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Thema: Handhaspel

  1. #1

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    Standard Handhaspel

    Hallo,
    dies war halt ein Fehlstart. Versuche Lernfähig zu sein.

    Es geht um die Handhaspel Solche hatten (nicht nur) schwere Dampfschraubenschlepper im Steuerhaus. Dort stand, wie im Bild zu sehen, auf Doppelschraubendampfschlepper JOSEF SCHÜRMANN 3 Daniel Morian eine 2-Zylinder- Dampfrudermaschine in V-Form. Oben führte eine Hohlwelle nach hinten, an dieser war ein großes Steuerrad montiert. War der Dampfdruck zu niedrig oder ein Schaden eingetreten, so wurde mit einer einfachen Wechselkupplung dieses große Steuerrad von der Dampfsteuerung getrennt und übernahm die Ansteuerung des Ruderblattes über Rollen-, Gliederketten und Stangen zum Quadrant auf dem Achterschiff.

    Innerhalb der Hohlwelle war eine Welle gelagert, die am hinteren Ende die kleine Dampfhaspel trug. Diese Welle steuerte ein Dampfventil, welches je nach Drehrichtung die Dampfmaschine in Links- oder Rechtsumdrehung versetzte.

    Zur Handhaspel: Es waren viele Hände nötig diese zweckentsprechend zu bedienen. In meiner Fahrzeit auf diesem Boot habe ich das einmal mit erlebt. Schon die endlos langen Sekunden von der Bemerkung des Dampfruderausfalls über die Einkupplung bis zur Feststellung der Reaktion des Schiffes auf die "handgemachte" Ruderwirkung waren Nervtötend.

    Im Bild von rechts Teile der Rudermaschine, dann das große Steuerrad, die Handhaspel und die kleine Dampfhaspel. Kapitän Kohlbecher und seine Frau Else, beide Jahre später meine Schwiegereltern, vervollständigen das Foto aus ca. 1953.

    Die Dampfhaspel grüßt.
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Name:	Schürmann, Boot 3, Else, Paul, Haspel.jpg 
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  2. #2
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    Tolles Bild - 65 Jahre alt und dazu der muntere Kommentar eines Augenzeugen und Bedieners - hier im Forum! Super, was will man denn mehr!

    Was mich wundert: die große Höhe der Haspel. Vermutlich gab es dafür technische Gründe, nämlich den großen Durchmesser der Haspel. Wenigstens konnte man so durch die Speichen gucken und hatte nicht den Handlauf direkt vor den Augen. - Und nicht einmal ein Hocker zu sehen. Wohl nichts für Leute mit Krampfadern.

    Gernot

  3. #3

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    Hallo Gernot,
    große Handhaspel = dringendst benötigter Hebelarm (siehe: ".... viele Hände nötig ....".
    Sitzgelegenheit = auf großen Booten auf jeden Fall keine für den Steuermann. Da für habe ich mehrere Bildbeweise.
    Außerdem war es höchst unschicklich, aber auch unpraktisch, HINTER dem Steuerrad zu stehen.

    Gruß und Dank von der Handhaspel.

  4. #4
    Historische Bilder Avatar von Ernst
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    Hallo hinter der Haspel stehen gibt es nur im Film mir einem tollen Käpten.

    Gruß Ernst
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  5. #5
    Historische Bilder Avatar von Ernst
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    Standard Haspel mit Notsystem

    Hallo, bei den Franzosen Motoren wurden die drei Ruder über einem großen Hydraulikzylinder, Zahnstangen und Zahnsegmente angesteuert.
    In der Achterpick stand ein 110 Volt Gleichstrommotor der eine Hydraulikpumpe antrieb. Diese versorgte einen Hydraulikblock mit einem konstanten Druck.
    Im Steuerhaus stand der Ruderbock, darin war ein Behälter mit Hydrauliköl und ein kleine Hydraulikpumpe. Diese wurde von der Haspel angetrieben.
    Wurde die Haspel nach Bb gedreht erzeugte diese kleine Pumpe Druck in einer der zwei Steuerleitungen zum Hydraulikblock und der Hydraulikzylinder wurde auf der Bb Seite mit Druck beaufschlagt.

    Soweit so gut das war eine schöne Fahrerei ohne Kraftanstrengung und wenig Bewegung an der Haspel. Von voll Bb nach voll Stb nur 3½ Umdrehungen.
    Der Ruderausschlag lag leider bei nur 45° pro Seite.

    Das System hatte auch eine Einrichtung für den Fall das der von der Pumpe erzeugte Hydraulikdruck nicht anstand.
    Dafür gab es am Ruderbock einen Hebel mit dem das System umgeschaltet wurde. Jetzt wurde der Hydraulikdruck für den Zylinder von der kleinen Hydraulikpumpe im Ruderbock erzeugt.
    Das war eine Mordsplagerei, nix mehr mit wenigen leichtgängigen Umdrehungen. Nein die Haspel lies sich nur noch von zwei Mann drehen und wieviel Umdrehungen notwendig waren........?
    Ich hab sie nicht gezählt weil in dieser Situation, die ich Gott sei Dank nur einmal erlebte, die Kacke am dampfen war.
    Das geschah 1961 in der Talfahrt beim Aufdrehen über Stb in Lobith an den Ziegeleien.

    Gruß Ernst
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  6. #6

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    Fein erklärt, Ernst, zu jener Zeit wahrlich eine Sternstunde in der Motorschifffahrt. Aber - hatten die franse motore anfangs nicht nur ein Ruder? Musste da nicht nach einer Reihe von Havarien nachgerüstet werden? Und dann hatten sie, wie geschildert, 3 Ruder. Die "Kleinen" hatten seitdem an der Achterverschanzung die "Blechdose", worin die Ruderhelmstöcke ihre Endlage erreichten.

    Zur Dampfrudermaschine noch ein Nachwort. Die Schiffswerft und Maschinenfabrik Caesar Wollheim in Cosel bei Breslau lieferte auch für den Rhein viele Dampfrudermaschinen, Ankerspille, Strangwinden und Strangklemmen. So auch auf Schleppboot J. Schürmann 3, Daniel Morian, gebaut in Hamburg bei Janssen & Schmilinsky 1922.

    Die handhaspel grüßt.

  7. #7
    Historische Bilder Avatar von Ernst
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    Standard Hydraulik Ruderanlagen

    Hallo Walter, ja die kleinen Franzosen (67m) hatten Anfangs nur ein Ruder.
    Dann wurde umgerüstet auf 2 Flächen.
    Da war auch schon eine Hydraulikanlage verbaut. Der Clou gefahren wurde nicht mit der "übermanns" großen Haspel sondern mit einem Hebel !
    Die Ruderbewegungen erfolgten ziemlich ruckartig so das es zu Spitzendrücken in den Leitungen kam.
    Die Leitungen, aus ziemlich hartem Kupfer, brachen oft und so lag mancher Franzose dann Kopf vor in den Kribben.
    Erst als man Leitungen aus weichem Kupfer verbaute war Ruhe.

    Die Großen (73m) hatten von Anfang an 3 Flächen.

    Gruß Ernst
    Geändert von Ernst (06.12.2018 um 18:00 Uhr)
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