang mit Blick zurück nach Osten in Richtung Troussey.
Bild 13. An der Kreuzung zum Stichkanal nach Houdelaincourt geht eine Brücke über den Kanal, von der dieses Bild in Richtung Osten aufgenommen ist. Geradeaus kommt gleich der Westeingang des Mauvages-Tunnels; rechts liegt ein nicht benutzter Toueur neben einem Betriebsgebäude. Und was da am Ufer auf dem Kopf liegt, sind Eisbrechernachen! Die werden bei Eis mit Steinen beladen und geschoben. Im Rücken geht es links nach Vitry-le-Francois und nach rechts in die Sackgasse nach Houdelaincourt.
Bild 14: Sieht aus wie "Urlaub auf dem Bauernhof", doch ist es aus der Ferne dieselbe Stelle, von der aus Bild 13 aufgenommen ist. Nach links geht der Stichkanal nach Houdelaincourt ab; geradeaus erahnt man die erste der siebzig Schleusen (Demange-aux-Eaux) der 85 Kilometer langen Rampe runter nach Vitry-le-Francois. Und das bißchen Wasser, das rechts zwischen den Bäumen zu sehen ist, ist die Zufahrt zum Westportal des Mauvages-Tunnels. Und hinter den Bäumen links auf dem Höhenzug kommt IRGENDWANN der Eiffelturm.

Nebenbei: wenn man sich bei Google Maps den Mauvages-Tunnel mal von oben betrachtet, stellt man fest, daß die Tunnellinie auf voller Länge im Berg sichtbar ist! Ein bemerkenswertes Phänomen, das man auch bei anderen Tunnels feststellen kann. Das kann insofern mit dem Tunnelbau vor 150 Jahren zu tun haben, als es ja auch Belüftungsschächte gibt und die Tunnellinie oben auf dem Berg wohl festgelegt wurde. Nicht auszuschließen ist aber auch, daß möglicherweise über dem Tunnel eine andere Temperatur herrscht als im übrigen Berg und sich deshalb die Vegetation im Laufe der Zeit verändert hat.

:wink: Gernot

Gernot Menke
21.02.2010, 11:10
Einen Nachtrag zu Bild 13 im Beitrag Nr. 1 habe ich: auf einer französischen Seite habe ich zwei interessante Dinge dazu gefunden:
Erstens den Text des Schildes. Da steht oder besser stand:

SOUTERRAIN de FOUG
SENS UNIQUE
LIMITE A NE PAS FRANCHIR
SANS ORDRE DES AGENTS
DE LA TRACTION
ARRET DES MOTEURS OBLIGATOIRE

(Tunnel von Foug/ Einbahnverkehr/Nicht weiterfahren ohne Aufforderung der Bediensteten der Schlepporganisation. Motoren ausstellen!)

Zweitens ist dort auf einem Foto von 1960 zu sehen, daß das Schild zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhanden war. Wahrscheinlich war es so, daß die Zunahme von motorisierten Penischen, die einfach durchfuhren, zu Problemen führte und daraufhin das Schild einige Jahre später angebracht wurde.

Da wird es wohl diverse Begegnungen im Tunnel gegeben haben :puke.:roooll:

:wink: Gernot

Beluga
11.02.2011, 12:59
Ich hätte da eine kleine Geschichte für euch:

Im Souterrain von Mauvages

Es ging aufwärts mit ihnen.
Zwölf Schleusen aufwärts mit einer Treppe und der fast 5 km lange Tunnel von Mauvages. Das war der Tagesplan.
Diese beiden Schleusentreppen und die zwei Tunnel hatten sie schon des Öfteren an nur einem Tag bewältigt. Das konnte sie kein bisschen tangieren. Zwar zeigte sich der Himmel konturlos, doch er schien seine schwere Fracht noch nicht abwerfen zu wollen.

Die Schleusen waren hoch. Die Poller standen ungünstig für ihre Schiffsgröße. Das Wasser schoss durch die geöffneten Schütze wie ein Sturzbach. Es beutelte Belugas langen Bug von einer an die andere Schleusenwand. Sie beschlossen Beluga an Bug und Heck zu belegen. Das Tau mit dem Bootshaken einhängen ging nicht, sie reichte nicht hin und von unten waren die Poller nicht mehr auszumachen. Also musste das Tau geworfen werden. Auch das war kein Problem. Doris war ein geübter Lassowerfer. In vielen hundert Schleusen trainiert. Aber es war harte Knochenarbeit. Zwölf Schleusen, die längste Stauhaltung dazwischen gerade mal gut einen Kilometer, die meisten um die 600 m. Da blieb nur Zeit die Taue wieder zu richten oder schnell einen Schluck Wasser zu nehmen. Schon war der nächste Seilakt angesagt. Drei Stunden harte Arbeit.

„Jetzt haben wir’s geschafft“, sagte Manfred, als sie endlich die Scheitelhaltung erreicht hatten, „ nur noch der Tunnel, das war’s dann für heute.“

In der ersten Schleuse, in der sie auch die Fernbedienung für die Treppe erhielten, drückte ihnen der Schleusenmeister vier wichtige Zettel in die Hand. Die neuen Durchfahrtsbestimmungen und Regeln für den Tunnel. Sie rätselten, warum man heute wohl durch den Tunnel gezogen wurde. Ob irgendwann mal was passiert ist? Oder waren es einfach neue Gesetzte wegen des Tunnelunglücks damals am Mont Blanc? Sie wussten es nicht. Es war auch nicht von Bedeutung.
Ein Tauer, was auch immer das heißen sollte, es war ein elektrisch betriebener Kettenschlepper, zog die Schiffe im Konvoi, der Rame.
An Bord der Schiffe dürften sich nicht mehr als 8 Personen befinden. Warum nicht? Pubten die zu viel Methangas aus? Was machten die Hotelpenichen mit ihren Gästen? Sollte deren Problem sein.
An Bord durfte nicht geraucht werden, nicht gekocht, nicht mit Gas geheizt und auch sonst kein Rauch erzeugt werden.
Aber die Sportboote sollten den Motor nicht ausschalten, um manövrierfähig zu bleiben.
Was also sollte diese ganze schwachsinnige neue Regelung. Wenn man den Motor laufen lassen konnte, konnte man auch selber fahren. War Abgas von Verbrennungsmotoren weniger giftig als Zigaretten oder Zigarren-Rauch?
Die einzig vernünftige Warnung war die vor den Stromleitungen an der Tunneldecke. Wenn ein Bootshaken mit 600 Volt Bekanntschaft macht, könnten drunter in Sekundenschnelle gegrilltes Boatpeople liegen.

Zwei Stunden Pause, zum essen und sich ausruhen, dann schoben sich zwei Penichen gemächlich, im Schneckengang auf sie zu. Sie passten kaum an der vor ihnen wartenden Peniche vorbei.

Penich Nemesis, Beluga, Chez Otti. Das war die Reihenfolge. Nemesis übergab ihre Taue an den Kettenschlepper. Dann übernahm der Skipper die Taue von Beluga. Anschließend hechtete Doris zum Heck um die Taue von Chez Otti zu übernehmen. Die Rame stand, es konnte losgehen.

Der Tauer setzte sich in Bewegung. Nemesis kratzte seitlich an der Mauer des Ufers. Der Skipper drehte wild am Steuerrad. Die Heckwelle verbeutelte Beluga, zerrte auch sie gegen die Rundung des Ufers in der Kurve. Chez Otti wurde mit dem Heck gegen das Ufer gepresst, die Fender hüpften aufs Gras. Na, das fing ja schon richtig gut an.

Der Tauer verschwand im Tunnel.
Nemesis machte den Motor aus. Der Tunnel war taghell beleuchtet. Diesen Tunnel hatten sie früher schon mehrmals innerhalb von 30 Minuten alleine durch fahren.
Manfred holte eines der Taue etwas nach, damit Beluga besser in der Mitte des Kanals blieb. Leider Fehlanzeige. Ständig wurde sie mit der Steuerbordseite gegen den Laufsteg gedrückt.
Oh, die armen neuen, schweinisch teuren Fender. Manfred kurbelte wie verrückt, setzte die Bugschraube ein. Es half immer nur Minuten. Jede Bewegung von Beluga übertrug sich auch auf Chez Otti. Luciano drehte sein Ruder in alle Richtungen. Das Heck scheuerte an der Mauer. Mit dem Motor zerrte er Chez Otti von der Mauer weg und Beluga auf die Seite. Mit dem Erfolg, dass Beluga noch schneller und härter gegen die Mauer prallte. Der Schiffsmann von Nemesis setzte sich auf seine Reling um mit den Füßen sein Schiff von der Mauer abzustoßen, damit endlich das durchdringende Kreischen von Stahl auf Stein aufhörte. Das Brummen des Motors und das Rattern der Oberleitung des Tauers war schon nervtötend genug.
Nemesis legte sein Ruder anders. Die Verwirbelung des Wassers drückte Beluga an die linke Tunnelwand. Hier war kein Laufsteg. Die Fender wurden plattgedrückt wie Pfannekuchen. Jeden Moment musste einer platzen oder abreißen.
Doris sprang auf, drückte mit beiden Händen mit all ihrer Kraft gegen die Tunnelwand um den Abstand zu vergrößern. Immer und immer wieder. Es gelang. Manfred drehte am Rad. In jeder Beziehung. Er fluchte und kurbelte und alles zur gleichen Zeit.
Die Kilometrierung an der rechten Tunnelwand zeigte 300 zurückgelegte Meter. Der Tauer legte das affenartige Tempo einer „escargot“ vor.
Auch der Schiffsmann der Nemesis versuchte sein Schiff so gut wie möglich vor Beschädigungen zu bewahren. Er steuerte, legte Ruder, stieß ab.
Luciano hinter Beluga gut abgedeckt, gab das Spiel schon ziemlich schnell auf. Er fuhr dicht auf Beluga auf, ließ das Tau durchhängen und steuerte selbst. Einen Moment nicht aufgepasst und er donnerte wieder mit Bug oder Heck gegen die Wand, riss dann sein Ruder herum und Beluga mit.

Das, dachte Doris, wäre doch eine hervorragende Körperertüchtigung für die Damen des Fitnessstudios. Hier könnten sie ihre überschüssige Energie loswerden. Das Ambiente wäre vielleicht nicht so edel, dafür die Hände aufgerissen und verschrammt.
Eigentlich würde nur noch fehlen, dass das Licht ausging, sich einige Mörderspinnen von der Decke abseilten, oder besser noch, aus den schwarzen Seitengängen einige Monster oder Untode mit schmierigen Händen nach ihnen greifen würden.
Diese zwei Stunden im Tunnel wären der Höhepunkt eines jeden Horror-Films.

Sie zählte die Meter mit. Endlich. „Nur noch 800 m, da vorne ist schon der Ausgang, das schaffen wir auch noch.“
Sie würden aufatmen.

Das Loch wurde groß, hell, grün. Der Tauer warf die Taue von Nemesis los. Beluga kam aus der Tunnelöffnung.

Regen prasselte nieder wie ein dichter grauer Vorhang.
Keine romantische Beschreibung verklärte dieses miese Geschütte, gegen das die Sintflut ein tropfender Wasserhahn war.

Trotzdem mussten die Taue eingeholt werden. Und zwar schnell, bevor sie sich um den Propeller wickeln konnten.
Sie war nass wie eine Katze, und bis das Bimini wieder gestellt war beide bis auf die Haut.

Wen die Götter strafen wollen, dem erfüllen sie seine Wünsche.

Ab sofort ging’s nur noch abwärts mit ihnen.

elo-yan
13.10.2013, 14:11
Liebe Doris

inzwischen ist der Tauer ausser Gefecht. Niemand weiss, ob er eines Tages wieder Sportboote wie Schleuderbälle durch das Loch zwirbeln wird. Der Tauer wurde durch einen radfahrenden VNF-Agenten ersetzt. Was genau seine Aufgabe im Tunnel ist, kann ich nicht sagen, vielleicht um Hilfe zu holen, wenn man stecken bleibt. Denn Handys funktionieren bekanntlich nicht in Tunnels.

Das heisst aber nicht, dass die Durchfahrt nun frei zugänglich ist. Weit gefehlt. Penischen dürfen nur einzeln durchfahren, dann wird geschaut, ob die "Luft rein" ist, rein genug, um die nachfolgende Penische nicht zu ersticken. Zwei Stunden Wartezeit muss man schon rechnen, wenn man jemandem hinterher fährt. Diese Zeit benötigt der radfahrende Begleiter für die Hin- und Rückfahrt.

Ob die Oberleitung noch Strom führt oder nicht, konnte uns niemand sagen. In Leerfahrt und abgebautem Steuerhaus sind die Kabel in greifbarer Nähe. Ich hatte keine Lust, mal zu testen und mir eine Dauerwelle zuzulegen.


Allen gute Fahrt
und viel Spass jedem, der sich nach Mauvages traut

Brigitte

Gernot Menke
13.10.2013, 15:42
Na, das war ja abzusehen. Als ich 2011 hinter den beiden Penischen NOBIS und OSIRIS da durchfuhr, folgte erst noch eine größere britische Yacht und ich mit meinem Motorkanu dann natürlich ganz hinten dran. Wie schon von Beluga geschildert, habe ich den Sinn des Ganzen auch nicht verstanden: da soll man wegen der Abgase nicht frei durch den Tunnel fahren, aber die Motoryachten sollen, um steuerfähig zu bleiben, den Motor anlassen dürfen.

Bei meiner Durchfahrt gab es nur ein einziges Problem. Die Penischen und die große Motoryacht vor mir lagen ruhig im Loch und mein Kanu, schön mittig an der Badeleiter der Yacht festgemacht, folgte willig. Trotzdem habe ich die Durchfahrt in unguter Erinnerung: ungefähr eine Stunde lang durfte ich in dem Loch die Dieselfahne der Motoryacht vor mir inhalieren. Denen konnte ich direkt in den Auspuff gucken.

Aber jetzt ohne Toueur hat sich diese widersinnige Vorschrift ja von alleine erledigt. 2011 war der zweite Toueur, der früher auf der Seite von Demange-aux-Eaux gelegen hatte, schon verschwunden. Jetzt ist es mit der Kettenschlepperei im Mauvages-Tunnel nach 150 Jahren - davon 50 Jahre mit Dampf und 80 Jahre mit Elektrizität (davor lagen 34 Jahre Pferdetreideln vom Leinpfad aus) - also ganz vorbei und der Kettenschlepper am langen Tunnel von Bellicourt im Canal St. Quentin ist jetzt wohl der letzte Tunnel-Kettenschlepper der Welt (der letzte Kettenschlepper vielleicht nicht - irgendwo in Rußland gibt es noch eine Kettenschiffahrt an einer schwierigen Stelle mit starker Stömung).

Was ist denn aus diesem Toueur und seinem Vorgänger geworden? Schneidbrenner oder Museum?

:wink: Gernot

elo-yan
13.10.2013, 17:23
Der Toueur ist noch da. Eigentlich nur "en panne". Diese Panne dauert allerdings nun schon über ein Jahr, und ob sie eines Tages behoben wird, ist fraglich. Das Problem der Durchfahrtsbestimmungen ist nicht wirklich gelöst. Diese "Untertageradfahrerei" kann's ja nicht sein. Und bei starkem Andrang kann erhöhtes Abgasvorkommen zu sehr langen Wartezeiten führen.

Tote hat's bei der jetzigen Organisation noch keine gegeben, so wird dieses Provisorium wohl zum Providurium.

Schade um den Toueur, ein weiteres Stück Geschichte brachgelegt, bis es in totale Vergessenheit gerät.


LG
Brigitte