Verdi-Bundesvorstand Meerkamp über den Streik der Schleusenwärter und Verkehrsminister Ramsauer.
„Wir können die Schifffahrt lahmlegen“
Verdi-Bundesvorstand Meerkamp über den Streik der Schleusenwärter und Verkehrsminister Ramsauer.
„Wir können die Schifffahrt lahmlegen“
https://binnenvaartlog.nl
Hallo Lorenz,
genau das habe ich ja auch so gesagt. Wenn Ramsauer oder sein Nachfolger (hoffentlich bald) die Zusagen einfach kippen würde, gäbe es mit Sicherheit wesentich mehr Zustimmung zu den Streiks als jetzt.
Was Du in Sachen Transportleistung schreibst, stimmt natürlich und wenn Du den Gedankengang weiterdenkst, dann mußt Du dir mal überlegen, auf welch ruhige und beinahe unauffällig schöne Weise Güter mit dem Schiff transportiert werden und im Gegensatz dazu, was für Einschnitte in die Natur und in die Lebensqualität geduldet werden müssen, damit die Bahn ihre Transportleistung bringen kann.
Trotzdem wird sie massiv subventioniert und der Staat gibt viel Geld dafür aus, damit die Bahn ihre Dienstleistungen so günstig anbieten kann, wie die Binnenschifffahrt. Das ist ein großer Teil des aktuellen Dilemmas, denn die Befrachter versuchen natürlich, ihre Preise noch weiter zu drücken und bieten ihren Kunden deshalb defizitäre Frachtraten an. So ist die Bundespolitik mitverantwortlich für die aktuelle Misere der Binnenschifffahrt. Sie täte gut daran, den Transportmarkt nicht länger zu beeinflussen und die Verkehrsträger sich selbst entwickeln zu lassen.
Was Du zur Beachtung der Schifffahrt schreibst, stimmt ebenfalls. In Bonn hat der Rhein einen sehr hohen Stellenwert und als man am Rhein saß und tagte, wurden wesentlich mehr Entscheidungen für die Binnenschifffahrt getroffen, als jetzt in Berlin. Jetzt in Berlin gehts eher darum, den Fahrgastschiffern ihren Umsatz zu sichern - kein Wunder, die sieht man ja auch jeden Tag.
Es gibt Wasser- und Schifffahrtsämter bei Weitem nicht nur für die Binnenschifffahrt, sondern auch für die Seeschifffahrt, für die Stromgewinnung, für die Hochwassersicherheit der Bevölkerung und für vieles Andere mehr. Die Aussage, es würden 12000 WSA-Mitarbeiter für 7000 Binnenschiffer zur Verfügung stehen, ist absolut überspitzt und stimmt so nicht. Du brauchst dir nur die wichtigsten Flüsse in Deutschland anzusehen, die wurden nicht in erster Linie aufgestaut und begradigt, um sie schiffbar zu machen, sondern um ihre Anwohner vor den Hochwassern zu schützen. Auch der Erhalt dieser Bauwerke und die Instandhaltung der Fahrrinnen ist nicht allein der Schifffahrt zuzurechnen, sondern genauso wichtig unserer Sicherheit.
Das Problem ist aber, daß das heute niemand mehr wissen will. Der Bundesrechnungshof hat diese Zahlen einfach mal so in den Raum geworfen, viele Regierungen haben das Thema einfach ausgesessen und Ramsauer ist der Erste, der das überhaupt mal angeht - mit der Sense! Warum? Weil er ein Bahnlobbyist ist!
Jetzt werden die Wasserstraßen kategorisiert, die Ausgaben begrenzt und man brüstet sich, was man doch so toll eingespart hat. Und wenn dann das Kind in den Brunnen fällt, wenn mal nicht nur eine Schleuse ausfällt, sondern ein Wehr sich nicht mehr fahren läßt und mal 100 Menschen ersaufen und 10000 ihre Häuser verlieren, dann ist das Geschrei wieder groß. Dann kann sich der nächste wieder an die Ruinen stellen und große Reden schwingen, was er doch alles besser machen will. So wird bei uns Politik gemacht. Das gabs übrigens beim Hochwasser an der Donau schon, die Hochwasserstände in Passau hätten nicht so hoch sein müssen, wenn die Technik richtig funktioniert hätte.
Ich sag ja, die stoßen alles, was die Generationen vor uns mit Ihren Händen aufgebaut haben, einfach so mit dem Arsch um und lassen sich noch dafür feiern!
LG
Micha
Hallo zusammen
Die Zahl "7000 Binnenschifffahrt" umfasst nur die Angestellten bei Unternehmen die in Deutschland gemeldet sind und stammt vom DESTATIS.
Man müsste also die Beschäftigten von den in anderen EU-Staaten gemeldeten Unternehmen einbeziehen.
Dann sieht das Verhältnis schon ganz anders aus.
Moment mal ...
Hochwasserschutz ist so wie ich weiß nicht Aufgabe der WSV und auch nicht vom BMVBS sondern Ländersache und dem Umweltministerium zugeordnet.
VG Padler
Es scheint so als ob die besten Schiffer an Land stehen und Fotos machen! Pro Null Promille in der Binnenschifffahrt für die gesamte Besatzung! und Contra Schleusenstreik!
Hi,
ja von wegen, so einfach ist das nicht. Da greifen viele Kompetenzen ineinander: die Schifffahrt, die Stromgewinnung, die Regulierung des Grundwasserspiegels und der Hochwasserschutz. Die Schifffahrt ist einer der Nutznießer des Systems, aber nicht der Einzige und auch nicht in jeder Hinsicht. Viele Schleusen wären für die Schifffahrt total überflüssig und kosten sie nur Zeit, aber für den Hochwasserschutz werden sie gebraucht und genau deshalb gibt es sie.
Deswegen kann man die Kosten, die die Wasser- und Schifffahrtsämter produzieren auch nicht allein auf die Schifffahrt umlegen.
LG
Micha
Hallo Stadt_Aschaffenburg
Das ist schon klar und auch ein Grund warum es so viele Probleme gibt.
Denn wenn die WSV auch für die Deiche also den Hochwasserschutz zuständig wäre,
hätte es beim letzten Hochwasser an der Elbe gewisse Probleme nicht gegeben.
Die haben einzig und allein die einzelnen Bundesländer verschuldet!
VG Padler
Es scheint so als ob die besten Schiffer an Land stehen und Fotos machen! Pro Null Promille in der Binnenschifffahrt für die gesamte Besatzung! und Contra Schleusenstreik!
... und auch noch die Landwirtschaft! Vieles, was man heute der Schiffahrt als Umweltsünde ankreidet - Eindeichungen - wurde für die Landwirtschaft gemacht, wodurch für die Schiffahrt eher Nachteile entstanden, wie zum Beispiel längere Sperrzeiten wegen Hochwassers.
Neuerdings kommt auch der Tourismus als ein Faktor hinzu -Stichwort Edersee, der heute längst kein reiner Speichersee mehr ist, sondern ein wichtiges Erholungsgebiet. Auch auf dem Edersee gibt es Schiffahrt - aber die jammert, wenn der Edersee zuviel Wasser an die Weser abgibt!
Alles nicht so einfach.
Gernot
Hi,
genau Gernot, das habe ich gemeint. Aber wenn man die offiziellen Berechnungen liest, werden diese Kosten sämtlich nur auf die Schifffahrt umgelegt, womit man sie künstlich teurer macht. Jetzt könnten die Dienststellen das natürlich widerlegen, das dürfen sie aber gar nicht, weil ihnen Ramsauer einen Maulkorb verpasst hat.
Natürlich muß man davon ausgehen, daß auch in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung noch Dienststellen nur sich selbst verwalten und keinen eigentlichen Auftrag haben, aber wenn ich mir anschaue, daß es in Deutschland über 6500 km schiffbare Wasserstraßen gibt, finde ich 12000 Mann für deren Verwaltung und Betrieb nicht zuviel, das wollte ich damit ausdrücken. Nur müßten sie halt richtig verteilt sein und ausreichend Mittel haben, um ihrem Auftrag, die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs zu gewährleisten, auch gerecht werden zu können.
Wir haben ja auch schon über die demografische Entwicklung diskutiert und der Bund rechnet ja auch damit. Danach würden in den nächsten Jahren allein deswegen nochmal etwa ein Viertel der Stellen wegfallen und das sind nicht nur Stellen, die keine wichtige Funktion haben, sondern das sind Schleusenmeister und -wärter, Nautiker, Schiffsführer usw., Leute die eigentlich gebraucht werden, aber für die es keinen Ersatz geben wird, wenn sie in den Ruhestand gehen. Wenn wir uns jetzt vor Augen halten, daß in letzter Zeit schon öfter Schleusen nicht voll in Betrieb waren, weil Personal fehlte und daß die Leute jetzt schon oft aus dem Wochenende geholt werden, um Ersatzdienst zu schieben, wie soll das dann erst in 10 Jahren werden?
Deswegen halte ich auch nichts davon, daß hier allgemein auf die WSA-Mitarbeiter losgegangen wird. Für die ist das nämlich auch nicht alles besonders motivierend, wie ihre Arbeit gewertschätzt wird - nicht nur von Euch, sondern auch von der Politik.
Ich würde den Leuten also schon zugestehen, daß sie mit gutem Grund verunsichert und verärgert sind. Das alles ist kein Klima, in dem man sich als Angestellter wohlfühlt und dynamisch nach vorn denkt. Aber ein Grund zum streiken ist es halt auch nicht und es trifft genau die Falschen!
LG
Micha
Hallo zusammen,
ver.di hat im Tarifstreit für Donnerstag 22.08.2013 zu eine zentralen Kundgebung in Minden aufgerufen, hier soll auch der Gewerkschaftschef Frank Bsirske reden.
Die ideale Gelegenheit fürs Gewerbe eine Gegendemonstration zu organisieren!!!
VG Padler
Es scheint so als ob die besten Schiffer an Land stehen und Fotos machen! Pro Null Promille in der Binnenschifffahrt für die gesamte Besatzung! und Contra Schleusenstreik!
Moin,
zum Thema was die WSV hier im Ruhrgebiet noch macht u.a. sie stellt die Wasserversorgung der westdt. Kanäle sicher. Dazu gibt es noch Infomaterial beim WSA Duisburg -Meiderich das ist unter Broschüren und Veröffentlichungen zu finden.
Ich denke es wird vielen nicht bekannt sein, was mit dem Wasser in den Ruhrgebietskanälen alles gemacht wird, ausser das Schiffe drauf schwimmen.
Die Ruhrgebietskanäle sind Multifunktionsfähig und werden als Bundeswasserstrassen für die Schifffahrt, Fernwasserleitung für Lippe und Industrie im Ruhrgebiet und Naherholungsgebiet bzw. Badeanstalt für die Einwohner genutzt.
Das geht nicht mit einer Autobahn oder Eisenbahntrasse.![]()
Gruß Norbert
Zu fällen einen schönen Baum, braucht 's eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk' es, ein Jahrhundert.
Eugen Roth
Hi,
@Norbert: genau - und so ist es in anderen Regionen Deutschlands auch. Die Aufgaben sind vielfältig, aber die Kosten werden alle der Schifffahrt zugerechnet. Am liebsten hätte der Herr Ramsauer ja, daß alles von den Nutzern finanziert wird, aber das wird so beim nassen Verkehrsträger nicht funktionieren. Also ist für ihn die Schifffahrt nicht nur lästige Konkurrenz zur Bahn sondern auch ein leidiger Kostenfaktor. Deswegen reißt er sich für die Schifffahrt auch kein Bein aus, außer wenn er ihr Steine in den Weg werfen kann.
@Padler: Ja das wäre eine gute Sache. Da müßten nur mal alle mitmachen!
LG
Micha