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Thema: Diskussion um die Frachtraten

  1. #81

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    Hallo anonymer Disponent!

    allein das du darauf reagiert hast zeigt mir das ich wohl ins schwarze getroffen habe. Na klar aus einer gesicherten Position heraus kann man solche Äußerungen tätigen. Aber du wirst mir doch zustimmen das die ganzen Subventionen die freie Marktwirtschaft in schieflage bringt. Wenn anderen geholfen wird dann verlange ich diese hilfe auch.
    Am liebsten hätte ich eine Börse für die Ladungen. Angebot und nachfrage würden von ganz alleine den Markt regeln. Dann müßtest du dir einen anderen Job suchen und ich hätte mein Glück in meiner Hand.

    Übrigens, ich schließe nur Freundaschaften mit Personen die ich kenne. Soll nicht bedeuten das wir keine Freunde werden könnten. Deine Äßerungen find ich natürlich provokant aber sind durchaus interessant. Vieleicht kann man ja auch über PN diskutieren. Da könntest du ja mehr von dir preis geben.

    Aber du verstehst schon das mein Herzblut in meinem Betrieb steckt und dafür alles tue. Habe keine hilfe vom Daddy bekommen. Ist alles self made zusammen mit Familie.

    Außerdem pflegen wir bei uns an Bord einen schwarzen und direkten Humor und so bitte ich auch meine Texte zu verstehen.

    Gruß Kawumm 68

  2. #82

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    Hallo in der Runde!

    Wie feige muß man eigentlich sein, um hier imThreat mitzureden, ohne seine Identität anzugeben.

    Es geht hier nicht um Bittstellertum. Hier soll versucht werden, die Basis zu schaffen, damit das Überleben des gesamten Gewerbes gesichert werden kann. Solche Heckenschützen wie Dich , mein lieber Gast User Unbekannt, fehlen uns im Gewerbe noch!
    Entweder hast du von der gesamten Schifffahrtsmaterie keine Ahnung oder Du sitzt mit verschlossenen Augen in Deinem Büro und amüsierst Dich über die (Entschuldigung!!!) Dummheit der Schiffer.

    Was Kawumm 68 oder andere wie z.B. auch ich heute oder bereits in der Vergangenheit probieren und versucht haben, ist eine Basis zu legen und bestimmte Praktiken durch entsprechende erreichbare Reglementierung zu unterbinden.

    Du mußt Dir nur einmal, falls es überhaupt möglich ist, anschauen, was jetzt nach der Rheinsperre gerade in den Seehäfen passiert. Die meisten der betroffenen Schiffseigner gehen sprichwörtlich am Stock. Nachdem sie jetzt endlich in den Seehäfen angekommen sind, herrscht dort natürlich ein Überangebot an Schiffsraum. Glücklicherweise ist auch reichlich Ladung da, so daß für jeden etwas zu fahren wäre. Aber was passiert jetzt gerade wieder?
    Da wird wie vor einigen Jahren Kohle von Rotterdam nach beispielsweise Mannheim zu einer Fracht von 2,00 bis 2,20 €/To. angeboten. Oder Dünger, Masseleisen, Flußspaat und ähnliches nach Haldensleben,Dresden etc. von den ARA -Häfen für die grandiose Gage zwischen 4,20 €/To. und 6,00 €/To. auf den Markt geworfen.

    Als Schiffer, dem das Wasser nun nach den verschiedenen Liegezeiten wegen Hochwasser, Eis oder "Waldhofhavarie" bis zum Hals steht, weil die Bank auch schon die Hand aufhält, bist Du fast zum Fahren gezwungen. Das hat nichts mit Rechnen oder nicht Rechnen können zu tun.
    Hier ist es die Unfairnis der Befrachter, die einen in den Ruin treibt.
    Diese sprechen nämlich die saumäßig niedrigen Preise untereinander ab, freuen sich über das gemachte Geschäft und rollen sich vor lachen, dem Sterben nahe, im Bürodreck über die (nochmal Entschuldigung an die Fahrensmänner!) Blödheit von uns Schiffern, weil wir es wieder mit uns machen lassen (müssen)!

    Schau Dir mal den Wettbewerb der letzten Jahre an.
    So wie bei der letzten Abwrackaktion, als die deutschen Flottenkapazitäten zwecks Marktbereinigung verschrottet wurden und gleichzeit in den Nachbarländern an der Westside die modernste und kapazitätsmäßig dreifache Menge an Frachtraum in dienst gestellt wurde und überdies noch immer wird.
    Dort gab es Drittschuldnerbürgschaften, versteckte Subventionen in Form von günstigerem Steuerrecht, Tilgung wurde ausgestzt oder sogar Zinszahlung gestundet. Trotzdem gingen in den letzten Jahren viele in die Insolvenz, wurden Schiffe durch die Banken sichergestellt und weiterverkauft oder versteigert. So ruinös ist dieser "Wettbewerb" von dem Du sprichst, daß trotz dieser Vorteile ein vernünftiges Geschäftsbetreiben nur schwer möglich ist. Wir wollen ja gar nicht mehr reich werden, was mit ehrlicher Arbeit eh' kaum noch möglich ist, aber wir wollen unser Personal auch in Zukunft angemessen und pünktlich bezahlen oder wichtige Investitionen und Reparaturen durchführen können. Hierfür wollen wir eine Basis schaffen! Erst Anfang dieser Woche wurde publiziert, das die RABO - Bank Rotterdam drei Koppelverbände und 2 Einzelfahrer selbst ersteigert hat. Das sind übrigens alles ganz junge Schiffe!

    Diese liegen jetzt erstmal an der Werft um ausgebliebene Reparaturen durchzuführen. Trotz Dauereinsatzes blieb bei den alten Eignern dafür nichts übrig!

    Es ist alles so knapp kalkuliert, bei den Bänkern wie bei den Reedereien, daß man das Jahr eigentlich verlängern müßte. Alles basiert auf einem Einsatz des Schiffes an allen 365(6) Tagen des Jahres, an Liegezeiten wird dabei gar nicht mehr gedacht und für Reparaturen und ähnliches findet man gar kein Gehör mehr.
    Und dann kommt nach der EU - Osterweiterung auch noch der häufig nur als schwimmfähiger Schrott zu bezeichnende Schiffsraum dazu, der hier ohne Einschränkungen am Markt teilnehmen kann, weil die zum Teil von den hier etablierten Reedereien bei Kauf mit Kredithilfen und Frachtvorschüssen zum Teil im 6-stelligen Bereich gebunden wurden und damit zu fast jedem "Schweinepreis" fahren müssen!

    Das sind die Fakten und darüber solltest Du dir mal einen Kopf machen, statt von unmöglichem staatlichen Preisfestsetzungen zu reden oder schreiben !

    Der neue Befrachter wird auch genau in der gleichen Form am Markt tätig werden. Er kann ja nur über einen niedrigeren Preis an die Ladung kommen, dazu will er auch noch leben (also was verdienen)! Nur weil er jetzt mit in den Befrachterpool kommt, kommt ja keine neue Ladung hinzu, sondern er verteilt nur die alte mit. Da kann er sich vornehmen was er will!

    Hallo Kawumm68, ich wünsche Dir wirklich alles Gute bei Deinen Bemühungen und bin auch gern bereit Dich zu unterstützen. Ich hoffe allerdings, dass es auch einige unserer Kollegen begreifen und sich anschließen zwecks Unterstützung!

    In diesem Sinne: noch einen schönen Abend oder schönes Wochenende.

    Gruß Achim

  3. #83
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    Deutschland Angebot und Nachfrage regelt den Preis

    hallo Kawumm,

    natürlich ist unsere "Freundschaft" rein platonisch; ich denke, das hast Du aber schon so verstanden.

    Freundschaften nur mit Leuten zu schließen, die man kennt, ist sehr vernünftig; genau so ist es mit "Outing" im Internet,
    vielleicht verstehtst Du in diesem Zusammenhang meine (noch) Zurückhaltung bzgl. einer Registrierung.

    wenn sich hier jemand einen tollen Namen gibt und sich wichtig präsentiert heißt das noch lange nicht, daß das alles stimmt oder überhaupt etwas substanzielles dahinter steht.


    ja, aus Sicht der Binnenschiffer (aller Nationen!) gibt es zuviel zur Verfügung stehender Frachtraum; das ist nun mal so, nicht wegzudiskutieren und drückt die Preise.

    "Angebot und Nachfrage regelt den Preis", das ist Fakt.

    somit ist jeder gefordert günstige Angebote machen zu können, sonst geht er unter.

    auch das ist ein Naturgesetz: die Schwachen werden von den Stärkeren verdrängt.

    hört sich jetzt alles hart an, ist aber nunmal die Realität in allen Branchen und war auch schon zu allen Zeiten so.

    und daß ein großes, modernes Schiff effizienter fahren kann als ein alter Kahn stellt ja wohl niemand ernsthaft in Frage.

    einen schönen Sonntag und
    gute Fahrt!

  4. #84

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    Hallo anonymer Disponent!

    Wenn du unter Haverien schaust wirst du von einem eingeschlafenen Schiffsführer lesen. Das ist eine folge von zu billig fahren. Wenn man zu billig ist und was übrig bleiben soll spart man Personal. Das ist das ergebnis von Selbstausbeutung. Wie bitte soll das verhindert werden wenn nicht durch einen geregelten Markt. Denn so wird sich nicht in kürze nichts verändern sonder verschärfen. Gott sei dank ist das Schiff in kein Tanker gefahren.

    Gruß Kawumm 68

  5. #85
    Avatar von seebear
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    Standard Nochmals BDS

    Hallo Forum
    Zuerst mal, ich hab die Kollegen etwas wachgerüttelt und denke dass sich in den nächsten Tagen unser Vorstandsvorsitzender, sowie noch einige aus dem Vorstand hier anmelden und auch auf deine Fragen @Kawumm Rede und Antwort stehen.
    @ Schappes ich finde das ja auch gut mit dem Verein den Ihr da gegründet habt und tendiere nach Absprache mit meiner Frau auch beizutreten. Aber das muss ich erstmal in Ruhe zu Hause durchgehen, wenn dann auch meine Frau vom Urlaub zurück ist.
    Aber wie du ja schon festgestellt hast hat das ja mit einem Verband wie dem BDS wenig zu tun und hier wurde ja von Patikulieren gefragt was können wir tun damit unsrere Belange an die richtigen Leute kommen.
    Leider ist die Mitgliedschaft in den letzten Jahren stark gesunken, so das wir gegen den BDB einen immer schwereren Stand haben unsere Meinung zu vertreten.
    @ Bomätscher60
    Über die damaligen Vorkomnnisse ist unser heutiger Vorstand auch nicht grade erfreut und ich muss dazu sagen das die meisten die jetzt tätig sind, zu dieser Zeit noch nicht im BDS waren.
    Ausserdem haben wir "freie Wahlen" für den Vorstand und es kann und hat jedes Mitglied das Recht sich zur Wahl zu stellen.
    @ kawumm zu deiner Frage...
    der Vorstand besteht zum größtenteils aus aktiven (Patikuliere) Mitglieder, dass macht es auch manchmal schwer bei den Sitzungen alle Leute zusammen zu bekommen, weil es da für die meisten auch heißt mein Schiff bleibt liegen.
    Und was leistet der BDS?
    Ganz aktuell geht es darum dass "die schwere Marktstörung " für die gesamte Deutsche Flotte zu trifft und nicht NUR für die Tankschifffahrt.
    Das ist natürlich nicht was die Reedereilobby vom BDB möchte.
    Und da unsere Meinung doch noch gehört wird wurden wir ja auch vom BDB als Erpresserband bezeichnet.
    Ansonsten dürfen wir uns schon mit auf unsere Fahne heften, dass die Arbeitszeitregelung nun doch nochmal überarbeitet wird.
    Genauso wie es durch eines unserer Vorstandsmitglieder unter Mithilfe des BDS, die Vorschleuse Regelung am Oberrhein durchbrochen wurde.
    Des weiteren arbeiten wir tatkräftig mit an Themen wie:
    Ausbau der Liegeplätze,
    Fahrzeitregelung,
    Abfallabkommen,
    Arbeitszeitregelung,
    Bemannugsvorschriften usw.
    Aber es gibt auch einige, für die Schifffahrt wichtigere Themen, die der BDS in der Vergangenheit zu Gunsten der gesamten Patikuliere errungen hat.
    Ich sag nur das Motorförderprogramm das jetzt auch für alle gilt.
    Aber ich denke da kann Jürgen hier, ich hoffe bald!, sicher mehr zu sagen. und verbleibe erstmal

    Gruß Werner
    Fragen per PN werde natürlich gerne Beantworten.

  6. #86

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    Hallo miteinander,

    ich bin die Tage eher zufällig auf das Forum geraten und habe mich gleich festgelesen. Ich fand die Beiträge zum Thema Frachten interessant, auch wenn der BDS zuweilen nicht gut weg kommt. Um mich gleich zu outen: Ich arbeite in der Geschäftsstelle des BDS und bin die Geschäftsführerin.

    Es wird über die Möglichkeiten zur Verbesserung der Frachten diskutiert und viel Richtiges geschrieben..
    Da ich aber zum Verein für offene Aussprache gehöre, möchte ich eine ehrliche Einschätzung der Vorschläge abgeben:

    1. Festlegung von Mindestfrachten:

    Das wäre sicher die einfachste Lösung der derzeitigen Probleme, wenn sie zu realisieren wäre. Diese Frage wurde immer wieder diskutiert, nicht nur in der aktuellen Situation.
    Unser europäischer Dachverband, in dem wir mitarbeiten, ist die ESO. Da auch von niederländischer Seite einige Mitglieder der Auffassung waren, dass Mindesttarife gefordert werden müssen, hat die ESO dies in ihre Vorschlagsliste an die EU-Kommission aufgenommen.
    Alle Vorschläge wurden von einer Arbeitsgruppe der EU-Kommission geprüft, in der u.a. neben den zuständigen Stellen der Kommission auch die betroffenen Mitgliedstaaten (D, NL, F, B. A) vertreten waren.

    Im Protokoll dieser Arbeitsgruppe vom 5.10.2010 heißt es zum Thema Mindestfrachten wörtlich (aus dem englischen übersetzt):

    „Um zu verhindern, dass Transporte unter den Kosten angeboten werden, haben Teile des Gewerbes vorgeschlagen, Mindestfrachten festzulegen. Wenn man Mindestfrachten festlegen würde, könnten die Einkünfte der Binnenschifffahrtsunternehmen wachsen und das Gewerbe würde stabilisiert. Ähnliche Regelungen gäbe es in Frankreich und in Belgien für die Straße.

    Grundsätzlich trifft die Einführung von Mindestfrachten auf Bedenken hinsichtlich Wettbewerbsrecht und staatlichem Beihilferecht. Darüber hinaus könnten sie kontraproduktiv sein und Überkapazitäten schaffen, weil sie die notwendige Rationalisierung der Flottengröße behindern.

    Im französischen Strafgesetzbuch wurden die Bestimmungen über die Beobachtungen der Mindestpreise nicht in der Absicht geschaffen, dem Unternehmensbereich zu helfen, sondern im Gegenteil, um Arbeitnehmer vor Ausbeutung zu schützen und Sozialdumping zu bekämpfen.

    Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es einerseits schwierig ist, Mindestfrachten in rechtlicher zulässiger Weise festzulegen und sie andererseits durchzusetzen, kam diese Maßnahme auf europäischer Ebene nicht in Betracht. Es versteht sich, dass die Rückkehr zu einem Festfrachtsystem, das mit der Richtlinie 96/75/EU abgeschafft wurde, nicht in Betracht kommt.“

    Soweit die EU-Kommission in ihrem Protokoll.
    Egal, was man von dieser Auffassung hält, sie ist eindeutig. Bemühungen um eine Festlegung von Mindestfrachten sind daher wenig erfolgversprechend.
    Niemand schützt den Selbständigen davor, sich selber auszubeuten!


    2: Übereinkünfte im Gewerbe zu Mindesttarifen

    Diese Frage ist leider noch kürzer und schmerzloser beantwortet, als die nach der staatlichen Regelung von Mindestpreisen. Preisabsprachen zwischen Unternehmen – dazu zählt auch die Vereinbarung von Mindestpreisen – sind nach dem GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) sowie nach europäischem Wettbewerbsrecht absolut verboten.
    Das mag aus Sicht eines kleinen Unternehmens ungerecht erscheinen, vor allem, wenn man sich die viel zitierte Mineralölindustrie anschaut, es ist aber seit langem geltendes Recht. Ein Verstoß hiergegen kann sehr unangenehm werden.


    3. Gemeinsame Organisation zur Verknappung des Angebots

    Ein solches Vorhaben war bekanntermaßen in den Niederlanden geplant, wurde aber von der dortigen Wettbewerbsbehörde nicht für zulässig erachtet. Ich vermute, in Deutschland wäre das nicht anders, denn es läuft letztendlich über künstliche Verknappung auch auf ein Preiskartell hinaus.
    Etwas anderes ist es, wenn ein Unternehmen einige seiner eigenen Schiffe stilllegt. Niemand wird z.B. einen Partikulier mit drei Schiffen daran hindern, zwei aus der Fahrt zu nehmen, genauso wie ein großes Unternehmen mit z.B. 100 Schiffen 50 oder mehr davon aus der Fahrt nehmen könnte. Aber als Absprache zwischen mehreren Unternehmen ist es zumindest problematisch.
    So richtig diese Überlegung also ist, sie ist schwierig zu realisieren.

    Was kann man also tun???

    Alle Überlegungen, die hier im Forum angestellt wurden, gingen – auch wenn sie unterschiedliche Ansatzpunkte haben - letztendlich in eine Richtung: Kooperation!

    Gut gefallen hat mir den Spruch mit den drei Binnenschiffern, von denen man zwei erschlagen müsste, wenn man eine einheitliche Meinung haben will. Das kann durchaus stimmen. Ich glaube aber, Sie können Binnenschiffer getrost durch Juristen, Ärzte oder Dachdecker ersetzen. Der Spruch stimmt immer.

    Allerdings gibt es einen Unterschied: Immer mehr Ärzte, Anwälte oder Handwerker erkennen, dass man erfolgreicher und stärker ist, wenn man sich in einer Gemeinschaft zusammenschließt. Nur in der Binnenschifffahrt wird mit Zähnen und Klauen die Auffassung verteidigt, dass so etwas dort wirklich nicht geht.:

    Trotzdem ist Kooperation meines Erachtens der einzig erfolgversprechende Ansatz.:

    Selber mit mehreren Partnern eigene, unabhängige Unternehmen zur gemeinsamen Vermarktung des Schiffsraumes gründen. Das ist keine schnelle Lösung, damit kann man auch leider nicht kurzfristig die Überkapazität beseitigen, man würde aber mittelfristig die Position der Partikulierunternehmen am Markt verbessern und dazu beitragen, ein stärkerer Verhandlungspartner zu werden. Es ist dabei völlig egal, ob man weitere Genossenschaften gründet oder GmbHs, BGB-Gesellschaften oder was auch immer. Hauptsache ist, dass sich der Partikulierschiffsraum sichtbar bündelt.

    Es bestünde sogar die Möglichkeit, solche Zusammenschlüsse in ihrem Aufbau aus den Mitteln des Reservefonds finanziell zu fördern. Wir setzen uns seit langem dafür ein, auf europäischer Ebene aus dem Reservefonds hierfür Mittel zu verwenden und es gibt eine Menge Leute, die diesen Vorschlag unterstützen. Leider gegen den erbitterten Widerstand der EBU auf europäischer Ebene und des BDB auf nationaler Ebene. Ich verstehe dies nicht, denn ich glaube, dass am Ende der Binnenschifffahrtsmarkt insgesamt davon profitieren würde.

    Wie ist die Meinung zu diesem Vorschlag?



    Herzliche Grüße, Andrea
    Geändert von Gerhard (03.03.2011 um 01:12 Uhr) Grund: Freigeschaltet

  7. #87

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    Hallo Andrea!

    Erstmal herzlich willkommen hier im Forum.
    Ich persönlich freue mich und begrüße es, daß nun auch seitens des BDS in Person der Geschäftsleitung oder auch des Vorstandes an dieser Diskusion teilgenommen wird.
    Allerdings finde ich nicht gut, daß sofort mit Veto's argumentiert wird.

    Gewiss, Du zitierst nur die Aussage der EU - Kommission. Aber davon, denke ich, sollten wir uns nicht zu sehr leiten lassen.
    Allein die Aussage, daß eine derartige Regulierung nicht möglich wäre, da sonst die Gefahr einer Schaffung von Überkapazitäten bestünde, spricht bereits für sich. Diese Damen und Herren
    scheinen gar nicht registriert zu haben, daß diese Überkapazitäten bereits geschaffen wurden und dieses Tun nach wie vor forciert wird.

    Die im französischen StGB verankerte Regelung betrifft das gesamte dortige Transportwesen und soll gegen Ausbeutung, also Lohn- und Sozialdumping schützen. Sicherlich in erster Linie
    die Mitarbeiter. Allerdings wäre eine derartige Gesetzeslösung auch vom deutschen Gesetzgeber durchaus einführbar, ohne dabei gegen geltendes EU -Recht zu verstoßen. Schließlich sind bei
    uns, im Rahmen der Vertragsfreiheit, im Gewerbe bereits seit langer Zeit die Tarifverträge ausgehebelt und die gezahlten Pauschallöhne bewegen sich mehr an der unteren Einkommensgrenze, sicher auch dadurch bedingt,
    daß die Leute vorwiegend aus den ärmeren Ostblockländern kommen.

    Sicherlich kann, wie in den Niederlanden, eine Wettbewerbsbehörde die künstliche Verknappung des Schiffsraumes durch Stilllegung untersagen. Allerdings auch nur dann, wenn es von den Schiffseignern ausginge.
    Wenn aber die Mitarbeiter (Matrosen, Boots- oder Steuermänner etc) in Streik treten würden, dann ist dies durch das geltende westeuropäische Streikrecht abgedeckelt. Dann wäre der Unternehmer "leidtragender" und
    könnte sich trotzdem im Nutzen der Sache sogar damit anfreunden.
    Und wenn die Jungs dann ausgerechnet während eines Schleusungsvorganges oder an der Lade- bzw. Löschstelle in Streik treten, dann sehe ich zwar als Schiffer blöd aus, aber verhindern kann ich es nicht. Passiert dies dann bei
    einer großen Anzahl von Schiffen gleichzeitig, wäre wegen des "Arbeitskampfes" die Frachtraumverknappung "unfreiwillig" herbeigeführt. Je länger diese Aktion dann dauern würde, desto mehr würde die breite Öffentlichkeit
    darauf aufmerksam und die Notwendigkeit des Bedarf's der Schifffahrt für das gesamte Transportaufkommen wäre nachhaltig erkennbar.

    Am Ende stünde womöglich für beide Parteien an Bord etwas erfolgreiches, nämlich höhere Frachtraten und höhere Löhne.

    Nun wollen wir aber keine zusätzlichen Liegezeiten, die den ein oder anderen Schifffahrtsbetrieb dann noch zusätzlich in den RUIN treiben. Vielmehr soll ein Weg gefunden werden, um den Bestand des Gewerbes auch auf
    lange Sicht zu stützen und zu sichern! Deshalb unternehmen die Leute hier diese Anstrengungen.
    Dabei ist der Weg der Kooperation in meinen Augen aber nur sehr bedingt oder gar nicht geeignet. Mit einer Gründung einer neuen Interessengemeinschaft, egal ob als Reederei oder Genossenschaft, begebe ich mich auf einen
    Markt, der wegen meines Eintretens nicht mehr Ladung hergibt, sondern diese jetzt an einen weitern Ladungsverteiler streuen muß. Dabei kann ich bestehende Ladungsmengen nur über den Frachtpreis akquirieren. Dies haben
    ja die großen Reedereien mit ihren Tochterfirmen ( als Beispiel sei hier stellvertretend die "Imperial" - Gruppe erwähnt ) in den letzten Jahren ausreichend praktiziert. Da wurden sogar konzerintern Preise unterboten!
    Dies führt(e) allerdings zu einem weiteren Absinken der Frachtraten, da ja kein Verlader wegen meines guten Aussehens als Verhandlungspartner mehr Geld bezahlen wird. Daraus folgt logischerweise dann eine weitere Verschärfung
    der Situation für die Einnahmen der Schiffer. Auch die Inanspruchnahme der Fördermittel aus dem Reservefond ist dann keine Alternative, da sie nur eine Art Sterbehilfe wäre.
    Es muß hier sicher einen anderen Weg geben und dazu muß man den Gesetzgeber mit ins Boot holen, ohne dabei "überzuregulieren" oder sich unterwürfig der EU - LInie zu beugen.

    In diesem Sinne allen Kollegen eine gute Fahrt,

    Gruß Achim
    Geändert von Bomätscher 60 (04.03.2011 um 13:27 Uhr) Grund: RechtsschreibunK färbessärd!

  8. #88

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    Hallo zusammen,
    da freut mich was dran...so kann man Menschen hinterm Ofen vorlocken, welche sich dann an der Diskussion beteiligen. Vor allem dann, wenn es allem Anschein nach auch noch Kompetenz ausstrahlt. Nun bin ich ja mal gespannt, was unsere User und Fachleute hier drin, auf den Beitrag von Andrea zu antworten haben. Und wichtig wäre wirklich eure Meinungen zum Vorschlag der Dame zu erfahren.

    Bomätscher 60 hat ja schon mal reagiert und zwar ohne zu polemisieren sondern sachlich und fachlich.

    @Andrea
    es wird so sein wie es wohl meistens ist...Einige bewirken etwas...andere haben kampflos im Nachhinein den Nutzen davon. Damit meine ich allerdings ganz bestimmt nicht die User dieses Forums. Denn diese überlegen ja, grübeln, versuchen Wege, Lösungen zu finden, zu ergründen, was am wirksamsten wäre, um den gewünschten Erfolg im wirtschaftlichen Bereich zu erlangen.
    Dann freuen wir uns auf konstruktive Diskussionen.

    in diesem Sinne der schappes
    Wer nicht vom Weg abkommt - bleibt auf der Strecke

  9. #89

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    Hallo Forum!

    Endlich wieder Bewegung in diesem Thema.

    Hallo Andrea!
    Es freut mich sehr das du an diesem Thema teil nimmst. Es ist natürlich schwer überhaupt Veränderungen herbei zu rufen. Es sollten auch nur Ansatzpunkte sein mit denen man eine Diskussion startet. Mir war das alles zu ruhig auf dem Markt. Aber selbst provokannte Aüßerungen brachten nur wenige zur Teilnahme an dieser Runde. Trotzdem würde ich gerne dises Thema weiter vor treiben. Ich habe nun einige Konntakte aufgebaut und will dies auch nutzen.

    Aber wir müßen uns gegen bestimmte Geschichten wehren. Ich versteh nicht wer für 13000,- Euro aus dem ARA-Gebiet mit 2000Tonnen nach Birsfelden fahren kann. Wer kann für 8,5€ nach Berlin, mit 2m Tg fahren. Es gibt zu viele die wirklich keine Ahnung haben und die Frachten unten halten. Sie machen pleite und der nächste Looser kommt. So werden wir solche "Werbeträger" wie Nawatrans eins bis ... nicht los. Schiffe die beim anlegen einfach absaufen, auf der Schelde mit Schlepper eingefangen werden müßen weil sie die Orientierung verloren haben und sich nicht verständigen können und auf dem Ijsselmeer fast verschwinden müßen weg.

    Wir müßen etwas gemeinsam aufbauen, welcher Art auch immer. Es kann doch mit dem BDS sein, warum nicht? Aber der BDS MUSS sich anders presentieren. Es muss mehr Bewegung ins Spiel und dieses auch mehr und einfacher ersichtlich gemacht werden.

    Gruß Kawumm 68

  10. #90

    Standard

    Hallo Achim, Kawumm und Schappes,

    vielen Dank für Eure Beiträge. Ich will mal versuchen, auf alle Fragen einzugehen.

    Deshalb zunächst noch mal zu meinen "Vetos":
    Ich wollte damit nicht die Diskussion über Regulierung abwürgen, aber zeigen, wie schwierig dieses Thema ist. Es wird inzwischen wohl von niemandem mehr bestritten, dass wir Überkapazitäten haben, die durch die niederländische Neubauwelle verursacht wurden. Deshalb hatten der BDS und die ESO von Anbeginn der Krise dafür plädiert, in Brüssell die sog. "schwere Marktstörung" festzustellen. Um dieses Verfahren in Gang zu bringen, braucht es den Antrag eines Mitgliedstaates, über den die Kommission dann im Einvernehmen mit allen Mitgliedstaaten entscheidet. Der Antrag auf Feststellung der schweren Marktstörung wurde im November 2009 seitens der NL Regierung gestellt. Es gab eine zweitägige Anhörung in Brüssel, auf der wir auch vertreten waren. Leider waren sämtliche Mitgliedstaaten, die Kommission selbst und die Vertreter der EBU der Auffassung, dass wir es nicht mit einer schweren Marktstörung, d.h. mit einer strukturellen Krise der Binnenschifffahrt zu tun haben, sondern dass die Überkapazitäten durch die konjunkturelle Krise bedingt sind. Es wurde die besagte Arbeitsgruppe eingerichtet, aus deren Protokoll ich zitiert hatte. Diese Arbeitsgruppe hat alle auf dem Tisch liegenden Vorschläge für Maßnahmen geprüft und bewertet, auch den Vorschlag zur Einführung von Mindestfrachten. Es ist nicht nur die Kommission, die sich hiergegen ausgesprochen hat, sondern auch sämtliche betroffenen Mitgliedstaaten. Regulierungen, welcher Art auch immer, finden im Moment keine Befürworter.
    Eine Regelung wie in Frankreich könnte man natürlich auch in Deutschland einführen. Es stellt sich aber die Frage, wie viel damit wirklich zu erreichen ist. Zudem müsste man hiervon im Augenblick einen FDP-Wirtschaftsminister überzeugen. Meiner Ansicht nach dürfte das nicht besonders aussichtsreich sein.

    Eine Frachtraumverknappung wäre sicher wirkungsvoll, aber nur, wenn sie auf eine gewisse Dauer angelegt ist. Mit einer Aktion wie z.B. einem Streik, ist das schwierig. Achim ist der Auffassung, dass man damit der Öffentlichkeit zeigen kann, wie notwendig die Schifffahrt ist. Ich glaube, dass dies -zumindest auf der Rheinschiene - im Zusammenhang mit der Waldhof demonstriert wurde. Auch die betroffenen Verlader konnten sehen, wie sehr sie auf die Binnenschifffahrt angewiesen sind. Allerdings muss man sich die Frage stellen, ob das wirklich nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Das Problem ist, so glaube ich, dass solche Ereignisse oder auch gezielt herbeigeführte Aktionen schnell verblassen, wenn die Medien die nächste Sau durchs Dorf treiben.
    Ich glaube deshalb - auch wenn ich wieder den Vorwurf des Vetos riskiere - dass solche Aktionen weniger bringen, als auf Dauer angelegte Strukturveränderungen. (Ihr seht, ich gebe nicht auf mit meinen Kooperationen)

    Den Frachtbeispielen, die Kawumm bringt, ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Im Moment müsste eigentlich allein schon wegen der Ölpreisentwicklung ein Aufschrei durch die Branche gehen. Ich kenne viele Partikuliere, die gestandene Unternehmer sind und ihre Kosten genau kennen und ich vermute, dass auch die, die hier diskutieren, zu dieser Kategorie zu zählen sind. Leider gibt es aber offensichtlich auch viele, die nicht mehr Herr des Geschehens sind, entweder weil die Bank im Nacken sitzt oder weil große Abhängigkeiten zum Befrachter bestehen. Solche Frachten kann eigentlich nur derjenige annehmen, der sich nicht mehr bewegen kann. Allein mit mangelnder kaufmännischer Ausbildung lässt sich das nicht mehr erklären!

    Ich will noch ein Argument von Achim aufgreifen: Der Markt gibt natürlich nicht mehr Ladung her, nur weil die neu gegründete XYZ Frachtraumvermarktungs GmbH am Markt erscheint. In dieser Gesellschaft haben sich z.B. 20 Partikuliere mit ihrem Schiffsraum zusammengeschlossen, der für andere Dispositionen nicht mehr zur Verfügung steht. Wenn nun ein Befrachter oder eine Reederei Interesse an einigen oder allen Schiffen hat, muss sie mit der Gesellschaft verhandeln und nicht mit dem einzelnen Schiff.
    Man könnte darüber hinaus versuchen, selbst Akquisition zu betreiben, denn ich glaube nicht, dass das Potenzial bereits völlig ausgeschöpft ist, insbesondere was mittelständische Verlader angeht. Man könnte gemeinsam Gasölpreise aushandeln, Schiffsbedarf einkaufen, mit Werften verhandeln oder einen Personalpool bilden, um flexibler zu sein.
    Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Aber wenn man sich langfristig in diese Richtung entwickelt und mehr als nur 20 Partikuliere sich eigenständig organisieren, könnte das den Markt sehr nachhaltig verändern.

    Eine Frage habe ich noch, die Ihr mir vielleicht beantworten könnt. Wenn man mit Partikulieren über das Thema Kooperation diskutiert, tritt oft ein Phänomen auf, das ich mir nicht erklären kann. Es wird über Befrachter und Reedereien geschimpft, dass die Balken krachen. Wenn man dann aber den Vorschlag macht, Strukturen zu verändern, werden alle nur erdenklichen Argumente aufgeführt, warum das auf keinen Fall funktionieren kann. Das heißt doch, indem ich mir selbst Beschränkungen auflege, gebe ich anderen die Erlaubnis, so weiter zu machen wie bisher. Ist das wirklich Überzeugung oder vielleicht auch ein bisschen Angst vor der eigenen Courage?

    Nichts für ungut, ein schönes Wochenende, herzliche Grüße

    Andrea

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