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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Sandfahrer bei Thaon (Teil 1 + 2)



Gernot Menke
25.07.2010, 21:46
Das war genau der richtige Feierabendplatz für mich: mit Blick auf zwei Penischen (Bild 1)!

Ja, es sind ZWEI Penischen, die auf dem ersten Foto zu sehen sind: ganz hinten das flache Ding ist kein Anlegesteg oder Ponton, sondern eine von drei Penischen, die um das Jahr 2000 herum in Villeneuve-la-Garenne - das ist ein Vorort von Paris - gebaut wurden. Sie haben das Steuerhaus vorne und dienen ausschließlich einem Zweck: dem Transport von Sand von der hier zu sehenden Ladestelle (zwischen den Schleusen 22 und 21 des Canal de l`Est) bei Igney bis zur Löschstelle zwischen den Schleusen 18 und 17 bei Dogneville. Vier Schleusen müssen die Penischen auf ihrer kurzen Reise also passieren.

Aber ist es wirklich Sand, der hier transportiert wird? Die Penische im Hintergrund heißt FELDSPATH, eine weitere QUARTZ und die dritte MICA. Ich hatte zunächst gedacht, MICA sei ein Personenname, aber MICA heißt auf deutsch Glimmer! Alle drei Mineralien werden zur Herstellung von Porzellan und Fliesen benötigt.

Die vierte Penische im Vordergrund kam im April 2009 hinzu: die NETTY. Es handelt sich um eine konventionelle, 1962 in Holland gebaute Penische, die momentan einen Vertrag für die Sandfahrt bei Thaon hat, so daß es also vier Penischen sind, die diese Transporte durchführen.

Während die ersten beiden Bilder am Abend aufgenommen sind, ist das dritte Foto am anderen Morgen um 7 Uhr früh entstanden. Der Morgendunst hat sich fast schon verzogen. Der FELDSPATH hat schon abgelegt und fährt seine erste Fuhre zu berg, während die NETTY an seine Stelle zum Förderband vorzieht und mit dem Laden beginnt. Lange dauert es nicht und sie ist voll und fährt dem FELDSPATH hinterher.

Auch ich fahre bald weiter zu berg in Richtung Epinal. Im Unterwasser der Schleuse 19 (Usine de Thaon) kommt mir der QUARTZ leer entgegen, der über Nacht vermutlich an der Löschstelle gelegen hat. Die Brücke dahinter über das UW der Nr. 19 ist berüchtigt und hat es in sich. Das Höhenbeschränkungsschild hängt dort nicht von ungefähr. Wenn Schleusenwasser von weiter oben ankommt, kann sich die nutzbare Höhe hier in Kürze dramatisch verringern. Da fehlen an der Höhe von 3,50 m dann keine Zentimeter, sondern Dezimeter! Selbst die NETTY, die hier Tag für Tag hin und her fährt, hat es einmal erwischt und der Schiffer hat sich sein Aluminium-Steuerhaus abgefahren. Was mir das Herz gebrochen hat: obwohl er von morgens bis abends im Steuerhaus zubringt und das ja die "Zentrale" des Schiffes ist, war es ihm zu teuer, das Steuerhaus komplett zu reparieren. Er hat es seitlich und hinten mit Holz zugemacht und an der Außenkante der Wohnung LKW-Spiegel für die Sicht nach hinten montiert (Bild 6). Kinder kosten eine Menge Geld - er hatte mehrere an Bord.

Das letzte Foto zeigt den FELDSPATH, wie er bereits wieder leer zurückkommt und von oben in dieselbe Schleuse 19 einfährt. Die Dachluke wird der Schiffer vor der Brücke schon noch zumachen. Ich hatte nicht das Gefühl, daß er Wert darauf legte, daß ich bei der Ausfahrt die Fotozellen für das Obertor sauber bediente, sondern daß ihm eher daran gelegen war, daß er schnell einfahren konnte. Ich tat ihm den Gefallen und obwohl ich an den "Cellules" vorbei- und aus der Schleuse herausdüste, hatte der FELDSPATH keine Probleme mit der Schleuse. Ich weiß, daß die Berufsschiffahrt einen anderen Code der Fernbedienung hat, weiß aber nicht, was genau es damit auf sich hat.

:wink: Gernot

Gernot Menke
25.07.2010, 22:13
Eine Schleuse weiter bergwärts, in der 18 in Chavelot, sieht man kurz darauf die NETTY schon wieder zurückkommen (Bilder 1 und 2. Die Ampel zeigt Rot/grün, weil ich die Schleuse bereits mit der Fernbedienung angefordert habe und dann grün, sobald die Netty durch die Lichtschranke ausgefahren ist). Auf dem dritten Bild sieht man die Löschstelle südlich der Autobahnbrücke unterhalb der Schleuse 17. Sowohl an der Lade-, als auch an der Löschstelle gibt es eine dreiecksförmige Erweiterung des Kanals am östlichen Ufer.

Die Bilder 4 und 5 sind bereits zwei Tage zuvor weiter talwärts entstanden. Sie zeigen den MICA, der außerhalb seiner täglichen Fahrstecke leer in Richtung Nancy unterwegs war, wo er auf die Werft ging. Wahrscheinlich handelt es sich um das Trockendock im Rhein-Marne-Kanal wenige Kilometer talwärts des Stadthafens von Nancy.

Nachzutragen ist noch, daß die Sandfahrstrecke vertieft ist. Hier kann nicht nur auf 2,05 m abgeladen und entsprechend mehr mitgenommen werden, sondern auch Begegnungen sind so leichter. Die abgeladenen Sandfahrer begegnen ja nicht nur ihren leeren Kollegen, sondern auch abgeladenen anderen Penischen, die in Richtung Mosel fahren. Auf 2,05 m kann die NETTY 260 Tonnen laden. Im obigen Beitrag kann man auf dem sechsten Foto am Rumpf sehr schön die obere 2,05 m-Linie und die untere Linie der Fahrt mit Wasserballast sehen. Ferner erkennt man, wie die NETTY gerade ihr Ballastwasser abpumpt, um für eine neue Fuhre bereit zu sein. Sie hat zwei sehr starke Pumpen an Bord. Ich habe die Zahlen mit meinen Aufzeichnungen in der Rheinschleuse in Marckolsheim verloren, aber ich meine, der Schiffer hätte von 18 Minuten gesprochen, die er für das komplette Ballastwasser - die Tonnenzahl war recht beträchtlich - braucht. Die Brücke an der Schleuse 19 läßt grüßen.

Ich habe die Informationen vom Schiffer der NETTY, der eine Flasche Bier (Kronkorken, die man durch einfaches Drehen mit den Fingern öffnen kann, kannte ich noch gar nicht!) spendierte und bereitwillig Auskunft gab, während seine Kinder ihren Spaß daran hatten, uns mit einer Gittertür des Landestegs "einzusperren".

An den modernen Flundern stehen sogar über 400 Tonnen angeschrieben, wobei ich nicht glaube,daß bei 2,05 m Ladetiefe so viel transportiert wird. Leider habe ich den FELDSPATH vom Wasser aus bei meiner Ankunft nicht genug unter die Lupe genommen. Ich wollte das später von Land aus tun, doch da war er sehr schlecht zu fotografieren und auch die Daten waren nicht angeschrieben. Ich stelle sowohl die NETTY, als auch den FELDSPATH in Kürze unter Gütermotorschiffe unter dem jeweiligen Buchstaben ein.

:wink: Gernot

Gernot Menke
27.07.2010, 23:47
Ich habe tatsächlich einige Informationen und Bilder zu den drei "Penischen" - vielleicht sollte man besser 38er sagen - FELDSPATH, MICA und QUARTZ im Internet gefunden. Ich stelle diese Informationen daher (entgegen meiner am Ende des Beitrags 2 geäußerten Ankündigung) an dieser Stelle ein und bringe nur die konventionelle Penische NETTY unter Gütermotorschiffe. Wo es kleinere Widersprüche zu den Angaben in den Beiträgen zuvor gibt, sind die folgenden Angaben richtig. Also:

MICA (NY 3838 F), FELDSPATH (NY 3839 F) und QUARTZ (Nr. unbekannt) wurden 2005 im Auftrag der Societé Coopérative Artisans Transporteurs (SCAT) auf der Werft Chantiers de la Haute Seine in Villeneuve-le-Roi bei Paris gebaut. Ihre Maße: 38 x 5 m (das klassische Penischenmaß sind eigentlich 38,5 x 5,05 m - vermutlich sollen die drei Schiffe flott die vier Schleusen passieren können) bei 428 Tonnen maximaler Tragfähigkeit. Im täglichen Einsatz bei Thaon können die Schiffe aber nur 280 Tonnen mitnehmen.

Der Bau der 38er benötigte je 4000 Arbeitsstunden. Bei den drei Schiffen handelte es sich um die ersten Bauten dieser Größe in Frankreich seit 1966, wobei man sich darüber streiten kann, ob man sie wirklich mit den Penischen vergleichen kann. Denn die Schiffe sind auf einen ganz speziellen Einsatzzweck auf einer kurzen Strecke zugeschnitten und besitzen keine Wohnung. Immerhin sind es aber Schiffe für den Transport von Gütern auf Kanälen, die das Penischenmaß besitzen.

Ich habe ein paar schöne Links gefunden, die unter anderem auch den Steuerstand und ein paar schöne Winterbilder zeigen - nämlich hier (http://bab.viabloga.com/news/devinette-quel-bateau) - und dann auch noch schöne andere Aufnahmen aus Thaon, und zwar hier (http://bordabord.org/news/les-38m-de-golbey-thaon-1sur2). Auch hier (http://www.fleuves-et-canaux.toile-libre.org/news/index.php?option=com_content&view=article&id=66:les-3-de-lestmica&catid=7:divers&Itemid=25) findet man noch ein paar Fotos.

Des weiteren hänge ich noch ein paar Bilder an, die ich in diesem Monat vom FELDSPATH an der Ladestelle bei Igney gemacht habe.

:wink: Gernot

Ach ja: der zernudelte Anker, den man auf Bild 5 auf Deck liegen sieht, soll beim Schleusen an einem Tor hängengeblieben sein.

p-m
08.08.2010, 13:18
... Ich hatte nicht das Gefühl, daß er Wert darauf legte, daß ich bei der Ausfahrt die Fotozellen für das Obertor sauber bediente, sondern daß ihm eher daran gelegen war, daß er schnell einfahren konnte. Ich tat ihm den Gefallen und obwohl ich an den "Cellules" vorbei- und aus der Schleuse herausdüste, hatte der FELDSPATH keine Probleme mit der Schleuse. Ich weiß, daß die Berufsschiffahrt einen anderen Code der Fernbedienung hat, weiß aber nicht, was genau es damit auf sich hat.
Gernot

Hallo Gernot
Hallo zusammen

Es ist uns auf dem Canal des Vosges (bis 2003: Canal de l'Est - branche Sud) mehrmals passiert, dass kleine Boote zu schnell aus den Schleusen "herausdüsten". Die Lichtschranke wird dadurch zu wenig lange unterbrochen und das Schleusensteuersystem ist deshalb der Meinung, es befinde sich noch immer ein Boot in der Schleusenkammer. Nach einiger Zeit gehen die Signale auf rot/rot vertikal, d.h. die Schleuse wird gesperrt und das System muss von einem VNF-Mitarbeiter vorort (im Schleusenhäuschen) zurückgestellt (ausgeschaltet und neu hochgefahren) werden.

Auch mit WILLI dürfen wir nur sehr langsam in die Schleusen ein- und ausfahren. Zwischen dem Heckbalken (Achter-Steven) und dem sog. "König" (der vertikalen Welle zwischen Quadrant und Ruder) gibt es einen relativ breiten Spalt. Wenn wir zu schnell fahren, detektiert die Lichtschranke dadurch 2 Schiffe. Somit kann es zu Unstimmigkeiten bei der Anzahl einfahrender und ausfahrender Schiffe kommen, obwohl zusätzlich zu einer Péniche kein weiteres Schiff in der Schleusenkammer Platz hat. Herzlichen Dank an die sehr geduldigen VNF-Mitarbeiter, die mitgeholfen haben, das Problem zu erkennen und in Griff zu bekommen.

Es soll in gewissen Gegenden ein beliebter Spass der Dorfjugend sein, die "Cellules" mit Kaugummi zuzukleben, das System wird dadurch gestört, die Schleuse gesperrt und die Signale gehen auf rot/rot vertikal.

Es gibt 2 unterschiedliche Fernsteuersender für die Schleusen. Der Typ "Plaisance" (Freizeitschifffahrt) funktioniert nur von 9 bis 19 Uhr, der Typ "Commercial" (Berufsschifffahrt) zwischen 7 und 19 Uhr. Die 2 Stunden von 7 bis 9 Uhr sind für die Berufsschifffahrt reserviert. Wir haben an Bord von WILLI ein "Plaisance-Fernsteuersender", und auch eine "Plaisance"-Vignette gekauft. Wenn defekte Fernsteuersender unterwegs ausgetauscht werden, kann es schon mal vorkommen, dass eine Jacht einen "Commercial"-Fernsteuersender bekommt, weil die VNF-Mitarbeiter nicht immer den richtigen Typ dabei haben.

Freundliche Grüsse

Peter