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Gernot Menke
10.08.2012, 00:01
Zunächst der Hinweis, daß der Canal du Centre zu einer Kanalkette aus vier Kanälen gehört, die die Route längs der Loire von der Seine zur Saône und Rhône bildet - Informationen dazu finden sich an dieser (http://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?44597-Die-Loire-Route) Stelle.

Alte und neue Einfahrt in Chalon-sur-Saône

Der Kanal du Centre begann einst mitten in Chalon-sur-Saône. Er durchquerte die Stadt mit vier Schleusen unter Einschluß einer hafenartigen Erweiterung (Bilder 2 und 3). Auf der Karte ist die einstige Kanaleinfahrt mit 1 bezeichnet. Das damals neue Hochhaus neben dem Kanal erkennt man auch auf dem aktuellen Foto 4 ganz rechts (bei projetbabel.org findet man ein diesem Foto entsprechendes altes Bild mit der alten Kanaleinfahrt). Der Kanal ist in den 1960er Jahren verschwunden und hat damals einer "Prachtstraße" Platz machen müssen, wobei die Pracht aus Hochhäusern, Parkplätzen und möglichst vielen Fahrspuren bestand - so waren eben diese Nachkriegsjahre. Heute würde man sich über einen großen Sportboothafen mitten in der Stadt freuen, Liegeplatzgebühren kassieren und daneben schicke Wohnungen vermieten. So aber ist der ehemalige Kanal zu einer tristen Vorortstraße mit viel Beton verkommen.

Auf dem fünften Foto dann die neue Kanaleinfahrt (Punkt 2 in der Karte), fast vier Kilometer bergwärts der alten Kanaleinmündung in die Saône gelegen. Hier hat man einen geraden, breiten Kanal geschaffen und die vier Schleusen des alten Kanals durch eine Schachtschleuse ersetzt, die Schleuse Crissey mit 10,76 m Hubhöhe, die damit (nach Réchicourt im Rhein-Marne-Kanal) die zweithöchste 5 Meter-Schleuse in Frankreich ist. Eine Penischen-Autobahn im Stil der 1960er Jahre, könnte man sagen. Bild 6 zeigt die Schleuse bei der Annäherung aus dem UW - von der Saône bis zur Schleuse sind es über einen Kilometer. Am Südwestufer des Unterkanals liegen abgesoffene Rhône-Schleppschiffe, die die heutigen Schrottpreise verschlafen haben. Bild 9 das Obertor, Bild 10 das Untertor, auf den Fotos 9 und 10 sieht man die Schleuse von der Bergseite.

Bergwärts der Schleuse folgt bald ein über dem Kanal liegendes Restaurant (Bild 13), im folgenden Bild zurück zu tal sieht man, daß zwischen dem Restaurant und der Schleuse Crissey (ganz im Hintergrund) noch eine Eisenbahn- und eine Straßenbrücke liegen.

Das letzte Foto zeigt den Punkt 3 in der Karte: der Blick geht bei der Vorbeifahrt auf dem heutigen Kanal in den alten, heute gesperrten Kanal hinein, der noch ein Stück weit erhalten ist (durchgezogene Linie auf der Karte), bevor er von der "Pracht"straße überrollt und verdeckt wird.

Übrigens haben die 1960er Jahre noch an zwei weiteren Orten des Kanals tiefgreifende Veränderungen bewirkt: in Montchanin in der Scheitelhaltung und in Digoin am Westende. Mehr dazu in den entsprechenden (noch kommenden) Beiträgen.

:wink: Gernot

Gernot Menke
27.08.2012, 00:07
Der Canal du Centre - wirklich spektakuläre Bauwerke gibt es an diesem Kanal nicht. Er lebt eher von atmosphärischen Eigenarten, die ich daher hier versuche, kurz wiederzugeben. Bei den anderen drei Kanälen der Kanalkette stehen dann eher bestimmte Bauwerke im Vordergrund.

Der Kanal hat übrigens gar keinen KM Null - die in # 1 beschriebene Umgehung von Chalon-sur-Saône brachte eine Verkürzung des Kanals gleich an seinem Anfang und da fand man es wohl ökonomischer, den ersten Kilometer zu streichen, um alle anderen so belassen zu können. Angeschrieben stehen die Kilometer sowieso nicht. So beginnt der Kanal also gleich bei KM 2 an der Saône.

Auch bei den Schleusen hat sich einiges verschoben - die alten Angaben an den Schleusenhäusern weichen von den heutigen Angaben um mehrere Ziffern ab (die Schachtschleuse Crissey (Bilder in # 1) hat die Nr. 34b anstatt 35 bekommen - ab der Nr. 34 geht es dann normal weiter). Vermutlich sind bei den diversen Modernisierungen des Kanals einige 2,50 m-Schleusen zu hohen 5 m-Schleusen zusammengefaßt worden. Fünf Stück gibt es davon bis Chagny und bis hoch zum Scheitel sind es 11.

Diese Schleusen verbrauchen natürlich auch mehr Wasser als einheitliche 2,50 m-Schleusen, was dadurch verschärft wird, daß die automatische Anforderung der Schleusenketten aus der Ferne oftmals gerade zum falschen Zeitpunkt erfolgt, wenn eine Schleuse für den sich nähernden Verkehr in der Gegenrichtung bereitstünde. Dadurch wird unnötig Wasser vergeudet. Die Probleme mit dem Wassermangel des Kanals, der fünf für Peugeot auf diesem Kanal pendelnde Penischen aus dem Geschäft warf (darunter der WALHALL und der SELECT und ich meine, auch der LIBERTY war daran beteiligt) sind jedenfalls nicht beseitigt - je nach Wetter wird es im Herbst irgendwann eng und bereits jetzt im Juli wurde nach Möglichkeit in Gruppen geschleust, um die Reserven zu schonen.

Der Anstieg bis Chagny erfolgt in einer sanften Landschaft, so daß die gewaltigen 5 m-Schleusen eigentlich unerwartet kommen - in Bild 3 die Nr. 32 bei KM 11. Bei den großen Höhen werden die blauen Stangen zum Anheben zu schwer - hier gibt es Tirettes, das sind Zugseile, die hinter der Leiter bis runter in die Schleuse gehen. Einen Nachteil haben die Seile: oben mögen sie blau und rot sein - unten im Loch sind beide gleichermaßen verschlammt und braun! Bei den Stangen kann man das, wenn man nach oben blickt, doch besser erkennen.

Gewaltig sind die 5 m-Schleusen auch beim Fluten. Die Zugseile sind für die Penischen, die vorne festmachen, ganz vorne angebracht (Bild 4). Kleine Boote sollten sich, wenn das Untertor reagiert und schließt, jetzt ganz schnell weit nach hinten verziehen. Manche der Schleusen sind heftig und keine ist wie die andere. An der 32 half mir eine Urlauberin und zog die blaue Leine für mich. Sie hielt sich entsetzt die Hand vor den Mund, als sie sah, was sie "angerichtet" hatte: selbst in der Schleusenmitte schossen die Fontänen hoch aus dem Wasser, das hier von unten kommt. Mal ist es rechts, mal links schlimmer, die Seiten wechseln von Schleuse zu Schleuse. Ich konnte das leider nie knipsen - ich war dann immer beschäftigt. Bild 5 zeigt die Nr. 29 - im Hintergrund schleust in der 28 eine Wohnpenische (FLEUR DE LYS aus Lyon, ein 1925 gebauter Michot) zu tal. In diesem Bereich liegen acht Schleusen nur jeweils 500 m auseinander. Auf Bild 6 die Nr. 25 bei km 17.

Der Einschnitt bei Chagny (Bilder 7 und 8. Im Höhenprofil beinhaltet die flache Strecke von KM 18-29 nicht nur den Einschnitt, sondern die längste Haltung des Kanals von 11 km reicht vom Einschnitt über Chagny noch bis hinter Bild 12 hinaus) erweckt den Eindruck einer Scheitelhaltung, doch in Wirklichkeit tauscht der Kanal hier nur die Nachbarschaft des Flüßchens Thalie gegen die der Dheune. Ein kleiner "Vorscheitel" also, bevor es weiter hoch geht, zunächst hinter Chagny erst wieder ganz sanft. Chagny ist ein seltsamer Hafen, nicht nur, weil er von einer Ziegelei umrahmt wird (die Stadt ist aber schön). Vom Einschnitt fährt man geradeaus in den Hafen und merkt erst relativ spät, daß es nicht weitergeht und der kleine "Einlauf" an der Seite in Wirklichkeit die Fortsetzung des Kanals ist! Der Einlauf ist ein Aquädukt (Bild 10 zurück zu tal gesehen. Hinten ist links der Hafen und rechts der Einschnitt), doch unten fließt kein Fluß, sondern da ist die Hauptstrecke der Eisenbahn! Schon witzig, die Oberleitung unter dem Kanal zu sehen - hier sollte es mal nicht tropfen.

Die Kurve in Bild 11 markiert die Wende des Kanals, der ab hier von der Nordwest- in die Südwestrichtung umschwenkt (zu berg Richtung Loire gesehen). Die Tonnen wären bei deutscher Gründlichkeit eigentlich rot, aber es wird schon keiner innen durch wollen! Das letzte Bild ist typisch für die folgende Strecke: schmaler, idyllischer Kanal mit sanften Schlängeln entlang der Höhenlinien eines Bergrückens, während man nach rechts über das Tal einen weiten Blick hat. Einen der Berge (er ist noch nicht im Bild) kann man dann auch oben vom Scheitel aus in weiter Ferne wiedersehen.

:wink: Gernot

elo-yan
27.08.2012, 00:40
Was mich an diesem Kanal am meisten beeindruckt, sind die vielen Blumen und KURVEN! Der Canal du Centre gehört (zu mindest von weitem gesehen, schauen wir lieber nicht unter die Wasseroberfläche!) meiner Ansicht nach mit zu den gepflegtesten. Das ist bestimmt in Zusammenhang mit seiner Beliebtheit bei Freizeitschiffern.

Berufsschifffahrt ist kaum anzutreffen. Das hängt wohl mit den vielen Kurven zusammen, die ein Kreuzen bei Leerfahrt erschweren und zweier geladener Penischen nahezu und stellenweise verunmöglichen. Der Kanal folgt strikt den Höhenkurven, und das gibt ihm auch einen besonderen Reiz.

Noch ein Wort zu den 5m Schleusen: Praktischerweise sind die mit Schwimmpollern ausgestattet. Man hat einfach unten einzufahren und anzumachen, die Poller folgen dem steigenden Wasserspiegel. Aber Vorsicht ist geboten bei der Ankunft oben: Die Poller stoppen während der Wasserspiegel noch steigt!! Unbedingt Leinen rechtzeitig lockern, sonst sirren sie zerrissen um die Ohren!

Jetzt bin ich gespannt, was Gernot weiter zu erzählen hat...:tongue:

Gernot Menke
27.08.2012, 21:43
50 Kilometer - das ist auf den französischen Kanälen auch für Vielfahrer an einem Tag auf dem Kanal kaum zu schaffen. Etwas über 30 Kilometer ist realistischer - man muß bedenken: 9-12 und 13-19 Uhr - mehr ist hier nicht, wobei ich die Zwangsmittagspause ehrlich gesagt als ganz angenehm empfunden habe.

Hinter Chagny geht es sanft weiter nach oben - immer mit so etwas mehr als 2,50 Hubhöhe (Bild 1 zeigt die Nr. 20 St. Léger-sur-Dheune bei KM 32). Das ändert sich erst ab der Nr. 10 bei KM 43 (Foto 2). Ab jetzt sind es fast immer genau 5,13 m und bei der Bergfahrt sind die Schleusenfontänen zurück - mal mehr, mal weniger, mal links, mal rechts.

Auch auf Bild 3 ist so eine Schleuse - es ist die Nr. 6 vor dem Kanalmuseum in Écuisses im Hintergrund. Was da liegt, ist die Museumspenische ARMANCON, benannt nach einem Fluß. Vor der Penische (hinter den Blumenkübeln) erahnt man die einzige noch erhaltene Schleuse des alten Kanals, bereits verlängert und verbreitert auf das Becquey-Maß in den 1820er Jahren. Sie gehörte zur einer hier einst vorhandenen Schleusentreppe. Im Vordergrund gibt es an der heutigen Schleuse zweierlei zu sehen: zum einen die (an vielen Schleusen in diesem Bereich erhaltene) Bediensäule im uralten Look mit den Zugseilen (tirettes), die nach unten durch das Gemäuer gehen und sich nach links in den Schacht der Treppe mogeln. Rechts die von Brigitte im Beitrag zuvor angesprochenen Schwimmpoller, die mir weiter unten nicht aufgefallen waren.

Bild 4: auch hier gibt es zweierlei zu sehen, das typisch für den Kanal ist. Nämlich der Tormechanismus einerseits und die Sechsfachampel andererseits. Einen tieferen Sinn hat die Ampel nicht - eigentlich reichen ja drei Lichter - so werden eben immer Doppellichter auf den drei Ebenen der Ampel angezeigt. Die Fotos sind an der Nr. 2 gemacht.

Die nächsten zwei Fotos sind vom Unterhaupt der Nr. 1 Mediterranée aus fotografiert. Auf dem ersten sieht man rechts die Teiche, die bei der Kürze der Haltung erforderlich sind; das zweite ist herangezoomt: links des Baumes ist ein spitzer Berg zu sehen, den man bereits lange vorher von viel weiter talwärts sieht. Hinter dem Bergrücken weiter rechts dürfte Chagny liegen. Die Schleusen 1-4 bilden praktisch eine Schleusentreppe -der Endspurt vor dem Scheitel.

Bild 7 zeigt die Scheitelhaltung, die ganz schön mit einem Einschnitt ist, aber nur recht kurz und auch nicht sonderlich spektakulär. Es folgt ein Damm, hinter dem ein Speichersee liegt - vom Kanal aus nur an den Badegästen auf der Dammkrone erkennbar. Es ist der See von Montchanin, das einen wenig später mit der von LKW stark befahrenen Fernstraße N 70 begrüßt. Montchanin ist heute wenig reizvoll - in den 1960er Jahren hat man den Kanal hier begradigt, den Hafen zugeschüttet und den einstigen Port Schneider dadurch vom Wasser abgeschnitten. Zwei Kilometer vom Kanal entfernt gibt es die Rigole de Torcy zu sehen, einen einstmals schiffbaren Speisekanal mit einem Tunnel (siehe den entsprechenden Beitrag, den ich demnächst an passender Stelle wieder einstelle). Ein toter Arm des alten Kanals ist als ein Überbleibsel des vormaligen Kanalverlaufs noch vorhanden - hier liegt heute eine kleine Werft.

Die Gegend danach: kurvig, aber waldlos und nicht allzu reizvoll. Bei einem vom Kanal aus sichtbaren, etwas entfernten Kriegerdenkmal am Nordufer am Oberhaupt der Schleuse 4/Parizenot bei KM 55 sollte man anlegen: vom Wasser aus nicht sichtbar hinter dem Damm existiert hier noch eine Treidelpfadbrücke aus der Zeit des ersten Kanalbaus vor 1793 (Fotos 8 und 9).

Bild 10 zeigt die beiden Klappbrücken in Montceau-les-Mines. Hier liegt momentan noch die sehenswerte Penische ROMULUS - die letzte Penische, die die Wohnung noch in der Mitte hatte (siehe hier (http://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?44009-ROMULUS-Penische)) Das vorletzte Bild bekommt man nicht zu Gesicht, wenn man talwärts von Montceau (bei KM 67 oberhalb der Nr. 10) an dem kleinen Loch unter der Eisenbahnbrücke vorbeifährt. Denn dort geht es in den einstigen Kohlenhafen hinein. Nach der Einfahrt durch die Engstelle ist das vorletzte Foto entstanden. Vor wenigen Jahren haben hier vereinzelt noch Penischen geladen - ob das immer noch dann und wann mal der Fall oder ob der Hafen aufgegeben ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Das letzte Bild zeigt ein Industriedenkmal, das zum Industriemuseum in Le Creusot gehört: eine Briqueterie bei KM 76 in Ciry-les-Nobles.


:wink: Gernot

Gernot Menke
29.08.2012, 23:44
So ganz stimmt es nicht, wenn ich in # 2 geschrieben habe, im Canal du Centre gebe es keine spektakulären Bauwerke. Den Einschnitt bei KM 81 in Génelard nimmt man vom Wasser aus gar nicht so sehr wahr; aber von oben mußte ich beim Anblick der hohen gemauerten Schrägen unwillkürlich an die Pyramiden in Ägypten denken! Einen Einschnitt nennt man in Frankreich tranchée - siehe Tranchiermesser.

Wenn man in Richtung Loire fährt, passiert man den Einschnitt in der Talfahrt. Der Ort Génelard liegt am bergseitigen Ende, dahinter folgt auf der Talseite die Schleuse 16. Wartehäfen gibt es auf beiden Seiten.

Die Fotos beginnen auf der Bergseite. Die Brückenpfeiler der Brücke in Génelard sind die alten, aber die gerade Auflage der Brücke wurde irgendwann erneuert, wie man dem Vergleichsbild aus der Zeit um 1900 (Bild 9) entnehmen kann. Die alte Auflage war noch "mit Architektur". Auf den beiden folgenden Bildern setzt sich die Fahrt in den Einschnitt fort. Etwa in der Höhe, in der Bild 3 aufgenommen ist, geht der Blick auf dem vierten Foto zurück auf die Brücke in Génelard. Auch in Bild 5 geht der Blick zu berg, aber von tiefer im Einschnitt aus gesehen. Deutlich sichtbar sind die Aushubdämme am anderen Ufer, die sich über das einstige Geländeniveau erheben.

Bild 6 ist der Blick auf die talseitige Ausfahrt im OW der Nr. 16. Am linken Ufer (Ostufer) befand sich hier eine Ampel, die der Talfahrt bereits bei der Einfahrt in den Einschnitt von weitem signalisierte, ob Bergfahrt aus der Schleuse um die Ecke kam. Heute gibt es keine Lichter im Einschnitt - erst an der Schleuse wieder. Bild 8 ist das heutige Vergleichsbild zu der über hundert Jahre alten Aufnahme (Bild 9), beide zu berg aufgenommen. Man sieht, das zwei Männer das Schiff von beiden Seiten des Kanals aus zu tal treideln (ein dritter stakt) - ein Fischer auf der linken Bildseite hatte Platz gemacht und legt sein Netz gerade wieder aus. Ich finde es sehr bemerkenswert, daß man hier offenbar gar keinen Treidelpfad für Pferde vorgesehen hatte, sondern nur ein kleines Gesims, auf dem man mit Menschenkraft - "à col d`homme" - treideln konnte, wie hier zu sehen. Vermutlich war das nur der "Menschen-Treidelpfad", um kurze und leichte Leinen nehmen zu können, während Pferde (und später Traktoren) ganz von oben zogen.

Die Schleuse Nr. 16 ist in Bild 10 zu berg fotografiert. Im Hintergrund die talseitige Einfahrt in den Einschnitt, die auch auf dem Folgebild abgebildet ist. Man sieht auf Bild 11, daß sich der Kanal hinter der heutigen Spundwand etwas verengt. Der Mast dahinter ist die einstige Ampel für den Talverkehr.

Die letzten drei Bilder zeigen den talseitigen Vorhafen unterhalb der Nr. 16, von der Brücke über das Unterhaupt der Schleuse zu tal fotografiert und im Gegenblick zu berg (letztes Bild) - rechts die Einfahrt in die Schleuse.

:wink:Gernot

Gernot Menke
03.10.2012, 00:08
Der Canal du Centre geht etwas verworren in den Loire-Seitenkanal (Canal latéral à la Loire) über. Wenn man auf die Skizze (Foto 1) schaut, gibt es den Punkt A: dort ist laut Karte der KM 110 des Canal du Centre identisch mit dem KM 0 des Loire-Seitenkanals. Die Kilometrierung geht dann aber parallel weiter, bis zum KM 114 (oder KM 4 des Loire-Seitenkanals) kurz vor dem Aquädukt über die Loire in Digoin. Dort bei Punkt C am westlichen Ende des Port Campionnet, einem früheren Handels- und heutigen Sportboothafen, ist heute die Grenzlinie zwischen den beiden Kanälen. Wie kann man das alles verstehen?

Als 1794 der Canal du Centre (damals hieß er Canal du Charolais) eröffnet wurde, verlief er auf der Karte von A über D nach E und stellte eine Verbindung zur damals von der Schiffahrt benutzten Loire dar. Der Abstieg erfolgte über die vier Schleusen 27 bis 30.

Ab 1838 ging es dann nicht mehr über die Loire, sondern im Loire-Seitenkanal in Richtung Paris und der Kanal von Roanne nach Digoin kam hinzu, der bei F nach Süden abzweigt. Man hatte für den Loire-Seitenkanal einen Verlauf auf dem linken Ufer der Loire gewählt, um einige Bergzüge am rechten Loireufer zu umgehen und nahm dafür eine zweifache Überquerung der Loire (in Digoin und in Briare) und eine Überquerung des linken Loire-Nebenflusses Allier (in Le Guétin) in Kauf. Die Höhe des Aquädukts über die Loire (Fotos im nächsten Beitrag) und des Geländes in Digoin bestimmten den Ort des Zusammentreffens des neuen Loire-Seitenkanals mit dem bestehenden Kanal zur Loire im OW der Schleuse 27 Le Paradis (Punkt A). Beide Kanäle liefen nun parallel: der alte Kanal hinunter zur Loire und der neue Kanal ohne Gefälle - erst westlich des Aquädukts gab es eine Niveauabsenkung um 3,90 m mittels der Schleuse 1 hinunter zum Warteplatz Gare de Chavane (zwischen F und der Schleuse 1 in deren UW).

Es lag nahe, die Abzweigung des neuen Kanals (A in der Karte) als Nullpunkt des Loire-Seitenkanals zu nehmen. Das änderte sich, als von 1869-1876 die Rigole de l`Arroux gebaut wurde. Dieser 14 km lange Speisekanal, der bei B mündet, wurde auf Betreiben des Industriellen Campionnet (nach dem der Hafen bei Punkt C benannt wurde) schiffbar gestaltet und für Berrichons ausgebaut (und nach seinem bergseitigen Zielort auch Canal de Gueignon genannt). Seine beiden Schleusen bekamen die Maße 30,70 x 2,70 m.

Jetzt wäre der neue Speisekanal dem alten Abstieg zur Loire von der Durchfahrtshöhe her im Weg gewesen. Man erwog zunächst, den Speisekanal weiter östlich zu bauen, entschied sich dann aber für die Lösung, das Kanalbett des alten Abstiegs zwischen A und D mit seinen beiden Schleusen aufzugeben und durch eine kurze Verbindung zwischen dem Port Campionnet (Punkt C) und D mit einer Doppelschleuse zu ersetzen. Der Loire-Seitenkanals ging jetzt bei C vom Canal du Centre ab, so daß man hier die bis heute gültige Grenzlinie zwischen den beiden Kanälen zog. Der ersten vier Kilometer des Loire-Seitenkanals zwischen A und C wurden den Canal du Centre zugeschlagen, so daß der Canal latéral à la Loire heute mit dem KM 4 beginnt.

Der letzte Akt vollzog sich 1955. Im Zeitalter der "autogerechten Stadt" und der Verfüllung alter Kanaltrassen (man denke nur an Erlangen) wurde der Abstieg zur Loire nun ganz aufgegeben und auch das Stück zwischen C und E verfüllt. Bei C sind heute keinerlei Spuren der alten Verbindung oder der Doppelschleuse mehr erkennbar, die Trasse zwischen E und D ist heute die breite "Rue des Plantanes" und das Kanalende bei der Schleuse Nr. 30 wurde - ganz ähnlich der Situation in Nevers - zu einem Schwimmbad und zu einem Campingplatz. Von der Nr. 30 sind noch ein paar wenige Reste zu sehen - Fotos im nächsten Beitrag.

Kurz zu den Bildern in diesem Beitrag: die Fotos 2-6 zeigen die Rigole de l`Arroux. Bild 2 die heute permanent geschlossene Klappbrücke an der Einmündung bei B - vom früheren Kanal runter zur Loire (zwischen der Klappbrücke und dem Aquädukt über die Bourbince im Hintergrund, siehe Karte) ist nichts mehr zu sehen. Man beachte übrigens die eiserne Rutschleiste auf der Mauer im Vordergrund für die Treidelleinen! Der stählerne Aquädukt (Fotos 3, 4) ist 27 Jahre älter als der Aquädukt in Briare und damit ähnlich früh wie der am Saarkohlenkanal.

Bild 5 die Schleuse 2 des Speisekanals mit Blick zu tal auf den Aquädukt und die (hier schwer erkennbare) Klappbrücke dahinter. Das kompliziert wirkende Schild am heute leerstehenden Schleusenhaus der Nr. 2 (Foto 6) wird anhand der Skizze verständlich. - Übrigens endete die Schiffahrt auf der kleinen Rigole erst im Jahr 1953. Der Hafen in Gueugnon wurde 1972 verfüllt - heute würde man sich dort die Finger nach dem Hafen lecken!

Die Bilder 7 und 8 zeigen die Annäherung an den Loire-Aquädukt im Loire-Seitenkanal von Osten aus, Bild 9 ist der Gegenblick vom Aquädukt zurück in Richtung Punkt C. Die Bilder 10 und 11 sind in der Nr. 1 westlich des Aquädukts entstanden: Nr. 10 der Blick aus der Schleuse in Richtung Aquädukt, Bild 11 der Blick zu tal ins UW in Richtung Wartehafen Gare de Chavane, der auch auf Foto 12 (talwärts) zu sehen ist.

Die letzten beiden Bilder zeigen bei Punkt F den Blick aus dem Loire-Seitenkanal hinein in den abzweigenden Canal von Roanne nach Digoin.

:wink: Gernot

Gernot Menke
03.10.2012, 15:07
Hier der Rest der Digoin-Bilder (siehe dazu die Skizze (Anhang 1) im vorigen Beitrag). Der Aquädukt über die Loire in Digoin ist hier vom rechten Loire-Ufer aus aufgenommen. Auf den beiden ersten Bildern sieht man im Hintergrund die Schleuse 1.

Die Fotos 4-6 sind alle vom selben Standpunkt aus fotografiert: 4 zu berg und 5 zu tal mit einer alten Rampe zur Loire - auch hier gab es sicherlich irgendwann einmal Hafenbetrieb und die heute geteerte Straße auf Bild 6 dürfte die entsprechende Zufahrt gewesen sein.

Auf Bild 5 markiert die Straßenbrücke im Hintergrund den Punkt E in der Digoin-Skizze im Beitrag zuvor. Nur wenig talwärts der heutigen Brücke lag die Eingangsschleuse Nr. 30 des Canal du Centre. Auf den letzten beiden Fotos sind die Reste dieser Schleuse zu sehen (ganz rechts der im Beitrag zuvor erwähnte Camping-Platz).

:wink: Gernot

Gernot Menke
31.05.2013, 21:49
Ich habe im ersten Beitrag noch ein Foto der alten Einfahrt des Canal du Centre in Chalon-sur-Saone eingefügt: das jetzt zweite Foto in # 1 (die Numerierung der anderen Fotos habe ich entsprechend angepaßt). Man sieht auf dem vierten Bild sehr schön, daß der Damm links der Bildmitte die alte Einfahrt war. Rechts der Bildmitte, zur Brücke hin, hat sich offenbar gar nichts verändert!

:wink: Gernot