Da habe ich noch ein Manuskript von mir aus dem Jahr 2011 gefunden.
Wasserversorgung der Kanäle im Ruhrgebiet
Das Ruhrgebiet liegt im Westen der Bundesrepublik und ist der größte Ballungsraum in Deutschland. Dieser wird von vier für die Binnenschifffahrt wichtigen Wasserstraßen durchzogen. Es sind der Dortmund-Ems-Kanal DEK, der Rhein-Herne-Kanal RHK, der Datteln-Hamm-Kanal DHK und der Wesel-Datteln-Kanal WDK. Die Kanäle haben sich über Jahrzehnte in die Landschaft eingefügt. In ihrer Hauptfunktion dienen sie als Wasserstraßen. Daneben werden sie als überdimensionale Fernwasserleitungen und als Naherholungsgebiet genutzt. Dahinter steckt eine ausgeklügelte Logistik durch die das wertvolle Wasser in das Kanalbett kommt.
Die Geschichte der Wasserversorgung beginnt schon mit der Planung zum Bau des DEK 1892. Der obere Kanalabschnitt zwischen Dortmund und Gleesen hat kaum nennenswerte Zuflüsse. So war angedacht mit einer Fernwasserleitung Wasser aus der Ruhr bei Hohensyburg zu entnehmen, um damit den DEK zu speisen. Da die Ausführung zu aufwendig erschien musste dieser Gedanke fallengelassen werden. Genau wie die Wasserentnahme aus dem in der Nähe fließenden Fluss Emscher. Dieses Flusswasser war zur damaligen Zeit durch eingeleitete Abwässer aus dem Bergbau und Fäkalien von oberhalb liegender Städte stark verschmutzt.
Stattdessen errichteten die Kanalbaumeister, ein dampfbetriebenes Pumpwerk. Es befand sich nahe der Stadt Olfen, dort überquerte der DEK den Fluss Lippe. Mittels eines mit Dampf betriebenen Pumpwerks, konnte dort das Lippewasser in den rund 17 Meter höher verlaufenden DEK eingespeist werden. Die zur Dampferzeugung benötigte Steinkohle wurde per Binnenschiff angeliefert.
Um den Wasserverbrauch zu verringern, waren die Schleusen zwischen Münster und Gleesen nur 67 Meter lang und 8,60 Meter breit. Zusätzlich besaß die Schleuse Münster Sparbecken mit diesen konnten bei einer Talschleusung bis zu 50% der ca. 3.700 m³ Wasser aufgefangen werden.
Um am Kanalabstieg in Waltrop den Höhenunterschied von 14 Metern zu überwinden arbeitete dort seit der Kanaleröffnung das Schiffshebewerk Henrichenburg. Aufgrund seiner Konstruktion lag der Wasserverbrauch bei wenigen Kubikmetern pro Hebevorgang. Trotz dieser Maßnahmen kam es zur Wasserknappheit, sodass Schleppzüge wegen zu niedriger Wasserstände im Kanal hängen blieben. Daher war es notwendig, auf einem anderen Weg mehr Betriebswasser einzuspeisen.
Eine Lösung schien, dass benötigte Wasser aus der Lippe bei Hamm zu entnehmen und von dort über einen Speisungskanal nach Datteln in den DEK einzuleiten. Bei den Beratungen zum 2. Preußischen Wasserstraßengesetz von 1905 setzte sich der Vorschlag durch, einen Schifffahrtskanal für 600-Tonnen-Schiffe zu bauen, der gleichzeitig als Speisungskanal diente. Das war die Geburtsstunde des DHK. Neun Jahre später, im Sommer 1914, nahm er zusammen mit dem RHK den Betrieb auf.
Der DHK verläuft parallel zur Lippe, diese ist an der Schleuse Hamm aufgestaut. Oberhalb der Staustufe wird das Lippewasser durch ein Überleitbauwerk in freiem Gefälle in die Scheitelhaltung eingeleitet.
Sie verläuft zwischen den Schleusen Herne-Ost (RHK), Schleuse Hamm (DHK) und Schleuse Münster (DEK). Aus dieser 110 Kilometer langen Kanalhaltung verteilt sich das Betriebswasser in die restlichen Kanäle. Diese kostengünstige Maßnahme erlaubte nun zwischen Münster und Gleesen, neue 165 Meter lange Schleusenkammern zu errichten. Am Kanalabstieg in Henrichenburg entstand neben dem Hebewerk eine 90 Meter lange Schachtschleuse mit zehn Sparbecken.
Der RHK war 1914 noch ohne Pumpwerke in Betrieb gegangen und durch den Bau des WDK war ein erhöhter Wasserbedarf zu erwarten. Deshalb wurden die neuen WDK-Schleusen bei in Betriebnahme 1930 mit Pumpwerken ausgerüstet. Diese stellten so zunächst den Wasserhaushalt sicher.


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