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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lotsen vom Gebirge



07.04.2008, 20:54
Hallo Binnenschiffs Freunde,

heute bei bearbeiten von Bilder von Jan entdeckt.

Sieht so aus, als ob früher die Lotsen so wieder mit zu Tal genommen worden sind. Wäre interessant, näheres zu Erfahren!

Gruß Detlef

Gerhard
07.04.2008, 22:26
Hallo Leute

schaut mal dieses Video auf YouTube an

You Tube Video (http://www.youtube.com/watch?v=HUWtymehNyk&feature=related)

Gruß
Gerhard

Ernst
08.04.2008, 00:15
Hallo Detlef
dazu fällt mir eine kleine Geschichte ein

Das Lotsen schleppen war bis in die 60 ziger ganz normal. Oftmals in 4 – 5 Längen und 2 Reihen. Leere Talfahrer wurden wegen Ihrer Geschwindigkeit bevorzugt. Bei schlechtem Wetter oder starkem Wind wurde die Strau hochgestellt und diente dann als Wind und Spritzwasserschutz. Denn in der Talfahrt wurde voll gedreht ob mit oder ohne Lotsen im Anhang.
Heute würde der Wasserschutz vermutlich das führen von Schleppzylinder und gelben Ball verlangen ähnlich wie bei Sportbooten!
Zum Schluss noch eine kleine Anekdote.
Ich war ca. 5-6 Jahre alt und wir fuhren mit ein paar Lotsennachen im Anhang zu Tal. Der Matrose hat mich gehänselt „Du traust Dich ja nicht die Lotsen los zu werfen“ Ich wusste nur zu gut das ich das nicht durfte. Als er dann aber noch eine Tüte Bonbons beim nächsten Proviantboot versprach wurde ich schwach. Ich musste mich auf die Zehenspitzen stellen um an die Oberkannte vom Poller zu kommen, aber irgendwie hab ich den Klemmschlag los bekommen. Schnell den Kopf eingezogen als das Tau durchrauschte und dann mit einem scheinheiligen Gesicht ins Steuerhaus. Nach einiger Zeit bemerkte mein Vater das die Lotsen fehlten. Scheinbar hat denen Ihr Tau nicht gehalten meinte Er zwischen zwei Zügen an seiner Pfeife. Wir fuhren in Kester am Proviant vorbei ohne meine Tüte Bonbons zu bekommen, ebenso in Bad Salzig und in Urmitz. Nach einer Nacht in Irlich ging es dann weiter zu Tal vorbei an etlichen Proviantbooten ohne Lieferung meiner Bonbons. In Wesel war meine Geduld dann am Ende. Als wir dem Proviantboot begegneten habe ich ein Signal gegeben und der Proviant kam längsseits. Das ganze hatte natürlich Folgen. Meine Mutter musste zwangsweise ein paar Sachen kaufen, ich musste Farbe bekennen und bekam eine Ohrfeige und der Matrose konnte von Glück sagen das mein alter Herr Ihn nicht raus geworfen hat.

Gruß Ernst

08.04.2008, 00:36
Hallo Ernst,

wo ich das Bild bearbeitet habe, warum habe ich da an Dich denken müssen :roll:
Als ob ich es gewusst, oder besser geahnt hätte, hast Du wieder eine kleine Geschichte dazu gewusst! Auch noch ein, die Du selber Erlebt hast!
Wie oft hast Du noch was gemacht, für eine Tüte Bonbon´s?
Gruß Detlef

Ernst
08.04.2008, 00:53
Hallo Detlef
wie heist es so schön kommt Zeit kommen Geschichten, manchmal bedarf es nur einen kleinen Denk-Anstoß.

Gruß Ernst

Jürgen II
08.04.2008, 02:14
hallo Ernst,
ich hab das Bild mit den Lotsen heute vor dir gesehen und wollte zuerst schreiben: das ist ein Thema für den Ernst. Dann hab ich gedacht, da kommt der Ernst allein drauf.
Gruß Jürgen

Gernot Menke
31.08.2008, 18:50
Das von Gerhard entdeckte You Tube-Video ist einfach ein Sahnestück. Die Schnelligkeit, mit der die überlebenswichtigen Handgriffe unmittelbar vor den Schaufeln der Seitenräder beim Ein- und Aussteigen erledigt werden müssen, ist mit dem Auge kaum nachzuvollziehen. Ich habe mir die entsprechenden Stellen wieder und wieder angesehen. Die wichtigsten Abläufe sind wohl die:
- genaues "Einparken" des Lotsennachens dicht am Schiff
- dann kommt die Leine des Räderboots geflogen, die auf dem Schiff bereits fest ist.
- der Lotse wirft nun seinerseits im selben Moment seine Bootsleine aufs Schiff (wahrscheinlich warf der, der den richtigen Wurfmoment
zuerst für gekommen sah und der jeweils andere reagierte dann darauf), die am Bug des Nachens befestigt ist und hat so die Hände frei
(beachtenswerte Kleinigkeit: der Lotse findet die Leine an ihrem Stammplatz vorne links im Nachen durch Tasten zuerst nicht und muß kurz
hinschauen, wozu er nicht viel Zeit hat)
- Wenn ich es richtig sehe, ist der Lotse schneller als der Mann auf dem Räderboot (motiviert durch das Schaufelrad vor seiner Nase...) und
hat die vom Räderboot gekommene Leine fest, als die Bootsleine vom Bug des Nachens oben auf dem Räderboot noch nicht festgemacht
ist. Aber der Vorgang ist eben doch fast zeitgleich, so daß der Nachen nicht querfällt.
Das Aussteigen:
- Erstmal ist schön, wie sauber der Nachen auf Distanz zum Schiff hängt, ohne den Rumpf zu berühren.
- Als der Lotse im Nachen steht, löst er die Leine, die vom Räderboot kommt und im Nachen um die mittlere Klampe des Nachens
geschlungen war. Der Nachen hängt jetzt nur an der Bootsleine, die vom Bug des Nachens kommt und auf dem Räderboot belegt ist.
- Die gelöste Leine, die vom Räderboot kommt, wird nun nur um die hintere Sitzbank des Nachens gelegt und vom Lotsen straff gehalten.
- Jetzt löst der Mann vom Räderboot die Bootsleine auf dem Schiff.
- Der Lotse balanciert den Nachen, der jetzt von der Leine des Räderboots geschoben wird!, so, daß sich der Nachen vorne am Räderboot
abstützt und nicht ausschert und nimmt seine Bootsleine vom Räderboot entgegen.
- Dann läßt er den Nachen bewußt wegscheren, um vom Radkasten freizukommen und nutzt dabei den Schub durch die Leine des Räderboots
- wieder mal im richtigen Moment braucht er die Leine des Räderboots jetzt nur noch los- und unter der Sitzbank des Nachens ausrauschen
zu lassen.

Habe ich alles richtig gesehen? Falls es noch alte Fahrensleute gibt, die diese alte Kunst im Umgang mit den Räderbooten noch kennen, bitte ich ggf. um Korrekturen bzw. Ergänzungen.

Wenn die Leine vom Räderboot nicht angekommen wäre, hätte der Nachen an der Bootsleine gehangen. Was aber, wenn die Bootsleine nicht angekommen wäre? Hätte die Leine vom Räderboot den Nachen an der mittleren Klampe gehalten?

Das Video ist ein Goldstück!!! :shock: :roooll: Ich traue mich ja kaum, jetzt noch mit dem "billigen" Foto von den an ein Motorschiff angehängten Lotsen zu kommen ...

:wink: Gernot

Ernst
31.08.2008, 23:20
Hallo Gernot Du bistein exelennter Beobachter. Alle Achtung!
Tja die Lotsen haben Ihr Handwerk verstanden, denn einen zweiten Anlauf gabs da nicht mehr.

Gruß Ernst

Gernot Menke
02.09.2008, 11:56
Für alle Interessierten hier der Hinweis auf HISTORISCHES VOM STROM, Band VI. Norbert stellt das Buch in der Rubrik "Bücher" vor. Der Untertitel weist bereits auf das Lotsenwesen hin. Das entsprechende Kapitel (in dem Buch die Seiten 21-29) ist wirklich vorzüglich.
Auch über die Wahrschauer findet sich übrigens ein Kapitel in dem Buch.

Weil`s so schön ist, hänge ich die in dem Kapitel enthaltene Liste der Spitznamen der Lotsen an.

:lol: Gernot

BRITTELHAAK
02.01.2010, 01:43
Lotsen vom Gebirge
Lotsendienst III Alter Krebel
Rüdesheim 17 juli 2009.

Grusse, Henry