Langsame Entwertung der Poller?
Das Problem mit den Pollern ist wohl vor dem Hintergrund einer schleichenden Entwertung der Poller zu sehen. Mit knarrenden Drähten auf einem sorgsam gefetteten Poller kunstvoll abstoppen - sind das schon schaurig-schöne Anekdoten von damals?
Seitdem das Bugstrahlruder Allgemeingut geworden ist, kann man damit sauberer an die Poller hinfahren und muß kaum noch damit rechnen, unter Umständen eine Notbremsung machen zu müssen.
Inzwischen geht die Entwicklung offenbar noch einen Schritt weiter. Schaut Euch doch mal zum Beispiel unter GMS den Westeind an, konkret in Beitrag 7 das zweite Bild. Das bißchen, was da an Seilen herumliegt, stammt von Reibhölzern. Ansonsten tote Hose: die Festmachleinen sind auf der Winde.
Ich habe gelernt, daß diese Winden aus der Seefahrt kommen und bequem und offenbar stufenlos auf verschiedene Widerstände einstellbar sind. Da braucht der Kumpel vorne nur noch einzuhängen, dann wird (womöglich sogar vom Steuerhaus aus) der Widerstand der Winde - vielleicht sogar automatisch - mit abnehmender Fahrt runterreguliert und der Zossen steht. Danach muß dann vermutlich nur noch "fixiert" werden, damit die Reise nicht nach hinten geht und die Maschine gestoppt werden kann. Da braucht keiner mehr neben einem Draht auf Spannung zu stehen! Wieder ein Stück Sicherheit mehr und schweißtreibende Arbeit - und Schiffahrtsromantik - weniger. Vielleicht haben die zukünftigen Schiffe gar keine Poller mehr, höchstens zu Behelfszwecken!
Da gibt es keine Gewaltbelastungen mehr auf den Pollern. Die SUK hat die mit Pattex :puke. aufgeklebten Poller (na ja, verschweißt werden sie schon noch sein) genehmigt - weswegen die WSP hier und da Knöllchen verteilt, wenn so einer mal einen Kollegen bei einer Panne auf den Haken bzw. Poller nimmt: die sind gar nicht mehr zum Schleppen zugelassen!
..... habe ich mir sagen lassen. Ansonsten halte ich mich hier lieber etwas zurück: Schiffbau ist ja nicht so mein Spezialgebiet!
:wink: Gernot
Steuermann schwer von Tau verletzt
Dazu habe ich mal in der "Flaschenpost" einen netten Beitrag gelesen.
Die zu dem Thema passende Stelle habe ich fett dargestellt.
Aus Flaschenpost 3 / 2007
Was man früher brauchte, waren Matrosen, die wie Zirkusakrobaten herumturnten, auf Scheerstöcken balancierten, auch mal alleine ein ganzes Lukendach aufdecken konnten, mit Holzklompen über Mittelpoller springen konnten, die Wurfleinen auf Schleppboote werfen konnten (ohne sich zu blamieren), die noch ein Schleppschiff nur mit dem Draht abstoppen konnten, die mit dem Nachen auch noch Lierdrähte ausbringen konnten, die Lotsen mit dem Nachen annehmen konnten, die noch auf einen Kranbalken klettern konnten um eine Öhringskette am Stockankerschaft einzuschäkeln, die noch ganz flink einen Schorbaumknebel benutzen konnten ...
Klaus Schmitt aus Köln
Ausschnitt aus der Flaschenpost Nr. 3
Gruß Ernst