Ergebnis 1 bis 2 von 2

Thema: Schifferl setzen, Lichterschiffe, Lichterschwemmen

  1. #1
    Avatar von Joana
    Registriert seit
    11.01.2011
    Ort
    Dachau
    Beiträge
    8.345

    Standard Schifferl setzen, Lichterschiffe, Lichterschwemmen

    Hallo,

    mal wieder etwas aus unserem Brauchtum, leider vieles schon vergessen.
    Das Lichter auf dem Wasser schwimmen zu lassen ist wahrscheinlich so alt, wie der Mensch denkt, daß alles von Geistern gelenkt wird.
    Schriftlich nachgewiesen ist das allerdings erst durch Ausgrabungen aus vorchristlicher Zeit bei den Römern.
    Die Lichter wurden zur Besänftigung der Flußgeister besonders nach Hochwassern eingesetzt. Auch nach Schiffsunglücken oder Todesfällen am, im und durch das Wasser.
    Licht bedeutet in der Mythologie immer ein Neuanfang und das Treiben im Wasser soll Böses wegtragen oder Sehnsuchte erfüllen.
    In Europa wurde dieser Brauch bei der Heiligsprechung der Brückenheiligen Johannes von Nepomuk erst bekannter.
    Der Legende nach hat Johannes von Nepomuk ( gelebt um 1350 ) in der Moldau den Märtyrertod gefunden und bei der Auffindung der Leiche sollen 5 Sterne um sein Haupt geschwommen sein.
    Zur damaligen Zeit bestanden die Schifferl aus einem Stück Ast - ausgehölt wie ein Einbaum und mit brennbarem Material wie Holzwolle gefüllt ( Bild 1 ) später kamen auch andere Formen zum Einsatz ( Bild 2 ).
    Goethe hat bei einem Besuch in Karlsbad 1820 diesem Brauch beigewohnt und das Gedicht " St. Nepomuks Vorabend " geschrieben.
    Lange Zeit wurde wurde dieser Brauch an vielen Orten zu verschiedenen Jahreszeiten durchgeführt. Wobei sich dieser den lokalen Ereignissen anpasste.
    Am häufigsten findet das Lichterschwimmen in Europa am 13. Dezember dem Luciatag statt. Bis zur Einführung des gregorianischen Kalenders 1582 war dies der Tag der Wintersonnenwende. Die Lichter wurden im Fluss treiben lassen um das Dunkel des Winters zu vertreiben und der Sonne mit irdischem Licht Kraft zu geben.
    Im Saarland wurden Walnusshälften gefüllt mit Wachs und Docht an Sylvester brennend in den Fluß gegeben zum Gedenken an die Toten.
    Um 1700 konnten Regensburger Schreiner an der Jahreswende als die Schiffchen die Brückenpfeiler passierten, voraussagen ob es ein gutes oder schlechtes Jahr wird.

    Auch die Formen änderten sich nach örtlichen Begebenheiten.
    So wurden ab 1785 in Fürstenfeldbruck Häuschen ( Nachbauten der Fürstenfeldbrucker Häuser ) mit Kerzen dem Fluß Amper übergeben
    um sich für die Verschonung vor einem erwarteteten Hochwasser zu bedanken.
    Oder in Österreich zu Maria Lichtmess im Vellachtal ein Kirchlein. Dessen Urprung auf ein Hochwasser im 12. Jahrhundert zurückzuführen sein soll, weil ein Wallfahrtskirchlein den Fluten getrotzt hat.

    Um die Jahrhundertwende 18/1900 gerieten die meisten Bräuche in Vergessenheit.
    Seit ca. 50 Jahren werden aber an vielen Orten die Alten Bräuche wieder hervorgeholt und in abgewandelter Form gefeiert.

    So wurde aus einem großen Kirchlein im Vellachtal - viele kleine Kirchlein, die die Kinder vorsichtig an Maria Lichtmess in den Fluß geben.
    In der Wachau gibt es das Schifferl setzen am Nikolaustag und auf den Segeln stehen die Wünsche der Kinder.
    Im Saarland werden noch heute die Walnusshälften beleuchtet zum Gedenken der Toten zu Wasser gelassen.
    Das Lichterschwemmen gibt es an vielen Orten in Österreich, Schweiz und Bayern - teils am Luziatag, teils im Frühjahr nach den Frühjahrshochwassern in verschiedenen Formen.
    Einfache Brettchen mit Lichtlein darauf, oder kunstvolle Häuschen, Schiffe oder kirchliche Symbole.

    Auch anderswo auf der Welt veränderten sich die Bräuche im Laufe der Zeit.
    So z.B. im asiatischen Raum waren die Schiffe ursprünglich aus Brotteig in Schiffsform mit Licht, heute sind es kunstvollen Blumengestecke oder gesteckte Bananenblätter

    Grüße Joana
    Miniaturansichten angehängter Grafiken Miniaturansichten angehängter Grafiken Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	Zwischenablage01.jpg 
Hits:	50 
Größe:	51,3 KB 
ID:	737989   Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	Zwischenablage02.jpg 
Hits:	46 
Größe:	31,7 KB 
ID:	737990  

  2. #2

    Registriert seit
    01.01.2014
    Ort
    aachen
    Beiträge
    270

    Standard

    schöner Brauch, kannte ich bisher nur aus Indien (in Varanasi am Ganges), warum in die Ferne schweifen...

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •