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Thema: Schifffahrtsgewerbe reagiert massiv verärgert auf Streikaufruf

  1. #431

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    Hallo,

    Ich denke wir sind uns hier alle einig. Wenn WSAler entlassen würden hätten auch die Schiffer Verständnis, aber für einen mittlerweile über einen Monat dauernden präemtiven Streik Unterstüzung zu erwarten ist doch, vorsichtig gesagt, äh, nicht ganz, ähm, ihr wisst schon was ich meine.
    das findet doch schon lange statt und das wird in der Berichterstattung und Diskussionen auch gerne außen vor gelassen. Die WSV hatte nach der Wende über 18.000 Beschäftigte und mit einem Beschluß des Bundestages wurde seit Mitte der ´90iger der Personalhaushalt jedes Jahr um min. 1,5% gekürzt und Lohnerhöhungen waren auch durch Stelleneinsparungen zu finanzieren. Wurden in Teilen des Geschäftsbereichs des BMV durch Schaffung neuer oder Erweiterung bestehender Aufgabengebiete, neue Stellen generiert (z.B. Mautkontrolle, Havariekommando etc.), wurden die Haushaltsmittel dafür ebenfalls nicht angepasst, sondern wieder durch Stelleneinsparung an anderer Stelle refinanziert. Da diese Stelleneinsparungen natürlich durch den Leitungsbereich der betroffenden Verwaltungen gesteuert wurde, kann man sich vorstellen, wer maßgeblich davon betroffen war und noch ist. Bevor eine Stelle in den gehobenen oder höheren Laufbahnen eingespart wurde, wurde lieber der einfache Dienst abgeschafft und der mittlere Dienst bis zur Handlungsunfähigkeit zusammengeschrumpft.

    Das ist meiner Meinung nach auch der Grund, warum die bisherigen Anstrengungen zur Reformierung der WSV, die es seit mehr als 20 Jahren schon immer wieder gab, gescheitert sind und die jetzt geplante "Reform" auch keine ist. Es geht hier nicht darum den gesamten Apparat zu straffen und den Verkehrsträger zu stärken oder gar bedarfs- oder kostenorientiert aufzustellen. Der Verkehrsminister hat doch schon mit seinem Vorgehen gezeigt, dass es ihm überhaubt nicht darum geht, die Wasserstraße zukunftssicher zu machen. Erst sagt er, dass die Klassifizierung der Wasserwege dazu dient, die viel befahrenen Strecken besser mit Finanzmitteln zum Aus- und Ersatzneubau auszustatten; keine zwei Wochen später erklärt er aber z.B. den Ausbau der Mosel faktisch für beendet, von seinen "Anstrengungen" am NOK ganz zu schweigen. Im westdeutschen Kanalnetz sieht es nicht besser aus, hier ist der Ausbau des RHK immer noch nicht abgeschlossen und die am meisten belasteten Bauwerke am WDK teilweise schon 20 Jahre über der vor 50 Jahren errechneten Zeit. Trotz des immens höheren Wartungsaufwand, der nur von erfahrenem Personal, welches die Anlagen mit ihren Schwachstellen kennt, erledigt werden kann, wurde gerade hier der Personalstand soweit reduziert, dass das Durchsnittsalter der Kollegen mittlerweile weit über 50 Jahren liegt und man davon ausgehen kann, dass die ganze Abteilung innerhalb von weniger als 10 Jahren wohl geschlossen wird.
    Der hohe Altersdurchschnitt wird auch beim Schleusenpersonal immer mehr zum Problem, eine gesunde Durchmischung ist nicht mehr vorhanden, der Krankenstand steigt und Altersabgänge können nicht mehr aufgefangen werden. Sperrungen durch Personalmangel sind mittlerweile Normalzustand. Die geplante Fernbedienung ist für die Beschäftigten schon mehr Durchhalteparole als Schreckgespenst. Soviel dazu, dass wir im Westen noch Angst vor Versetzungen haben, die Nummer ist zumindest für uns schon vor Jahren entschieden worden. Da waren wir wohl für die Gewerkschaft(en) noch nicht wichtig genug, als dass man sich dagegen wehren wollte. Wir machen uns eher Sorgen darum, dass selbst nach der Zentralisierung, dass Personal nicht mehr ausreicht, weil an Leuten zur Ausbildung kaum noch was nachgeführt wird.

    Worüber man sich aber klar sein muss, ist dass wenn die Personalverschiebung in der geplanten Form kommen wird, der Verkehrsminister noch ein besseres Mittel in der Hand hat, um Neben- und Restwasserstraßen ohne großes Aufhebens einzumotten. Erst streicht man die Sachmittel, dann zieht man das Personal ab.

    Ich glaube auch, die große Streikbereitschaft kommt weniger von der Angst, dass die Regierung die Stellen noch mehr reduziert und die Aufgaben privatisiert, sondern da spielt unglaublich viel an Frustration mit. Ich hab selbst erlebt, dass wir innerhalb eines Jahres zwei junge und gute Leute für den Betriebsdienst ausgebildet und diese auf Anordnung von oben direkt im Anschluß auf die Straße gesetzt haben, obwohl dass Personal schon damals schon nicht ausreichte.
    Im Moment ist das Presseecho über die Personalmisere der Stellwerker der deutschen Bahn riesengroß. Das erinnert mich ziemlich an die Schleusen im westdeutschen Raum.

    Der Irrglaube, dass durch Privatisierung alles besser und billiger wird, kann ich auch nicht mehr nachvollziehen. In unserm Bereich werden seit Jahren 2/3 der Aufgaben an die Privatwirtschaft durch Ausschreibung vergeben. Dann müßte ja Geld satt vorhanden sein und die Anlagen glänzen. Das Gegenteil ist der Fall. Allein die Kosten für die Vergabe, die Ausführungsüberwachung und die oft erforderlichen Nacharbeiten sind immens und übersteigen nicht selten das eigentliche Auftragsvolumen. Dann will ein Unternehmer ja auch noch an dem Auftrag Geld verdienen.

    Als Beispiel, weil dass hier ja auch jmd. schon angesprochen hat. Die Gebäudereinigung wurde früher durch eigene Kräfte, meist in Teilzeit mit einer Eingruppierung im einfachen Dienst erledigt. Die Kolleginnen waren oft Ehepartner von Beschäftigten in der jeweiligen Dienststelle und damit im Personalstamm integriert, demensprechend wurde die Arbeit auch mit der entsprechenden Motivation und Zuverlässigkeit erledigt. Heute wird diese Tätigkeit alle zwei Jahre ausgeschrieben. Allein die Auftragsbeschreibung umfasst ein riesen Schriftsatz in der jeder Handgriff aufgeführt sein muss. Die durch die Firma beschäftigte Reinigungskraft wird meist für einen viel zu geringen Zeitrahmen entlohnt, da wird für einen Zeitaufwand von 2-3 Stunden halt nur eine bezahlt. Da man davon faktisch nicht leben kann, wird durch die Arge mit Hartz 4 aufgestockt. Also finanziert der Steuerzahler die Arbeitskraft zur Reinigung weiterhin fast vollständig, mit dem Unterschied, dass er jetzt noch einen dritten mitfinanzieren darf.

    Bis dann

    Dominic

  2. #432
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    Hallo Dominic,

    genau so ist auch mein Eindruck aus dem, was ich von hier aus mitbekomme und was mir zugetragen wird. Aber was wir bräuchten, wären belastbare Fakten, die wir in Berlin auf den Tisch legen könnten. Der Frust ist Euch doch vollkommen zugestanden, der ist ja im Prinzip derselbe wie bei den Binnenschiffern. Aber wir können doch deswegen jetzt nicht die ganze Branche zugrunde richten, wir müssen doch an Lösungen arbeiten und dabei ist der Streik nicht zuträglich, zumal die wahre Problematik ja in den Medien gar nicht rüberkommt.

    Daß dem Ramsauer sein Mist um die Ohren gehauen werden muß, da kriegt Ihr alle Zustimmung, aber so kommt Ihr nicht weiter und die Binnenschiffer schon gar nicht.

    LG
    Micha

  3. #433
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    Hi,

    der BDB hatte die gleiche Idee wie Padler und ruft ebenfalls zur Teilnahme an den Kundgebungen auf:

    ....
    aufgrund der Streiks in der WSV häufen sich in der BDB-Geschäftsstelle die Anfragen, was die Betroffenen unternehmen können, um auf sich und ihre Situation aufmerksam zu machen. Die Vorschläge reichen vom lautstarken Protest mittels Signalhorn bis hin zur Organisation einer Demonstration der Binnenschiffer.

    Eine ebenso einfache wie medienwirksame Aktion lässt sich starten, wenn Sie als betroffener Binnenschifffahrtsunternehmer sich an den Kundgebungen beteiligen, die ver.di zurzeit im Bundesgebiet organisiert. Zwar sollen diese Kundgebungen nach dem Willen der Gewerkschaft eigentlich dazu dienen, auf die Anliegen der WSV-Mitarbeiter aufmerksam zu machen. Es wird Ihnen aber niemand verwehren können, ebenfalls teilzunehmen und z.B. mit gewerkschaftsüblichen Mitteln (Trillerpfeife, Pressluftfanfare, Spruchbänder) auf Ihre Situation als Leidtragender Dritte hinzuweisen. Diese Form des „zivilen Ungehorsams“ dürfte ein entsprechendes Medien-Echo auslösen und auch seitens der Gewerkschaft nicht unbemerkt bleiben.

    Folgende Versammlungs- und Kundgebungstermine seitens Verdi sind uns bekannt:

    - Am Dienstag, dem 20. August 2013, ist eine gemeinsame Streikveranstaltung von Beschäftigten aus der Lüneburger Heide, aus Süd-Ost-Niedersachsen, aus Hannover/Leine-Weser und aus Nord-Niedersachsen in Uelzen geplant. Um 10:00 Uhr startet vom Schützenplatz in Uelzen eine Demonstration durch die Stadt, gegen 11:00 Uhr findet eine Kundgebung vor dem Rathaus/Herzogenplatz statt.
    - Am Mittwoch, dem 21. August 2013, finden betriebliche und örtliche Streikversammlungen an den Schleusen und vor den WSV-Ämtern statt.
    - Am Donnerstag, dem 22. August 2013, ruft ver.di zu einer zentralen Streikkundgebung in Minden auf. Hieran werden sich Beschäftigte der WSV aus Niedersachsen, Bremen und NRW beteiligen. Hauptredner wird der ver.di-Bundesvorsitzende Frank Bsirske sein.
    Die BDB-Geschäftsstelle hat leider nicht die Kapazitäten, Gegenkundgebungen oder die Teilnahme des gesamten Schifffahrtsgewerbes an o.g. ver.di-Veranstaltungen zu organisieren. Hier bitten wir um Ihre Eigeninitiative. Geben Sie Laut!

    ...
    Wenn ich die Teilnehmerzahlen bei den bisherigen Kundgebungen richtig verfolgt habe, könnte man da schon ordentlich was bewegen :D

    LG
    Micha

  4. #434
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    Hi,

    weiterer Vorstoß des BDB: betroffene Binnenschiffer sollen ein Machtwort-Schreiben, das der BDB vorgefasst hat, mit ihrem Namen versehen und an die Bundeskanzlerin schicken. Das bringt natürlich nur was, wenn es von möglichst vielen Betroffenen verschickt wird.

    Die Datei befindet sich als .doc und .pdf im Anhang.

    LG
    Micha
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  5. #435
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    Kiel. "Arbeitsloser Lotse sucht Arbeit als Festmacher", steht auf einem Transparent. Weil Verdi die Festmacher in den Kanalschleusen Brunsbüttel und Kiel zum Streik aufgerufen hat, liegt der Verkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal brach. Somit haben auch die Lotsen in Kiel und Brunsbüttel nichts zu tun. Gemeinsam mit Lotsen, Kanalsteuerern, Schiffsausrüstern und Maklern demonstrierten die Kieler Lotsen deshalb auch in der Landeshauptstadt, um ihr Unverständnis für die Verdi-Aktionen zu zeigen.

    http://www.shz.de/nachrichten/top-th...enwaerter.html

  6. #436

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    Standard “Ver.di heeft geen Fingerspitzengefühl“

    “Ver.di heeft geen Fingerspitzengefühl“

    Quelle: Binnenvaartkrant

    Gruß
    Arnold

  7. #437

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    Hallo Leute,
    eins vorweg, ich finde die Streiks auch nicht gut !

    Alle hacken im Moment auf die Gewerkschaft rum, ob berechtigt oder nicht lassen wir mal da hingestellt. Eine Gewerkschaft ist nur so stark wie Mitglieder hinter ihr stehen. Eins ist doch klar, Verdi streikt im Auftrag seiner Mitglieder. Die organisierten MitarbeiterInnen der WSA/WSD haben also Verdi durch Abstimmung zu diesem Streik beauftragt.
    Wenn doch angeblich so viele Personen aus den streikenden Bereichen gegen diesen Streik sind warum pfeifen sie dann ihre Gewerkschaft nicht zurück bzw. nehmen ihre Tätigkeit wieder auf ?
    Liege ich so falsch ?

    Gruß Klaus

  8. #438
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    Hallo Klaus,

    damit liegst Du gar nicht falsch und das wäre auch die logische Konsequenz. Offensichtlich wurden den WSV-Leuten bei der Urabstimmung falsche Tatsachen aufgetischt und sie haben deswegen dem Streik zugestimmt. Normalerweise gehört eine neue Urabstimmung herbeigeführt, da würde das Ergebnis aber ganz anders aussehen, jetzt wo auf dem Tisch liegt, wie weitreichend die Zusagen von BMVBS und BMI tatsächlich sind und was sie für eine Tragweite haben.

    Wie gesagt, wenn sich jemand rausnehmen sollte, diese Zusagen zu unterlaufen, können sie von mir aus von heute auf morgen ohne Vorwarnung ganz Deutschland zumachen, aber so wie das jetzt gelaufen ist, brauchen sie sich nicht zu wundern, daß der Streik keine Akzeptanz hat.

    LG
    Micha

  9. #439

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    Hallo Micha,

    das hieße doch, dass die WSV-Leute immer noch nicht begriffen haben das ihnen falsche Tatsachen aufgetischt wurden. Sorry aber so dusselig kann doch niemand sein. Wenn die WSV-Leute sich heute noch nicht angesprochen fühlen diesen Streik zu beenden, wer dann ?

    Gruß
    Klaus

  10. #440
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    Ach so, vergessen: und bis dahin gehören die Streiks ausgesetzt!

    Hi Klaus,

    doch doch, begriffen haben sie das schon, aber sie sind sich offensichtlich der Tragweite nicht bewußt, zumindest waren sie es nicht. Mittlerweile scheint ja vielen ein Licht aufzugehen.

    LG
    Micha

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