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Thema: Vorderunter / Achterunter

  1. #1
    Klöckner 19
    Gast

    Standard Vorderunter / Achterunter

    Hallo,
    (bin ich hier richtig?)
    Kann mir jemand eine genaue Beschreibung einer Vor-/Achterroof, Vorder-/Achterunter auf einem Schleppschiff geben?
    Möglichst von einem großen Rheinkahn (Rh-H-K oder 2000t+) mit mehreren Matrosen Besatzung)
    Mich interessieren vor allem die Einzelheiten (Raumaufteilung,
    Einrichtung, Ausstattung usw.)
    Hat vielleicht sogar jemand ein Photo???
    Gruß
    K.19

  2. #2
    Avatar von p-m
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    Standard Achterunter

    Hallo K.19

    Ich kann lediglich aus "Göpf's" Schiffischem Wortschatz des Schweizer Rheinschiffers zitieren:

    Achterunter: Die unteren Zimmer bei einer zweistöckigen Wohnung im Hinterschiff.

    Freundliche Grüsse aus Basel

    Peter
    Elektronik ist, wenn es trotzdem tut, und keine(r) weiss warum.

  3. #3
    Klöckner 19
    Gast

    Standard

    Hallo Peter,
    soviel weiß ich leider auch schon, aber vielleicht sollte ich den Göpf mal selbst fragen...
    K.19

  4. #4
    Avatar von Dewi
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    Hallo K.19,
    bei einer zweistöckigen Wohnung im Hinterschiff
    so viel ich weiß , hat das GMS "KILIAN" noch so eine zweistöckige Wohnung, oder mindestens den Ansatz davon

    Gruß Dewi
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  5. #5
    Im ewigen Hafen
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    Es gab ja auch vorne Wohnungen auf zwei Etagen und das "Erdgeschoss" war eben das Vor(der)unter.

    Gruß
    Friedhelm

  6. #6
    Avatar von Cuxi
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    Deutschland

    Moin, moin;
    aus meiner Zeit in der Binnenschiffahrt kenne ich die Art der Unterkunft für die Matrosen und Schmelzer auf den Schleppkähnen
    und auch Motorschiffen nur so, daß die vordere Roof als eine Art Wohnküche fungierte.
    Ausgestattet mit Kohleofen, Tisch, Stühle, einem kleinen Schrank und Spüle mit Handpumpe. Toilettenraum angebaut mit extra Zugang von außen. Die Spüle diente auch als Waschgelegenheit.
    Von der "Wohnküche" aus ging ein relativ steiler Niedergang nach unten, auf einen quer liegenden Gang.
    Von diesem abzweigend 2-3 Schlafräume, je nach Schiffsgröße und der damit vorgeschriebenen Besatzungsstärke.
    Einbauschrank und Bett, in einem meist ein Doppelbett für den Matrosen,dessen Frau mit an Bord fuhr.
    Die gesamte Ausstattungsweise variierte je nach Reederei, Eigner, Alter des Schiffes etc.
    Siehe auch

    Mit Gruß von der Küste
    Helmut

  7. #7
    Klöckner 19
    Gast

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    Moin Helmut,
    danke. Gab es eigentlich immer einen Klosettraum? Manche Roofs erscheinen von außen ziemlich klein dafür und haben auch keine 2. Tür (Innenklo kam meines Wissens erst in den späteren 50er Jahren).
    Noch ein paar Fragen:
    1. Waren die Wände früher schon verschalt (Bei uns waren die Wände des WC und der Dusche in der Achterroof - motor. SK - aus blankem Eisen.)?
    2. Gab es schon richtige Matratzen oder nur sog. Strohsäcke?
    Grüße vom Rhein
    Kl.19

  8. #8
    Avatar von Dewi
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    Hallo Kl.19,

    ich bin erst Mitte der 60 ziger mit der Binnenschifffahrt in Berührung gekommen. Bei unseren Schiff war die voreder Wohnung so aufgeteilt, das oben Steuerbord der Eingang zur Küche und den unteren Zimmer mit zwei Betten war. Auf der Backbord war der Eingang zum Klosettraum, der nicht verschalt war. Der Rest der Wohnung war Ausgeschalt. Leider habe ich keine Bilder von der Wohnung im Innenbereich

    Gruß Dewi
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  9. #9
    Avatar von Cuxi
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    Deutschland

    Moin, moin;
    Toiletten gab es mit Sicherheit nicht schon immer und ewig
    an Bord.
    Aber wann die eingeführt wurden???????
    Die Auslegung der Räume, und die Qualität der Ausgestaltung, war sicher so vielfältig wie es Schiffe gab.
    Man bedenke nur, daß es 10-15 Jahre vorher noch offene Verschläge zum Kochen an Oberdeck gab.
    Wir hatten, glaube ich mich zu erinnern, Matratzen.
    Ansonsten schließe ich mich meinem Vorredner (Dewi) an.
    Elektrizität gab es übrigens nicht, dafür aber Petroleumlampen.
    So etwa ab 59/60 schafften sich viele Schiffer tragbare, motorgetriebene Generatoren mit nachgeschaltetem Zerhacker an, um abends Fernsehen zu können. Dann fing abends immer rundum das gebrumme und Antennendrehen an.

    Mit Gruß von der Küste
    Helmut

  10. #10
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    Standard

    Zunächst einmal zum Begriff Vorderunter/Achterunter: nicht nur bei einer zweistöckigen Wohnung hieß der Raum unter Deck so, sondern auch dann, wenn auf dem Deck gar nichts vorhanden war. Ein Raum unter Deck vorne bzw. hinten also, der nicht unbedingt eine Wohnung sein mußte.

    Die wichtigste Aussage scheint mir die von Cuxi in Beitrag 6 zu sein, daß die Ausstattung je nach Reederei, Eigner und Alter des Schiffes stark variierte. Eine Umbau- sprich: Modernisierungswelle gab es (ich baue hier auf die Informationen von Uli Brummi, der in dieser Zeit gefahren ist und mit dem ich eben länger über dieses Thema telefoniert habe) in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre. Damals verschwanden viele liegende Haspel und Stockanker von den Schleppschiffen, stehende Haspel, Klippanker und Hackruder (das waren die dreiblättrigen - siehe den Beitrag 5 in diesem Link!) kamen ans Schiff und hinten Badewannen in die Wohnung des Schiffers. Vorne kam jetzt ein Pumpklo rein: Wasser von draußen wurde zum Spülen in die Schüssel gepumpt und floß komplett mit "Ladung" wieder nach draußen. Die Dinger seien aber etwas umständlich gerwesen. Eine auf solche Umbauten spezialisierte Werft war die kleine Werft Kleinholz in Ruhrort.

    Vorne aber stand zum Baden auch lange nach solchen Umbauten noch die auch von Land bekannte Zinkwanne in der Küche, die mit heißem Wasser gefüllt wurde und danach mit kaltem so lange, bis die Temperatur angenehm war. Das war natürlich kein kostbares Trinkwasser, sondern Flußwasser von außenbords. Nach dem Baden wurde das Wasser mit einem Eimer ausgeschöpft und außenbords gekippt. Und wenn vorne einer verheiratet war und die Frau sich in der Zinkwanne räkelte, war während der Badezeit das gesamte Vorschiff für die anderen Männer Sperrgebiet!

    Und zur Toilette: was war vor dem Pumpklo? Gepinkelt wurde immer schon und oft wohl noch bis heute einfach über Bord. Das war aber auch die archaischste Form des "großen Geschäfts" - am Dennebaum (wo es immer irgendwelche Laschen oder Ringe oder sonstwas gab) festgehalten und ab die Post. Laut Uli gab es das noch in den 1950ern - schöne Fotos wurden so mitunter von Fahrgastdampfern aus, die auf einmal vorbeikamen, gemacht.

    Die gängige Form des "großen Geschäfts" in der alten Zeit war der Eimer. Jeder improvisierte hier auf seine Weise in der Küche einen Donnerbalken. Danach ging der Inhalt über Bord und der Eimer wurde nachgespült. Hin und wieder gab es auch aufsetzbare Klobrillen oder vereinzelt sogar - das war aber ganz exquisit - in der Wohnung eingebaute "Toiletten" - sprich feste Klobrillen, unter denen der besagte Eimer stand.

    Aber nachts, wenn der Wind pfeift, man im Schlafanzug ist und es womöglich noch regnet? Dann hatte man keinen Bock aufs Eimerspülen draußen, sondern schiß eben in den Kohlenkasten. Später wurde das einfach mit der Schaufel mit der Kohle in den Ofen geschmissen - "das roch dann draußen immer so, wie wenn Milch angebrannt wäre". Das war gängige Praxis noch in den 1960ern, auch auf Motorschiffen. Der zweite Klassiker: die BILD-Zeitung. Die ganze Portion eingewickelt und - je nach Geschmack - auch in den Ofen oder über Bord damit.

    Die Nachkriegsbauten hatten alle eine Toilette, aber nicht die Vorkriegsbauten. Da fuhren noch in den 1970ern alte Schiffe mit Eimern herum. Modernisiert - sowas kostet ja Geld - wurde immer dann, wenn es schwer wurde, Personal zu finden. Eine renommierte Reederei war bekannt dafür, daß hier noch lange die Eimer in Gebrauch waren (Uli: "Bitte nenne sie nicht, sonst gibt es heißes Blut" - okay, ich halte mich dran).

    Zur Einrichtung der Wohnungen auf dem Vorschiff: oben war die Küche oder auch die Küchen, denn wohnten vier oder fünf Personen auf dem Vorschiff, war die Küche manchmal in der Mitte getrennt, so daß es also oben zwei Küchen mit separaten Eingängen von den Seiten gab. Unten hatten solche Schiffe oft in der Mitte einen Gang, von dem nach beiden Seiten die Einzelkabinen für die Leute abgingen. Seltener gab es die großen Mannschaftsunterkünfte in einem Raum, mit Betten an den Bordwänden und dem Kettenkasten in der Mitte. Das war vor allem dann der Fall, wenn viele Einzelpersonen an Bord waren - junge, unverheiratete Kerle, vor allem auf Schleppbooten. Oft griff dann aber auch einer zur Säge und baute sich mit Nut und Feder ein Abteil.

    Die Wohnungsbauten mit Nut und Feder im Vorderunter waren weit verbreitet. Jeder baute sich hier etwas anderes, je nach Bedarf, persönlichem Geschmack und Toleranz des Schiffers. Ein Vierkantbalken wurde zwischen Boden und Decke eingeklemmt, ein paar Latten drauf, darauf dann die Nut und Feder-Bretter. An der Bordwand wurden die Hölzer zwischen die Spanten geklemmt, immer etwas vorstehend, so daß die Verkleidungsbretter nie die Bordwand berührten. Das war wegen der Wärmeleitung und auch wegen der Vermeidung von Feuchtigkeit wichtig.

    Wenn man überlegt, wie die Wohnungen heute eingerichtet sind .... auch vor dem Zweiten Weltkrieg schon gab es auf manchen Schiffen tolle Wohnungen mit Kamin, Badewanne und Furz und Feuerstein, im Einzelfall sogar Elektrizität! - das aber waren Partikuliere mit Geld, die hinten ihr eigenes Reich ausstatteten. Auch die Luxe Motoren, die in der Regel von Partikulieren gebaut wurden, trugen diese Bezeichnung nicht von ungefähr. Der kleine Matrose auf dem Vorschiff hatte damit nichts zu tun und auch Setzschiffer lebten spartanischer.

    Gernot

    PS: Vielen Dank an Uli für diese interessanten Informationen!
    Geändert von Gernot Menke (03.09.2010 um 23:14 Uhr) Grund: Link :-)

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