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Thema: Hilfe erbeten! (Perspektiven nach der Ausbildung)

  1. #1

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    Standard Hilfe erbeten! (Perspektiven nach der Ausbildung)

    Hallo zusammen,

    schon seit langer Zeit verfolge ich das Forum mit Interesse. Heute möchte ich mal etwas schreiben was mir sehr am Herzen liegt.

    Mein Sohn macht gerade eine Ausbildung zum Binnenschiffer und hat noch 1 Jahr bis zum Ausbildungsende. Binnenschiffer ist sein Traumberuf, der gut zu ihm passt. Jetzt ist er jedoch sehr verunsichert und hat Angst keine Zukunftsperspektiven mit diesem Beruf zu haben. Das liegt z.B. daran, dass sein Chef, der wie ich denke ziemlich zufrieden mit ihm ist, ihn nach der Ausbildung gerne übernehmen würde, aber ihm als Bruttogehalt nur einen Betrag bezahlen kann, der ganz knapp gerade so im vierstelligen Bereich liegt, bzw. (noch schlimmer) ihn nur über eine Zeitarbeitsfirma beschäftigen kann. Umfragen bei seinen Mitschülern ergaben ein ähnliches Bild bei anderen Firmen. Natürlich ist Geld nicht alles, aber zum Leben sollte es schon reichen. Er sieht gerade keine Perspektiven irgendwo eine Stelle mit vernünftigen Arbeitszeiten (er hat eine Freundin, die er ab und zu gerne mal sehen will) und einigermaßen akzeptablen Gehalt zu finden.

    Meine Fragen sind folgende:
    1) Wie schätzt ihr das ein, sollte er besser eine andere Ausbildung machen? (Allerdings weiß ich wirklich nicht was sonst so gut für ihn passt, es ist wie gesagt sein Traumberuf)
    2) Gibt es überhaupt noch genügend Betriebe die unter deutscher Flagge fahren und ihre Mitarbeiter in Deutschland angemeldet haben?
    3)Welche Nachteile hat man wenn man z.B. in Luxemburg angemeldet ist?

    Vielen Dank für Eure hoffentlich zahlreichen Antworten!

  2. #2

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    Moin moin au Flensburg
    Punkt 1: Die Binnenschiffahrt ist ein hartes Brot
    Punkt 2: Ausbildungsreedereinachwuchs nachbilden gibt es genügende, nicht nur bei den großen nachfragen
    Punkt 3: dazu habe ich keine genaue Informationen. Das Steuermodell soll interessant sein, aber die behördlichen usw. müßen sich dem EU-Standard anpassen, und immer an die Rente denken!
    Kleine Reedereien im gesamten Gebiet mal anfragen, ein Fortbildungskurs in Duisburg mit erweiterten Patenten währe nicht schlecht, und ein Blick in das Forum!!! Werner

  3. #3

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    Vielen Dank, Werner!
    Ich bin mal gespannt ob sich noch weitere melden, um die Problematik besser einschätzen zu können.
    Mein Sohn hat das Gefühl, dass es sich um eine allgemeine große Krise handelt, bei der deutsche Arbeitskräfte aufgrund des Preisdruckes durch billigere aus dem Ausland verdrängt werden.
    Viele Grüße
    Zeno

  4. #4

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    Hallo zeno,

    Es gibt sicherlich auch einige schwarze Schafe in der Branche, aber wenn dein Sohn zuverlässig gute Arbeit leistet hat er auch gute Perspektiven, sogar mit einem deutschen Arbeitsvertrag.
    Auch wenn die großen Reedereien fast alle eigene Personalfirmen im Ausland haben, gibt es kleinere Reedereien und Partikuliere die für gute Leute gutes Geld bezahlen.

    Ein niedriges Bruttogehalt allein sagt allerdings auch noch nicht viel aus, evtl. kommen da ja noch Zuschläge zu. Auch eine Beschäftigung im EU-Ausland (z.B. Luxemburg) kann für deinen Sohn Vorteile (insbesondere im Hinblick auf eine evtl. Altersrente) bringen.

    Nachteile könnten sein das dein Sohn keine "Rentenpunkte" in D sammelt und eine LuxKrankenkasse evtl. bestimmte Behandlungen nur in Lux bezahlt.

    Und immer daran denken Beruf kommt von Berufung, also wenn das wirklich der Traumberuf ist, dann würde ich auf gar keinen Fall wechseln.


    VG Padler
    Es scheint so als ob die besten Schiffer an Land stehen und Fotos machen! Pro Null Promille in der Binnenschifffahrt für die gesamte Besatzung! und Contra Schleusenstreik!

  5. #5

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    Hallo Zeno,

    Wenn dein Sohn den Bootsmannbrief hat ist er gleichwertig einem Steuermann ohne Patent. Es fehlt auch nur noch ein Jahr Fahrzeit zum Patenterwerb, sofern er dann schon 21 Jahre alt ist und ausreichend Streckenkunde hat.. Wenn sein jetziger Arbeitgeber ihm kein Matrosengehalt zahlen kann wird er sich um einen neuen Arbeitsplatz kümmern müssen. Es herrscht in der Schiffahrt Facharbeitermangel. Tchechen, Polen, Ungarn, Bulgaren etc. sofern sie den Beruf wirklich gelernt haben arbeiten auch nicht mehr umsonst. Es ist zwar so, daß viele sehr viele Partikuliere kur vor der Insolvenz stehen, aber nicht alle.
    Wenn ihr aus Stuttgart seid, fragt doch mal beim Krieger oder Götz nach, ob sie Ihn nächstes Jahr wenn er Bootsmann ist einstellen würden, auch nach Gehalt und Freizeitregelung fragen. Freizeitfahrt von 14/14 sind bei einigen Reedereien und guten Partikulieren standard. Bei vielen ist Proviant an Bord und die Heimfahrt frei. Auch eine Reederei Jägers kann man fragen.
    Zu Luxembourger Konditionen kann man gut arbeiten. Mindestlohn für ungelernte etwas über 1600 € netto , über 1800 € netto für Facharbeiter. Wenn der Arbeitgeber in Luxembourg diesen Lohn unterschreitet macht er sich strafbar. Die Rente in Luxembourg ist höher. Wenn man 20 Beschäftigungs- jahre hat, hat man Anspruch auf die Mindestrente, liegt bei ca. 1600 €, geht noch Steuer ab, müsste aber noch gut 1400€ sein, nach 40 Jahren entsprechend mehr. Viele Deutsche haben nach 45 Arbeitsjahren weniger als die Luxembourger Mindestrente. Als Angestellter hat man seine Krankenversichertenkarte, Leistungen entsprechen der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, wenn in Deutschland gemeldet. Deutsches Rentenmodell ist im westeuropäischen Vergleich eher das schlechtere, oder sogar schon das schlechteste.

    Gruß
    Tankermann

  6. #6

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    Hallo Padler & Tankermann,

    Danke für Eure Antworten! Das sind die konkreten Hilfen die man in einer solchen Situation braucht. Es würde mir echt leid tun wenn aus einem Traumberuf ein Alptraum würde...
    Ich habe es schon an den Sohn weitergeleitet. Beim Krieger hatte er schon mal ein Praktikum gemacht.

    Viele Grüße
    Zeno
    Geändert von Zeno (23.06.2014 um 07:43 Uhr)

  7. #7

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    Wenn wir jetzt mal vom Binnenschiffmarkt wegdenken ist es ja so, dass die meisten bei den großen Firmen wie Google, Amazon oder in Deutschland bei den großen Aktiengesellschaften arbeiten wollen. Wesentlich bessere Chancen, speziell auch darum, wenn man Geld verdienen will, hat man bei den kleinen Firmen. Daher würde ich den Vorschlägen hier nur zustimmen es auch bei den kleinen zu probieren. Wenn nichts hilft sollte dein Sohn versuchen, mit dem aktuellen zu verhandeln. Notfalls echt überlegen ob es eine Ausbildung gibt, welche ihm danach für diesen Beruf noch bessere Chancen einbringt.

  8. #8

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    Hallo pvbd,

    Danke für deine Antwort. Verhandeln macht keinen Sinn, wenn er könnte würde sein jetziger Chef ihm gerne mehr bezahlen. An was für eine Ausbildung hast du denn da z.B. gedacht?

    Viele Grüße
    Zeno

  9. #9

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    Moin Moin Zeno,

    erstmal zu Deinen Fragen,

    1.Glückwunsch zu der Berufswahl,denn Schiffahrt ,auf die ein oder andere Weise wird es immer geben und somit auch Arbeit.Ausserdem bekommt man während der Lehre eine Grundausbildung in z.B. Maschinen- und Elektrotechnik, was bei einem eventuell späteren Berufswechsel schon mal gut ist.Ein Freund von mir hat zB. nach der Binnenschifferlehre ,noch eine Elektrikerlehre drangehängt und hat sich somit den Status von ,,Goldstaub" erarbeitet,Nichts geht über einen eigenen ausgebildeten Elektriker an Bord ;O)

    2./3.ob die Betriebe unter deutscher Flagge fahren ist eher sekundär,da die alten Werte schon lange nicht mehr gültig sind.
    Es bleiben immer die gleichen Fragen zu stellen,
    - welcher Lohn ,bei welcher Arbeitszeit
    - eingesetzt als was auf dem Schiff
    und welche Freizeitregelung

    In Luxembourg gibt es keine gravierenden Nachteile.
    Man ist über die Grande Social dort bestens abgesichert.Mit deren Mitgliedschaft sucht man sich eine deutsche Krankenkasse,die dann mit dieser abrechnet.Leider bekommt man,sofern man in Deutschland wohnt, auch nur die Leistungen der deutschen Kasse,obwohl die Grande Social viel bessere Leistungen hat.
    Bei der späteren Rente wäre ich in dem Sinn auch vorsichtig.Ich weiss es nicht genau,aber soweit ich weiss,werden die dort eingezahlten Beiträge,sofern man in Deutschland wohnt ,hier dann angerechnet,was keinen Nachteil hier ,aber gegenüber der Höhe der Zahlungen dort schon hat.
    Dem gegeüber stehen aber die Steuerfreibeträge als Grenzgänger,was einen höheren Nettolohn,sofern die Firma den weitergibt^^,zur folge hat gegenüber.
    Wie lange es diese aber noch geben wird steht in den Wolken,nur eins ist sicher, drann drehn tun sie schon,aber bis jetzt wehrt sich Luxembourg noch erfolgreich.

    Was das ,, - eingesetzt als was auf dem Schiff " betrifft,eine kleine Erklärung.
    Mir wurde zb. einmal eine Arbeit als Schiffsführer angeboten,wobei dann aber im Arbeitsvertrag dann stand,das ich sofern Bedarf besteht auch als Matrose arbeiten müsse.Bei gleichzeitiger Herabstufung beim Lohn natürlich^^.Ich fragte damals,ob sie noch alle Tassen im Schrank hätten und ging.Dies meldete diese Firma dem Arbeitsamt,denen ich das eben so erklärte und welche mit mir einer Meinung waren.
    Selbstverständlich erledige ich auch Decksmansarbeiten ,aber wenn als Schiffsführer eingestellt dann bitte auch den Lohn dafür.
    Man muss schon etwas suchen und es wird auch ,da Fachkräftemangel , das ein oder andere mal nicht bei der geplanten Freischicht bleiben,aber wer auf ein Schiff will ,den hält ja eh nix an Land *schmunzel.
    Nur zum Alltag sollte es dann wiederum nicht werden.
    Bei der Suche sollte man auch darauf achten,warum sucht eine grosse Firma,die gutes Geld bezahlt,eigentlich Personal.Da ist dann meist woanders was nicht in Ordnung.

    Am Schluss bleibt aber immer die schon oben genannte Tatsache ,das es Schiffahrt immer geben wird und somit immer Arbeit da ist.Ob man nun dabei Reich wird steht auf einem anderen Blatt.Es gibt sicher Berufe die weit besser bezahlt werden,aber wer Spass an dem hat was er tut ,ist immer auf der richtigen Seite.
    Und es gibt sie auch noch die Schiffseigner,die Ihre Mannschaft angemessen bezahlt,so das man davon Leben kann.

    Kleine Anekdote noch zum Schluss.
    Bei einer Bewerbungsgespräch fragte man mich einmal,warum ich so oft die Firma gewechselt hätte.( 5 x in 20 Jahren).
    De Antwort lautete ,,Bitte lesen Sie noch einmal genau nach! "
    Bei jedem Wechsel,änderte sich nämlich nicht nur der Schifftyp sondern auch das Fahrtgebiet.Dies brachte nicht nur Erfahrung, sondern vergrösserte auch die Auswahl an Arbeit,bzw. die Höhe der Lohnforderungen meinerseits.

    Viele Grüsse von der Yggdrasil
    Geändert von Yggdrasil (01.09.2014 um 09:21 Uhr)

  10. #10

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    Hallo Yggdrasil,

    ich habe jetzt erst Deine Antwort gesehen, da ich eine Woche Urlaub machte. Also zuerst mal ganz herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort. Jetzt kann ich das mit Luxembourg schon klarer sehen. Scheint also wirklich kein so großes Problem zu sein. Die Rente müsste auch möglich sein, zumindest bekommt mein Opa, der ein Jahr in Belgien arbeitete, hierher regelmäßig seine Rente überwiesen, ob das auch in Zukunft funktioniert, wenn es einem Staat schlechter geht weiß ich allerdings nicht.

    Meine Ängste / Bedenken rühren auch daher, dass wir zur Zeit kaum noch Ladung bekommen und es immer mehr Leerfahrten gibt. Auch stimmt es mich nicht gerade zuversichtlich, dass es mittlerweile auch in der Binnenschifffahrt immer mehr Filipinos gibt, die hier für einen Hungerlohn arbeiten (müssen), dadurch findet bestimmt eine Verdrängung statt. Mittlerweile sind auch die Filipinos teilweise ausgebildet und nicht nur einfache Hilfskräfte.
    Deshalb mache ich mir schon Sorgen ob ich mit diesem Beruf alt werden kann. Ich vermute halt, dass eine Umschulung / weitere Ausbildung immer schwieriger wird je älter man wird. Lieber möchte ich mich jetzt schon entscheiden. Meine Ausbildung läuft in 10 Monaten aus und da sollte ich so langsam schon wissen wie es weitergeht. Bei meinem jetzigen Schiffseigner kann ich voraussichtlich nicht bleiben, da er selbst nicht weiß wie es weitergeht. Schade, den ich habe mich im Großen und Ganzen sehr wohl gefühlt.

    Viele Grüße
    Zeno

    PS: Wenn jmd. in 10 Monaten einen ausgebildeten, tüchtigen Binnenschiffer braucht, wißt Ihr ja an wen ihr Euch wenden könnt .

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