Hallo liebe Kollegen, ich habe mich schon lange nicht mehr in diesem Forum gemeldet, fast keine Zeit, ins Internet zu gehen.
Also, für alle, die mich kennen: Ich bin nach einem Jahr auf dem Vorspann- Schub-Schlepper „Vogel Gryff“,Basel wieder auf die Strecke fahren gegangen. Bin jetzt seit letzter Ostern auf TMS Zugersee. Zwischendurch habe ich auch auf den andern Schiffen unserer Reederei abgelöst, und somit auch Erfahrungen auf modernen Centertank-Schiffen gemacht. Die ganze Problematik vom „krängen“, die unsere Kollegen hier im Forum beschreiben, kann ich nur bestätigen.
Leider habe ich schon letzten Sommer bei meinen alten Schiffer-Kollegen am Stammtisch (Rest. Schiff, Basel-Kleinhüningen) genau diese Havarie an der Lorelei vorausgesagt. Aber dass sie dann wirklich passiert, und dabei noch 2 Schifferkollegen ums Leben kommen, hat mich trotzdem sehr betroffen und schockiert.
Zur Havarie selber sind bei mir immer noch 2 wichtige Fragen offen:
1. Wie war das Schiff geladen:
entweder die Hälfte der Räume platschvoll und im 1 und 6 ein bisschen zum abladen, so wie es eigentlich mit dieser schweren Ladung gemacht werden muss. (ob es Vorschrift ist, weiss ich nicht)
oder
waren alle Räume ca bis zur Hälfte geladen, so wie es bei einem Kollegen hier im Forum passiert ist. Damit wäre eigentlich die primäre Ursache dieser „Unmöglichkeit“ weitgehend geklärt.
Es existiert sicher eine Kopie oder ein Fax der Schiffsausmessung nach dem Laden. Bis jetzt musste ich auf jedem Schiff diese Ausmessung zusammen mit den anderen Papieren der Reederei, zumindest aber dem Disponenten durch faxen oder mailen.
Wenn sich also irgendwelche Institutionen schwer tun damit, diese Aufmessung der Öffentlichkeit und den Medien mitzuteilen, dann können wir ja unseren Reim machen.

2. Ist der diensthabende Schiffsführer bei den zwei geretteten Kollegen, oder aber bei den Vermissten. Denn seine Aussagen würden uns die Wahrheit zeigen und vielleicht weiterhelfen, dass so eine Katastrophe nie mehr passiert.
Meine Logik: in der Praxis, wenn B Form gefahren wird, schläft um diese Zeit auf fast allen Schiffen die Crew, welche frei hat. Also, wer im Bett liegt und schläft, hat meiner Meinung nach fast keine Change, bei so einem schnellen Schiffsuntergang irgendwie raus zu kommen, (Schock, Verletzung durch Fall und rumfliegende Teile, Wasser etc).
Die mit den größten Überlebens-Chancen bei so einer Havarie, sind die Leute im Steuerhaus, weil sie das Unglück kommen sehen, und sich mit einem Sprung aus dem Steuerhaus sich ins Wasser retten können. Also hat meiner Meinung nach einer der zwei Überlebenden zu diesem Zeitpunkt das Schiff gesteuert.
Natürlich darf in so einem Fall der Schiffsführer von der Reederei aus absolut keine Aussagen machen, das machen dann die Anwälte der Reederei.

Nun, ich bin mit TMS Zugersee auch eines der 200 Schiffe, welche bergwärts in der Sperrung lagen. Ich bin heute Nachmittag durchgekommen. War sehr ein stressiger Tag, vom Bopparder Hang bis zum Betteck habe ich über 6 Stunden gebraucht, natürlich immer fahrend, oder treibend.
Die Nerven lagen blank, (nicht bei mir) aber auf dem Kanal 10. Teilweise habe ich für all meine ungeduldigen Kollegen nur noch geschämt.
Und das Wrack hat mich sehr nachdenklich gestimmt und bewusst gemacht, was wir Schiffer eigentlich jeden Tag leisten, um solche Sachen zu verhindern.
Ein Zwischenfall hat es noch gegeben, als ich die Reede Salzig passiert habe, hat eben am Land ein Container-Verband mit 3 Schubleichtern losgemacht, und angefangen, hinter mir zu Berg zu fahren. Die sehr aufmerksame WSP fragte ihn, was er vor hat. Der Schiffer, sagte (am Kanal 10) er hätte von seiner Reederei, den Auftrag bekommen, weiter zu fahren. Auf die Frage der WSP, wohin denn, sagte er, das könne er ihnen nicht sagen.
Die WSP: sie haben als Verband ein Fahrverbot.
Der Schiffer: nein, ich habe die Order der Reederei.
Die WSP: wenn Sie sich jetzt nicht augenblicklich wieder hinlegen, werden wir durchgreifen. Ich mache sie darauf aufmerksam, dass das hin bis zur Verhaftung der gesamten Besatzung führt.
Diese Argumente haben ihre Wirkung gezeigt, insbesondere als gleich ein zweites WSP-Boot mit Blaulicht daher geschossen kam.
Über solche Hirnlosigkeit von solchen überheblichen Kollegen kann ich nur den Kopf schütteln.

Gruss

Adrian