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Thema: Express 66 (Neptun) - GMS - 07000440

  1. #1
    Moderator Avatar von UGI
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    Schweiz Express 66 (Neptun) - GMS - 07000440

    Hallo Schweizer und Schiffsfreunde der roten Flotte,
    Hier mal ein Schiff welches seinen Weg über mehrere Jahre in der ex DDR genommen hat.

    EXPRESS 66

    Schiffdaten / Verlauf
    gebaut 1940 als Express 75 auf der Schiffswerft Erlenbach für die Neptun Schifffahrts AG in Basel
    L: 67,83 / B: 8,28 / Tfg: 2,53 / Tgf: 714 t
    1 Hauptmaschine Typ DEUTZ

    Das Schiff wurde zum Kriegsende in Magdeburg von einer Fliegerbombe
    getroffen und sank. Nach Kriegsende lag das Schiff somit in der sowjetischen Zone und wurde durch einen Bergungstrupp gehoben und nach Tangermünde auf die Schiffswerft verbracht - dort komplett neu aufgebaut und instandgesetzt. Allerdrings konnte die Maschine nicht repariert werden. Somit kam das Schiff als Schleppkahn in der DDR zum Einsatz.
    Ab 1949 verstaatlicht gelangte es zur DSU unter dem namen DSU 259.
    Im Jahre 1953 bekam das Schiff immer noch als Schleppkahn fahrend die Schiffspass.Nr.: 4-1862
    Da die DDR jedoch dringend Motorschiffe benötigte, wurde der Entschluß gefasst die alte maschine rauszureißen und das Schiff wurde somit 1954 mit einer 300 PS Maschine des Typs Buckau-Wolf R 8 DV 136 bestückt.

    Nunmehr wieder als Motorschiff eiungegliedert bekam es den Namen "EINHEIT" mit der Schiffspass.Nr. 2-346
    Ab 1955 begannen die Verhandlungen mit den Besitzern des Schiffes auf Rückgabe von Reperationsgut, welches durch die Sowjetarmee beschlagnahmt war. Dazu zählte auch dieses Schiff - somit wurde das Schiff 1956 in die Schweiz zurückgegeben, wobei im Gegenzuge die Rhenania Reederei die Kosten für die Reperaturarbeiten erstattete.

    Nach einer "11-jährigen Reise" kam es in seinem Ursprungsland - der Schweiz - mit dem neuen Schiffsnamen "EXPRESS 66" in Fahrt.

    Leider ist über den Verbleib des Schiffes nicht viel mehr bekannt...

    Anbei mal ein Mini-Foto welches das Schiff unter dem namen EINHEIT in der DDR fahrend zeigt.

    Gruß UGI
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  2. #2

    Schweiz Express 66 (Neptun) - GMS - 07000440

    Schiffsdaten:

    Name: EXPRESS 66
    Ex-Namen: Express 45(?), Express 75 (Rhenania), Express 4-1862/DSU 259 (GSK), Einheit 2-236 (1952 neu motorisiert)
    Eigner: Neptun Transport- und Schiffahrts-Aktiengesellschaft, Basel
    gemeldet in: Basel
    Nationalität:
    Europanummer: 7000440

    Länge: 67,83 m
    Breite: 8,28 m
    Tiefgang: 2,53 m
    Tonnage: 714 t

    Maschinenleistung: 480 PS
    Maschinenhersteller: Deutz

    Baujahr: 1940
    erbaut in:
    Bauwerft: Bayerische Schiffbau Gesellschaft mbH., vorm. Anton Schellenberger, Erlenbach
    Bau-Nr.: 717

    Verbleib: Rode (4604500), Charis III (6002087), Kade, Asteria, 2016, Infinitum

    Kaart van George Bergenhenegouwen gekregen
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    Geändert von Joana (13.10.2025 um 18:13 Uhr) Grund: Link
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  3. #3
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    Hallo binnenvaart

    Es ist herrlich wieder mal ein alten Express zusehen tol.Danke

    Könnstes Du vielleicht auch mal nachsehen wo mein Express 56 ab geblieben ist . ???

    vielleicht Fährt er ja noch oder ist er schon im Schifferhimmel.Mfg. Apollo

  4. #4

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    Hallo Apollo

    Leider steht die 56 nicht dabei

    Aber hier stehen viele schiffen von Express

    gr Rene
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  5. #5
    Moderator Avatar von McRonalds
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    Ich habe ja STÄNDIG Probleme mit diesen Schweizer Schiffsnummer, aber diese (#7000440) schlägt dem Fass den Boden aus. Chronologisch wurde sie 1950 vergeben - aber da lag das Schiff - wie Uwe im Eröffnungsthema schreibt - in der SU Zone in Tangermünde fest - und wurde letztlich erst 1956 zurückgegeben. Meinem Verständnis nach hätte das Schiff erst dann eine Schweizer Nummer kriegen dürfen (man befand sich da ungefähr im Bereich #7000500). WIE IST SO WAS MÖGLICH? Vergab man Nummern an Schiffe auf die man gar keinen Zugriff hatte? Was wäre wenn die SU das Schiff nicht mehr raus gerückt hätte? Wäre ja nicht ungewöhnlich gewesen.

    Sollten solche Merkwürdigkeiten im Schweizer Register die Regel sein, wundert es mich nicht das ich oft Probleme mit der zeitlichen Zuordnung der Schiffe habe. Gruß - (ein etwas frustrierter) Ronald:-/

  6. #6
    Moderator Avatar von McRonalds
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    UND DAS ERKLÄRT AUCH, WARUM ICH EINIGE EXPRESS UMMELDUNG IN DIE SCHWEIZ ZEITLICH NICHT ZUORDNEN KANN!

  7. #7
    Moderator Avatar von UGI
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    Idee ENI Vergabe in Freihaltung der Schiffsregistrierung

    Ahoi Ronald, #5
    da liegst du gar nicht so falsch mit deiner Vermutung der "Freihaltung" der ENI-Nr. / die Antwort ist eigentlich ganz einfach.

    Die Reederei hat gegenüber der DDR Alteigneransprüche angemeldet, dem hat die DDR auch entsprochen, aber das Schiff wurde ja aufwendig gehoben, repariert und sogar 1952 wieder motorisiert !! ... es ging also nie darum ob das Schiff zurück gegeben wird, sondern nur darum wer die entstandenen Kosten trägt !!
    Somit war der Reederei klar, das sie das Schiff zurück bekommen und haben vorsorglich die ENI zugeteilt.

    Aber, wie Gerichte nun mal so sind - noch dazu in zwei verschiedenen Staaten - wird endlos diskutiert und nur langsam entschieden.
    Somit zog sich das ganze bis 1956 hin .. nachdem die Kosten beglichen waren (abzüglich der Nutzungszeit in der DDR !! ) .. wurde dann das Schiff an die Schweiz übergeben.

    PS.: .. das ganze kennt man übrigens auch aus der Historie der Bundesdeutschen Autokennzeichen !!

    Da man immer an eine Wiedervereinigung beider deutscher Staaten in der BRD dachte, hat man für alle Städte und Gemeinden die in der DDR lagen, ebenfalls Kennzeichen im vorab freigehalten.
    nach der Wende klappte die Umregistrierung somit ganz gut .. nur einiges war schief gegangen - so hatte dem Lahnkreis das "L" gegeben, was eigentlich zu Leipzig gehört.
    So war das auch noch bei einigen anderen Städten und Gemeinden ... und diese Kennzeichen mussten dann nach 1990 eben komplett umgetauscht werden.
    Ostdeutsche Binnenflotte -Totgesagte - leben länger !!

  8. #8
    Moderator Avatar von McRonalds
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    @Uwe; Danke für die Erklärung. Ja, der Vergleich mit den KFZ-Kennzeichen trifft’s recht gut. Sorry wenn ich gestern etwas überreagiert habe, aber mir fiel (ausgerechnet beim Studium des EXPRESS 75/66) auf, das ich die Schweizer Schiffsnummern leider nicht als Kriterium für meine Rhenania-Forschung heranziehen kann. Es ging in meinem Fall zwar um den RHENANIA 62 -> EXPRESS 281, aber der Fall hier ist wohl ähnlich gelagert.

    Zum konkreten Fall noch mal; Entscheidender als sein Aufenthalt in der SU-Zone scheint mir beim EXPRESS 75/66 der vorangegangene Rechtsstreit zwischen Neptun und Rhenania um die 6 kassierten EXPRESSe aus der Haniel-Zeit zu sein.

    Bis 1938 hatten sich nämlich Rhenania und Neptun die 18 in Erlenbach gebauten EXPRESSe brüderlich (im wahrsten Sinn des Wortes) geteilt, jeder 9 Stück. Das wäre wohl auch so weiter gegangen, wenn sich die politische Situation nicht gewendet hätte, Hermann Hecht aus der Fa. gedrängt worden wäre und Haniel das Ruder übernommen hätte (indem sie zugleich dem Staat Bayern seine Anteile abkaufte). Haniel ist dieses Kapitel aus der NS-Zeit später unangenehm - es wird in seiner Chronik kaum erwähnt (das Rhenania-Kapitel sowieso nicht).

    Betriebsintern versucht man bei Rhenania/Neptun noch eine kurze Zeit gegen zu steuern, indem sämtliche Erlenbacher-Schiffe, die noch in Planung oder Bau waren (EXPRESSe 33-41), zur Schweizer Neptun umleiteten, aber auch das ging nur eine Zeit gut. 1940 hatte Haniel genug von dieser Praxis und beanspruchte die 6 geplanten EXPRESSE 44-49 (darunter waren auch erstmals zwei Schiffe im DEK-Maß) für sich.

    EXPRESS 44 (#716) wurde EXPRESS 80
    EXPRESS 45 (#717) wurde EXPRESS 75
    EXPRESS 46 (#732) wurde EXPRESS 60
    EXPRESS 47 (#733) wurde EXPRESS 61
    EXPRESS 48 (#734) wurde EXPRESS 10
    EXPRESS 49 (#735) wurde EXPRESS 16

    Nach dem Krieg entspann sich ein Rechtsstreit um diese 6 Schiffe, das Neptun (ich glaube Jakob Hecht war inzwischen wieder in die Geschäftsführung zurück gekehrt) nach langem Ringen gewann und die Schiffe 1949 wieder zugesprochen bekam. Wir hatten darüber mal eine Diskussion und ich hatte auch schon etwas über diesen Prozess geschrieben, aber ich find’s jetzt nicht - und aus dem Kopf will ich das nicht weiter ausbreiten. Vielleicht fällt's mir wieder ein... irgendwann...

    Jedenfalls hatte Neptun 1950 seine Schiffe wieder und so tauchen sie dann auch im Schweizer Schiffsregister auf - bloss war der EXPRESS 75 seit Kriegsende in der SU-Zone! Da er nun nicht mehr Deutsches sondern Schweizer Eigentum war, konnte man ihn nicht einfach behalten (ich frage mich allerdings was man gemacht hätte, wenn sie das Schiff schon längst in die SU verbracht hätten? Bei anderen Einheiten waren man da auch nicht so zimperlich). Aber vielleicht (oder sehr wahrscheinlich) wussten sie ja von dem Rechtsstreit und unterließen deshalb einen Abtransport. [Genosse Lenin lebte ja längere Zeit in der Schweiz]

    Was für ein interessantes Schiff. Ich bin ihn früher oft begegnet (als ASTERIA war er ein regelmäßiger Mainfahrer) und wusste zu Beginn gar nicht, was da für ein Stück 'Geschichte' herum fährt.

    Gruß - Ronald;-)

    P.S.: Gestern stellte Rolf ein Bild vom EXPRESS 80/58 ein (das Schwesterschiff), das den 'normalen' Weg ging. Bilder dieser 6 EXPRESSe sind extrem selten, weil sie nur im Krieg und in der Nachkriegszeit fuhren.
    Geändert von McRonalds (Gestern um 17:08 Uhr) Grund: P.S.

  9. #9
    Super-Moderator Avatar von Muranfan
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    @Ronald: EXPRESSe 60 + 61 (Rhenania) hat Fritz Bubenheim auch aufgenommen................

  10. #10
    Moderator Avatar von McRonalds
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    Großartig. Großartig!

    Wie bereits gesagt; das sind die ‘Heilgen Kühe’ der Rhenania-Forschung.

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