Na also, wer sagts denn, eine anständige Unordnung ist eben besser als eine unanständige Ordnung - Hauptsache man weiß, wo man graben muß. Ich habe soweit gefunden, was ich suchte.
Bei dem Raddampfer im Hintergrund könnte es sich um das Fahrgastschiff SCHWANHEIM der "Schwanheimer Dampferflotille" (ein Name nach der Zeitmode) handeln. Natürlich ist das Schiff zu weit weg, um sicher zu sein, aber der genannte Dampfer lag öfter dort und von den Konturen her könnte es gut hinkommen.
Man muß einmal versuchen, sich bei dem Bild in # 1 die Geräuschkulisse vorzustellen. Heute: ein beständiges Rauschen, in dem vordergründig das eher häufige Martinshorn (irgendwo ist immer was los) zu hören ist und im Hintergrund Flugzeuggeräusche. Im Hintergrund deswegen, weil das Rauschen des Autoverkehrs einfach alles übertönt. Motorräder der aufheulenden oder der satt knatternden Sorte und das Poltern leerer LKW-Anhänger sind auch so ein Geräuschklassiker dieser Komposition.
Und dann das alte Foto: was war da zu hören?? Es muß schön gewesen sein, eine Atmosphäre, die heute regelrecht überdeckt und betäubt ist durch das fast schon für selbstverständlich gehaltene Hintergrundrauschen, so wie wir das von der optischen Lichtverschmutzung her auch kennen. "Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir" erregten die Bewunderung und Ehrfurcht von Immanuel Kant. Heutzutage müßte er vielleicht sagen: "Der Disco-Laser und die Straßenbeleuchtung über mir, und die Geiz-ist-geil-Mentalität in mir" - nur würde beides wahrscheinlich weder Ehrfurcht, noch Bewunderung erregen.
Was also war zu hören? Ich habe in meiner Sturm- und Drangzeit mal mit einem Schulkumpel eine Motorrad-Tour (aha! Krach in der Wüste!!) durch die Sahara gemacht, da hatte man nachts den bestirnten Himmel in voller Pracht über sich und das Nichts war zu hören: einzelne rollende Kiesel selbst weiter weg, der eigene Atem und das Blut in den Ohren. Das war`s und man hat auch nichts vermißt. So ruhig war es auf dem Foto sicherlich nicht. Man wird auch vom anderen Ufer Rufe, Gelächter, Pfiffe oder Hämmern und Hundegebell gehört haben, vielleicht auch hier und da mal einen Hahn, etwas Geplätscher vom Main, Unterhaltungen von nicht so weit weg, und natürlich Pferdegetrappel und die Geräusche von Karren. Mehr nicht und dieser Punkt war, auch wenn sonst eine Menge gegenüber 1900 besser geworden ist, sehr viel schöner als heute.
Zum PIONIER ist mir auch noch etwas aufgefallen: sind die Pumpenkästen nicht herrlich? Sie werden auf einem Holzschiff ja auch gebraucht, zumal auf einem offenen.
Und natürlich die Brücke: man sieht auf dem aus den 1980ern stammenden Vergleichsfoto (hinter dem linken Brückenpfeiler noch die VATERLAND), wie sie auf den alten Pfeilern regelrecht hochgebockt wurde. Und man vergleiche mal beim viereckigen Rententurm (1455 gebaut zur Erhebung von Schiffahrtsabgaben, der Turm gehörte zur Stadtbefestigung und stand am Eingang der Stadt vom Main aus. Das Geländeniveau am Turm lag vor dem Bau der Kaimauern im 19. Jahrhundert drei Meter tiefer und der Turm wirkte entsprechend schlanker. Dort ging es auch, so entnehme ich es jedenfalls einem Buch, runter zur Furt durch den Main), auf welcher Fensterhöhe der alte und der heutige Eiserne Steg liegt! Das Bild aus #1 habe ich zur leichteren Vergleichsmöglichkeit hier noch einmal dazugestellt.
Das um 1900 höhere Mainniveau war mir bisher nicht bewußt gewesen - aber ich finde, anhand des Pionier im Vordergrund kann man es auch sehen.