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03.01.2008, 13:29
Staustufe Würzburg

Erbaut im Jahre: 1954

Mainkilometer 252,51, Länge der Stauhaltung 6,37 km

Schiffsschleuse:
Nutzlänge: 300,00 Meter, Nutzbreite: 12,00 Meter

Fallhöhe:
2,75 Meter

Bootsschleuse:
keine Vorhanden

Wasserkraftwerk:
900 KW

Fischaufstiegstreppe:
keine Vorhanden

UKW-Kanal
20

Gruß Dewi :Kap:

McRonalds
05.05.2008, 00:31
Hallo Binnenschifffreunde,

die Würzburger Schleuse haben wir gestern auch durchfahren. Davon habe ich eine schönes Bild vom Unterhaupt - auf der Brücke fand gerade ein Flohmarkt (oder etwas ähnliches statt). Das zweite Bild ist von der Friedensbrücke aufgenommen und ist schon etwas älter (zum Zeitpunkt der Aufnahme wegen Wartung außer Betrieb); bereits 1680(!) hat es an dieser Stelle eine Schleuse gegeben. Der Bau dieser heiklen Schleuse (Main km 252,5) mitten im Stadtgebiet an der legendären steinernen Brücke wurde 1950 begonnen. Diese Arbeiten gestalteten sich schwierig, weil die Alte Mainbrücke unter Denkmalschutz stand und mit ihren nicht allzu weiten Bögen mit 18 Metern Breite, die zudem auch recht niedrig waren, ein großes Hindernis für die großen Schiffe darstellte. Man entschied sich dafür, die große Schleuse oberhalb der Brücke zu errichten und den unteren Einlass unmittelbar an die Brückenöffnung anzuschließen. Die Fahrrinne musste deswegen unterhalb der Brücke erheblich tiefer gelegt und mit Leitwerken versehen werden. Im oberen Bereich der Schleuse musste die Mühlenbastion teilweise abgebrochen und um 15 Meter landeinwärts gekürzt werden, um eine gefahrlose Einfahrt zu gewährleisten. Die Schleuse selbst ist - wie alle Mainschleusen - 300 m lang, 12 m breit, aber nur 2,75 m hoch - und damit die kleinste Schleuse am Main. Das Kraftwerk ist durch die geringe Fallhöhe und das recht üppige Wehr auch das bei weitem leistungsschwächste am Main.

In der Bildmitte kann man die erhalten gebliebene (alte) Schleuse erkennen, die allerdings nicht mehr funktionstüchtig ist und durch eine Trennwand im Oberwasser inzwischen auch größtenteils trocken liegt. Sie wurde zwischen 1891 bis 1893 errichtet, ist 55 m lang, 10,5 m breit und hat eine Tiefe von etwa einem Meter. Sie konnte von Schiffen bis etwa 600 Tonnen benutzt werden. Im Vordergrund baut gerade die Fa. Lührs, Marktheidenfeld, eine neue Trennmauer zum Wehrarm.

Zum Bau der Würzburger Schleuse gäbe es natürlich noch eine ganze Menge zu sagen, denn es war einer der kompliziertesten Bauten am ganzen Main, bzw. MDK. Es gibt darüber sogar eine Publikation der RMD AG aus den 50er Jahren, die ich vor einigen Monaten auf einem Flohmarkt entdeckt - und natürlich gleich erworben habe. Daraus werde ich demnächst mal einiges zitieren...

Gruß - Ronald;-)

claudius2
18.12.2008, 02:32
Hallo Ronald
Hier habe ich die Schleusentore der Würzburger Schleuse,die in Erlabrunn gelagert sind,abgelichtet.Hallo Detlev,ein Druckfehler bei der Länge der Schleuse ist Dir unterlaufen.
Gruß Klaus

18.12.2008, 03:05
Hallo Klaus,


..... Druckfehler bei der Länge der Schleuse ist Dir unterlaufen.

Hab es geändert! Danke ;-)

Gruß Dewi

Norbert
18.12.2008, 18:45
Hallo Klaus,

Prima Fotos, dass erste mal das ich ein ausgebautes Drehsegmentor sehe. Gibt es bei uns an den Schleusen Wanne-Eickel, Herne-Ost und Henrichenburg.

Gruß Norbert

Gernot Menke
07.01.2009, 20:31
Hier noch ein paar Informationen zu dem Drehsegmenttor, das für alle Fälle als Ersatztor für die Würzburger Schleuse aufbewahrt wird. Das Tor wiegt übrigens 60 Tonnen (so viel wie eine leere Spits!) und die beiden Seitenscheiben haben einen Durchmesser von 6,40 Metern. Gehoben wurde das Tor vom Schwimmkran AJAX.

Das Tor stammt aus dem Jahr 1954, das heißt, es ist das Tor, das bei der Kanalisierung des Mains, die vor dem Zweiten Weltkrieg Würzburg erreichte und nach dem Krieg bergwärts weitergeführt wurde, als Obertor eingebaut wurde. Das Drehtor sollte zum Zweck der Hochwasserregulierung eine Öffnung der Schleuse gegen den Wasserdruck ermöglichen. Der städtebauliche Nutzen des kaum auffallenden Drehtors - das nur auf einer Seite einen Antrieb benötigt - in dem sensiblen Bereich unmittelbar unterhalb der Festung war demgegenüber nur ein willkommener Nebeneffekt. Übrigens ist die Möglichkeit der Öffnung des Drehtores bei Hochwasser nie genutzt worden, weil es Probleme mit Kieseinschwemmungen in die Schleuse gibt.

Der Anlaß für den Ausbau des Tores war eine Havarie. Am 18. Februar 1988 wurde das Tor vom MSG-Schiff IRBIS schuldlos angefahren, weil sich das Tor bei der Ausfahrt zu berg (der IRBIS hatte eine Kiesladung an Bord) zu früh schloß. Ein vorausfahrendes Schiff war zuvor noch über das geöffnete Tor heil ausgefahren. Der IRBIS wurde leicht beschädigt, hatte aber kein Leck und konnte seine Fahrt fortsetzen.

Das Tor hingegen hatte nicht nur eine Beule abbekommen, sondern auch die Lagerung der Antriebswelle war gebrochen. Der einbetonierte Lagerbock war beschädigt und aus seinem Fundament gelöst. Jetzt war guter Rat teuer, da kein Ersatztor vorhanden war und eine lange Sperrung des Mains drohte. Normalerweise hätte ja der hier sehr wichtige (wegen des schwer zu ersetzenden Drehtores und auch, weil Würzburg in Talrichtung die erste Schleuse ohne ein zusätzliches Mittelhaupt ist) Rammschutz die Anfahrung des wertvollen Tores verhindert. Dieser Rammschutz war aber geöffnet, weil die Ausfahrt freigegeben war. Niemand hatte mit einer Havarie durch ein zu früh schließendes Tor gerechnet! (Übrigens werden Untertore häufiger gerammt als Obertore, was ja wegen der verschiedenen Sichtbarkeit der Tore leicht nachzuvollziehen ist.)

Mit großem Geschick gelang es, das Tor nach sechszehnstündiger Arbeit wieder funktionstüchtig zu bekommen, so daß der Main nur einen Tag lang gesperrt war. Das reparierte Tor wurde zunächst bis 1992 weiterverwendet. Im September dieses Jahres wurde eine fünftägige Schiffahrtssperre des Mains an der Würzburger Schleuse dazu benutzt, das im Frühjahr 1992 ausgebaute und überholte Untertor (Stemmtore) wieder einzubauen, die starken Kieseinschwemmungen zu beseitigen (auch einige Reifen waren dabei) und die mechanischen Antriebe des Drehsegmenttores und des Stoßschutzes durch hydraulische zu ersetzen (da sie einem geringeren Verschleiß unterliegen als erstere). Vor allen Dingen wurde das obere Drehsegmenttor genau inspiziert. Jetzt stand fest, daß die Reparatur von 1988 nicht alle Schäden hatte beseitigen können und ein neues Tor fällig war.

Im Oktober 1994 wurde das inzwischen fertiggestellte neue Drehsegmenttor (es wurde am Oberen Mainkai zusammengebaut und dann über den Main zur Schleuse transportiert) bei einer weiteren einwöchigen Schiffahrtssperre, während der an zahlreichen Schleusen Überholungsarbeiten anstanden, eingebaut. Das alte Tor war etwas widerspenstig und klemmte während des Ausbaus - vielleicht eine Folge der Havarie von 1988. Letztendlich gab es doch kleinbei und hing am Haken. Nach den gemachten Erfahrungen wollte man das alte Tor nicht einfach beseitigen und hebt es - wie gesagt, für alle Fälle - lieber auf. Seitdem liegt es, wie auf dem Foto zu sehen, an der Schleuse in Erlabrunn.

Nur nebenbei sei erwähnt, daß während der Schiffahrtssperre im Oktober 1994 auch der Aufbau der Zeller Brücke gesprengt (die Krümel baggerte man hinterher einfach wieder aus dem Main) und zwischen Kleinwernfeld und Wernfeld (bei Gemünden) das Mittelstück einer Fußgängerbrücke eingeschwommen wurde.

:wink: Gernot