Hallo,
das findet doch schon lange statt und das wird in der Berichterstattung und Diskussionen auch gerne außen vor gelassen. Die WSV hatte nach der Wende über 18.000 Beschäftigte und mit einem Beschluß des Bundestages wurde seit Mitte der ´90iger der Personalhaushalt jedes Jahr um min. 1,5% gekürzt und Lohnerhöhungen waren auch durch Stelleneinsparungen zu finanzieren. Wurden in Teilen des Geschäftsbereichs des BMV durch Schaffung neuer oder Erweiterung bestehender Aufgabengebiete, neue Stellen generiert (z.B. Mautkontrolle, Havariekommando etc.), wurden die Haushaltsmittel dafür ebenfalls nicht angepasst, sondern wieder durch Stelleneinsparung an anderer Stelle refinanziert. Da diese Stelleneinsparungen natürlich durch den Leitungsbereich der betroffenden Verwaltungen gesteuert wurde, kann man sich vorstellen, wer maßgeblich davon betroffen war und noch ist. Bevor eine Stelle in den gehobenen oder höheren Laufbahnen eingespart wurde, wurde lieber der einfache Dienst abgeschafft und der mittlere Dienst bis zur Handlungsunfähigkeit zusammengeschrumpft.Zitat:
Ich denke wir sind uns hier alle einig. Wenn WSAler entlassen würden hätten auch die Schiffer Verständnis, aber für einen mittlerweile über einen Monat dauernden präemtiven Streik Unterstüzung zu erwarten ist doch, vorsichtig gesagt, äh, nicht ganz, ähm, ihr wisst schon was ich meine.
Das ist meiner Meinung nach auch der Grund, warum die bisherigen Anstrengungen zur Reformierung der WSV, die es seit mehr als 20 Jahren schon immer wieder gab, gescheitert sind und die jetzt geplante "Reform" auch keine ist. Es geht hier nicht darum den gesamten Apparat zu straffen und den Verkehrsträger zu stärken oder gar bedarfs- oder kostenorientiert aufzustellen. Der Verkehrsminister hat doch schon mit seinem Vorgehen gezeigt, dass es ihm überhaubt nicht darum geht, die Wasserstraße zukunftssicher zu machen. Erst sagt er, dass die Klassifizierung der Wasserwege dazu dient, die viel befahrenen Strecken besser mit Finanzmitteln zum Aus- und Ersatzneubau auszustatten; keine zwei Wochen später erklärt er aber z.B. den Ausbau der Mosel faktisch für beendet, von seinen "Anstrengungen" am NOK ganz zu schweigen. Im westdeutschen Kanalnetz sieht es nicht besser aus, hier ist der Ausbau des RHK immer noch nicht abgeschlossen und die am meisten belasteten Bauwerke am WDK teilweise schon 20 Jahre über der vor 50 Jahren errechneten Zeit. Trotz des immens höheren Wartungsaufwand, der nur von erfahrenem Personal, welches die Anlagen mit ihren Schwachstellen kennt, erledigt werden kann, wurde gerade hier der Personalstand soweit reduziert, dass das Durchsnittsalter der Kollegen mittlerweile weit über 50 Jahren liegt und man davon ausgehen kann, dass die ganze Abteilung innerhalb von weniger als 10 Jahren wohl geschlossen wird.
Der hohe Altersdurchschnitt wird auch beim Schleusenpersonal immer mehr zum Problem, eine gesunde Durchmischung ist nicht mehr vorhanden, der Krankenstand steigt und Altersabgänge können nicht mehr aufgefangen werden. Sperrungen durch Personalmangel sind mittlerweile Normalzustand. Die geplante Fernbedienung ist für die Beschäftigten schon mehr Durchhalteparole als Schreckgespenst. Soviel dazu, dass wir im Westen noch Angst vor Versetzungen haben, die Nummer ist zumindest für uns schon vor Jahren entschieden worden. Da waren wir wohl für die Gewerkschaft(en) noch nicht wichtig genug, als dass man sich dagegen wehren wollte. Wir machen uns eher Sorgen darum, dass selbst nach der Zentralisierung, dass Personal nicht mehr ausreicht, weil an Leuten zur Ausbildung kaum noch was nachgeführt wird.
Worüber man sich aber klar sein muss, ist dass wenn die Personalverschiebung in der geplanten Form kommen wird, der Verkehrsminister noch ein besseres Mittel in der Hand hat, um Neben- und Restwasserstraßen ohne großes Aufhebens einzumotten. Erst streicht man die Sachmittel, dann zieht man das Personal ab.
Ich glaube auch, die große Streikbereitschaft kommt weniger von der Angst, dass die Regierung die Stellen noch mehr reduziert und die Aufgaben privatisiert, sondern da spielt unglaublich viel an Frustration mit. Ich hab selbst erlebt, dass wir innerhalb eines Jahres zwei junge und gute Leute für den Betriebsdienst ausgebildet und diese auf Anordnung von oben direkt im Anschluß auf die Straße gesetzt haben, obwohl dass Personal schon damals schon nicht ausreichte.
Im Moment ist das Presseecho über die Personalmisere der Stellwerker der deutschen Bahn riesengroß. Das erinnert mich ziemlich an die Schleusen im westdeutschen Raum.
Der Irrglaube, dass durch Privatisierung alles besser und billiger wird, kann ich auch nicht mehr nachvollziehen. In unserm Bereich werden seit Jahren 2/3 der Aufgaben an die Privatwirtschaft durch Ausschreibung vergeben. Dann müßte ja Geld satt vorhanden sein und die Anlagen glänzen. Das Gegenteil ist der Fall. Allein die Kosten für die Vergabe, die Ausführungsüberwachung und die oft erforderlichen Nacharbeiten sind immens und übersteigen nicht selten das eigentliche Auftragsvolumen. Dann will ein Unternehmer ja auch noch an dem Auftrag Geld verdienen.
Als Beispiel, weil dass hier ja auch jmd. schon angesprochen hat. Die Gebäudereinigung wurde früher durch eigene Kräfte, meist in Teilzeit mit einer Eingruppierung im einfachen Dienst erledigt. Die Kolleginnen waren oft Ehepartner von Beschäftigten in der jeweiligen Dienststelle und damit im Personalstamm integriert, demensprechend wurde die Arbeit auch mit der entsprechenden Motivation und Zuverlässigkeit erledigt. Heute wird diese Tätigkeit alle zwei Jahre ausgeschrieben. Allein die Auftragsbeschreibung umfasst ein riesen Schriftsatz in der jeder Handgriff aufgeführt sein muss. Die durch die Firma beschäftigte Reinigungskraft wird meist für einen viel zu geringen Zeitrahmen entlohnt, da wird für einen Zeitaufwand von 2-3 Stunden halt nur eine bezahlt. Da man davon faktisch nicht leben kann, wird durch die Arge mit Hartz 4 aufgestockt. Also finanziert der Steuerzahler die Arbeitskraft zur Reinigung weiterhin fast vollständig, mit dem Unterschied, dass er jetzt noch einen dritten mitfinanzieren darf.
Bis dann
Dominic
