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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Preussen (Väth) - GSK -



Gerhard
16.12.2012, 21:02
Hallo

das Schleppschiff war eines der ersten Schiffe von Gebr. Väth Würzburg. Daten vom Schiff seht Ihr auf Bild 2, ein Kopie vom Bauauftrag in Wörth a/Main vor gut 100 Jahren

Gruß Gerhard

Gernot Menke
17.12.2012, 00:26
Ein herrliches Bild, Gerhard!

Ich wollte schon darüber sinnieren, ob unter dem Deck, auf dem die Besatzung posiert, eher Wohnung oder eher Laderaum oder beides teilweise zu vermuten sei, aber wenn der als Motorschiff gebaut ist, steht da natürlich der kolossale 20 PS-Motor drunter. Schade, daß von dem kein Bild zu sehen ist.

Positionslichter sehe ich keine - vielleicht weiter vorne? Als Motorschiff müßte er doch auch damals schon Lampen gehabt haben. Nett die Details auf dem Zettel: PS ist noch nicht zu einer gängigen Abkürzung geworden, sondern man schreibt noch Ps als korrekte Abkürzung von Pferdestärken. Englisch konnten sie offenbar nicht - das "Pitschpine" ist nicht schlecht.

Die Achse des Haspels scheint noch innerhalb der Wohnung zu liegen, die man wohl so weit wie möglich nach hinten gebaut hat. Schön hinten das Handrad, von dem der Ernst mal bezüglich eines anderen Fotos geschrieben hat, daß das zum Notankern vom Steuerstand aus war.

An der linken Seite des Windschirms sieht man den Hebel, mit dem man diesen Windschirm (oder wie man den nannte?) verstellen konnte.

:wink: Gernot

Gerhard
23.12.2012, 17:27
Hallo

zu Tal in Mannheim. Bild sollte aus den Wilk-Archiv von Herrn Dexheimer stammen. Was mich etwas wundert, es ist kein Schleppballen zu erkennen. Sollten die mit 20 Ps alleine zu Tal gefahren sein? Zum Motorschiff wurde das Schiff jedenfalls nach der Aufnahme umgebaut.

Gruß Gerhard

Gerhard
23.12.2012, 18:08
Hallo

Umbau vom Schlepp- zum Motorschiff in Bodenwerder vom 17.12.1959 - 1.Mai 1960. Eingebaut wurde wie auch auf den Bildern zu ersehen eine Modag mit 6 Zylinder also 420 PS. Nach den Bildern zu urteilen wurde einiges umgebaut, so das auch die "Längenunterschiede" zu erklären sind.

Gruß Gerhard

Bilder Teil 1

Gernot Menke
23.12.2012, 18:21
Zu # 3: ich denke schon, daß die mit 20 PS da langgefahren sind - wofür war das Motörchen denn sonst da wenn nicht für die Talfahrt? Vormals ging es schließlich ganz ohne Motor nach unten. Das wird ein billiges Hilfsmotörchen gewesen sein, um wenigstens talwärts unabhängig und flexibel zu sein und den Schlepplohn zu sparen.

:wink: Gernot

Ernst
24.12.2012, 00:12
Hallo Gernot, mag ja sein aber irgendwann muss der ja auch mal aufdrehen und am nächsten Morgen Kopfvor nehmen.............
und das mit 20 PS im Oberrhein (oberhalb Mannheim)* ?

Gruß Ernst

* ist nur für den Klugscheißer gedacht !

Gernot Menke
24.12.2012, 00:36
Hallo Ernst,

wenn der in Straßburg oder in Kehl losgefahren ist, braucht er bis Mannheim nicht zu übernachten und Oberwesel muß er sich ja auch nicht unbedingt aussuchen. Nur zum Verholen im Becken hat er sich den Motor bestimmt nicht angetan... Ich glaube, der fährt so nach unten und wenn ihm keiner im Weg rumfährt, kommt er mit dem Neerstrom in Duisburg womöglich sogar in die Einfahrt?

Aber was rede ich - da muß es doch noch Leute geben, deren Eltern das genauer wissen!

:wink: Gernot

Gerhard
24.12.2012, 01:38
Hallo

werde mich da noch mal schlau machen, jetzt machen wir erst mal den Umbau weiter.

Gruß Gerhard

Gerhard
25.12.2012, 17:19
Hallo

...es wird Zeit, das Schiff muß wieder ins Wasser

Gruß Gerhard

Rhein-Mosel
28.12.2012, 21:26
Hallo

als Abschluss ein Bild von der Probefahrt auf der Weser

Gernot Menke
22.01.2013, 17:36
Zu den aufgetauchten Fragen zum Hilfsmotor (##5-7) habe ich etwas in dem Buch von Helmut Betz: Historisches vom Strom, Bd. XII, Die Mainschiffahrt, gefunden. Die entsprechende Seite 29 hänge ich an.

Deswegen ist auf dem Foto in # 3 auch kein Schleppballen zu sehen - wohl aber Schraubenwasser. Ich täusche mich da wohl nicht, denn
am vorderen Ende der Roef sind ja auch Positionslichter zu erkennen.

Also: ab geht`s mit 20 PS! Was mich mal interessieren würde: ob der damit auf dem (seit 1886) gestauten unteren Main auch zu berg kam? Bei normalem Wasser wohl schon. Ab Aschaffenburg hing er dann an der Kette - so wird es bis in die dreißiger Jahre gewesen sein, wenn er sich bis dahin kein stärkeres Motörchen besorgt hat.

:wink: Gernot

McRonalds
04.11.2015, 17:16
Eine drei Jahre alte Frage; aber bei meiner Recherche zum Thema Bavaria wird sie wieder aktuell, denn auch Presser verwendete für seine 'Eilmotorschiffe' [sic!] einen Hilfsmotor. Leider ist die einschlägige Literatur dazu genau so wenig detailliert wie Gernots Zeitungsausschnitt.

Otto Presser-Velder beschreibt diese Hilfsmotoren in der Presser-Firmengeschichte als 40 PS (es gab aber auch schwächere Varianten mit 30 PS) Rohölmotoren aus dem schwedischen Lysekil (lt. Internet müsste es die Fa. Lysekils Mekaniska Verkstad (http://www.llaurin.se/vem_var_L_Laurin.htm) gewesen sein. Wenn der Google-Übersetzer mir das einigermaßen korrekt übersetzt hat, dann stimmt es mit den Presser-Velder-Angaben überein.

McRonalds
04.11.2015, 18:22
auf dem (seit 1886) gestauten unteren Main
@Gernot; was bedeutet hier gestaut? Staustufen mit Schleusen gab's im bayerischen Teil in Würzburg, Schweinfurt und Bischberg - der Rest war zwar schon korrigiert und teilweise vertieft, aber speziell oberhalb von Kitzigen doch noch weitgehend schlecht zu befahren. Ich glaube diese kleinen Motoren waren der erste Versuch von der langsamen Kettenschleppschifffahrt und von der noch langsameren Treidelei los zu kommen.

Gernot Menke
04.11.2015, 20:38
Hallo Ronald,

mit gestaut meine ich staugeregelt, das heißt eine systematische Aneinanderreihung von Stauhaltungen, um Tiefe zu bekommen. Das erste Mal, daß das in Deutschland so gemacht wurde, war meines Wissens die Saar 1866 gewesen und zwar aus dem Grunde, weil sich oberhalb der Saarkohlenkanal mit seiner Regeltiefe anschloß. Beim Ausbau der Lahn war in den 1850ern noch die alte Denk- und Bauweise zum Tragen gekommen, nämlich der Bau von Schleusen nur an Problemstellen, wo das unvermeidbar war (die durchgängige Stauregelung der unteren Lahn ist erst späteren Datums und oberhalb davon zwischen Limburg und Wetzlar gibt es bis heute frei fließende Abschnitte). Die von Dir genannten Schleusen im oberen Main sind zum Teil uralt und waren notwendig, damit die Schiffahrt die dortigen Wehre überwinden konnte (Bischberg ist ein Sonderfall, auch eine Problemstelle, wenn man so will). Der Stau war zweitrangig - es ging um die Ǜberwindung der Mühlenwehre!

Treideln heißt auf frei fließenden Flüssen Bergfahrt. Ich glaube aber, daß diese kleinen Motoren für die Talfahrt gedacht waren und genau dort zeitliche und finanzielle Unabhängigkeit vom Schleppboot bringen sollten. Ebenso natürlich auch mehr Sicherheit und eine Beschleunigung der Reise gegenüber dem Fahren mit kaltem Druck!

Die frei fließenden Abschnitte des Mains oberhalb des staugeregelten Untermains haben diese relativ großen Schiffe wie der PREUSSEN bergwärts jedenfalls beladen mit dem Hilfsmotörchen sicherlich nicht geschafft. Wasserstände, bei denen man laden konnte, bedeuteten ja auch eine entsprechend stärkere Strömung. Mit Sicherheit hing das Schiff im frei fließenden Main bergwärts an der Kette bzw. ab 1938 an einem Motorschlepper. 1940 war der Main ja auch bereits bis Würzburg staugeregelt, vielleicht reichten die 20 PS zu berg immerhin bis dahin, wenn normales Wasser war. Vielleicht können sich die Praktiker vom Main mal dazu äußern, ob das mit 55 x 7,80 m denkbar ist.

:wink: Gernot

McRonalds
04.11.2015, 21:01
...das mit den 30/40 PS Schiffen würde mich natürlich auch interessieren. Bavaria baute ja eine ganze Menge davon (15 wenn ich mich nicht verzählt habe), die müssen also durchaus ihre Daseinsberechtigung gehabt haben...

Zu den Main-Staustufen vor der (RMD)Kanalisierung; natürlich waren die primär zur Überwindung der Wehre - aber es ist auch nicht zu leugnen dass sie im Oberwasser für ordentlich Tiefe sorgten. Ohne das Wehr Bischberg wäre z.B. der erste Bamberger Hafen kaum denkbar gewesen - aber es zeigten sich halt auch schnell die Schattenseiten dieses Bauwerks...

Zum PREUSSEN noch mal; die Notizen in Beitrag #1 zeigen - der PREUSSEN war der erste motorisierte (oder sagen wir besser motorisiert gebaute) Frachter am Main. Interessant wäre natürlich auch was das für ein Motor war...?!
Gruß - Ronald;-)

Gernot Menke
04.11.2015, 21:59
Bei dem Schleppschiff mit Hilfsmotor - ein Motorschiff würde ich den PREUSSEN erst ab 1959 nennen - ging es ja auch sowieso nicht mehr ums Treideln - um 1912 gab es das an Rhein und Main nicht mehr.

Die Unabhängigkeit vom Treideln galt sicherlich im Ludwigskanal - aber der hatte mit dem Schleppschiff PREUSSEN nichts zu tun, das Maingröße hatte. (Die Penischen hingegen waren um 1920, 1930 herum mit 20 oder 30 PS im Kanal die Könige - ein spannendes Thema, das aber nicht hierher gehört. Da gab es eine rege Motoren-Vielfalt)

:wink: Gernot

McRonalds
04.11.2015, 23:00
@Gernot; klar, es gibt sicher einen Zusammenhang dass 1912 die Mainkette Bamberg erreichte und der 'Bauwut' der Mainreedereien mit diesen Hilfsmotorschiffen, die ja deutlich größer waren als alles was bislang am oberen Main fuhr. Für die Talfahrt brauchte man für diese Schiffe dann wohl doch einen Motor...

Gernot Menke
05.11.2015, 09:39
Ja, das kommt gut hin, Ronald!

:super: Gernot

McRonalds
05.11.2015, 11:47
...statt Hilfsmotor gab's noch diese Variante: die Motorschaluppe (kurz und fränkisch auch 'Schlupp' genannt). Nach dem Krieg gab's am Main noch einige davon - die hatten meists keinen eigenen Namen und befanden sich bei den Schiffen. Das hier müsste der HOFFNUNG von Wörth sein, wenn mich nicht alles täuscht...

mainschnickel
05.11.2015, 12:05
Mit der Schaluppe gab es die niederländische Variante die sog. Opduwer oder Opdrukker, belgisch auch Gatstoemper genannt. Meistens bei Segler als Nachen mit T-Ford Automotor oder neu gebaut mit Diesel oder Glühkopfmotor. Ein schönes Exemplar steht auf dem Tanker Calcit 8 (?), an Deck. Mit diesen wurde aber nie geschleppt nur geschoben. Gruss vom RMD Jozef.

Gernot Menke
05.11.2015, 14:11
Zu deutsch waren das doch die Stoßboote. - Ich habe nie auf dem Main davon gehört, was freilich nichts heißen muß. Wurde auf dem Main mit Stoßboot gefahren? Weiß es jemand? Und bis zu welcher Schiffsgröße hat man das gemacht und in welchem Zeitraum?

:wink: Gernot

Ms.Die Hoffnung
05.11.2015, 14:11
Hallo Ronald in Meinem Profil ist eine Schaluppe und ein SK der Firma LZR in der Astheimer Kiesgrube,Nahme Unbekand 1980 Verschrottet Gruß Olaf

McRonalds
05.11.2015, 17:49
@Gernot; habe mal kurz meine Notizen gewälzt und Folgendes gefunden: nach WWII finde ich noch folgende Motorschaluppen am Main (Namen hatten sie keine bzw. sie trugen den Namen der entsprechenden Schleppschiffe), aber es gab mit Sicherheit deutlich mehr:
AGNES (25 PS) von Wörth a.M. bei Schleppkahn AGNES (278 t)
BABETTA (24 PS) von Marktheidenfeld bei Schleppkahn BABETTA (199 t)
EINTRACHT (25 PS) von Wörth a.M. bei Schleppkahn EINTRACHT (229 t)
FAHRWOHL (25 PS) von Freudenberg bei Schleppkahn FAHRWOHL (198 t)
GERMANIA (25 PS) von Dorfprozelten bei Schleppkahn GERMANIA (198 t)
GOTT MIT UNS (25 PS) von Wörth a.M. bei Schleppkahn GOTT MIT UNS (200 t) (nicht verwechseln mit dem hier schon oft erwähnten GOTT MIT UNS (http://www.mcronalds.de/Gott_mit_uns_.jpg), der später bei Kümmel gelandet ist)
HOFFNUNG (20 PS) von Wörth a.M. bei Schleppkahn HOFFNUNG (194 t)
IDA MARIA (8 PS) von Wörth a.M. bei Schleppkahn IDA MARIA (236 t)
JOSEFINE (25 PS) von Wörth a.M. bei Schleppkahn JOSEFINE (330 t)
KLINGENBURG (20 PS) von Stadtprozelten bei Schleppkahn KLINGENBURG (229 t)
MARTHA (36 PS) von Dorfprozelten bei Schleppkahn MARTHA (196 t)
MATHILDE (25 PS) von Dorfprozelten bei Schleppkahn MATHILDE (200 t)

Wir haben auch schon einige Bilder online; der FROSCH (http://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?57699-Frosch-Motorschaluppe) (irgendwo habe ich zu dem Boot Notizen, aber ich finde sie nicht mehr) mit SK GEMÜNDEN und der oben in meiner Liste erwähnte JOSEFINE (http://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?48583-Josephine-SK). Auf diesem Bild sieht man übrigens schön, dass es zu Berg mit einem 'echten' Motorschlepper ging - die Motorschaluppe hängt hinten am Schiff.

Hier übrigens noch das von Olaf erwähnte Bild von LZR. Es geht um das (angeschnittene) Boot im Vordergrund - aber wem sage ich das...?!

Gruß - Ronald;-)

Gernot Menke
05.11.2015, 19:43
Wenn ich das richtig sehe, erfüllten diese schwach motorisierten Motorschaluppen denselben Zweck, wie die Hilfsmotoren, nämlich Unabhängigkeit vom Schleppboot und mehr Sicherheit (gegenüber dem Fahren mit kaltem Druck) bei der Talfahrt. Das Bild der JOSEPHINE im Beitrag zuvor, wo die Schaluppe zu berg mangels ausreichender Motorkraft nicht im Einsatz ist und mitgeschleppt wird, spricht dafür. Der andere Link mit dem Schleppschiff GEMÜNDEN (ebenfalls im Beitrag zuvor) scheint zu belegen, daß es sich hier um Schleppschaluppen und nicht um Stoßboote handelte. Vielleicht zog man auf dem Main vor, den Kopf beeinflussen zu können, was mit einem Stoßboot ja nicht möglich war.

Später auf dem inzwischen staugeregelten Obermain mögen die Schaluppen die kleinen Sandschiffe auch zu berg geschleppt haben, wenn der Wasserstand das zuließ.

:wink: Gernot

Mittelpoller
05.11.2015, 19:50
Hallo Gernot, Stoßboote waren so ausgerüstet, dass sie auch schleppen konnten, mit Schlepphaken und Schleppbügel. MfG Mittelpoller

Willy
05.11.2015, 20:53
Hier ein Bild vom Stoßboot des SK "Ida Irma" an Deck stehend, zum zu Wasser lassen waren zwei Davits notwendig.

Gruß Willy

Gernot Menke
05.11.2015, 21:03
Vielen Dank für die interessanten Fotos und Informationen. Ich würde mich freuen, wenn auch mal das Wissen der alten Herren vom Main zu diesem Thema hier zu lesen sein würde!

:wink: Gernot