Sagte ich doch schon vor ein paar Monaten " In einem Vierteljahr spricht keiner mehr über euch "
Das Vierteljahr ist reichlich rum. Ich versehe die verzweifelten Versuche einiger Wenigen offen gesagt nicht. Muß ich
auch nicht.
Gruß ! Ein Ehemaliger
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Sagte ich doch schon vor ein paar Monaten " In einem Vierteljahr spricht keiner mehr über euch "
Das Vierteljahr ist reichlich rum. Ich versehe die verzweifelten Versuche einiger Wenigen offen gesagt nicht. Muß ich
auch nicht.
Gruß ! Ein Ehemaliger
Jaja,
der Gruß der "Untätigen": hab ich doch immer gesagt
"Brutal" stimmt, "marktwirtschaftlich" aber leider längst nicht mehr und von "korrekt" kann nun wirklich nicht die Rede sein.
Aus einem seriösen Buch (Wolfgang Schöberl: Feuerwerk Kapitalismus) habe ich eine Zahl entnommen, die ich kaum glauben kann und die mich schockiert hat: "Nur 2 % bis 3 % der finanziellen Transaktionen beziehen sich auf Warenproduktionen und Dienstleistungen, der Rest ist rein virtuell (und) besteht allein aus Finanzgeschäften." In anderen Worten: es handelt sich nicht mehr um eine Marktwirtschaft (schon gar nicht um eine soziale), in der mit Geld Waren und Dienstleistungen (Transport, Schiffahrt) gehandelt werden, sondern das Geld, das eigentlich ein bloßes Mittel zum Zweck sein soll, hat sich zum Selbstzweck verselbständigt. Das Materielle, das die unterste der verschiedenen Stufen der Realität ausmacht, ist zum höchsten Ziel geworden - die Seinsordnung ist zum Materialismus verdreht. Wir haben keine Marktwirtschaft mehr, sondern eine krasse Form der Geldwirtschaft.
Ich wußte, das etwas nicht stimmt - aber daß das so extrem ist, wußte ich nicht. Jetzt verstehe ich auch, wie ganze Währungen durch Spekulationsgeschäfte unter Druck geraten können - früher ein Ding der Unmöglichkeit. Oder daß Banken zu groß sind, um sie scheitern zu lassen, weil sonst das ganze System kriselt, während sich gleichzeitig deren Manager weiter bereichern.
Das Ganze geht wirtschaftstheoretisch auf Adam Smith zurück, der 1776 seine berühmte "invisible hand" vermutete. Diese unsichtbare Hand bewirke den größtmöglichen Nutzen Aller, wenn und obwohl jeder Einzelne nur seinen individuellen Eigennutz verfolge. Das ist ein Gedanke der Aufklärung mit ihrem einseitigen Glauben an eine naturwissenschaftlich verstandene, berechen- und analysierbare Vernunft (der damalige Zeitgeist angesichts des grandiosen naturwissenschaftlichen Fortschritts läßt grüßen). Die Aufklärung ist heute angeblich längst überwunden - in der "freien" Wirtschaft aber ist das immer noch der gültige Leitsatz!!
Wenn man mal nicht in die schlauen theoretischen Bücher der Herren Wirtschaftstheoretiker guckt, sondern auf die Realität, dann stellt man fest, daß die reichsten 20 % der Menschheit 90 % des globalen Bruttoinlandsprodukts besitzen, die ärmsten 20 % aber nur 1 Prozent! Ein Siebtel der Menschheit hungert. Die Schere geht immer weiter auseinander. Die Ozeane sind dabei, ihre Fische zu verlieren und wir hinterlassen unseren Nachkommen radioaktive Belastungen, mit denen sie sich noch Jahrtausende lang beschäftigen dürfen. Das nur als ein paar wenige Beispiele - die "invisible hand" des alten Adam Smith ist offenbar nicht vorhanden und sollte endlich beerdigt werden.
Deswegen muß ich Dir widersprechen, Kawumm, wenn du sagst, daß der Markt alles reguliert und dann das Beste dabei herauskommt. Es handelt sich um einen - in seinen Auswirkungen - tragischen Mythos. Wir sind da wie die Leute vor Kopernikus, die auch fest daran geglaubt haben, daß die Erde nur eine Scheibe sein kann. Genauso werden spätere Zeiten über uns den Kopf schütteln und sich fragen, wie man angesichts immer offenkundiger werdender Probleme noch im 21. Jahrhundert einem solchen alten Glauben wie dem von Adam Smith anhängen konnte.
:wink: Gernot
Hallo Gernot,
Super geschrieben.
Genau das ist der Grund warum Frachtraten und Löhne immer mehr gedrückt werden,
weil sich viele an dem Geldkuchen beteiligen wollen.
Es ist nie genug Geld.
Aber wir sollten wenigstens unseren kleinen Prozentsatz an der Geldmenge verteidigen.
Oder habt ihr genug Geld ??????
Grüsse Joana
wer wirtschaftliche Gegebenheiten in all ihren Facetten nicht akzeptieren will oder kann sollte sich heraushalten; blind zu glauben, was irgendein Schreiberling formuliert (eine Frage des Ansatzes) ist zu einfach gemacht (wer ist Wolfgang Schöberl?).
hat mit Frachtraten nichts zu tun; diese werden von den am Rande der Existenz herumkrebsenden "selbständigen Unternehmern" heruntergeritten, weil diese zu jedem Preis fahren.
Bravo !! das trifft es aus den Punkt, kurz, prägnant, zielführend.
Ein Ehemaliger.
Zu # 455
"hat mit Frachtraten nichts zu tun; diese werden von den am Rande der Existenz herumkrebsenden "selbständigen Unternehmern" heruntergeritten, weil diese zu jedem Preis fahren."
Hallo Lava!
Genau das ist es, was ich in meiner Antwort auf deine "Lieschen-Müller-Geschichte" geschrieben habe! Schön dass du es mittlerweile auch geschnallt hast, dass wir keine freie Marktwirtschaft mehr haben, sondern dem Diktat der Oligarchie ausgeliefert werden bzw. teilweise schon sind.
Schlimm ist nur, dass unsere "lieben" Politiker in der Regel auch so fest in dieses System der Finanz"hyänen" eingebunden sind, dass sie nichts dagegen unternehmen, weil sie sich selbst das Wasser abgraben würden.
Es grüßt der Niederrheiner Klaus
Hallo Forum,
ich habe auf einem 1100Tonner gelernt und bin mit einem 1300Tonner angefangen. Ich habe, so denke ich, nun zwei ganz ordentliche Schiffe. Alles ohne Hilfe von "Papi" oder Finanzspritze von einer Reederei. Daher kann ich wohl sagen das ich ein kleinwenig Erfahrung mit den wirschaftlichen Gegebenheiten habe. Eine "Gegebenheit" ist doch wohl Angebot und Nachfrage. Wenn ich, und damit meine ich alle Pattis, das Angebot reduziere steigt doch die Nachfrage und damit der Preis, oder nicht? Das hätte sogar einen Doppeleffekt, weniger Betrienbsstunden bedeutet auch weniger verschleiß und damit auch weniger Instandhaltungskosten.
Seht doch die Gewerkschaften, die haben unteranderem die 35 Stundenwoche erreicht. Egal ob Betriebe kaputt gehen oder nicht. Soviel macht haben die Gewerkschaft. Wenn wir Pattis nun uns einig sein könnten, würden wir auch so einiges erreichen. Wir könnten mit weniger Einsatz mehr Geld verdiehnen.
Als ich damals angefangen habe stand ich, wie jeder Selbständige am Anfang, mit dem Rücken an der Wand. Ich habe jeden Scheiß angenohmen und transportiert. Nach einm Jahr, in dem ich 351 Tage an Bord war, habe ich meine Erfahrungen neu eingesetzt. Ich habe, aus Langeweile und um wach zu bleiben, viel geschrieben und Reisen analysiert. Das zweite Jahr habe ich ganz anders Gefahren. Ich habe nicht jeden Scheiß gemacht und mir vorher überlegt was die Reise eigentlich bringt. Umsatz ist eben nicht gleich Gewinn.
Das Ergebnis war mehr als erstaunlich. Mehr Umsatz bei weniger Einsatz. Weniger Gasöl bei mehr Gewinn. Und das Überaschenste war das ich deutlich öffter zu Hause.
Natürlich bin ich nicht so gut und gebildet wie Lava und muss mein Geld verdienen, aber ich weis sehr wohl das man etwas versuchen muss. Ok, diese Sache ist an der Dummheit, Untätigkeit und Pessimismus anderer gescheitert. Aber ich bin meiner Sache treu und konsequent. Ich lasse meinen Frachter nun ohne Reederei fahren. Das gibt mir derzeit ein ganz anders Bild vom eigentlichen Markt. Ich telefoniere zwar mehr, aber es bringt auch mehr. Ich kann nun meine Erfahrungen weiter ausbauen und hoffe diese später weiter nutzen zu können.
Ein Gruß an alle Gebildeten
Kawumm 68
Hallo Forum,
Kein Patti braucht um jeden Preis zu fahren, aber die meisten wollen um jeden Preis fahren oder Sie sind so eng vertraglich Gebunden das Sie nicht anders können bzw. dürfen.
Kawumm68 hats berichtet und ich habe auch berichtet, wie man es anders machen kann. In der freien Marktwirtschaft kann jeder Unternehmer(Patti) selber entscheiden wie, wo und für wen er fährt.Somit kann er selber entscheiden ,für wieviel er fährt. Es hat in der Binnenschiffahrt den Anschein das die meisten Pattis sehr gerne für wenig Geld fahren, denn anders kann ich das Verhalten der vielen Pattis nicht verstehen.Oder haben die Pattis etwa Angst vor mehr Geld?
Wenn ja ,dann kann ich denen die Angst vor "mehr Geld" haben, meine Kontonummer nennen. Mit dem Geld werde ich dann noch ein Schiff kaufen, um noch mehr Geld zuverdienen.Denn ich habe keine Angst mehr Geld zu verdienen.
Gruß RADI
Ich wollte es ja in dieser Rubrik eigentlich bei meinem bereits geschriebenen Beitrag belassen, aber die Reaktion von Lava darauf (# 455) kann man nicht so stehen lassen.
Die wirtschaftliche Preisbildung vollzieht sich innerhalb von Bedingungen, die von der Politik festgelegt worden sind. Selbstverständlich sind diese von der Politik vorgegebenen Rahmenbedingungen immer auch ein Ausdruck des gerade herrschenden Zeitgeistes. Im Fall der Liberalisierung des Wettbewerbs in der Binnenschiffahrt war das der Zeitgeist des Neoliberalismus, der mit der "Wende" eingeleitet wurde (und auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen sichtbar ist, z.B. auch in der Architektur [übrigens auch der Schiffe!], die immer einen guten Spiegel einer Gesellschaft abgibt).
Die neoliberale Neuregelung der Frachtenbildung in der Schiffahrt wurde vom Verfassungsgericht, daß 1994 die Annahme einer Grundrechtsbeschwerde eines in den Ruin getriebenen Tankschiffeigners ablehnte, damit begründet, daß sie "den Wettbewerb der Transportunternehmer untereinander ... fördern sowie die Effizienz des Transportsektors insgesamt ... verbessern" sollte. Das ist es, wovon ich in Beitrag 453 geschrieben habe.
Zunächst einmal: wir Deutschen waren bei der Umsetzung mal wieder besonders gründlich. Während Niederländer, Belgier und Franzosen, die zuvor das Tour de role-System hatten, Übergangsregelungen einführten, entließen wir unsere Binnenschiffer über Nacht in den "freien" Markt - ungleiche Wettbewerbsbedingungen waren die Folge - siehe die gerade erwähnte Pleite des Tankschiffseigners.
Die längerfristigen Folgen der seit 1994 geltenden Marktliberalisierung in der Binnenschiffahrt sind ein Konzentrationsprozeß, wie er auch an Land in vielen Bereichen zu beobachten ist. Wer stark ist, wird größer, wer nicht mithalten kann, packt ein. Partikuliere, denen das Wasser bis zum Hals steht - wollen wir das? Da beenden Schiffer, die schon seit Generationen in der Schiffahrt waren. Die Anzahl der Schiffe sinkt und damit auch die Zahl der in der Schiffahrt Beschäftigten und damit deren gesellschaftliche Bedeutung - wollen wir das? Steigt die Effizienz der Binnenschiffahrt, wenn sich die verbliebenen 135er oder noch größere Schiffe auf dem Rhein ihr Rennen liefern (im Moment - Stichwort Niedrigwasser - fahren die Kleinen aber wohl besser?), während darum gerungen wird, kleinere Flüsse mit Unsummen von Steuergeldern diesen Riesen zugänglich zu machen? Und wie flexibel ist so eine Schiffahrt denn überhaupt noch? Wollen wir das wirklich?
Die 1993 ausgelaufenen Frachtenausschüsse waren paritätisch mit Vertretern aus der Schiffahrt und der Verlader besetzt. Da die Verlader in der Schiffahrt in einer stärkeren Position sind, bedeutete die Abschaffung der Frachtenausschüsse eine Schwächung der Position der Schiffahrtstreibenden. Entsprechend sind die Frachten gepurzelt. Ähnliches war auch hier wieder an Land zu beobachten: es war ja im neoliberalen Zeitalter sogar davon die Rede, daß die Gewerkschaften (die selbst das 19. Jahrhundert als eine Errungenschaft und Notwendigkeit ansah), also die Arbeitnehmervertretung, angeblich nicht mehr zeitgemäß seien.
Das, mein lieber Lava, hat der von mir in Beitrag 453 kritisierte neoliberale Zeitgeist mit der Frachtenbildung zu tun und mit der Entwicklung der Binnenschiffahrt - er gehört nämlich ganz wesentlich zu Deinen wirtschaftlichen "Facetten". Und zu dem, was der unregistrierte schweizer User in Beitrag # 456 "kurz, prägnant, zielführend" nennt, würde ich sagen: "kurz, kurzsichtig, irreführend".
:wink: Gernot