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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Regnitzschleuse Gaustadt



isarwolf
31.05.2012, 11:52
Über die Schleuse Gaustadt besteht eine Verbindung vom Ludwig-Donau-Main-Kanal über die Regnitz zum Main-Donau-Kanal. Einmündung der Regnitz bei MDK-km 2,60.
Die Schleuse ist noch in Betrieb und wird täglich von den Schiffen der Bamberger Personenschiffahrt Fritz Kropf (http://www.personenschiffahrt-bamberg.de)benutzt.

Bild 1: Schleuse von OW
Bild 2: Einfahrt FGS Christl von OW
Bild 3: FGS Christl abgeschleust
Bild 4 u. 5: Einfahrt FGS Stadt Bamberg von UW

McRonalds
31.05.2012, 12:30
Diese Schleuse liegt im 1858 fertiggestellten Durchstich, der ein kleines Wasserkraftwerk für die damals gegründet ERBA Baumwollspinnereien Weberei, Gaustadt, speist, und ist im Prinzip die letzte Schleuse des alten Ludwigskanal - obwohl sie 12 Jahre jünger und auch geringfügig größer ist als die 'alten' Kanalschleusen. Manche sprechen auch von Schleuse #101. Wann diese Schleuse in ihrer heutigen Form erbaut (bzw. umgebaut) wurde, weiß ich leider nicht.


Durch den Bau des Prinz-Luitpold-Hafens 1912 wurde östlich der Fa. ERBA eine weitere, deutlich größere Schleuse (mit schrägen Kammerwänden!) erbaut, die inzwischen - bis auf die beiden Schleusenwärterhäusschen, verschwunden ist. Auch der überflüssig gewordene linke Regnitzarm und der Verbindungskanal wurde an dieser Stelle verfüllt.


Gruß - Ronald;-)

McRonalds
31.05.2012, 17:59
Übrigens; im ersten Bild von isarwolf sieht man das neue 'Haindampferla' der Fa. Kropf, die sich für die Sommermonate ein holländisches (Grachten?)-Boot gemietet und in FRANKEN umbenannt hat. Das Schiff macht einen ca. 40-minütigen Pendeldienst zwischen Altstadt (Podium Leinritt - Sandkerwa-Besucher werden das kennen:-)) und Landesgartenschau - ein netter Service, wie ich finde. Ich versuche am Wochenende mal Bilder zu machen - und vielleicht finde ich auch raus wo und unter welchem Namen der früher verkehrt ist.
Gruß - Ronald;-)

Gernot Menke
23.09.2016, 00:47
1912 wurde östlich der Fa. ERBA eine weitere, deutlich größere Schleuse (mit schrägen Kammerwänden!) erbaut, die inzwischen - bis auf die beiden Schleusenwärterhäuschen, verschwunden ist.

Hallo Ronald,

als Folge der Landesgartenschau 2012 existiert nur noch das repräsentativere der beiden Schleusenhäuser, in dem sich gegenwärtig das "Cafe Zuckerl" befindet. Das zweite Haus wurde abgerissen.

Was die Abmessungen der alten, um 1858 gebauten Schleuse Gaustadt ("Schleuse 101") betrifft, so gibt Victor Kurs 1894 die Maße 48,30 x 7 m an. Das ist mehr als das Maß im Ludwigskanal, aber plausibel, da Mainschiffe hindurchpassen mußten und hier auch mehr Speisewasser zur Verfügung stand als im Kanal. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre (es gibt ein Foto der Schleuse Gaustadt auf den Seiten der baw mit dieser Datierung, das den Umbau zeigt) wurde die Schleuse dann offenbar renoviert und dabei verkleinert - der Ludwigskanal war ja inzwischen aufgegeben worden. Dabei dürfte auch das obere Drehtor eingebaut worden sein - das alte Untertor war sicherlich auch zweiteilig gewesen.

Die heutigen Abmessungen der Schleuse Gaustadt sind wirklich nirgends zu finden - die örtliche Fahrgastschiffahrt weiß Bescheid und die WSV gibt sich mit solch kleinen Sachen heutzutage nicht mehr ab. Man muß sich wohl, wie Du schreibst, am Fahrgastschiff CHRISTL orientieren, das nach einer Verlängerung auf das Maß dieser Schleuse gebracht wurde und heute 26,40 x 4,70 m hat (das kürzere Vorgänger-FGS hatte auch 4,70 m Breite).

Die Schrägwandschleuse (Fotos findet man auf der Seite von Hans Gruener unter Schleuse "102") durch den alten Regnitzarm, zu der das Schleusenwärterhaus gehört, verschwand vielleicht im Zusammenhang mit der Renovierung der "Kleinschiffahrtsschleuse" in Gaustadt, wobei ich nicht weiß, ob sich dieser Name auf die verkleinerten Abmessungen nach dem Umbau bezieht oder schon vorher im Gegensatz zur größeren Schleuse im alten Regnitzarm gebraucht wurde. Die Größe dieser Schleuse mit ihren schrägen Wänden ist mir nicht bekannt, aber auf Fotos wirkt sie größer als die 1858er Schleuse in Gaustadt.

:wink: Gernot

McRonalds
23.09.2016, 22:54
Die beiden Schleusen #101 und #102 haben mit dem Ludwigskanal eigentlich gar nix zu tun.

Die erste, 1858 in Gaustadt gebaute Schleuse wurde nötig, weil die Fa. Erba die Regnitz zur Energiegewinnung aufstaute. Zur damaligen Zeit lag der Hafen Bamberg noch Mitten in der Stadt (etwa dort wo heute die Kropf-Fahrgastschiffe anlegen), deshalb musste die Schleuse größer dimensioniert werden, damit auch Mainschiffe den Hafen ansteuern konnten. Gernot beschreibt das Maß mit 48.30 x 7 m, das erscheint mir realistisch für Mainkähne.

Wann und warum hier ein kleinerer Neubau, bzw. eine Sanierung enstand, weiß ich gar nicht. Wenn Gernot es nicht angesprochen hätte wäre mir das bislang noch gar nicht aufgefallen, aber ich gehe mal forschen.

Die Schrägwand-Schleuse #102 entstand später. Offenbar war der Grund der neue Hafen, der 1912 entstand, denn um aus dem Ludwigskanal in den neuen Hafen zu kommen hätte man mühsam um die Elmer Spitze herumfahren müssen. Kann aber auch sein dass die Schleuse baufällig oder marode war - was ja auch den späteren Neubau erklären würde. Auch hier muss ich noch mal forschen

Nicht nur die Schleuse, auch der ganze Wehrarm (der ursprünglich die Regnitz war!) wurde 1963, kurz nach dem Neubau des Hafens, verfüllt - und so blieb der Erba-Werkkanal übrig, der heute noch auf vielen Quellen als Werkkanal bezeichnet wird - auch wenn er diese Funktion schon lange nicht mehr erfüllt.

...kompliziert... und auch nur für Freunde des Ludwigkanals interessant...

Gruß - Ronald;-)

McRonalds
23.09.2016, 22:57
...hier noch ein schönes Luftbild vom gesamten Areal aus dem Jahr 1960.

Gernot Menke
23.09.2016, 23:42
Auf dem Luftbild kann man schön sehen, daß die 1912er Schleuse rechts deutlich größer war als die Schleuse Gaustadt (links). Es wäre schön, wenn man auch mal die Abmessungen dieser Schrägwandschleuse wüßte - und ihre damalige korrekte Bezeichnung! Vielleicht Verbindungsschleuse oder so etwas, nachdem es eine Gaustädter Schleuse schon gab. Vielleicht hat einer einen entsprechend alten Weska von 1963 oder früher?

Das Datum der Verfüllung der Schleuse "102", die nie so hieß, deckt sich also weitgehend mit dem Zeitpunkt der Renovierung/des Umbaus der Schleuse Gaustadt. Beides hing sicherlich zusammen. Es ist anzunehmen, daß die alte Schleuse in Gaustadt marode war und da kein Frachtverkehr mehr zum Kranen nach Bamberg ging, brachte man die Schleuse Gaustadt in einer kleineren, der Fahrgastschiffahrt genügenden Version wieder in Schuß, um die große Schrägwandschleuse ganz aufgeben zu können. Das bedeutete ja auch einen beträchtlichen Geländegewinn. - So ist meine Vermutung. Vielleicht bekommst Du ja etwas heraus, Ronald!

:wink: Gernot

Gernot Menke
24.09.2016, 00:31
Na klar! Manchmal schaltet man einfach nicht - man kann die Verkleinerung der Schleuse doch deutlich sehen:

Auf Bild 1 sieht man am Oberhaupt noch die alten Steine von 1858 und auch die alten Tornischen - sicherlich damals ganz normale Stemmtore. Das Drehtor wurde erheblich zurückgesetzt und vor beide Schleusenwände ein Aufsatz gesetzt, in den die neue Tornische für das Drehtor integriert wurde. Man muß also nur den Versatz des Obertors und die Breite der Aufsätze vom alten Schleusenmaß abziehen.

Am Untertor (Bild 2) sind die alten Tornischen hingegen nicht mehr erkennbar, wohl aber die Nuten für die Sperrverschlüsse, wenn ich mich nicht täusche. Auch hier scheint das neue Tor etwas in die Schleuse hineinversetzt worden zu sein, um den seitlichen Aufsatz auf die Schleusenmauern zur Anlage der neuen Tornische nutzen zu können. Nochmal etwas weniger Schleusenlänge also. Man kann jedenfalls auch am Unterhaupt deutlich die alten Steine hinter dem seitlichen Aufsatz sehen.

Bild 3: die seitlichen Aufsätze auf die alten Mauern.
Bild 4: die Verengung wurde ins Unterwasser hinein verlängert, um eine gerade Einfahrt ohne Ecke an der Schleuse zu bekommen. An den Wänden sind auch die früheren Steine noch sichtbar.

Mal rechnen: wenn der Aufsatz 90 cm breit ist, fehlen also 1,80 m an den ursprünglichen 7 m, macht heute 5,20 m. Dann hätte die CHRISTL mit ihren 4,70 m links und rechts 25 cm Platz - kommt ungefähr hin. Wenn man in der Länge am Obertor geschätzte 6 und am Untertor etwa 3 m Meter vom alten Maß abzieht, liegt man bei rund 39 m Länge der heutigen Schleuse. Dann hätte die CHRISTL in der Länge noch rund 13 m Platz in der Kammer - kann auch in etwa hinkommen, wenn man sich die Fotos besieht. - Nicht auszuschließen, daß die Schleuse seinerzeit als eine Fünfmeterschleuse im Penischenmaß renoviert wurde! Die fuhren damals ja noch rege und europaweit und warum nicht doch auch einmal bis Klein Venedig!

:wink: Gernot

McRonalds
13.10.2016, 12:02
Vor einigen Jahren wurde im Rahmen der Landesgartenschau (zumindest ein Teil ) der zugeschütteten Regnitz wieder 'aktiviert' - ich habe damals ein Foto gemacht, wie dort ein künstlicher Wasserlauf (wobei es sicher nicht mehr als ein Bach wurde) entstanden ist. In dieser Blickrichtung lag früher die Regnitzschleuse. Gruß - Ronald;-)

McRonalds
27.11.2016, 18:15
...habe ein interessantes Bild gefunden von 1946; Gaustadt mit Schleuse (leider nur teilweise drauf). Gruß - Ronald;-)