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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Canal de Briare - SCHWINGBRÜCKE MOULIN BRULÉ



Gernot Menke
20.08.2012, 23:16
Zunächst der Hinweis, daß der Canal de Briare zu einer Kanalkette aus vier Kanälen gehört, die die Route längs der Loire von der Seine zur Saône und Rhône bildet - Informationen dazu finden sich an dieser (http://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?44597-Die-Loire-Route) Stelle.

Schwingbrücke - eine bessere Übersetzung für "pont oscillant" ist mir nicht eingefallen.

Bei den Dampfmaschinen gab es ja früher mal welche mit "oszillierenden" Zylindern. Anders als bei den heutigen Motoren, bei denen die Pleuel die meiste Zeit über nicht senkrecht zu den Kolben stehen, die Kolben also Seitenkräfte aushalten, bekam man die Kolben in den Dampfzylindern nur bei senkrecht stehenden Pleuelstangen dicht. Deswegen ließ man die Pleuel erst einmal genau in der Achse des Kolbenhubs auf "Kreuzköpfe" wirken, an denen die Pleuel der Kurbelwelle dann wie bei einem heutigen Motorkolben ansetzen konnten, da die Kreuzköpfe ja nichts abzudichten hatten. Das andere System waren eben die oszillierenden Dampfmaschinen, die ohne Kreuzköpfe auskamen und die Senkrechte der Pleuel zum Kolben dadurch sicherstellten, daß die Zylinder drehbar waren und sich der Stellung des Pleuels (und des fest mit ihm verbundenen Kolbens) anpaßten. Nur am Rande sei erwähnt, daß sich dieses System nicht sonderlich bewährte, da die Dichtigkeit zwar am Kolben gelöst war, aber nun die Verbindung des beweglichen Zylinders mit der Dampfleitung schwierig wurde.

Oszillieren bedeutet also "in kleinerem Umfang hin und herschwingen oder -pendeln". Eine Schwingbrücke ist also keine Drehbrücke und auch keine Hubbrücke, die sich komplett öffnet, sondern eine Klappbrücke, die sich nur auf einer Seite um wenige Zentimeter hebt. Solche Brücken dienten dazu, die Treidelleine mit wenig Aufwand durch die Brücke hindurchzubekommen, ohne die Leine vom Schiff oder von den Pferden lösen zu müssen. Es brauchte lediglich kurz der Zug von der Leine genommen und die Leine durch den kleinen Spalt geführt zu werden und die Brücke wurde wieder geschlossen. Heute nutzt man die Brücken auch zum Höhengewinn, wenn mal einer daherkommt, der die 3,50 m Spielraum nach oben allzu arg ausnutzt - wie die luxuriöse Hotelpenische MEANDERER mit ihrem Sonnendach über der Terasse.

Eine solche pont oscillant habe ich am Canal de Briare an der Schleuse 21 in Moulin Brulé fotografiert. Die ersten beiden Fotos zeigen die Brücke in verriegeltem Zustand von der Berg- bzw. von der Talseite. Auf dem dritten Foto wird der Riegel mit dem weißen Hebel herausgezogen - das Gewicht der Brücke - zusammen mit dem Schleuser - öffnet nun die Brücke allein durch das bloße Gewicht. Das montierte Zusatzgewicht an der Talseite der Brücke (Foto 4) soll das Ganze wohl nur genau austarieren - so ist die Brücke leichter herzustellen. Wenn der éclusier einen fetten Bierbauch hat, kann das Gewicht vielleicht auch entfallen :lool: Geschlossen wird die Brücke ganz einfach dadurch, daß der Schleuser auf das geöffnete Ende der Brücke geht - die Brücke senkt sich wieder ab und der Riegel rastet wieder ein - fertig. Geht razzfazz und elektronische Störungen gibt es garantiert nicht.

Auf Bild 6 sieht man die Brücke in der geöffneten Stellung für die Hotelpenische MEANDERER mit ihrem hohen Sonnendach (Bild 5) - der weiße Hebel steht deutlich sichtbar senkrecht zum Brückensegment.

:wink: Gernot