PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kreszenz Wallner (2)



danubenews
23.03.2020, 12:11
Schiffsdaten:

Name: Kreszenz Wallner
gemeldet in: Deggendorf
Nationalität: :d:

Länge: 30,95 m
Breite: 6,37 m
Tiefgang: 1,05 m

Maschinenleistung: 2x 330 PS
Maschinen-Hersteller : MWM mit Turbo-Abgasauflader 2 RENK Untersetzungsgetriebe

Baujahr: 1964
erbaut in: :d:
Bauwerft: Deggendorf , Wallner-Werft
Bau Nr. : 54

Am 10. Mai 1967 an JRB verkauft und auf Modrica (https://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?26217-Modrica-MSL&highlight=MODRICA) umbenannt !
Bild 3:1967 in Regensburg / Zusender: Klaus Heilmeier

Brummbaer
23.03.2020, 16:19
Servus hier nagelneu in Vilshofen zu Berg. MfG Brummbaer

danubenews
23.03.2020, 16:33
Hallo Brummbaer,

unglaublich was Du aus dem Hut zauberst !!!
Danke.
In Zeiten wie diesen, kramt man schon aus Langeweile im Archiv bzw. in den Untersten Laden !!!
Trotzdem ein Rückblick auf vergangene Zeiten der viele Erinnerungen weckt !!

LG

-Otto-

Brummbaer
23.03.2020, 19:35
Servus Otto da geb ich dir recht wenn es auch abgetroschen klingt die alten Zeiten waren die schönsten. Aber das kennt man erst ab einem bestimmten Alter! MfG Brummbaer

danubenews
24.03.2020, 16:02
Nachtrag zu #1:

Aus der Passauer Neuen Presse vom 6. November 1964

Allzeit gute Fahrt für „Kreszenz Wallner“
Gestern mittag: Probefahrt mit dem neuen Flachwasserschiff der Reederei J. Wallner
(fi) Das Zugschiffspotential des Reeders Josef Wallner hat gestern offiziell Zuwachs bekommen: Ein Doppelschauben-Zugschiff, das mit seinem geringen Tiefgang von 1,05 Metern (betriebsfertig mit 10 Tonnen Brennstoff an Bord) selbst bei extremem Niederwasser noch verwendet werden kann. Das jüngste Kind aus der Wallnerschen Schiffahrts- und Hafenbetriebs-GmbH, das in den betriebseigenen Werftanlagen gebaut wurde, ist auf den Namen der Großmutter Josef Wallners, nämlich auf den Namen „Kreszenz Wallner“ getauft. An der gestrigen Probefahrt, die zuerst in Richtung Metten und dann 13 km talwärts zur Mühlhammerkurve und zurück führte, nahmen neben der Reederfamilie, einigen Mitarbeitern und Ehrengästen auch der Konstrukteur des Flachwasserschiffes, Dipl.Ing Rudolf Kirchner, teil. Firmen-Oberkapitän Josef Hofmann und Lotse Anton Regulich wechselten sich am ledergepolsterten Steuer im Steuerstand ab. Demnächst wird Kapitän Franz Kutnik das neue Wallner-Schiff übernehmen und anläßlich der Jungfernfahrt in Richtung Regensburg mit zwei beladenen Kähnen im Schlepp seine Zugkraft testen.Es gehört zu den besteingerichteten und modernsten Zugschiffen dieser Art, die zur Zeit auf der Donau schwimmen.
Die „Kreszenz Wallner“ ist innerhalb eineinhalb Jahren in den betriebseigenen Werftanlagen der Firma Wallner nach Plänen von Dipl.Ing. Rudolf Kirchner mit einem Kostenaufwand von mehreren hunderttausend Mark gebaut worden. Die „Länge über Alles“ beläuft sich auf 31 m, die Länge zwischen den Loten auf 30 Meter, die Breite auf 6,20 Meter und die Seitenhöhe auf 2,50 Meter. Demnach also kein besonders großes Zugschiff, das aber über eine gute Leistung verfügt. Zwei Sechs-Zylinder-Motoren leisten zusammen 660 PS. Der Motor ist das einzige, das nicht aus der Wallner-Werft kommt. Es handelt sich um einen MWM-(Motoren-Werke-Mannheim) -Motor, der mit Dieselkraftstoff angetrieben wird.
Im Maschinenraum herrscht ein Lärm, der mit dem auf einem frequentierten MG-Schießplatz zu vergleichen ist. Trotzdem teilt sich die Schwerarbeit der Motoren nicht dem ganzen Schiffskörper mit: Im gemütlich eingerichteten Salon mit den Polsterstühlen ist die Vibration gleich null. Das wesentliche der gestern offiziell in Betrieb genommenen Wallner-Errungenschaft ist aber der geringe Tiefgang von nur 1,05 Metern. Ist das Schiff betriebsfertig und hat es etwa 40 Tonnen Brennstoff an Bord taucht es 1,25 Meter ein. Mit nur 10 Tonnen Brennstoff an Bord und 1,05 Metern Tiefgang kann das Schiff auch bei extremem Niederwasser noch verwendet werden, und darauf kommt es letztlich an.
Das Schiff verfügt über eine moderne Ruderausrüstung und über eine sogenannte Kortdüse, die eine Leistungssteigerung um vielleicht 15 Prozent bewirkt. Die Wallnerschiffskinder „Katharina“, „Lene“, der dicke „Martin“ mit 1100 PS-Leistung, „Max“ und „Maria“ haben also mit der „Kreszenz Wallner“ eine ebenbürtige Gesellschaft bekommen. Nächste Woche hört aber für das neue Schiff die Spazierfahrt auf: Kapitän Kutnik fährt mit zwei Schlepps beladen mit 1000 bis 1200 Tonnen Material, bergwärts bis Regensburg, um die Zugkraft zu prüfen. In Regensburg werden Schiffahrtsexperten das Wallnerschiff besichtigen, das später auf der Strecke Regensburg-Linz verwendet wird.
Zusammen mit Kapitän Kutnik werden noch vier weitere Mann an Bord gehen: Der Schiffsteuermann, der Bootsmann, der gleichzeitig Maschinistenarbeit verrichtet, der Manipulant, sozusagen „Mädchen für alles“ (auch für schriftlichen Arbeiten) und schließlich der Schlepploste als fünfter im Bunde. Die zahlenmäßig kleine Mannschaft bedeutet einen weiteren Vorteil. Zum Beispiel braucht sich auf diesem Schiff der Maschinist nicht mehr ständig im lärmerfüllten Maschinenraum aufzuhalten: Lediglich zum Schmierdienst; denn „geschaltet“ wird die „Kreszenz Wallner“ vom Steuerhaus aus oben auf dem Schiff.
Die Kabinen für die Männer sind gut eingerichtet. Davon konnten sich gestern die Gäste der Probefahrt überzeugen. In allen Kabinen fließendes Wasser, (das aus dem Wassertank und beileibe nicht aus der Donau kommt), Holzverkleidete Wände, saubere Schränke und Schlafkojen, dazu WC auf dem Vor – und Hinterdeck, eine kleine Küche mit einer Miniaturvorratskammer, ein gemütlicher Salon mit Polstersesseln , in dem gestern vorwiegend die Damen auf das Wohl des Reeders und die „allzeit gute Fahrt“ der „Kreszenz Wallner“ anstießen. Auf dem Hinterdeck die Kabinen der Matrosen, genauso gut eingerichtet wie die vom Kapitän und Steuermann, dazu der saubere Aufenthaltsraum, in dem sich bei der gestrigen Probefahrt die männlichen Fahrtteilnehmer wie Hochseematrosen fühlten.
Weil es nur eine offizielle Probefahrt und nicht die Jungfernfahrt des Schiffes darstellte, war gestern nicht „über die Toppen“ geflaggt. Am Bug flatterte die bayerische Fahne weiß und blau (am Bug muß jeweils die Fahne desjenigen Landes gesetzt werden, durch das das Schiff gerade fährt) hinter dem Steuerhaus die schwarz-rot-goldene Fahne der Bundesrepublik und am Heck die schließlich die weißgrüne Reedereiflagge von Josef Wallner mit dem Anker und dem roten Steuerrad und den Insignien J. und W. Auf der Fahrt Richtung Niederalteich begegneten dem Schiff ein Wallner-Selbstfahrer mit Beischlepp und gleich ging ein begeistertes Winken los, als die Männer das neue Wallner-Kind erkannten. In der Mülhammer-Kurve, gerade als Osterhafen in Sicht kam, wurde gedreht und langsam dampfte das Schiff wieder bergwärts vorbei an den Kiesbergen der „Unterdükerer“ bei Aicha bis hinauf zum heimischen Kai. Nach der „Sonntagsfahrt“ beginnt für die „Kreszenz Wallner“ bald der Arbeitsalltag: 50 bis 100 Jahre wird sie es wohl machen!

Zusender: Klaus Heilmeier /Regensburg

Josef Still
14.05.2021, 12:29
Wie die drei alten, ziemlich zerkratzten Dias vom Stapellauf der Kreszenz Wallner (später MODRICA) in meinen Besitz kamen, weiß ich nicht mehr. Franz Dosch hatte vom Stapellauf ja schon ein Schwarzweiß-Bild in seinem Oldtimer-Buch publiziert. Interessant ist, dass das Schiff 1964 nicht auf der Deggendorfer Werft, sondern einen knappen Kilometer stromabwärts auf dem Wallner-Gelände gebaut wurde! "Do it yourself!"
Das letzte Bild stammt vom 1. Juni 1987 und ist aus dem Ruderstand der FREUDENAU aus aufgenommen, in Niederbayern zwischen Mülham und Winzer. Die bergfahrende Modrica-Besatzung wird nicht schlecht gestaunt haben, denn die FREUDENAU unter Kpt. Josef Breuer schleppte die frisch gebaute MOZART.