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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Französische ENI-Nummern



Cantor
07.02.2009, 19:27
Hallo Binnenschiffsfans

ich habe lange Zeit bei den französischen ENI-Nummern nicht durchgeblickt. Inzwischen glaube ich den Schlüssel für die meisten Geheimnisse gefunden zu haben. Es ist ein spezielles Feld, natürlich, aber wens interessiert ...

Mit dem Aufkommen der Europanummern führten die Franzosen für die Binnenschiffe neue Nummern ein. Wie für die anderen schifffahrttreibenden Nationen am Rhein war für die Franzosen die 7-stellige Nummer neu. In 16 Codes für französische Binnenschifffahrtsregister vergaben sie ihre Nummern vom Code 00 bis 18 2, wobei nicht alle Ziffern vergeben sind. Sie griffen dabei auf Register zurück, die sie für nationale Zwecke eingerichtet hatten.

In alphabetischer Reihenfolge wurden die Codes verteilt, zum Beispiel 06 für Dijon, 07 für Lille, 08 für Lyon, usw. So wurde DJ 2002 F zu 06 02002 A. Hierbei steht DJ für Dijon und F für Frankreich. Die 7-stellige Nummer beinhaltete noch einen weiteren Code, nämlich ein Buchstabensystem zur Überprüfung der Richtigkeit der Europanummer, im genannten Fall A. Für diese Prüflettern hatte man 23 Buchstaben ausgesucht, in fortlaufender Reihenfolge, von A bis Z ohne Einschluss von I, O und V. Das bedeutet, wenn man bei 07 00001 X beginnt, ist erst mit 07 00024 X der Zyklus einmal durchlaufen. Und jedes der 16 Codes bekam für die 1. Registrierung einen anderen Buchstaben.

Heute hat man auch für die französischen ENI-Nummern eine 0 vorangestellt. Alles andere blieb wie bisher, aber aus den 16 Codes wurde ein einziger, nämlich 018 2xxxx für ganz Frankreich, wahrscheinlich weil von allen französischen Registerorten nur Straßburg am Rhein liegt.

An einem Beispiel möchte ich die Abfolge der Nummern noch einmal vorführen. Das Schiff Hoédic, Heimatort Nancy, hatte zunächst die Kennung P 12308 F mit P für Paris und F für Frankreich. Daraus wurde 1976, als die Europanummern aufkamen, 12 12308 B, mit 12 für Paris, der Nummer der früheren Kennung 12308 und B als Prüfletter im neuen System. Später fuhr die Hoédic auch oder nur noch mit der Kennung 18 21106 N, wobei 18 2, heute 018 2 für Straßburg (oder halt ganz Frankreich) steht, 1106 als Nummer der Eintragung im Straßburger Register, und N als Prüfbuchstabe im System, das mit 018 20001 M beginnt.

Alle Klarheiten beseitigt? Wen es beschäftigt, weil sie oder er nicht durchblickt, einfach das Forum mit einem Beitrag bemühen. Ich versuche dann, Klarheit zu schaffen.

Grüße

Eberhard

Cantor
13.05.2009, 08:05
Hallo Binnenschiffsfans

Hier die überarbeitete Liste der französischen Register. Sie ist aus 2 Beiträgen im Thema 'Lutece' importiert. Ergänzende Erklärungen findet ihr dort.


01 AJ Ajaccio auf Korsika
02 BO Bourges südlich von Orleans
03 BX Bordeaux an der Garonne in Südwestfrankreich
04 CH Charleville-Mézières an der Meuse (=Maas), Nordostfrankreich
05 CO Compiègne an der Oise, nördlich von Conflans Ste Honorine, nordwestlich von Paris
06 DJ Dijon in Burgund, Ostfrankreich
07 LI Lille in Nordfrankreich
08 LY Lyon an der Mündung der Saone in die Rhone, Südostfrankreich
09 NE Nevers an der Loire flussauf von Orleans
10 NT Nantes im Unterlauf der Loire, Westfrankreich, nicht weit vom Atlantik
11 NY Nancy an der Meurthe, Ostfrankreich, nicht weit von der Mosel
12 P (früher PA) Paris an der Seine
13 STC Strasbourg Canaux (=Kanäle) an der Ill und am östlichen Ende des Marne Rhein Kanals
14 TO Toulouse an der Garonne südöstlich von Bordeaux, Südwestfrankreich

18 2 STR Strasbourg Rhin (=Rhein) an der Ill und am kanalisierten Rhein
Die 18 2 ist heute für fast ganz Frankreich das einzige Register. Auch Schiffe von LI, LY und P, den noch existierenden Registern, führen in der Regel eine ENI mit 018 2.

sG Eberhard

Ernst
13.05.2009, 09:46
.....
18 2 STR Strasbourg Rhin (=Rhein) am Großen Elsässer Kanal :roooll:


Hallo Eberhard Strasbourg liegt nach wie vor am Rhein. :wink:

Gruß Ernst

Cantor
13.05.2009, 13:07
Hallo Ernst

so steht es auf jeder (französischen) Karte, richtig. Und der Große Elsässer Kanal ist nichts anderes als der kanalisierte Rhein. In Wirklichkeit stimmt die Kilometrierung des Rheins nicht mit der Kilometrierung des Elsässer Kanals überein. Grund hierfür ist die Tatsache, dass der Fluss (besser Flüsschen) Rhein auf etwa 180 km Länge den Kanal speist (also mit Wasser versorgt), aber sonst keine Bedeutung hat. Der Große Elsässer Kanal durchschneidet die Oberrheinebene kerzengerade und liegt auf französischem Gebiet. Das verbliebene Wasser im Flüsschen Rhein befindet sich größtenteils auf deutschem Gebiet. Das Ganze stellt ein verwirrendes System von Parallelstrecken mit Derivationskanälen dar.

Diese Erkenntnisse habe ich aus zahlreichen geografischen Expeditionen zwischen Basel und Lauterbourg gewonnen. Bei mir geht das Hobby Binnenschifffahrt Hand in Hand mit einem physisch-geografischen Interesse, das ich seit meiner Studien- und Berufszeit nicht vernachlässigt habe. Für die obigen Ausführungen habe ich "Wasserwege" von J.Kubec und J.Podzimek, Hanau 1996, und "Inland Waterways of France" von E.E.Benest, Saint Ives 1971, herangezogen. Das zuletzt genannte Werk ist m.E. die englische Ausgabe eines Kompendiums über die französischen Wasserstraßen vom selben Autor, das dir sicher bekannt ist. Ich nehme aber deinen Einwand auf und ändere den Hinweis ab.

Schönen Gruß
Eberhard

Friedhelm L.
13.05.2009, 15:46
Straßburg liegt an der Ill und am linken Ufer des Rheins, so beschreiben die Franzosen die Lage der Stadt. Der Rheinseitenkanal endet bereits in Vogelgrün, es war mal geplant, dass er bis Straßburg gehen sollte.

Gruß
Friedhelm

Elbianer
14.05.2009, 00:59
Und der Große Elsässer Kanal ist nichts anderes als der kanalisierte Rhein.

Hallo Eberhard,

da hast du aber etwas durcheinander gebracht. Der Große Elsässische Kanal ist der Rhein-Seiten-Kanal. Dieser entstand als Ergebnis der Versailler Verträge von 1919. In diesen erhielt Frankreich das alleinige Recht die Wasserkraft-Energie des Rheins zu nützen. 1928/29 begann man mit dem Bau des Kanals. Es wurde in Märkt ein Stauwehr errichtet, welches das Rheinwasser in den Kanal ableitet. Er wird also unterwegs nirgendwo mehr vom Rhein gespeist und Kerzengerade ist der Kanal mit Sicherheit nicht. Er ist genau so Kurvenreich wie der ehemalige Flussverlauf, weil er ja parallel zu Selbigen verläuft. 1932 wurde die erste Schleuse in Kembs eröffnet und damit der sogenannte Isteiner Klotz oder Isteiner Schwelle umgangen.
Dann wurden die Bauarbeiten am Kanal durch den zweiten Weltkrieg unterbrochen und später wieder aufgenommen. 1959 hat man dann die Arbeiten am Kanal mit Fertigstellung der Schleuse Vogelgrün, auf der Höhe von Breisach, beendet.
Ursprünglich sollte dieser Kanal allerdings bis Strasbourg weiter gebaut werden. Da es durch die in den Kanal abgeleiteten Wassermengen (bis zu 1400 Kubikmeter pro Sekunde) zu großen Grundwasserproblemen, besonders auf deutscher Uferseite kam, hat man sich mit Frankreich geeinigt den Rhein von Breisach Fluss abwärts zu Kanalisieren. Und dieser Abschnitt von Breisach bis Iffezheim ist der kanalisierte Rhein.
Man hat da die sogenannte "Schlingenlösung" angewandt. Im Rhein gibt es Stauwehre welche das Wasser anstauen und in einen "Rheinschlinge" genannten Schleusenkanal mit Schleuse und Kraftwerk ableiten.
Der Rhein-Seiten-Kanal ist vollständig in Frankreich, der kanalisierte Rhein bildet aber die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Nur die Schleusenkanäle sind wieder in Frankreich.

In Strasbourg sollte Schluss sein mit der Kanalisierung, allerdings trat unterhalb der Schleuse Neuhof eine so große Erosion auf, dass man sich wiederum zwischen Deutschland und Frankreich geeinigt hat zwei weitere Schleusen zu bauen. Gambsheim wurde von Frankreich gebaut und finanziert und Iffezheim (die einzigste deutsche Schleuse am Rhein) von Deutschland. Diese Schleusen haben keine Schlingen und liegen direkt im Rhein.

Da es unterhalb von Iffezheim wiederum zur Erosion kam sollte eine weitere Schleuse bei Lauterbourg gebaut werden. Den Bau wollte Deutschland übernehmen und hat dafür bereits die Bausumme von Frankreich erhalten. Aus Umweltschutz-Gründen wurde aber diese Schleuse nie gebaut. Da Deutschland aber bereits das Geld für den Bau erhalten hat, muss Deutschland auch die Erosion unterhalb der letzten Schleuse ausgleichen. Seit 1978 werden jährlich durchschnittlich 173000 Kubikmeter Kies-Sand-Gemisch als Geschiebezugabe zwischen Rhein-Kilometer 336 und 337 verklappt. Siehe dazu hier (http://www.schiffbilder.de/name/einzelbild/number/8048/kategorie/suchen/suchbegriff/KP2590.html)

Übrigens laut meinen Taschenbuch der Rheinschiffahrt von 1952 mündete der Gran Canal d'Alsace damals bei Kilometer 194,6 zurück in den Rhein. Und die Kilometerangaben stimmen mit den heutigen Kanal fast genau überein. Breisach lag damals bei 225,5 und heute immer noch. Vor der Rheinbegradigung durch Tulla kann es anders gewesen sein. Aber durch den Bau des Kanals hat sich die Entfernung zwischen Breisach und Basel nicht oder höchstens nur geringfügig geändert.

Vielleicht hättest du bei deinen "zahlreichen geografischen Expeditionen zwischen Basel und Lauterbourg" mal mit der Breisacher Fahrgastschiffahrt fahren sollen. Da bekommen die Fahrgäste dies alles erklärt.:wink:

Gruß Thomas

Cantor
14.05.2009, 08:04
Hallo Thomas

du hast recht mit deinen geringfügigen Abweichungen (kilometermäßig gemeint), aber jetzt bring mal die ganze Sache in die Tabelle ein. Nach der von mir genannten Quelle #1 ist der Rhein auch noch auf der Höhe von Straßburg kanalisiert. Aber ich werde mich noch mal umtun. Sollte ich zu dem Schluss kommen, Straßburg liegt "nur" am Rhein, dann werde ich einen Admi/Modi bitten, die Änderung in der Liste vorzunehmen. Denn in wenigen Stunden ist ja "Ladenschluss" bei den Änderungsmöglichkeiten. Was ich mit kerzengerade meinte, ist, es liegt nicht mehr das Mäandrieren vor wie zur Zeit, als der Rhein sich selbst überlassen war und die ganze Oberrheinebene zum Pendeln hatte.

Du schreibst: "Man hat da die sogenannte "Schlingenlösung" angewandt. Im Rhein gibt es Stauwehre welche das Wasser anstauen und in einen "Rheinschlinge" genannten Schleusenkanal mit Schleuse und Kraftwerk ableiten. Der Rhein-Seiten-Kanal ist vollständig in Frankreich, der kanalisierte Rhein bildet aber die Grenze zwischen Deutschlad und Frankreich. Nur die Schleusenkanäle sind wieder in Frankreich." Und dabei ist mein Eindruck ein anderer, weil die natürlichen und künstlichen Wasseradern auf deutscher Seite nicht erwähnt werden. Gewiss, der Große Elsässer Kanal und im Anschluss der kanalisierte Rhein bilden die Grenze, das ist vollkommen richtig. Die sonst von dir genannten Fakten im Wesentlichen auch. Was du aber nicht erwähnst sind die vielfachen Ausgleichsvorrichtungen auf deutscher Seite, die ich an mehreren Stellen kennengelernt habe. Hier sind Ausgleichsbecken, alte Flussläufe, Gräben zur Entwässerung usw usw vorhanden. Die Verbindung zwischen den einzelnen Wasserebenen und -läufen geschieht durch ein raffiniertes Pumpsystem. An eine durchgehende Straße parallel zum Schifffahrtsweg ist deshalb auf deutscher Seite nicht zu denken. Anders auf französischem Gebiet. Hier verläuft eine D (=departemental=auf regionaler Ebene) Straße unmittelbar westlich des Kanals bzw des kanalisierten Rheins auf über 100 km Länge von Süden kommend bis kurz vor den Straß-
burger Hafenbecken. Nördlich von Straßburg ist das nicht möglich, weil hier kleine Stichkanäle, Altarmschleifen usw vorliegen. Der Rhein-Seiten-Kanal liegt viel weiter westlich und ist völlig abgestuft (im Rang als Wasserstraße).

Was mich seit dem 1. Vorschlag zur Änderung wundert, ist dass nicht auch bei den übrigen Eintragungen weitere Gesichtspunkte angemeldet werden. Beispielsweise liegt Paris nicht nur an der Seine, ich denke auch die Marne (in den östlichen Vororten) könnte erwähnt werden. Und so glaube ich, könnte bei den meisten Nennungen der Lage noch ein Fluss, Flüsschen oder Kanal mit in die Liste eingehen. Ich bin für Vorschläge offen, weil ich mich sehr gerne mit Frankreich beschäftige. In jedem Falle heißt es dann, prüfen, eventuell diskutieren, auswählen usw

sG Eberhard

Gernot Menke
14.05.2009, 09:39
Nach der von mir genannten Quelle #1 ist der Rhein auch noch auf der Höhe von Straßburg kanalisiert.

Moin Eberhard,

die Sache ist diesmal wirklich eindeutig. 1. Der Weska (mein oller von 1984) schreibt nach einer Trennlinie, die eine deutliche Zäsur markiert: "Elsässischer Rheinseitenkanal vom km 173,70 bis 226,55." Bei Breisach steht dann nach einer weiteren Trennlinie: "Rhein (Fortsetzung)".

2. Diese Angaben werden durch die angehängten Kartenausschnitte (aus der Wasserstraßenkunde von Hanke für den Unterricht an den Schifferberufsschulen) unmittelbar illustriert: während der Seitenkanal von Hüningen bis Breisach keinerlei Kontakt zum Rhein hat und der Rhein auf diesen rund 52 Kilometern fast leer ist (außer bei Hochwasser), läuft die Schiffahrt unterhalb von Breisach durch den kanalisierten Rhein, von dem nur die relativ kurzen Schleusenkanäle abweichen. Der Unterschied ist auf den beiden Bildern gut zu sehen (auf Bild 1 ist links unten Kembs (km 181) und rechts oben Breisach (km 226). Bild 2 zeigt die drei Schleusen Marckolsheim, Rheinau und Gerstheim zwischen Breisach und Straßburg. Die weiter unten liegenden Schleusen bis Iffezheim sehen auch nicht viel anders aus).

3. Auch die Fotos illustrieren das sehr deutlich. Leergelaufen ist nur das Stück parallel zum Rheinseitenkanal. Ich bin auf meiner Hochrheintour 1988 von Konstanz nach Mannheim da durchgepaddelt und mußte trotz meines praktisch nicht vorhandenen Tiefgangs zweimal umtragen! Es ist sehr idyllisch dort und abgeschieden (links der Kanal (hinter dichtem Wald) und rechts auch dichter Wald, dazwischen das kleine "Wildwasser" des alten Rheins. Manchmal entdeckt man hoch oben weit weg vom Wasser noch Poller, die an die frühere Schiffahrt hier erinnern. Kann man sich gar nicht mehr vorstellen! Da kommt man aber nur mit dem Boot hin. "Krupp Gruson-Werke" (Magdeburg) habe ich auf einem Poller entdeckt - bei Kembs (das stimmt mit dem schönen Beitrag 6 von Thomas überein. Nach dem Krieg werden wohl keine Poller mehr aus Magdeburg gekommen sein). An manchen Stellen liegen Leute auf den Felsen in der Sonne, obwohl das verboten ist und Schilder davor warnen, daß das Wehr am oberen Ende (und auch weiter unterhalb am Kanal) auch mal überlaufen kann und dann schwimmt hier ruckzuck alles weg. Auch an heißen Tagen sollte man hier daher ein Ohr für Unwetter haben. - Ab Breisach hat einen der Rhein dann wieder und es gibt plötzlich wieder die normale Wassertiefe.

Kurz: wie auch von Ernst und Thomas schon geschrieben, läuft unterhalb von Breisach bis Iffezheim der kanalisierte Rhein und nicht mehr der Elsässer Kanal genannte Rheinseitenkanal.

Ich werde mal in den nächsten Tagen einen Bericht meiner Tour unter "Sportschiffahrt" einstellen - liest sich nicht schlecht und ich mußte hier und da grinsen - ist ja jetzt auch schon wieder 21 Jahre her! Heute würde ich mir diese Tortour mit dem schlechtlaufenden "Badeboot" (auf Foto 3 zu sehen - ich mußte ja beim Rheinfall eine längere Strecke umtragen können) nicht mehr antun - ich bin bootsmäßig ja immer ein bißchen "underdressed" :lool: . Bild 3 ist wohl (es gibt ja dort keine Kilometerschilder (das auf Bild 4 zu sehende Schild ist ein Warnschild, siehe oben), jedenfalls habe ich keine gefunden - oder inzwischen vergessen?) die Isteiner Schwelle bei km 177,5. Bild 4 ist etwas weiter unterhalb.

:wink: Gernot

Cantor
14.05.2009, 10:16
Hallo Gernot

danke für die Infos aus deinem "ollen" Weska. Wenn ich nicht geschlafen habe, sagst du nach deiner Quelle aber nichts zur Situation in Straßburg aus. Dazu habe ich inzwischen folgendes "Bild". Der Grosse Elsässer Kanal liegt auf der Höhe von Straßburg nicht mehr vor. Ich habe veranlasst, dass dieser Zusatz aus meiner Liste gelöscht wird.

Der kanalisierte Rhein geht im Anschluss an den Kanal noch über Straßburg hinaus nach Norden. Es liegen auch nördlich von Straßburg Schleusen vor und das Erscheinungsbild des kanalisierten Rheins erinnert mich sehr stark an den "Grand Canal d'Alsace".

Gruß Eberhard

Gernot Menke
14.05.2009, 11:12
Morgen Eberhard,

der Straßburger Hafen (der heutige mit seinen vier Becken) liegt am unteren Teil des Schleusenkanals der Schleuse Straßburg (der großen Rheinschleuse). Da die Schleuse immerhin 10,80 m Hubhöhe hat und der gesamte Schleusenkanal rund sieben Kilometer lang ist, hat der Rhein direkt unterhalb des Wehres natürlich nicht mehr seine volle Pracht, aber das ist kein Vergleich zum Zustand neben dem Seitenkanal.

Damit das Thema unter dem Titel ENI-Nummern nicht weiter ausufert, stelle ich meine Karten und Kommentare zum Straßburger Hafen in Kürze unter der Rubrik Binnenhäfen > Straßburg ein.

:wink: Gernot

Elbianer
20.05.2009, 00:51
Für diese Prüflettern hatte man 23 Buchstaben ausgesucht, in fortlaufender Reihenfolge, von A bis Z ohne Einschluss von I, O und V. Das bedeutet, wenn man bei 07 00001 X beginnt, ist erst mit 07 00024 X der Zyklus einmal durchlaufen.


Hallo Eberhard, weil du die Prüflettern im Beitrag über die Penische wieder erwähnt hast, habe ich mir das noch mal angesehen, aber schlau werde ich daraus nicht. Vielleicht muss man den ganzen Tag in einer Amtsstube sitzen um sowas zu verstehen.
Wozu braucht man einen Prüfbuchstaben wenn man Nummern fortlaufend vergibt? In deinen Beispiel bleibt hinten immer ein X, also wozu ist es gut? Was wird damit geprüft? Ob die 12 wirklich nach der 11 kommt?:fragkratz: Richtig ist natürlich, dass diese Buchstaben an vielen französischen Schiffen zu finden sind, besonders ist mir das bei den Kabinenschiffen aus Strasbourg aufgefallen.
Bei der "La Boheme" übrigens noch ein weiteres Beispiel für dein ENI-Roulette 01822 744 T

Gruß Thomas

Cantor
20.05.2009, 08:49
Hallo Thomas

ich fange hinten an. 01822 744 T könnte man lesen als Seite 744 im Register 01822. Als die Register aufkamen, gab es noch keine elektronischen Hilfsmittel. Deswegen schreibe ich Seite und nicht Spalte, Feld oder ähnliches in einer Datenbank.

Also Seite 744 für das 744. Schiff im Register von Frankreich(ehemals Strasbourg-Rhin). Nun ist aber das heutige französische Register nicht 01822, sondern 018 2 bzw 0182. Und die "La Boheme" ist Schiff #2744 in diesem Register. Folglich müsste es 0182 2744 T heißen, wenn man eine Leerstelle nimmt, oder aber gleich 01822744 T.

Der Buchstabe T legt die Nummer im Register 018 2 eineindeutig fest und gilt zusammen mit der 4-stelligen Nummer nur für dieses eine Register. Anders ausgedrückt, es gibt kein anderes französisches Register, in dem das Schiff bzw die Seite 2744 den Buchstaben T hat. Ich gebe dir ein Beipiel:

Im Register (0)08 [für Lyon] ist Schiff #1355 der "Colbert". Die volle Nummer lautet 00801355 P.

Im Register (0)18 2[für Strasbourg-Rhin] heißt Schiff #1355 "Le Reve". Hierbei heißt die volle Nummer 01821355 J.

Nehmen wir folgenden Fall mal an: am Schiff ist nur die Nummer 1355 noch zu lesen. Jetzt weißt du nicht, aus welchem Register sie stammt und kannst das Schiff nirgends finden. Falls du zusätzlich noch den Buchstaben P oder J weißt, steht das Register fest und somit sind alle Daten, die zum Schiff dort eingetragen sind, abrufbar. Du kannst nachschlagen, vergleichen, halt prüfen, deswegen spreche ich von einem Prüfbuchstaben. Ich habe keine Ahnung, wie die Franzosen selbst das nennen.

Wie das gesamte System angelegt ist, warum es so raffiniert ist, dass man jeder Nummer ein Register zuordnen kann, werde ich getrennt nochmal einstellen.

sG Eberhard

Cantor
22.05.2009, 08:04
Hallo Thomas

du schreibst: "In deinen Beispiel bleibt hinten immer ein X, also wozu ist es gut?" Da hast du nur die Hälfte gelesen. Wenn ein Register mit X beginnt, ist erst die 24. Nummer wieder auf X. Nach folgendem Schema:


0700001 X 0700002 Y 0700003 Z 0700004 A 0700005 B 0700006 C 0700007 D
0700008 E 0700009 F 0700010 G 0700011 H 0700012 J 0700013 K 0700014 L
0700015 M 0700016 N 0700017 P 0700018 Q 0700019 R 0700020 S 0700021 T
0700022 U 0700023 W 0700024 X 0700025 Y 0700026 Z 0700027 A etc
3 Buchstaben sind ausgelassen, I, O und V. Vermutlich wegen Verwechslungsgefahr, I mit J, O mit 0 und V mit Y. So sind die Nummern in jedem französischen Register mit fortlaufenden Buchstaben alphabetisch gekennzeichnet. Der Trick, warum mit der 4-stelligen Nummer + Buchstabe jedes Schiff eineindeutig wird, liegt an dem Anfangs-
buchstaben im jeweiligen Register. Es gilt nämlich:


0100001 Y 0400001 K 0700001 X 1000001 J 1300001 U
0200001 T 0500001 F 0800001 S 1100001 E 1400001 Q
0300001 P 0600001 B 0900001 N 1200001 A 1820001 M
oder aber alphabetisch sortiert:



1200001 A 0600001 B 1100001 E 0500001 F 1000001 J 0400001 K
1820001 M 0900001 N 0300001 P 1400001 Q 0800001 S 0200001 T
1300001 U 0700001 X 0100001 Y
Der Code 12 steht für das Register von Paris. Wen wundert dann das A, womit das verblüffende System anfängt? Noch Fragen?

Schönen Gruß
Eberhard

Elbianer
26.05.2009, 23:58
Hallo Thomas

du schreibst: "In deinen Beispiel bleibt hinten immer ein X, also wozu ist es gut?" Da hast du nur die Hälfte gelesen.
Schönen Gruß
Eberhard

Hallo Eberhard,

leider komme ich erst heut zum antworten. Sicher hast du recht, ich habe es nicht richtig gelesen. Aber vielleicht hätte ich es eher begriffen, wenn da folgendes gestanden hätte: Das bedeutet, wenn man bei 07 00001 X beginnt, ist erst mit 07 00023 W der Zyklus einmal durchlaufen.
Du hattest aber geschrieben: "Das bedeutet, wenn man bei 07 00001 X beginnt, ist erst mit 07 00024 X der Zyklus einmal durchlaufen."
Mit 07 00024 X beginnt aber bereits der zweite Zyklus. Womit natürlich der erste durchlaufen ist und du somit schon Recht hast.
Nur ich hatte es so verstanden, zu jeden Register gehört ein fester Buchstabe, in diesen Fall das X, und wird bei jeden Schiff in den entsprechenden Register angehängt. Dann hätte der Buchstabe keinen Sinn gemacht.
Nun hast du es aber so anschaulich erklärt, dass ich es auch begriffen habe. Mich würde mal interessieren, ob es die anderen gleich auf Anhieb verstanden haben? Aber scheinbar ist das Thema nicht so von allgemeinen Interesse.

Bleiben wir mal bei deinen Beispiel: "Im Register (0)08 [für Lyon] ist Schiff #1355 der "Colbert". Die volle Nummer lautet 00801355 P."

Ich sehe am Schiff nur 1355 P, weil der Rest nicht lesbar oder verdeckt ist. Wie komme ich dann in der Praxis zum entsprechenden Register und damit zur vollständigen ENI?

Zuerst muss ich den Prüf-Letter Zahlencode kennen, wie du es in der Tabelle wiedergibst! Ok, das setzen wir mal voraus. Ich habe ja nun die Tabelle von dir.

Um zum Register zu kommen, muss man aber gut rechnen können, das Alphabet beherrschen und an die drei nicht verwendeten Buchstaben denken.

Wenn ich nur 1355 P lese, weis ich ja noch nicht wo der Zyklus beginnt. Aus meiner Sicht könnte ich es so ermitteln:

1355 durch 23 (Anzahl der Einträge pro Zyklus) teilen = 58,91

Das Schiff liegt also am Ende vom 59igsten Zyklus. 59 mal 23 = 1357

Das bedeutet nun bei Schiff 1358 beginnt ein neuer Zyklus und somit ist bei diesen Schiff der gesuchte Buchstabe zu finden:

Die "Colbert" = 1355 P
= 1356 Q
= 1357 R
= 1358 S

Das hier vorgefundene Register beginnt also mit der Prüf-Letter S und ist somit das Register von 08 für Lyon. Nun kann ich die komplette ENI zusammenbasteln.

Ich denke, ich habe es nun begriffen. :wink: Gibt es noch einen schnelleren Weg zur Lösung zu kommen? Meine beschriebene Methode könnte gehen, liegt das gesuchte Schiff aber noch weiter entfernt vom Ende oder Anfang des Zyklus wird es noch umständlicher. Wenn man dann nicht an die fehlenden drei Buchstaben denkt :roooll:, kommt ein anderes Ergebnis raus.

Theoretisch scheint es klar, aber ob es in der Praxis jemals einer anwendet? Was ist, wenn nicht der erste Teil der Schiffsnummer nicht mehr lesbar ist sondern das Ende mit Prüf-Letter? :fragkratz:

Gruß Thomas

Cantor
27.05.2009, 08:23
Hallo Thomas

danke für deine Antwort. Ich werde auf mehrere Punkte deiner Ausführungen eingehen:

Du schreibst: "Theoretisch scheint es klar, aber ob es in der Praxis jemals einer anwendet? Was ist, wenn nicht der erste Teil der Schiffsnummer nicht mehr lesbar ist sondern das Ende mit Prüf-Letter?" Ich war doch vom lesbaren Ende ausgegangen und konnte durch den Prüfletter das Register finden. Wenn der erste Teil der Nummer lesbar ist, der Rest aber nicht, kann im entsprechenden Register über Namen und Heimatort des Schiffs die volle Nummer, der Eigner, usw ermittelt werden.

2.Punkt: "Gibt es noch einen schnelleren Weg zur Lösung zu kommen? Meine beschriebene Methode könnte gehen, liegt das gesuchte Schiff aber noch weiter entfernt vom Ende oder Anfang des Zyklus wird es noch umständlicher." Kein schlechter Weg, aber ist überhaupt eine Rechnung erforderlich? Ich vermute, den französischen Wasser- und Schiff-
fahrtsbehörden liegen Listen vor, wodurch die Zugehörigkeit einer Nummer samt Prüfletter zu einem Register nachgeschlagen werden kann.

3.Punkt: "Mich würde mal interessieren, ob es die anderen gleich auf Anhieb verstanden haben? Aber scheinbar ist das Thema nicht so von allgemeinen Interesse." Dazu denke ich, es gibt nur ganz wenige so wie dich, die auch für ein solches Thema zu gewinnen sind und die Dinge hinterfragen. Bei Quizshows im Fernsehen stelle ich sehr oft fest, dass vor allen Dingen 2 Themen die Meisten nicht tangiert, Mathe bzw Rechnen und Geographie bzw Topographie (Lage usw von Städten, Flüssen usw).

Frankreich war lange Zeit nicht das einzige Land mit einem solchen Buchstaben im Zahlensystem. Das belgische Register (0)60, damals das einzige Landesregister, hatte ein 17teiliges Buchstabensystem zu den Europanummern. Etwa bei 60 02700 wurde nicht das Register eingestellt, aber der Buchstabe fiel weg. Wenn dich der Bau dieses Systems interessiert, kann ich ihn dir gerne senden.

sG Eberhard

Elbianer
03.06.2009, 18:20
Wenn der erste Teil der Nummer lesbar ist, der Rest aber nicht, kann im entsprechenden Register über Namen und Heimatort des Schiffs die volle Nummer, der Eigner, usw ermittelt werden.
....Ich vermute, den französischen Wasser- und Schiff-
fahrtsbehörden liegen Listen vor, wodurch die Zugehörigkeit einer Nummer samt Prüfletter zu einem Register nachgeschlagen werden kann.
....Das belgische Register (0)60, damals das einzige Landesregister, hatte ein 17teiliges Buchstabensystem ....Wenn dich der Bau dieses Systems interessiert, kann ich ihn dir gerne senden.

sG Eberhard

Sorry Eberhard, dass ich erst heute antworte. Wenn man über den ersten Teil der Nummer, den Heimathafen und Namen das Schiff ermitteln kann, setzt dies voraus, das in einen Register nicht zwei oder mehr Schiffe mit gleichen Namen und Heimathafen registriert werden dürfen.
Im Normalfall macht dies auch keiner, aber gibt es darüber eine genaue Festlegung? Genau konnte mir das noch keiner sagen.

Sicher haben die Behörden entsprechende Listen, wir ging es aber um den praktischen Sinn der Angelegenheit und da du "Kein schlechter Weg" geschrieben hast, gehe ich davon aus mein "Rechenweg" ist zumindest eine Möglichkeit.

Was das Belgische Register betrifft, da danke ich für dein Angebot. Im Moment finde ich aber keine Zeit mich damit zu beschäftigen, bei Bedarf komme ich auf das Angebot zurück.

Gruß Thomas

Cantor
03.06.2009, 22:34
Hallo Thomas

richtig, so könnte man vorgehen. Ich glaube aber, in den Behörden wird wegen solcher Angelegenheiten nicht (gerne) gerechnet.

Du schreibst: "Wenn man über den ersten Teil der Nummer, den Heimathafen und Namen das Schiff ermitteln kann, setzt dies voraus, das in einen Register nicht zwei oder mehr Schiffe mit gleichen Namen und Heimathafen registriert werden dürfen." Sollte man meinen, jawohl, nur wie sieht es in der Praxis aus? Eine Nummer ist einmalig, ein Name oder eine Kombination von Namen, Heimatort und so nicht. Mir scheint, ich habe schon des Öfteren bei den Namen + Orten Übereinstimmungen gesehen, so dass nur die Nummer (eventuell mit Prüfletter) den Ausschlag, welches Schiff gemeint ist, geben konnte. Von einer Vereinbarung hierzu ist mir nichts bekannt.

sG Eberhard

Cantor
08.08.2011, 12:14
Hallo Freunde der Penischen,

da zur Zeit selten die älteren französischen Kleinschiffe eingestellt werden HIER (http://img186.imageshack.us/img186/7985/2008penichepiecoyi8.jpg)das Heck einer typischen Péniche mit Nummern aus 2 Registern, von Paris und Strasbourg. Es handelt sich um die Piecq Bruno mit Heimatort Longueil-Annel/Oise, Nordfrankreich.

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Mit P.14217.F ist die Eintragung #14217 im Pariser Register gemeint, 1821150 L zeigt Schiff #1150 im Register von Straßburg/Rhein an, L ist der Prüfbuchstabe für die Europanummer und gilt ausschließlich für dieses Register. Damit ist nämlich, wie in früheren Beiträgen erläutert, die Festlegung auf dieses eine Register sicher auszumachen. Alle anderen französischen Register haben einen anderen Prüfbuchstaben in Verbindung mit der Nummer 1150 im jeweiligen Register.

sG Eberhard

Cantor
08.08.2011, 12:32
Hallo

Hier ein weiteres Beispiel der doppelten Registerführung mit der HENDAYE (http://www.educlic.fr/files/uploads/documents/peniche.1193400451.jpg). Li 9783 F bezieht sich auf Schiff #9783 im Register von Lille, Nordfrankreich.
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sG Eberhard

Cantor
08.08.2011, 23:07
Hallo Fans der französischen Binnenfahrt,

wie bei der ANTIPODE (http://danseseniledefolk.free.fr/IMG/jpg/Peniche_Antipode.jpg) hier sah die Nummerierung der Penischen vor 30 oder 20 Jahren in Frankreich aus, als die einheitlichen Europanummern und ENIs noch nicht üblich waren oder aber noch nicht am Schiff vermerkt wurden. Es waren die herkömmlichen Nummern in lokalen Registern, die am Heck oder an der Schiffswand aufgepinselt waren und sonst nichts. Bei der Antipode geht aus dem Bild hervor, dass sie am Heck und auf der Sbs nur die eine Kennung von Lille führt.

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sG Eberhard